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Schub nach vorne

Test: Schecter Diamond C-6 Pro

Schecter Diamond C-6 Pro(Bild: Dieter Stork)

Wie zahlreiche Hersteller, so geht inzwischen auch Schecter dazu über, auf die Verarbeitung von Hölzern, die seit dem 02.01.2017 in der CITES-II-Liste aufgeführt werden, zumindest teilweise zu verzichten. Neben dem Schutz bedrohter Holzarten vermeidet man damit gleichzeitig auch erheblichen Zeit- und Verwaltungsaufwand.

Lobenswert ist zudem, dass Schecter nicht auf Ersatzmaterialien wie Micarta oder ähnliche Verbundstoffe zurückgreift, sondern auf Wenge und Ebenholz. Jedoch ist durchaus denkbar, dass beide früher oder später ebenfalls weiteren CITES-Bestimmungen anheimfallen werden. Schecter bietet die Diamond C-6 Pro mit den Finishes Aqua-, Auroraund Carcoal-Burst und jeweils mit Hardtail oder Floyd Rose Special Hot Rod Locking Vibrato an.

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Schecter Diamond C-6 Pro
Übergang zur Kopfplatte (Bild: Dieter Stork)

bestandteile

Unsere in Indonesien hergestellte Diamond C-6 Pro hat man mit einem dunklen Wenge-Griffbrett versehen, einem Hartholz, das in tropischen Regenwäldern beheimatet ist. Für den Body wurden drei Mahagoniteile gefügt, das Deckenfurnier aus wild gemasertem Wurzelholz ist von schwarzem Kunststoff-Binding umgeben. Die perfekt aufgetragene Lackierung hat man spiegelglatt poliert.

Abgesehen vom traditionellen Rippenspoiler und einer Facette im unteren Cutaway ist die Rückseite völlig plan, die Decke indes quer zur Mittelachse gleichmäßig gewölbt, woraus eine halbwegs komfortable Armauflage resultiert. Nicht so komfortabel wie die einer Strat, aber immerhin. Hinten verschließt eine präzise eingepasste Kunststoffplatte das mittels Graphitlack bzw. Alufolie abgeschirmte E-Fach Oberkante bündig, in das die in die Zarge eingesetzte, stramm packende Rohrklinkenbuchse mündet.

Dank fünf einzeln unterlegter Schrauben sitzt der aus drei Ahornstreifen gesperrte Hals zwar stabil in seiner Aufnahmefräsung, an der Oberseite beträgt sein Spiel jedoch durchgehend 0,2 mm. Den Korpusübergang hat man verrundet und lässt ihn zum Hals hin abfallen, was dem Bespielen der höchsten Lagen zugutekommt. 24 tadellos eingesetzte Jumbobünde verteilen sich auf dem Spielfeld, Perloid-Punkte und Sidedots markieren die Lagen. Während die Bunddrähte an den Kanten passabel verrundet wurden, hat man die Bundkronen relativ flach statt rund abgerichtet.

Die Kerben des selbstschmierenden Black-Tusq-Sattels wurden präzise ausgerichtet und auf gleiche Höhe gefeilt. Zur Optimierung der Saitenlage wären hier jedoch noch das eine oder andere Zehntel möglich gewesen. Ein großzügig bemessener Kragen stabilisiert den Übergang zur wurzelfurnierten Reversed-Kopfplatte, die (wie der Body) zur Seite hin abgerundet wurde. Die Schecter-Mechaniken arbeiten präzise, lassen sich jedoch ob ihrer engen Anordnung wenig komfortabel handhaben. Nach dem Entfernen eines kleinen Deckels ist der 2-Wege-Justierstab problemlos zugänglich. Neben dem Trussrod wird der extrem flache Hals zusätzlich durch zwei Carbonstäbe stabilisiert.

Rüber zum anderen Ende. Hier dient ein fünffach verschraubtes Schecter Custom Hardtail als Steg. Auf der Rückseite halten sauber eingelassene Hülsen die Saiten. Schecter spendiert der C-6 Pro leistungsstarke Diamond Decimator Humbucker, die höhenjustierbar direkt im Korpusholz verschraubt wurden. Verwaltet werden sie per Dreiweg-Blade-Switch, Master-Volume mit Pull/Push-Funktion für Coil-Splits und Master-Tone. Stumm geschaltet werden jeweils die Stegspulen der Humbucker.

Schecter Diamond C-6 Pro
Halsübergang mit 5-fach-Verschraubung (Bild: Dieter Stork)

praxis

Zunächst punktet die Schecter C-6 Pro mit überaus angenehmem Gewicht und zeigt sowohl am Gurt – von großen Knöpfen bestens gesichert – als auch auf dem Bein absolute Ausgewogenheit. Der Body schmiegt sich wunderbar an den meinen, allein die Armschräge drückt je nach Traghöhe mal mehr mal weniger gegen meine Elle. Das kennen wir jedoch von Paulas, Teles u.v.a. Kinderleicht lassen sich die höchsten Lagen bespielen, zumindest solange nicht der eigene Körper im Weg ist. Dank der passabel verrundeten Bundkanten werden schnelle Lagenwechsel nicht ausgebremst.

Kommen wir zum Halsprofil. Solange man wie bei Barré-Akkorden oder 90°-Handhaltung den Daumen gegen den Halsrücken legt, ist alles paletti. Ungemütlicher wird es indes für Spieler, die (wie ich) den Daumen gerne von oben um das Griffbrett legen. In diesem Fall haben weder meine Handfläche noch die Kehle zwischen Daumen und Zeigefinger Kontakt zum Hals. Wegen seines ultraflachen C-Profils hängt er quasi in der Luft und klemmt zwischen den unteren Gliedmaßen von Daumen und Zeigefinger. Da ich mit mittelstarken bis fetten Hälsen stets gut klarkomme, ist dieser hier überhaupt nicht mein Ding. Keine Frage, für andere Gitarristen/innen wird er das Nonplusultra sein, mir hat er einfach zu wenig Fleisch.

Die Resonanzeigenschaften betreffend präsentiert sich die C-6 Pro dank direkter spontaner Ansprache und rekordverdächtiger Tonentfaltung lebendig und impulsiv. Das gesamte Konstrukt schwingt ausgesprochen intensiv und klingt für eine Gitarre dieser Gewichtsklasse und mit diesem Halsprofil relativ langsam und gleichförmig ab. Erwartungsgemäß erzeugt sie ein etwas schwachbrüstiges, dafür aber ausgewogenes, drahtiges Klangbild mit reichem Obertongehalt.

Dem Hals-Dezimator ist ein gewisser Vintage-Touch mit Tendenzen zur Les Paul nicht abzusprechen. Obgleich er etwas akzentuierter und einen Hauch schlanker als Selbige daherkommt, klingt er doch vollmundig und bluesig, liefert druckvolle straffe Bässe, glockenreine, warme Mitten und klare Höhen. Hier verleiht die 24-Bund-Position des Pickups dem Sound erhöhte Transparenz. Erstaunlich, was zwei Bünde bzw. zwei Zentimeter doch so ausmachen! Im Zerrbetrieb verliert der Hals-Decimator nur wenig von seiner Offenheit und Transparenz. Nichts matscht, Akkorde bleiben erkennbar, High-Gain-Soli singen ausdrucksstark und werden vom Sustain getragen.

Schecter Diamond C-6 Pro
Hardtail-Steg (Bild: Dieter Stork)

An der Bridge steht derweil ein Kraftpaket von Humbucker in den Startlöchern, das im Clean-Betrieb subjektiv kaum lauter als sein Kollege ist, dessen kraftvolle Mitten ihm jedoch einen gewissen Schub nach vorne bescheren. Das Ergebnis sind klare, warme, transparente Sounds, um deren Mitten sich definiert punchende Bässe, knackige Brillanz und ein breites Obertonspektrum aufbauen. Seine Stärken liegen eindeutig im Zerrbetrieb, wo er selbst im High-Gain-Mode wunderbar homogene Akkordbilder und singende, spontan in ihre Obertöne kippende Lead-Sounds abliefert. Dreht man dabei das Volume-Poti zurück, sind sogar cleane Rhythmus-Sounds möglich.

Die Kombination beider Pickups liefert offene glockenreine Sounds mit Tele-Ambitionen, die zu Rhythmusspiel oder Arpeggien verleiten und sogar am crunchy zerrenden Amp überzeugen. Bliebe noch der Pull/Push-Schalter, der die Stegspulen beider Decimatoren eliminiert und die Klänge der Humbucker in gewisser Weise ausdünnt oder besser „verschlankt“. Während beim Hals-Pickup der untere Frequenzbereich zurückgenommen wird und eine Prise Höhen hinzukommt, werden beim Steg-Abnehmer die Mitten abgesenkt, woraus ein ausgewogeneres, klareres Klangbild resultiert.

In beiden Fällen und auch mit der Kombi beider Halsspulen lässt die C-6 Pro Fender-Anleihen erkennen. Der Sound bleibt klar, die Brillanz legt etwas zu, Bässe und Lautstärke nehmen ab. Clean hat das was von Schlittenglöckchen. Sobald man die Zerrabteilung aufruft, liefern die Einzelspulen charaktervolle durchsetzungsstarke Rocksounds. Bei alledem glänzt die Schecter Diamond mit achtbarer Dynamik und unterstützt ausdrucksstarkes facettenreiches Spiel, während das präzise arbeitende Volume-Poti neben dem Ausgangspegel auch prima den Verzerrungsgrad kontrolliert.

Schecter Diamond C-6 Pro(Bild: Dieter Stork)

resümee

Mit seiner neuen C-6 Pro aus der Diamond-Reihe gibt Schecter (nicht nur) dem High-Speed-Shredder eine perfekt zugeschnittene Gitarre in die Hände. Zugegeben, ihr ultraflacher und auch recht schlanker Hals wird nicht jedem gefallen, möglicherweise auch nicht die hohen Jumbo-Bünde, dennoch bietet die Axt gehobenen Spiel- und erst recht Tragekomfort. Neben ultimativen, durchsetzungsstarken Rock- bis Metalsounds lässt sich ihr aber auch ein breites Spektrum geschmack- und charaktervoller Cleansounds entlocken, was sie klanglich extrem flexibel macht.

Zu beanstanden wären lediglich das in Zeiten von CNC-Fräsen vermeidbare Spiel zwischen Halsfuß und Halstasche sowie die eng nebeneinander angeordneten Tuner. Angesichts der ansonsten tadellosen Verarbeitung, des geschmackvollen Designs und der erstklassigen Sounds kann ich dennoch ein sehr gutes Verhältnis von Preis und Leistung attestieren.

PLUS
• Sounds & Dynamik
• klanglich flexibel
• Optik
• Spielbarkeit
• Verarbeitung
• Preis/Leistung
MINUS
• eng platzierte Tuner

Schecter Diamond C-6 Pro

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2019)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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