Upgraded

Test: Shure GLX-D16+ Dual Band Digital Wireless Guitar Pedal

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(Bild: Dieter Stork)

Nach fast acht Jahren befand Shure, dass es offenbar an der Zeit sei, uns Gitarrist:innen und/oder Bassist:innen eine überarbeitete Version seines GLX-D16E Wireless-Systems ans Herz zu legen. Um dem stetig zunehmenden Einsatz von WLAN und Bluetooth entgegenzuwirken, funkt das neue Shure GLX-D16+ gleichzeitig in den lizenzfreien 2,4 und 5,8 GHz-Bereichen, verdoppelt damit die Bandbreite und sucht dabei permanent nach der optimalen Frequenz. Schauen und hören wir uns das Update also mal an.

Die heutigen digitalen Wireless-Systeme verzichten gänzlich auf (oftmals hörbar pumpende) Kompressor/Expander-Schaltungen, und die immer schnelleren Wandler lassen Latenzen beinahe vergessen. Allerdings reagiert die Digital-Wireless-Technologie empfindlicher auf bauliche Hindernisse, sodass die Funkstrecke oftmals durch kurzzeitige Dropouts unterbrochen wird, was im Live-Betrieb mehr als störend sein kann. Da jedoch Brandschutztüren, dicke Wände und Ähnliches im relevanten Bühnenbereich eher selten anzutreffen sind, priorisieren User:innen inzwischen Aspekte wie Klangqualität, Rauscharmut und praktische Zusatzfunktionen.

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ROBUST

Bereits das Gewicht des Taschensenders und des pedalförmigen Empfängers lassen erkennen, dass Shure nach wie vor Wert auf Langlebigkeit legt. Beide sind von pulverbeschichteten Alu-Spritzgussgehäusen umgeben, allein die Antennenabdeckungen – am Sender ein kleiner Stummel, zwei Erhebungen auf dem Empfänger, die gleichzeitig das Display schützen – bestehen aus Kunststoff. Metall würde schließlich die Übertragung beeinträchtigen.

Der Empfänger steht auf rutschhemmenden Gummipads, stirnseitig finden sich der Netzteilanschluss sowie Input und Output in Form stramm packender Klinkenbuchsen. Den Input habe ich beim Vorgängermodell vermisst, gestattet er es doch im Proberaum, auf kleinen Bühnen, bei Übertragungsproblemen oder während der Sender geladen werden muss, spontan ein Kabel anzuschließen.

Dabei wird das Eingangssignal auch dann am Ausgang ausgegeben, wenn die Stromzufuhr des Empfängers unterbrochen ist. Ein etwas umständlich zu öffnender Gummideckel schützt auf der linken Gehäuseseite eine USB-C-Buchse für Firmware-Updates. Auf einen Power-Schalter hat Shure verzichtet, da bei Belegung des Outputs der per Netzteil versorgte Empfänger aktiv wird.

Das farbige Display, dessen Leuchtstärke variiert werden kann, ist von den vier Tastern Mode, Link, Group/Up und Channel/Down umgeben. Letztere dienen neben der Wahl von Übertragungsgruppen bzw. -kanälen auch zum Einstellen von Parametern bzw. derer Werte. Der Fußtaster aktiviert den Tuner, der sich im Mode-Menü vielfältig konfigurieren lässt:

1. Nadel- oder Stroboskop-Anzeige

2. Output: Live, Mute, Both, A/B

3. Display-Helligkeit (Auto, 1, 2, 3)

4. Detune (+5/-6 Halbtöne)

5. Sharps und Flats (Anzeige von # oder b neben den Noten)

6. Referenztonhöhe (432-447 Hz)

Noch eine Info zum Parameter „Output“: Dieser legt fest, ob während des Stimmvorgangs das Eingangssignal zu hören ist (Live) oder nicht (Mute). Unabhängig davon, ob der Ausgang stummgeschaltet ist oder nicht, ist im Both-Betrieb der Tuner ständig aktiv. Im A/B-Mode, der zum Testzeitpunkt im ausführlichen Online-Manual leider nicht erwähnt wird, wechselt der Fußtaster zwischen Funk- und analogem Empfänger-Input, während die Stimmfunktion nicht zur Verfügung steht.

Bei inaktivem Tuner zeigt das leuchtstarke Display die aktuellen Gruppen- und Kanalnummern an. Die Pegelanpassung des Senders an das angeschlossene Instrument wird empfängerseitig in 1-dB-Schritten von -20 bis +40 dB eingestellt und dabei an den Sender übertragen. Etwaige Übersteuerungen signalisiert die grüne Audio-LED des Empfängers durch schnelles Blinken. Drückt man die Taster Group und Channel gleichzeitig, lassen sich die Bedienelemente beider Komponenten gegen versehentliches Betätigen sperren.

Sender: Gut geschützt: On/Off-Schalter (Bild: Dieter Stork)

Zwischen Antenne und verschraubtem Mini-XLR-Eingang des Senders befindet sich ein winziger aber dennoch problemlos zu bedienender On/ Off-Schalter und eine dreifarbige LED für Status und Akkuzustand. Ein seitlicher Gummieinsatz deckt den USB-Ladeanschluss und den Link-Taster ab, der die Fern-ID-Funktion zur manuellen Identifizierung von Sender- und Empfängerpaaren aktiviert. Ein Schieber an der Unterseite öffnet den Gussdeckel des Akkufachs.

Um den Lithium-Ionen-Akku bzw. Ersatzakkus auch außerhalb des Senders laden zu können, bietet Shure separate Ladestationen an. Sehr komfortabel ist die siebenfache Akku-Zustandsanzeige im Empfänger-Display. Bei voller Ladung, die bis zu elfeinhalb Stunden Betrieb garantiert, leuchten beispielsweise sieben LEDs, vier LEDs signalisieren sechs Stunden, zwei LEDs zwei Stunden, eine noch 30 Minuten. Das zum Lieferumfang zählende USB-Netzteil lädt den Shure-Akku in drei Stunden voll auf, für drei Betriebsstunden würden beispielsweise 30 Minuten Ladedauer ausreichen, für anderthalb Stunden gerade mal 15 Minuten.

Sender: USB-Lade-Port und Link-Taster
Empfänger: USB-C-Anschluss

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ON AIR

Blitzschnell ist das Shure GLX-D16+ am Start. Dazu steckt man das Netzteil oder die Stromversorgung des Pedalboards und das Output-Kabel in den Empfänger, schließt den Sender am Instrument an und schaltet ihn ein. Nach spätestens drei Sekunden haben sich beide gefunden.

Werksseitig ist der Input-Gain auf 0 dB eingestellt (Eingangspegel = Ausgangspegel), was in der Regel ausreicht. Alle Settings werden durch Betätigen des Fußtasters gespeichert und bleiben nach dem Ausschalten erhalten, auch die senderseitigen. Um eine vollständig interferenzfreie Übertragung gewährleisten zu können, sendet das GLXD16+ stets parallel auf drei Frequenzen. Wird eine davon unterbrochen, steht immer noch 100% Klangqualität zur Verfügung, während im Hintergrund auf eine störungsfreie dritte Frequenz umgestellt wird.

Sollen mehrere GLX-D16+-Systeme simultan zum Einsatz kommen, sind im Mix aus 2,4 und 5,8 GHz fünf bis elf Funkstrecken parallel möglich. Die maximale Anzahl von elf Systemen ist jedoch nur dann realisierbar, wenn die Umgebung völlig WLAN/ Bluetooth-frei ist, was heutzutage eher unwahrscheinlich ist. Beim Parallelbetrieb mehrerer Systeme empfiehlt sich die Fern-ID-Funktion, mit deren Hilfe verbundene Sender- und Empfängerpaare in Systemen mit mehreren Empfängern identifiziert werden können.

Um die Schwächen digitaler Wireless-Systeme wissend, bewege ich mich beim Dropout-Check auf derselben Etage. Während im benachbarten Raum noch alles im grünen Bereich ist, sind nach Durchschreiten der Türe zum nächsten Zimmer erste Audioaussetzer zu vernehmen. War ja auch zu erwarten. Somit empfiehlt es sich, halbwegs auf Sichtkontakt zum Empfänger zu achten.

Hinsichtlich Signalqualität, Klangneutralität, Dynamik, Rauschen und Latenzen zeigt sich das Shure GLX-D16+ von seiner Schokoladenseite. Sogar die Übertragung eines fünfsaitigen E-Basses lässt weder Klang- noch Dynamikeinbußen erkennen. Insgesamt erscheint der Sound um Nuancen klarer und luftiger als der meines sechs Meter langen Referenzkabels.

Eine Cable-Tone-Simulation, die die Klangeinbußen unterschiedlich langer Kabel nachbilden soll und von diversen Mitbewerbern angeboten wird, vermisse ich nicht. Die um 180° umkehrbare Sender-Gürtelklammer aus Federstahldraht sitzt extrem stramm, allzu dick sollte der Gürtel bzw. Instrumentengurt also nicht sein. In beiden Anzeigearten (Nadel oder Stroboskop) reagiert der Tuner schnell, mit ruhigem Display und hoher Präzision von +/-1 Cent auf eingehende Signale.

Besonders vorteilhaft ist, dass sich die Leuchtstärke neben Automatik (Helligkeitssensor) in drei Stufen einstellen lässt. Das Display ist auf Stufe drei selbst bei Sonneneinstrahlung noch sehr gut zu erkennen.

Empfänger: Bedienfeld mit leuchtstarkem LED-Display (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Shure hat bei der Überarbeitung des Vorgängers GLX-D16E primär den Fokus auf die Übertragungsqualität und -sicherheit gelegt. So funkt das neue GLX-D16+ Dual Band wahlweise im 2,4 und/oder 5,8 GHz-Bereich und zwar mit allerbester Signalqualität, neutralem Klang, ausgezeichneter Dynamik, kaum vernehmbarem Rauschen, vernachlässigbaren Latenzen und Dropout-freier Übertragung bei Sichtkontakt.

Während Parameterzahl, Konfigurierbarkeit und Bedienung nahezu unverändert blieben, wurden die USB-Anschlüsse auf das praktischere C-Format umgerüstet. Offenbar hat sich Shure die Kritiken von Testern und Usern zu Herzen genommen und den Klinken-Input installiert, der bei Bedarf spontane Kabelbenutzung ermöglicht, sogar dann, wenn die Stromzufuhr des Empfängers unterbrochen ist.

Neben seinen Übertragungsqualitäten überzeugt das Shure GLX-D16+ mit schneller Einrichtung, intuitiver Bedienung, informativem wie leuchtstarkem Display, flexibel einsetzbarem Tuner, Akkubetriebszeit von bis zu elfeinhalb Stunden sowie robuster Konstruktion und top Verarbeitung aller Komponenten.

PLUS

● Übertragungsqualität im Sichtkontaktbetrieb
● Klang & Dynamik
● nebengeräuscharm
● Tuner & weitere Funktionen
● Empfängerformat
● flexible Stromversorgung (Empfänger)
● robuste Gussgehäuse
● bis zu elfeinhalb Stunden Akkubetrieb
● Ausstattung
● Handhabung
● Verarbeitung

MINUS

● beiliegender User-Guide wenig informativ

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2023)

Produkt: Gitarre & Bass 1/2024
Gitarre & Bass 1/2024
IM TEST: Bacci Guitars Leonardo Dual Output Bariton +++ Guild Starfire VI Special +++ Fender Vintera II Telecaster Bass +++ Taylor 814ce Builder's Edition +++ Crazy Tube Circuits Motherload Fuzz +++ Spector Ethos 5 HP +++ Three Bananas Amplification Galaktopus +++ Tube WorkShop BassBoy +++ Poly Effects Josh Smith Flat V

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