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Budget-IR-Loader

Test: NUX Solid Studio IR & Power Amp Simulator

(Bild: Tom Schäfer)

Eine auf Impulsantworten basierende Lautsprecherboxen-Simulation ist langsam aber sicher im Homerecording und auch auf der Bühne ein Standard geworden. Leider sind die wirklich gut klingenden Produkte, die zur Erweiterung des eigenen Verstärkers in diesen Situationen dienen, bisher auch die hochpreisigen.

Nun gibt es also auch eine digitale Lautsprecher-, Mikrofon- und, falls gewünscht, Endstufensimulation aus dem fernen, günstigen Osten. Mit kleinem Preisschild und vielen Features, liefert die Firma NUX EFX – dahinter steckt Cherub Technology, seit Jahren bekannt durch preiswerte Clip-On-Stimmgeräte – den Solid Studio I.R. & Power Amp Simulator aus.

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KONZEPT

Die Idee, eine Endstufe, eine Lautsprecherbox und ein Mikrofon vor dieser Box, digital zu simulieren, um beispielsweise nur mit einer Vorstufe aufnehmen zu können oder sich auf der Bühne das echte Mikrofon zu sparen, ist pragmatisch und zeitgemäß. So hat NUX dem Solid Studio IR & Power Amp Simulator gleich drei verschiedene Endstufen-Typen, acht virtuelle Cabinets, acht virtuelle Mikrofone in drei typischen Positionen, sowie einen Master-Volume-, einen Drive-Regler zur Simulation von Endstufenverzerrung, und auch eine negative Gegenkopplung – also eine Presence-Regelung – spendiert. Falls diese Optionen noch nicht das gewünschte Ergebnis liefern, kann man via USB auch noch Impulsantworten von Drittanbietern in das Solid Studio laden. Hierbei muss jedoch auf die Mikrofon-Features verzichtet werden.

BEDIENELEMENTE

Die Bedienung ist denkbar einfach und intuitiv. Ein Tritt auf den linken Fußtaster aktiviert die Boxen- und Mikrofon-Simulation im Solid Studio. Mit den Cabinet- und Mikrofon-Wahlreglern lassen sich die acht Boxen mit acht Mikrofonen virtuell abnehmen. Mit dem kleinen Mikrofon-Positions-Schalter verändert man die Position des Mikros relativ zum Lautsprecher in drei Stufen und sofern man das Gerät lediglich an eine Vorstufe angeschlossen hat und die Simulation einer Röhrenendstufe benötigt, aktiviert man dieses Feature mit dem zweiten Fußtaster. Hier stehen drei Endstufenröhren-Typen, ein Master-Volume-, Drive- und Presence-Regler zum Feintuning des Sounds zur Verfügung.

SOUNDS

Untypisch für diese sehr günstige Preisklasse ist der eigentlich grundsätzlich gutmütige Klang der Simulationen. Im Vergleich mit diversen teureren Alternativen wie Kemper, Axe FX und Line6 Helix, bewegt sich das Solid Studio, sofern es an einen gut klingenden Verstärker angeschlossen ist, durchaus im klanglichen Mittelfeld.

Im Einschleifweg des Amps konnte mich das Solid Studio nicht überzeugen. Die eingebauten Mikrofonsimulationen und auch Cabinets schwächeln in diesem Setup zwar nicht so sehr, die sehr rudimentäre Simulation der drei verschiedenen Endstufenröhren ist jedoch auffällig unnatürlich. Hier hört man leider wenig realistische Frequenzgänge, die zudem völlig überzeichnet und erzwungen versuchen, Unterschiede zwischen typischen EL34, 6V6 und EL84 aufzuzeigen, die in derartiger Signifikanz nur selten zum Ohr kommen, es sei denn, man hätte beim Einstellen des Ruhestroms am eigenen Verstärker einen Fehler gemacht.

Auch das Kopfhörer-Signal leidet unter diesem Problem und klingt recht blechern, topfig bis dosig. Das habe ich zwar in dieser Preisklasse alles schon schlimmer gehört, aber eben auch schon sehr viel besser.

Eine für mein Ohr besser funktionierende Nutzung des Solid Studio, ist die Verwendung des Gerätes zwischen Endstufe und angeschlossenem Lautsprecher. Hierbei schaltet man die von mir kritisch beäugte Endstufensimulation selbstverständlich aus und kommt somit in den Genuss eines erheblich authentischeren Signals für die Bühne. In dieser Disziplin, also als Mikrofon-Ersatz in einer Live-Situation, spielt das NUX Solid Studio IR tatsächlich seine große Stärke aus.

(Bild: Tom Schäfer)

ALTERNATIVEN

Dass sich die chinesischen Hersteller beim Kopieren bestehender Konzepte nicht lumpen lassen, ist hinlänglich bekannt, und auch beim NUX Solid Studio I.R. & Power Amp Simulator liegt schon beim Auspacken ein leichter Duft von Plagiat in der Luft.

Engl Amplification bieten mit dem Engl Cabloader ein verdächtig ähnliches Gerät an, das in vielerlei Hinsicht dem NUX Solid Studio überlegen ist. Einzig eine Anwendung zwischen Endstufe und Lautsprecher ist beim Engl Cabloader nicht möglich. Der Cabloader funktioniert lediglich auf Line-Level in einem Einschleifweg oder auf Instrument-Level im Verbund mit Pedalen. Dennoch klingt der Cabloader authentischer als das Solid Studio und kostet dabei nur gut 80 Euro mehr als das NUX-Pendant.

Benötigt man als Signal für die Bühne nur eine einfache Boxensimulation, die zwischen Endstufe und Lautsprecher das Signal abgreift, so empfiehlt es sich zu überprüfen, ob die Palmer PDI-09 D.I. Box für diese Aufgabe nicht bereits ausreicht, denn die ist analog, passiv und preiswerter als das Solid Studio – kommt allerdings ohne die Möglichkeit, IRs zu nutzen. Darüber hinaus gibt es im Programm des Impulse-Response-Vorreiters Two Notes natürlich für faste jede Anwendung das passende Gerät, allerdings liegen diese preislich etwas höher.

(Bild: Tom Schäfer)

RESÜMEE

Ein wirklich günstiges Produkt, das im Live-Betrieb auf der Bühne durchaus ein Mikrofonsignal ersetzen oder sinnvoll ergänzen kann, ist das Solid Studio zweifelsohne. Ob man jedoch mit der etwas rudimentären und unrealistischen Endstufen-Simulation im Homerecording glücklich werden kann, hängt von den eigenen Ansprüchen an klangliche Authentizität und Informationsdichte des Gitarrensignals ab. Grundsätzlich bietet Nux mit dem Solid Studio I.R. & Power Amp Simulator ein sehr ordentliches Gerät mit kleinem Preisschild an.

PLUS

● sehr günstig
● analoge Bedienelemente
● auch hinter der Endstufe nutzbar

MINUS

● Endstufen-Simulation

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2020)

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