Lemmy In A Box

Test: Okko FX Motörbass

Okko FX Motörbass
(Bild: Dieter Stork)

Lemmy In A Box? Viel gewollt! Aber nicht weniger hat sich Okko-Mastermind Heiko Lauenroth bei der Entwicklung seines neuen Motörbass-Overdrives vorgenommen: aufgerissene Marshall-Sounds in einem kompakten Pedal-Gehäuse – klingt verlockend!

faster, harder …

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Auf kaum eine Rock-Ikone konnten sich Musiker und Musik-Fans verschiedener Lager so einigen wie auf Lemmy. Der raubeinige Gentleman aus den englischen Midlands war jedoch nicht nur einer der letzten Hardcore-Rock’n’Roller, sondern auch ein bemerkenswerter Bassist. Vielleicht nicht im Sinne eines Victor Wooten oder Marcus Milller; Lemmys Qualitäten lagen vor allem in seiner kompromisslos rotzigen Spielweise und seinem röhrenden Zerr-Sound, der einer Rythmusgitarren-ähnlichen Wand gleichkam.

Auf der Bühne kam diese brutale Urgewalt aus voll aufgerissenen Marshall-Super-Bass-Topteilen und einer Kombination aus 4×12″ und 4×15″ (!) Boxen. So ein Turm ist für die meisten Bassisten und Lemmy-Enthusiasten natürlich nicht praxistauglich – da kommt eine Platz und Geld sparende Lösung wie das Motörbass gerade recht!

Der „Mini-Lemmy“ wohnt bei Okko in einem kompakten Gehäuse, das etwas höher als ein durchschnittliches MXR-Pedal ist. Wie die Pedale aus der neuen Black-Box-Serie, ist auch das Motörbass mit einem extrem robusten schwarzen Kräussellack überzogen; hinter den Poti-Beschriftungen Faster, Harder und Louder verbergen sich die typischen Overdrive-Regler Gain, Tone und Volume. Das Innenleben ist Okko-typisch wieder einmal tiptop verarbeitet. Für einen möglichst Amp-mäßigen Sound mit viel Headroom stockt das Motörbass die eingehenden 9 V intern auf satte 24 V auf.

Okko FX Motörbass
(Bild: Dieter Stork)

… louder!

Schon nach der ersten Note wird klar, dass wir es hier nicht mit einem klassischen Bass-Overdrive zu tun haben. Der Ton ist deutlich mittiger, oldschooliger und schlanker, als man es von SansAmp, Darkglass & Co. gewohnt ist. Was hier aus den Lautsprechern brüllt, klingt eindeutig nach Marshall und damit auch unweigerlich ein bisschen „gitarrig“. Und wenn man einen Moment darüber nachdenkt, macht das auch absolut Sinn – Lemmys Sound war zwar brachial und verzerrt, aber eben nicht wahnsinnig fett.

Vom Spielgefühl und Bassverhalten bewegt sich Okko hier also irgendwo zwischen den Zerrer-Welten von Gitarren und Bässen. Der Faster-Regler (Gain) hält von fast cleanen Tönen bis hin zu derben Brat-Sounds etliche Zerr-Schattierungen bereit, wobei besonders der gesättigte Crunch-Bereich um 13 Uhr mit einer starken Balance aus fetziger Zerre und beachtlicher Dynamik punktet.

Mit seinen bellenden Mitten verschafft sich das Motörbass auch in einem noch so dichten Mix Gehör, was nicht zuletzt dem Harder-Poti (Tone) zu verdanken ist. Anders als bei vielen anderen Drive-Pedalen werden hier nämlich nicht die Höhen, sondern ein relativ schmaler Bereich in den Hochmitten – irgendwo zwischen nasal und bissig – geregelt. Dadurch verliert das Pedal auch bei voll zugedrehtem Harder-Poti nicht seinen Glanz in den Höhen. Man regelt hier eher den Charakter des Pedals: Links von 12 Uhr wird es weicher, unaufgeräumter und gutmütiger, in der anderen Richtung kommt mehr Biss, Pick-Attack und Mitten-Honk dazu.

Auch die Gain-auf-Vollgas-Einstellung behält mit etwas Hilfe vom Harder-Poti erstaunlich viel Kontur ohne jeden Matsch – natürlich ist aber auch das Gegenteil möglich, mit flächigen, fast doomigen Sounds. Zuletzt sei noch gesagt, dass der Louder-Regler (Volume) enorme Clean-Reserven auf Lager hat, sodass man das Motörbass auch gut benutzen kann, um die Vorstufe eines Röhrenamps anzupusten – und zwar mit erfreulich wenig Rauschen!

resümee

Unterm Strich ist Okko hier wieder mal ein wirklich eigenes und top verarbeitetes Pedal gelungen, das sich mit seinem Amp-mäßigen Rotz-Sound klar vom derzeitigen Bassverzerrer-Mainstream abhebt. Das ausgesprochen tighte Bassverhalten wird vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, gehört aber absolut dazu, wenn man auf Lemmys Pfaden wandeln will. Und genau das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Das Motörbass liefert zu 100% was draufsteht und wird seiner eigenen Mission voll gerecht!

Okko FX Motörbass

Okko FX Motörbass

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(erschienen in Gitarre & Bass 04/2018)

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