Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Bella Figura

Test: Maybach Little Wing Arched Top

(Bild: Dieter Stork)

Von Maybach kennen wir authentisch gemachte Variationen klassischer Gitarren-Designs. Mit dem Modell Little Wing geht man nun noch einen Schritt weiter zurück in die Vergangenheit, zitiert und kombiniert Bewährtes und hebt das stimmige Ergebnis mithilfe moderner Fertigung auf eine aktuelle Ebene.

Gitarren mit kleinem Korpus scheinen im Trend zu liegen. Si­ze doesn’t matter? Kommt darauf an, wen man fragt. Je­denfalls setzen einige Firmen stark auf diese komprimier­ten Formate, mancher Boutique-Hersteller sogar ausdrücklich. Das Maybach-Little-Wing-Arched-Top-Modell ist ein gutes Beispiel für diese Tendenz und im Übrigen ohne Aufpreis auch mit zwei Humbuckern oder mit der Kombi P-90/Humbucker zu haben.

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FIDDLE TOP UND BACK

Die Little Wing Arched Top lässt keinen Zweifel daran, wo die E-Gitarre inzwischen einzuordnen ist: in den Bereich der klassi­schen Instrumente. Der Schulterschluss mit historischen Streichinstrumenten ist hier allerdings optisch auf die Spitze getrieben. Das Maybach-Modell verfügt über einen mit schwungvoll geschnit­tener Taille sehr weiblich gestalteten Korpus von vorn lediglich 22,4 cm und hinten 32,4 cm Breite. Wollte man dynastische Ver­wandtschaften vom Zaun brechen, könnte man frühe Parlour-Gitarren, wie es sie im Umbruch hin zur Schlaggitarre/Archtop und zu den frühen Electrics gab und sogar die Nähe zum Höfner Beatle Bass mit seinen Anleihen bei der Violine zitieren. Uns kommt es aber eher darauf an herauszufinden, was hinter den lockenden historischen Anleihen an aktueller Bedeutung zu finden sein mag.

Die Details: Grundlage der Konstruktion ist eine Korpusbasis aus Swietenia Mahagoni, ein ausgefräster Ring mit einer massiv belasse­nen Mitte und recht starken Zargen, auf die ein leicht gewölbter, mit­tig gefügter Boden und ebenfalls eine spiegelgleich gelegte, zweiteilig verleimte, zudem elegant konturierte Decke mit fein gestalte­ten f-Löchern platziert wurden. Beim Boden, vor allem aber auch bei der Decke, handelt es sich keineswegs um in Form gepresste dünne Brettchen, sondern um recht solide Planken attraktiv ge­flammten Ahorns, die in der Mitte eine beachtliche Stärke erreichen.

Boden und Decke mit f-Löchern, massiv und konturiert (Bild: Dieter Stork)

Decke wie Boden sind von schwarz-weißen Bindings eingefasst. Der in Höhe des 16. Bundes mit langem Halsfuß in den Korpus ein­geleimte einteilige Hals aus Mahagoni wurde mit einem Griffbrett von 12″-Radius aus Ebenholz (optional Palisander) kombiniert, in dem 22 akkurat verarbeitete Bünde (Wagner Medium Jumbo) so­wie Punkteinlagen aus Perlmutt zur Lagenkennung Platz fanden. Die im flachen Winkel herausgeführte, recht dicke und tatsächlich leicht konisch zugeschnittene Fensterkopfplatte trägt das May­bach-Logo aus Perlmutt im schwarzen Ebenholz-Layer und ist mit seitlich montierten, offenen Kluson-Vintage-Style-Einzelmechani­ken ausgestattet. Die Saiten werden mit gutem Andruck über den sorgfältig bearbeiteten Sattel aus Knochen hinüber zur fixierten TOM Bridge von Gotoh mit Stop Tailpiece aus Aluminium am Kor­pus geführt. Die Mensur beträgt 62,5 cm.

Slotted Headstock mit Einzelmechaniken (Bild: Dieter Stork)

Elektrik: Zwei in die Decke geschraubte Amber Soapbar P-90 Pick­ups werden ganz konventionell über einen unterhalb des Steg-Pickups leicht nach hinten auf die Decke platzierten Dreiwegschal­ter angewählt und von individuellen Volume- und Tone-Reglern verwaltet. Die höchst kompetent gearbeitete Gitarre ist dünn mit Nitrolack – der gezielt schon leichte Risse und schöne Patina entwickelt – in einem durch und durch klassisch anmutenden Dark Antique Burst versiegelt.

F-LOCH-ROMANTIK TRIFFT AUF  ELEKTRISCHE WIRKLICHKEIT

Ihro geigenhafter Schönheit Belieben ist es, unsere erstaunte Auf­merksamkeit zunächst mit unvermutet schwerem Körpergewicht von rund 3,8 kg zu erregen. Dieser gravitätische Auftritt widerspricht eigentlich der anmutig zarten Erscheinung, aber die Kleinen (Kant 1,57 cm; Napoleon 1,66 cm; Picasso 1,63; Prince 1,58 cm) haben es ja bekanntermaßen oft genug in sich und sowieso „entscheidend ist, was hinten rauskommt“ (Helmut Kohl).

Fangen wir aber erst mal vorne an: Die Little Wing kommt nicht nur vom Gewicht her (etwa 3,8 kg) in die Nähe einer Les Paul (natürlich nur, wenn man bei letzterer Glück hat), sondern verfügt auch über durchaus vergleichbare Maße, wie etwa 4,5 cm Zargentiefe am Halsansatz und fast identische Korpusbreiten vorn wie hinten. Das sind nur wenige Millimeter Unterschied und selbst die Taille ist gerade mal einen halben Zentimeter schmaler gesetzt. Entsprechend kommod fühlt sich diese Gitarre für LP-Spieler auch an. Die Korpuskanten wurden wohl etwas scharf belassen, aber ansonsten fügt sich die Gitarre wie gewohnt an ihren Spieler, der sich sofort und erfreut über den fett und rundlich geformten 50s-Style-Hals hermacht (auf Wunsch gibt es auch ein flacheres Halsprofil).

Wer mit so einem Hals umzugehen vermag, der wird mit besten Spieleigenschaften belohnt. Perfekt gemachte Bundierung, tief eingestellte Saitenlage, gute Halsbreite von 43 mm am Sattel – damit lässt sich prachtvoll arbeiten. Der akustische Klang der Little Wing ist von straffer, luftig schneller Tonentfaltung geprägt. Und schon hat die Kleine klargestellt, dass sie absolut ernst zu nehmen ist. Tonfestigkeit und Schwingfreude sind immens und mit einer guten Les Paul durchaus vergleichbar, nur dass wir im Timbre als auch in der Ansprache den hohlen Korpus gespiegelt finden. Mit markanter Perkussion wird der Anschlag herausgestellt, Dynamikverhalten und Sustain muss man vorzüglich nennen. Was nun können die viel gelobten Amber-P-90-Pickups aus diesen hervorragenden akustischen Eigenschaften an elektrischem Ton herauskitzeln?

Kraftvolle Amber P-90 Pickups (Bild: Dieter Stork)

Der Soapbar in Halsposition vermittelt bei klar eingestelltem Verstärker zunächst ein offenes Klangbild mit stimmlich bestens aufgelösten Akkorden von geradezu plastischer Gestalt. Also keine plakativ flache Darstellung, sondern tiefgreifend saftige und dennoch transparente Tonwandlung. Gehaltene Noten artikulieren fest und schwingen ebenmäßig aus; schnell gespielte Linien perlen mit griffiger Kontur unter den Fingern weg. Im Overdrive-Modus zahlt sich der straffe Respons der Basssaiten in barer Klangmünze aus. Powerchords mit einem gewissen inneren Kern springen kompakt und federnd aus den Speakern, sind dynamisch in ihrer Intensität mit dem Plektrum zu steuern. Leads kommen mit enormer Festigkeit und bei höheren Gain-Strukturen auch mit schnalzendem Growl, schön dunklem Raunen. Bemerkenswert ist, dass der angeschlagene Ton immer weit vorn steht, sozusagen wie auf Luftkissen – sehr schön!

Wechseln wir auf den Kollegen am Steg, so erweist sich der als unerwartet frech und bissig. Das Signal springt deutlich vor, was bei gleicher Clean-Einstellung dazu führt, dass der Ton eine leichte Tendenz zum Anreißen bekommt. Das aber ist kein nachlässig weiches “in-die-Knie-gehen”, sondern ein dynamisch vorwärtsdrängendes Zuschnappen. Bringt Spaß und lässt sich rhythmisch präzise auf den Punkt setzen. Bei aktiviertem Gain-Modus drückt der Ton stramm, direkt und bissig nach vorn durch – mit diesem Signal führst du ein scharfes Schwert! Schön knurrig lassen sich Quinten im Bass abpumpen, Riffs und Leads setzen sich mit angriffslustigem Twang durch. Deftig kehlig kommen die Mitten und „very snappy“ aggressiv die Höhen – das rockt und hookt, dass es die wahre Freude ist.

In der Kombination der beiden Tonabnehmer kommt dann noch etwas mehr Glas ins Spiel, der perlklare Ton ist, wie prinzipiell in allen Schaltstellungen, immer mit einem Kontur gebenden Rückgrat ausgestattet. Sehr auf ihre Kosten kommen Spieler, die gern rhythmisch akzentuiert und mit Anschlagsperkussion im Zerrmodus arbeiten. Dieses offensive Herausstellen aller Aktionen setzt natürlich akkurates Spiel voraus, das Signal kommt halt sehr direkt, oder wie der Angelsachse formulieren würde: „straight into the face“.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit dem Modell Little Wing Arched Top legt Maybach ein höchst interessant konstruiertes Instrument vor. Design aus Deutschland, Fertigung in Tschechien – eine sehr erfreuliche europäische Zusammenarbeit, die auf der Grundlage besten Materialeinsatzes zu großartigen Ergebnissen führt.

Zusammengefasst: Man könnte prinzipiell einen Les-Paul-Typ vermuten, aber mit gewölbter Decke und gewölbtem Boden aus Flamed Maple auf kammergefrästem Korpuskern aus Mahagoni, mit für den Gitarrentyp ungewohntem Slotted Headstock und geschlossenem Zargenkopf unten dazu (kein Cutaway) ist die Little Wing dann doch deutlich anders konstruiert. Letztgenanntes Baudetail schränkt den Aktionsradius wohl etwas ein, aber da ein Cutaway wählbar ist, kann dieser der individuellen Entscheidung obliegende Aspekt nicht als negativ beurteilt werden. Ansonsten regiert Spielfreude pur auf einem Instrument, das mit seinem fetten Hals nicht nur der greifenden Hand lässig entgegenkommt, sondern auch dem Ton noch einiges an Substanz beizutragen hat. Die jedenfalls ist beachtlich in allen Betriebsarten und lässt besonders im Zerrbereich dank der hervorragend zur Gitarre passenden Amber Pickups an offensiver und plastisch druckvoller Tonwandlung keine Wünsche offen. Bestimmt kein Instrument für jedermann, aber eines mit tollem eigenem Charakter – Applaus!

PLUS

  • originelles semiakustisches Design
  • Tonhölzer, Decke und Boden geflammter Ahorn, carved
  • Schwingverhalten/Sustain
  • Amber P-90 Pickups
  • kraftvolle Sounds
  • klangliche Flexibilität
  • fetter Hals mit Fensterkopf
  • Spieleigenschaften
  • Verarbeitung

MINUS

  • etwas scharfe Korpuskanten

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2020)

Produkt: Fender Stratocaster
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