Hohepriesterin

Test: Washburn Parallaxe PXZ-200B Priestess

Washburn Parallaxe
FOTO: Dieter Stork

Mit seiner Parallaxe-Modellreihe möchte Washburn nach eigenen Aussagen verstärkt in den Rock/Metal-Markt eindringen. Obwohl … Der Hersteller hatte auch schon davor eine ganze Flotte von Instrumenten, die bei Musikern des beinharten Genres überaus beliebt waren und immer noch sind.

Welches Gitarren-Design der Priestesse als Vorbild diente, ist offensichtlich. Die gute alte Firebird brachte mit ihrem vom Auto-Designer Raymond Dietrich entworfenen Offset-Body und Reversed Headstock gerade mal für die Jahre 1963-65 frischen Wind in das leicht angestaubte Gibson Line-Up. Im Grunde handelte es sich ja um eine „entschärfte“ Explorer, wenngleich die Bauweise eine völlig andere war. Neck Thru galt damals schon fast als revolutionär. Bei der Parallaxe hat Washburn dieses Konstruktionsmerkmal jedoch durch einen eingeleimten Halsfuß ersetzt und die stufenförmige Erhöhung der mittleren Korpuspartie zumindest deckenseitig beibehalten.

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basis

Sieht man mal vom polierten Ebenholzgriffbrett ab, entpuppt sich die PXZ200B als reines Mahagoni-Konstrukt. Ergonomische Facetten gibt es lediglich in ihrem Cutaway- und meinem Rippenbereich, und den Halsübergang hat man angenehm fließend gestaltet. Ein ovales Zargenblech trägt die stramm zupackende Klinkenbuchse, große Knöpfe sichern den Gurt. Auf der Rückseite verschließt ein Kunststoffdeckel das schmale abgeschirmte E-Fach Oberkante bündig, die Reglerknöpfe hat man ein Stück weit in die Decke eingelassen.

Washburn Parallaxe
FOTO: Dieter Stork
Vorbildlich bearbeitete Bundkanten

24 fette Jumbo-Bünde bevölkern das Ebenholzgriffbrett, allesamt perfekt eingesetzt, rund abgerichtet und penibel poliert. Das kann sich sehen lassen. Kleine Punkte erleichtern die Orientierung, ein Feuervogel-ähnliches Parallaxe-Inlay schmückt den Oktavbund. Über einen bestens aus- und abgerichteten selbstschmierenden Graphitsattel gelangen die Saiten zu den Grover Rotomatic Tunern, die mit ihrer feinen 18:1 Untersetzung präzises Stimmen ermöglichen. Korpusseitig finden ein Tune-o-matic-Steg mit relativ großem Oktavjustierbereich und das traditionelle Stoptail Verwendung.

Washburn Parallaxe
FOTO: Dieter Stork
Parallaxe-Inlay im 12. Bund

Die Schwingungswandlung übernehmen zwei Duncan Designed Humbucker, die mittels zweier Volume-, eines Master-Tone-Reglers und Dreiwegschalter kontrolliert werden. Mit seinem Coil Split ermöglicht der im Tone-Poti integrierte Pull-Push-Schalter zwei zusätzliche Sound-Varianten. Jedoch lässt dieser allein die Halsspule des Steg-Humbuckers verstummen, der Hals-Pickup bleibt indes außen vor. Ich bin sicher, dass die meisten Gitarristen eher einen splitbaren Hals-PU vorziehen würden. Eine als Pickguard dienende Aluplatte deckt die großzügig gefräste Kammer des soliden Toggle Switch ab.

Washburn Parallaxe
FOTO: Dieter Stork
Ergonomischer Halsübergang

Die Gitarre wurde tadellos verarbeitet. Bünde, Sattelabrichtung, Lackierung, Politur – alles tiptop.

spielbar?

Während die PXZ-200B auf dem Bein perfekte Balance zeigt, gibt sie sich am Gurt leicht kopflastig. Bei einer original Firebird gibt es nicht zuletzt aufgrund der schweren Banjo-Mechaniken diesbezüglich stets größere Probleme. Alles im grünen Bereich also. Weniger erfreulich ist jedoch, dass man die präzise arbeitenden Mini-Grovers viel zu dicht nebeneinander positioniert hat. Klar, deren Anordnung lässt aufgrund des parallelen Saitenverlaufs hinter dem Sattel und der Kopfplattengröße wenig Spiel. Fakt ist jedoch, dass sich selbst die kleinen Grover-Knöpfe nur wenig komfortabel handhaben lassen, da man beim Stimmen, erst Recht aber beim Aufziehen der Saiten, ständig mit den Nachbarn kollidiert, und zwar sowohl mit den Fingern als auch mit einer Saitenkurbel.

Washburn Parallaxe
FOTO: Dieter Stork
Eng positionierte Tuner

Anderes Thema: Die Parallaxe wurde vom Vertrieb mit D‘Addario EXL 158 Baritone Light Strings (013-062!) angeliefert, zu meiner Überraschung aber mit Standard E-Tuning. Folglich war der Hals wie ein Flitzebogen gekrümmt, die Sattelkerben allerdings den dicken Trossen angepasst. Bespielbar? Mitnichten. Also flugs 10-46er aufgezogen und Hals und Saitenlage nachjustiert. Das Halsprofil erinnert an einen typischen Firebird-Hals. Angenehm ovales C, nicht zu dick und daher eher breit erscheinend. Liegt jedenfalls vorzüglich in der Hand, auch wenn die Dicke bis zum fünften Bund vier Zehntel abnimmt und danach wieder 1,5 mm zunimmt.

Die PXZ-200B gibt sich sehr lebendig, was sich in intensiven aber gleichmäßigen Schwingungen, direkter Ansprache, spontaner Tonentfaltung und achtbarem Sustain äußert. Unterm Strich bietet sie also eine gesunde Dynamik. Unverstärkt kommt sie kraftvoll und rund, mit guter Balance und reichem Obertongehalt daher.

Der koreanische Duncan Designed Hals-Humbucker HB-101n stellt quasi das preisgünstige Pendant zum Seymour Duncan SH-1 Model 59 dar, während der HB-103b dem SH-6 Duncan Distortion nachempfunden wurde. Am cleanen Verstärker liefert der Hals-Pickup warme, runde, glockige Klangbilder, deren Bässe aufgrund der leicht versetzten 24-Bund-Position nicht ganz so tief angesiedelt sind. So bringt er nicht nur transparent perlende Akkorde, sondern auch sehr schöne bluesige Sounds zu Gehör.

Der deutlich lautere Steg-Humbucker präsentiert sich trotz seiner dominanten Mitten straff und knackig in den Bässen, klar in den Höhen und glänzt mit einem breiten Obertonspektrum. Nimmt man ihm mittels Coil Split die Halsspule, wird das Klangbild erheblich schlanker – ja sogar beinahe twangy. Mit drahtigen Bässen, präsenten Höhen und Obertönen spratzt es recht glasig aus den Lautsprechern – für eine Mahagonigitarre ein eher ungewöhnlicher, wenn auch eigenständiger Sound. Während die Kombi beider Humbucker eine etwas schlankere und spritzigere Variante eines Humbucker-Pärchens zu Gehör bringt, lässt die Vereinigung von Coil-Split und Hals-HB deutliche Tele-Anleihen erkennen. Gleichermaßen geschmack- wie charaktervoll.

Zerr-Sounds übertragen beide Duncan-Design-Humbucker ohne klangqualitative oder gar dynamische Einbußen: Definierte, niemals mulmende Bässe und durchsetzungsstarke, klare, singende Mitten und Höhen beim Hals-Pickup, dessen breites Obertonangebot Akkorde luftig und transparent hält. Der deutlich höhere Output des Steg-Humbuckers fällt im Zerrbetrieb weniger auf. Hier besitzt die Priestess ihre eigentlichen Stärken, indem sie mit fetten aber dennoch durchsetzungsstarken und dynamischen, vor allem aber Sustain-reichen Chords und aggressiven Leadsounds Muskeln zeigt.

Im Split Mode erscheint mir die Stegspule des Humbuckers etwas zu bissig. Zerrtechnisch sollte man ihr daher maximal Crunchsounds zumuten. Per Anschlag und mithilfe der gleichmäßig agierenden Volume-Potis lassen sich Zerrintensität und Ausgangspegel vorzüglich kontrollieren. Allein der Tone-Regler gibt sich lange recht nuanciert, um erst auf den letzten Millimetern gegen Null die Höhen wirkungsvoll zu filtern.

resümee

Mit der Parallaxe PXZ-200 Priestess schickt Washburn eine eigene Firebird-Variante ins Rennen, die weniger auf Blues als auf beinharten Rock gepolt ist, obgleich sie Ersteren keineswegs verschmäht. Sie punktet mit exzellenten Schwingeigenschaften, perfekter Verarbeitung, hohem Spielkomfort und einem breiten Angebot an guten Sounds. Dennoch muss sie sich auch Kritik gefallen lassen. So lassen sich die Tuner-Knöpfe wegen der engen Anordnung wenig komfortabel handhaben. Zudem würde ich, wie sicherlich andere auch, bei nur einer einzigen Split-Möglichkeit die des Hals-Humbuckers präferieren.

Washburn Parallaxe
Washburn Parallaxe

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(erschienen in Gitarre & Bass 07/2018)

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