Produkt: Jimi Hendrix Story
Jimi Hendrix Story
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Blues Machine

Test: Stanford Thinline 30

Stanford Thinline 30(Bild: Dieter Stork)

In der Crossroad-Serie präsentiert Stanford eine Reihe von traditionell angelehnten akustischen und halbakustischen E-Gitarren mit klassischem Flair. Liebhaber von Jazz und allem, was irgendwie blau oder im besseren Sinne amerikanisch klingt, kommen damit voll auf ihre Kosten, ohne gleich den finanziellen Blues zu kriegen. Obwohl selbst das ja auch helfen kann beim musikalischen Baumwollpflücken: … she took my car and my money too … uh!

Der Name Stanford steht lange schon für gut gemachte und preiswerte Akustik-Gitarren. Das umfangreiche Steelstring-Programm wurde letztlich um die Crossroad Serie ergänzt, in der ausschließlich konventionell bewährte f-Loch-Designs zu finden sind.

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Stanford Thinline 30
Kraftvolle Dog-Ear-Pickups (Bild: Dieter Stork)

seriöse konstruktion, gute ausstattung

Mit dem Double-Cutaway-Modell Stanford Thinline 30 haben wir eine leichte Hollowbody mit schmaler Zarge von nur gut 4,2 cm Tiefe im Randbereich in der Hand. Der mit leichten Konturen für Decke und Boden in Form gepresste Korpus aus laminiertem Ahorn erhielt cremefarbene Bindings und traditionelle f-Löcher, die auch einen Blick auf die saubere Arbeit an den Verbindungen der Korpuselemente mit geschlitzten Reifchen gewähren.

Der wohlgeformte Hals aus Ahorn ist in Höhe des 19. Bundes in den Korpus eingeleimt. Das cremefarben eingefasste Griffbrett aus Ebenholz ist mit 22 klaglos sauber verarbeiteten Bünden mittlerer Stärke ausgestattet; Dots an den üblichen Stellen markieren die Lagen. Lediglich der obere Teil des im Winkel schlank herausgeführten Kopfes ist angesetzt, klassische Kluson-Mechaniken mit Tulpenflügeln ergänzen die Ausstattung stilgerecht.

Die Saiten schwingen mit einer Mensurlänge von 628 mm zwischen dem Sattel aus Knochen und einer konventionellen Tune-o-matic-Bridge. Eingehängt werden sie in das hinten auf die Zarge geschraubte klassische Trapeze-Tailpiece.

Elektrik: zwei P-90-Dogear-Singlecoil-Pickups mit Alnico-Magneten sind mit ihren Plastikkappen auf die Decke geschraubt. Sie werden von einem Dreiwege-Toggle-Switch wie gewohnt einzeln oder zusammen geschaltet. Zur elektrischen Verwaltung stehen individuelle Volume- und Tone-Regler zur Verfügung. Die rundum akkurat verarbeitete Gitarre ist in nostalgisch schönem Antique Vintage Burst (Nitro) seidenmatt dünn versiegelt und wird in einem festen Koffer ausgeliefert.

Stanford Thinline 30(Bild: Dieter Stork)

vertrautes spielgefühl – vintage-sounds

Die Stanford Thinline 30 ist mit nur 2,5 kg ausgesprochen handlich und sorgt sofort für ein vertrautes Spielgefühl. Das verdankt sie nicht zuletzt auch dem sehr schön ausgewogen gestalteten Halsprofil mitsamt der guten Bundierung und Saitenlage, was sofort griffig in Gewöhnung genommen wird. Akustisch angeschlagen verweist die Thinline mit profundem Klangambiente sofort auf ihre stimmige Konstruktion, denn was zum Ohr kommt ist hochklassig und ausgewogen. Mit sehr schöner Rundung und Transparenz öffnen sich Akkorde, das Timbre ist weich und doch frei, die Tonentfaltung leicht und die Schwingfreude bemerkenswert. Das lässt sich also richtig gut an und erhebt hohe Erwartungen an die elektrische Kompetenz der Gitarre.

Der P-90 Singlecoil ist von Haus aus ja schon so ein trocken ehrlicher Geselle, der mit seinem runden warmen Glockenton schon so manchem dunklen Blues-Gefühl ein heilendes Pflaster aufgeklebt hat. Bei der Thinline 30 zeigt sich der verbaute Dog-Ear-Pickup sich im Clean-Kanal noch gefällig und handzahm, kommt dir also empfindsam mit rundem Perlton entgegen. Sobald du die sensible Gemütslage überwindest und dich dem Schicksal mit erhobener Stimme stellst, geht er aber auch sofort mit.

Auf mittelböse Einstellungen reagiert er nämlich mit herzhaftem Crunch, mit einem schönen Schmelz kraftvoll angeschlagener Noten, welche sich trotz der Interferenzen bei kleinen Intervallen herzlich umarmen und dabei wunderbar plastisch ineinandergreifen. Der Anschlag wird dabei pointiert herausgestellt, mit der rechten Hand lässt sich der schnell und willig reagierende Ton dynamisch gestalten.

Auch im stärkeren Zerrmodus sind dann sehr schön luftig knurrende Sounds zu erzielen, solange wir es in Sachen Lautstärke nicht übertreiben. Denn konstruktionsbedingt kommt es natürlich recht schnell zu Feedbacks, aber dieser Effekt gehört auch zum Charme dieses Gitarrentyps und lässt sich in gewisser Weise sogar funktionalisieren.

Der Dog Ear am Steg ist da schon eher ein Geselle von der schärferen Sorte. Der kommt uns ganz schön frech daher, setzt mit der trockenen Bassfaust von unten den Uppercut und führt von oben herab auch noch die scharfe Klinge auf dein Haupt. Die Mischung aus bissiger Angriffslust und Federkraft ist jedenfalls schlagend. Was klar gespielt noch rhythmisch präzise und pikant trocken daherkommt, baut sich in heißeren Einstellungen zu bissiger Attacke aus. Der Ton bleibt dennoch gut formbar, reagiert spontan auf jede Plektrumbewegung und verfügt über jede Menge Drive.

Die leichte Reizbarkeit der Saite sorgt für kraftvolle Perkussion und spontan vorschnellende Noten. Das alles ist von höchst vitaler Kraft, findet aber seine Grenze, wie zuvor schon bemerkt, auf einem mittleren Lautstärke-Level. Nun, wer mehr Zerre und Lautstärke braucht, der kann ja zum rückkopplungsresistenten Stanford-Modell Thinline 35 mit Sustainblock greifen, aber das ist natürlich nicht nur tonfarblich eine andere Nummer.

Stanford Thinline 30
Gebundenes Ebenholzgriffbrett mit sauberer Bundierung (Bild: Dieter Stork)

resümee

Das Modell Thinline 30 von Stanford kann ohne Frage auch hohe Ansprüche an das ihr zugesprochene Genre erfüllen, was keineswegs heißt, dass diese BluesMaschine nicht auch noch mit ganz anderen Zungen zu sprechen vermag. Die detailgenau gefertigte Thinline belohnt ihren Spieler nicht nur mit hervorragenden Spieleigenschaften, sie trumpft auch noch mit eben jenem trockenen, warm schmatzenden Ton auf, der schon seit den 50er-Jahren mit Recht bleibende Fans finden konnte, darunter viel Prominenz. Die authentisch und Vintage-gerecht aufgemachte Gitarre kann im gesetzten Rahmen auf ganzer Linie überzeugen und das bei einem sehr günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fazit: Gutes Instrument von klassischem Charme – zum persönlichen Test empfohlen!

PLUS
• attraktives Retro-Design
• offenes Schwingverhalten
• gute Saitentrennung
• Dog Ear Pickups
• perkussive Sounds
• gefälliges Halsprofil
• Spieleigenschaften
• gute Verarbeitung
MINUS
• Feedback-Anfälligkeit (konstruktionsbedingt)

Stanford Thinline 30

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2019)

Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?

Kommentar zu diesem Artikel

  1. So eine hab ich auch. Ich finde, sie lässt sich absolut super spielen, wie man so schön sagt, der Sound ist richtiggehend glockenhaft. Ich spiele sie nur clean oder leicht angezerrt, für highgain ist sie nicht gemacht oder auch nur gedacht. Ebenso nicht für totale Lautstärken. Wenn man damit leben kann, ist sie ein zuverlässiger Begleiter und macht viel Spaß. Einziger Nachteil ist für mich, das sie bei Bendings nicht 100% stimmstabil ist, aber das lässt sich immer problemlos während dem Spiel nachstimmen.
    Ich schließe mich also dem Autor an, eine tolle Gitarre.

    Micky

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