Test: Zerberus Guitars Dragon Ltd. Edition

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(Bild: Dieter Stork)

Seit 44 Jahren baut Frank Scheucher in Speyer E-Gitarren und unter dem Label Zerberus Guitars vorrangig Custom-Shop-Modelle mit eigenständigen Designs. Während der Corona-Not und im Zuge von Gaspreis- und Strompreisbremsen wuchs die Idee einer Gitarrenpreisbremse.

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Aus dem Zerberus-Portfolio wählte Frank sein Lieblingsmodell, die Dragon, legte den Endpreis auf € 1699 bzw. € 1799 fest und begann mit der Kalkulation, die sich für eine Gitarre mit Custom-Shop-Ansprüchen erwartungsgemäß als echte Herausforderung entpuppte. Um dem Nachhaltigkeitsgedanken gerecht zu werden, entschied er sich für Ebonol als Griffbrettmaterial. Diese hochverdichtete Verbindung aus Phenolharz und schwarzem Papier hat sich inzwischen aufgrund ihrer Härte, Stabilität, Klangeigenschaften und des Ebenholz-ähnlichen Aussehens im Gitarren- und Bassbau etabliert.

Das erklärt aber immer noch nicht die sensationellen Preise der in limitierter Auflage von je 30 Fixbridge- und Vibrato-Modellen angebotenen Dragons. Lassen wir also die Katze aus dem Sack: Ein weltweit ob seiner hohen Qualitätsstandards gelobter, renommierter koreanischer Hersteller liefert die fertig lackierten Rohlinge, die in der Zerberus-Werkstatt in liebevoller Handarbeit bestückt, komplettiert und veredelt werden.

WÖLKCHENAHORN

Neben dem extravaganten Design der Dragon fällt natürlich zuerst die atemberaubende Maserung des dreidimensional erscheinenden Quilted-Maple-Deckenfurniers ins Auge, das vom transparenten Sapphire Blue perfekt in Szene gesetzt wird. Alternativ stehen die Farben Emerald Green und Ruby Red zur Wahl. Mit Ausnahme der Kopfplattenfront wurde unsere Testgitarre komplett blau lackiert und makellos hochglänzend poliert.

Mitsamt des Furniers bringt es der dreiteilige Mahagoni-Body auf 45 mm Dicke. Während die Rückseite bis auf einen Belly Cut flach belassen wurde, hat man die Deckenränder großzügig facettiert, sodass gleichzeitig eine abgeschrägte Armauflage entstand. Im rückseitigen, Oberkante bündig abgedeckten E-Fach trifft man auf sauber verdrahtete wertige Komponenten. Allein der vom Hersteller erwähnte Abschirmlack entzieht sich meiner Inaugenscheinnahme, zumal der Innenanstrich keinerlei elektrische Leitfähigkeit aufweist, und ohnehin kein Kontakt zur Alufolie des Deckels besteht.

Ergonomischer Halsübergang (Bild: Dieter Stork)

Die Position der in die Zarge eingelassenen zuverlässig packenden Rohrklinkenbuchse ist mit Bedacht gewählt. Steht nämlich die Dragon auf einem Ständer mit Halsstütze und Schwenkgabel, verhindert der angeschlossene Stecker eventuelles Verrutschen. Als Gurtpins finden Security Locks Verwendung, deren Gurtstücke zum Lieferumfang zählen. Montiert wurden sie neben der unteren Korpusspitze und auf der Rückseite des oberen Cutaway-Horns 7,5 cm vor der Spitze.

Dem eingeleimten, aus drei Ahornstreifen und zwei Mahagoni-Layern gesperrten Hals hat Zerberus einen fließenden Übergang spendiert, der zusammen mit den frontseitig facettierten Cutaways stressfreien Zugang zu den höchsten Lagen garantiert. Das nahezu spiegelnd polierte Ebonol-Griffbrett bietet 24 inkl. der Kanten vorbildlich bearbeiteten Medium-Jumbo-Bünden Platz. Während weiße Sidedots die Navigation erleichtern, dient das bunt schimmernde Dragon-Abalone-Inlay, das sich über die Bünde 4 bis 12 erstreckt, allein der Optik.

Dragon-Inlay auf poliertem Ebonol-Griffbrett (Bild: Dieter Stork)

Ein auf beste Saitenlage abgerichteter GraphTech-Black-Tusq-Sattel führt die Saiten über die Halsstab-Abdeckung hinweg zu den präzise und smooth arbeitenden Tunern, bei denen die Saiten per Daumenrad festgeklemmt werden. Gelabelt sind sie nicht, ich hätte sie glatt für Gotohs gehalten. Auf der Kopfplattenfront hat man das Zerberus-Logo aus Abalone intarsiert. In Höhe des Sattels verstärkt ein dicker Kragen den Übergang zur rückwärtig geneigten Kopfplatte. Als Steg kommt eine Wilkinson Roller Bridge zum Einsatz, die komplett arretierbar ist und die Saiten über rundum gekerbte Rollen führt.

Reglerknöpfe mit Abalone-Ringen (Bild: Dieter Stork)

Zwei koreanische Kammerstein-Soulwire-1-Humbucker wandeln die Saitenschwingungen. Verwaltet werden sie mittels Master-Volume- und Master-Tone-Potis und Dreiweg-Toggle-Schalter. Beide Potis bieten Pull/Push-Funktionen, die die innen liegenden Humbucker-Spulen deaktivieren. Geschmackvolles Gimmick: Die großen Acryl-Reglerknöpfe besitzen ringförmige Abalone-Inlays.

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