Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Geisterbeschwörung zum Spartarif

Test: Shaman DCX-100B & SCX-100B

Shaman DCX-100B & SCX-100B(Bild: Dieter Stork)

Gerade am Anfang muss es jungen Spielern möglichst leicht gemacht werden, damit sie den nötigen Spaß am Spiel entwickeln können. Dem ersten Instrument kommt also große Bedeutung zu, auch wenn es nicht zu teuer sein darf. Was also ist dran an der Behauptung Shamans, hohe Qualitätsstandards zum kleinen Preis zu setzen? Wir kriegen das jetzt raus …

Pressetext: „Die Gitarren der Element-Serie werden in der indonesischen Shaman-Manufaktur weitestgehend von Hand hergestellt. Erfahrene Gitarrenbauer und fair behandelte Arbeitskräfte garantieren einen nachhaltig hohen Qualitätsstandard.“ Hm, das ist nicht wenig versprochen für Gitarren die keine € 240 kosten.

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Schlichte Optik – spielpraktisch korrekte Ausrichtung

Die beiden vorliegenden Modelle DCX-100B und SCX-100B aus der Shaman-Element-Reihe erinnern von der Silhouette her nicht ohne Grund an beliebte amerikanische E-Gitarren-Designs. Die in den Bauweisen Double Cut und Single Cut gefertigten Versionen sind im Grunde sehr ähnlich aufgebaut, wobei man auch auf vergleichbare Materialien und Zutaten zurückgriff. Sie treten jeweils mit einem planen Korpusbrett aus Lindenholz an, aber Überraschung: der der Double Cut ist mit 45,5 mm einen Zentimeter dicker als der der LP-Style Single Cut mit 44,5 mm. Nur der SG-Style Body bekam auch Konturen im Bereich der Ränder von Decke und Boden.

Die eingeleimten und sehr ähnlich beschaffenen Hälse aus Mahagoni mit Modern-C-Halsprofil wurden mit einem Griffbrett aus Macassar Ebony von 12″ Griffbrettradius kombiniert. 22 Jumbo Bünde zeigen jeweils bemerkenswert ordentliche Verarbeitung. Die gekapselten Mechaniken laufen anstandslos rund, der Double-Action-Halsspannstab ist vom Kopf her erreichbar. Über den Sattel aus weißem Graphit laufen die Saiten mit 63 cm Mensurlänge hinüber zur Tune-omatic Bridge mit Stopbar – bewährter Standard soweit.

Elektrik: Zwei in schwarzen Rähmchen auf die Gitarre geschraubte Humbucker ohne Kappen werden bei der Single-Cut-Variante von individuellen Volume- und Tone-Reglern kontrolliert, bei der Double-Cut-Version sind es dagegen einzelne, generell arbeitende Regler. Den 3-Weg-Schalter zur Pickup-Wahl finden wir bei der Single Cut auf dem Horn vorn oben, bei der Double Cut zwischen den Reglern unten.

Shaman DCX-100B & SCX-100B
DC Volume/Tone generell; SC Volume/Tone individuell (Bild: Dieter Stork)

An dieser Stelle ist eine Bemerkung zur offenbar nachlässigen Pickup-Montage fällig: beide Humbucker der SCX-100B Single-Cutaway-Version klunkerten in ihren Fräsungen herum, jeweils eine der offenbar etwas kurz geratenen Schrauben für die Höheneinstellung war aus ihren Fassungen gerutscht. Nicht schön, bei einem Neugerät erst einmal rumschrauben zu müssen, aber auch kein Beinbruch und schnell gerichtet. Der Blick in die isolierend ausgepinselten Elektrikfächer zeigt dann klaglos korrekte Verkabelungen der 500K Alpha-Pots.

Beide Instrumente verfügen auch noch über ein dreischichtiges Pickguard, natürlich mit jeweils modelltypischem Zuschnitt und entsprechender Montage. Die rundum deckend schwarz in High Gloss lackierten Gitarren sind zwar von grundsätzlich schlichter Natur, kamen aber spieltauglich eingestellt zum Test.

What you see is what you get

Beide Gitarren wiegen etwa 3,6 kg und hängen klaglos ausgewogen am Gurt. Wichtiger noch: Ihre nahezu identisch geformten Hälse bieten mit griffiger Profilierung, anständiger Abrundung der Griffbrettkanten und achtbar sauber gemachter Jumbo-Bundierung erstaunlich gute Spieleigenschaften. Mit den ersten akustisch angeschlagenen Akkorden erweisen sich die grundlegenden Klangeigenschaften ebenfalls als keineswegs flachbrüstig oder gar billig. Mehrklänge in den Grundstellungen kommen gut aufgelöst und mit unerwartetem Tiefgang zum Ohr. Lediglich in den unteren Lagen neigt die hohe E-Saite beim Double-Cut-Modell bei starkem Anschlag etwas zum Sirren, setzt also leicht an die darüber liegenden Bünde an, was den sehr tief gelegten Saiten geschuldet ist. Der Gitarrist muss sich entscheiden, ob er den Ton mit wenig Fingerdruck erzeugen, oder ihm eine freie Intonation bei etwas mehr Kraftaufwand zugestehen will. Spieler die noch am Anfang stehen, werden wohl eher den leichten Zugang bevorzugen.

Shaman DCX-100B & SCX-100B
Traditionelle TOM-Bridge mit Stoptail (Bild: Dieter Stork)

Ein gewisser Draht ist jedenfalls bei beiden Gitarren immer im Spiel und was das alles für den verstärkten Betrieb zu bedeuten hat, das hören wir jetzt: Natürlich können wir an die eingebauten No-Name-Humbucker keine Gourmet-Ansprüche stellen, legt man doch für so manches Marken-Pickup-Set deutlich mehr auf den Tisch, als für diese komplette Gitarre. Das eingedenk, müssen wir den Pickups einen durchaus gradlinigen Tontransport zugestehen, der bei klar eingestelltem Verstärker das ausgeglichene akustische Klangverhalten recht authentisch umsetzt.

Shaman DCX-100B & SCX-100B(Bild: Dieter Stork)

Über den Hals-Pickup gespielt lassen beide Gitarren ein transparent aufgelöstes Akkordbild hören, nicht besonders tiefgreifend, aber auch nicht flach. Damit lässt sich gut arbeiten, solange die rechte Hand die Saiten nicht zu stark attackiert. Nur dann neigt der Ton dazu, etwas spröde zu werden. Auch im Zerrkanal kommt ein achtbar stabiler, singender Ton zum Ohr, der mit einer guten Länge zu überzeugen weiß. Den Höhen fehlt es wohl an letzter Rundung, aber wer wollte das von diesen Pickups auch verlangen.

Shaman DCX-100B & SCX-100B(Bild: Dieter Stork)

Die Single Cut tönt übrigens im Vergleich zu ihrer Schwester über den Tonabnehmer am Hals gespielt etwas tiefgründiger, zeigt gute Substanz. Mit Wechsel auf den Bridge-Humbucker wird das Klangbild etwas hart, besitzt aber immer noch eine achtbare Transparenz ohne zuviel Kompression, aber mit einem netten Mitten-Quack. Dieser Pickup kommt bei der DCX-100B übrigens besser zur Geltung als in der Single-Cut-Variante. Der Akkord-Sound ist beim SG-Typ voller und runder; die SCX-100 kommt dagegen etwas drahtiger, aber weniger vital rüber. Gehen wir in den Overdrive-Modus lässt sich im Tieftonbereich gut sägen, will sagen: zerrende Powerchords stehen stramm im Raum, auch wenn wir in Sachen Dynamik leichte Einschränkungen hinzunehmen haben. Dennoch, es drückt gut und die Darstellung bleibt bei gleichmäßigem Anschlag kompakt und griffig. Unter Zerrbedingungen offenbaren sich dann leichte Schwächen im hohen Tonbereich: die Höhen erweisen sich als wenig geschmeidig, zeigen eine gewisse Härte. Das provoziert, beim Single-Cut-Modell wiederum deutlicher wahrnehmbar, starke Interferenzen im Spiel etwa mit Sekunden oder Septimen.

Trotzdem geht natürlich dann doch noch Einiges in Sachen Solospiel. Mit etwas zurückgenommenem Ton-Regler etwa lassen sich durchaus griffig präsente Linien inszenieren, die mit guten Rock-Genen zu beeindrucken wissen. Das ist nun wieder, gemessen am vorliegenden Preisniveau, aller Ehren wert. In Hinsicht auf die optimal mögliche Dynamikspanne (die teuren High End-Produkten vorbehalten bleibt) bewegen wir uns verständlicherweise eher in der unteren Hälfte, aber dennoch steht der Umsetzung von musikalischen Ideen absolut nichts im Wege. Einmal abgesehen von jenem tieferen Anspruch auf gestalterische Finesse, der erst mit musikalischer Reife wahrnehmbar, dann allerdings zunehmend wichtiger wird.

Shaman DCX-100B & SCX-100B(Bild: Dieter Stork)

Interessant am Ende zu wissen, dass aller formalen Unterschiede zum Trotz die geschmeidige Handhabung mit vergleichbaren Halsprofilen recht ähnlich ausfällt. Gut, der hohe Lagenbereich ist bei der Double Cut besser erreichbar und Unterschiede finden sich noch in den Konturen (DCX ja; SCX nein), als auch in der Regelmimik (DC Volume/Tone generell; SC Volume/ Tone individuell). Eine deutlichere Differenz lässt sich trotz ähnlicher Anlagen in der elektrischen Umsetzung feststellen. Die Single Cut punktet mit dem vollen Sound ihres Hals-Pickups, die Double Cut hat mit dem vitalen, etwas kraftvoller agierenden Tonbild ihres Steg-Pickups die Nase vorn. Das mag aber auch von Modell zu Modell schwanken und ist individuell zu überprüfen. Abschließend: das zuvor bemerkte Sirren der hohen E-Saite spielte am Amp kaum noch eine Rolle.

Resümee

Die Shaman-Modelle DCX-100B und SCX-100B bieten dem jungen Spieler Zugang zur elektrischen Gitarre ohne Reue. Das lässt sich zumindest für die bemerkenswert guten Spieleigenschaften behaupten, welche dem fluffigen Modern-C-Halsprofil mit tief gelegten Saiten auf dem löblich kantenrund abgeglichenen Ebenholzgriffbrett zu danken sind. Ergänzt wird das Angebot durch, gemessen am Preis, wirklich respektable Klangeigenschaften.

Die auf das Wesentliche reduzierten, aber rundum ordentlich verarbeiteten Instrumente machen auch keine falschen Versprechungen, sondern bieten in ihrem schlicht-schwarzen Habitus einen angemessen coolen Look. Haptik, Griffbrettzugang und elektrische Sound-Ausbeute sind überdies mehr als nur OK. Wer in das Gitarrenspiel einsteigt, ist mit einer dieser rudimentären, aber leicht zu handhabenden Shaman-Gitarren aus der Element-Reihe auf jeden Fall gut bedient. Das Leistungspaket ist gemessen am Preis sogar durchaus erstaunlich – alle Achtung!

Plus

  • bewährte klassische Designs
  • cooler Look
  • Sustain
  • Pickups/Sounds
  • Modern C-Halsform
  • Ebenholzgriffbrett, Bundierung
  • spielpraktische Einrichtung
  • ordentliche Verarbeitung
  • Preis/Leistung

Minus

  • nachlässige Pickup-Montage

Shaman DCX-100B & SCX-100B Übersicht


(erschienen in Gitarre & Bass 09/2019)

Produkt: Fender Stratocaster
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