(Bild: Dieter Stork)
Mick Thomson, Personalnummer #7 bei Slipknot, hat mit ESP/LTD mittlerweile den vierten Partner für eine Signature-Gitarre an seiner Seite. Nach Instrumenten von B.C. Rich, Ibanez und Jackson ist es nun also eine LTD. Doch was macht diese auf den ersten Blick recht simple Gitarre so besonders?
Mick Thomson ist zusammen mit Jim Root für den Großteil des infernalen Lärms verantwortlich, der während einer Slipknot-Show produziert wird. Dass die Anforderungen an eine E-Gitarre hier ein wenig anders sind als bei einem gewöhnlichen Rockkonzert, versteht sich von selbst, wenn man sich die unzähligen Live-Videos auf YouTube anschaut: Da wird gehobelt, da fallen Späne.
Damit dieses Martyrium zu bewerkstelligen ist, wurde bei der Entwicklung der MT-1 ein zentrales Augenmerk auf ein möglichst ausbalanciertes Gewicht gelegt. Mit ca. 3,1 kg ist das Instrument angenehm leicht, ohne jedoch an vertrauenserweckender Substanz einzubüßen. Doch auch darüber hinaus gibt es bei dieser Gitarre einige Besonderheiten, die es bei LTD bisher selten oder gar nicht zu sehen gab.
REDUZIERT AUFS WESENTLICHE
Auf den ersten Blick handelt es sich bei unserem Testinstrument um eine erstaunlich schlicht gehaltene Gitarre der altgedienten MH-Serie, die im weitesten Sinne LTDs Interpretation einer Superstrat darstellt. Der 40 mm starke Korpus aus Mahagoni wurde auf Wunsch von Mick Thomson mit einer Decke aus Esche ausgestattet, um bei tiefen Stimmungen genug Attack und Durchsetzungsfähigkeit zu bekommen. Der eingeleimte, dreiteilige Mahagoni-Hals wurde dank der „Set-Thru”-Bauweise so in den Korpus eingepasst, dass sich das Spielgefühl eines durchgehenden Halses ergibt.
Dies sorgt besonders in den hohen Lagen für viel Komfort. Ein ganz und gar dunkelbraunes Ebenholz-Griffbrett wurde ausgesprochen sauber mit 24 Edelstahlbünden versehen, wobei der Abschluss des Griffbretts abgeschrägt ist, so dass nur die Diskantsaiten im höchsten Bund spielbar sind. Der Korpus wurde in einem hochglänzenden Metallic-Anthrazit gehalten, das bei LTD den mysteriösen Namen „Obsidian Metallic” trägt.
Das stellt eine schöne Abwechslung zu den derzeit schwer angesagten All-Black-Gitarren dar. Der Übergang zum Hals wurde so lackiert, dass das Finish auf Höhe des 17. Bundes mattiert wurde. Das sorgt für ein angenehmes Spielgefühl. Der harte Übergang von der hochglänzenden zur matten Oberfläche sieht zwar ein wenig „hemdsärmelig” aus, erfüllt aber voll und ganz seinen Zweck und ist sauber ausgeführt.
Eine Besonderheit der MT-1 ist die Brückenkonstruktion: Hier kommt eine Ibby-Fixed-Bridge von Hipshot aus massivem Messing mit matt-schwarzer Beschichtung zum Einsatz. Optisch weist diese Brücke eine gewisse Verwandtschaft mit der Ibanez-Gibraltar-II-Brücke auf und bringt mit ihren abgeschrägten Flanken ein wenig mehr Masse mit als die Standard-Fixed-Konstruktion des Herstellers. Die Saiten verlaufen rückwärtig durch den Korpus, über die nahezu perfekt eingesetzten und sauber polierten Edelstahlbünde bis zum schwarzen Graph-Tech TuSQ-XL-Sattel.
(Bild: Dieter Stork)
Auf der Reverse-Kopfplatte befinden sich – ebenfalls ein Novum bei einer LTD-Gitarre – sechs offene Hipshot-Grip-Lock-Tuner in Schwarz. Für die elektrische Übertragung sorgt bei der LTD MT-1 ein einzelner Mick-Thomson-Signature-Humbucker aus Fishmans erfolgreicher Fluence-Baureihe. Der Lautstärkeregler verfügt über eine Push/Pull-Funktion, mit der sich zwischen Voice 1 (Modern Active) und Voice 3 (Singlecoil-Style) wählen lässt.
Der kleine Toggle-Switch bietet die Wahl zwischen Voice 1, Voice 1 mit einem leichten Bass Shift (dazu später mehr) und Voice 2 (Modern Passive). Trotz der spartanischen Ausstattung mit nur einem Tonabnehmer, einem Regler und einem Schalter eröffnen sich tatsächlich eine beachtliche Fülle an Schaltoptionen, die man so vielleicht erst einmal nicht erwarten würde.
(Bild: Dieter Stork)
Bezüglich der Verarbeitungsqualität kann ich zum wiederholten Mal nur staunen: Die koreanische Produktion von LTD ist mittlerweile auf einem beachtlichen Level angekommen und muss sich auch vor teureren Gitarren nicht verstecken. Hut ab vor dem, was einem hier für einen Preis deutlich unter 2.000 Euro geboten wird.
EINSEITIG FLEXIBEL
Auch dank ihres moderaten Gewichts ist die MT-1 ein einfach zu spielendes Instrument. Sie zerrt nicht am Gurt, verrutscht nicht in unbequeme Positionen im Sitzen und dank des dezenten Shapings auf der Rückseite des unteren Cutaways macht sie es einem selbst in den hohen Lagen relativ leicht, im 24. Bund im Solo zu brillieren. Hervorheben möchte ich außerdem die ausgesprochen gute Werkseinstellung: Die Saitenlage ist flach und die Intonation perfekt eingestellt.
Akustisch gespielt, ist ein erstaunlich lautes und brillant klingendes Instrument zu hören. Ein knackiges Attack und drahtige Bässe sorgen für maximale Klarheit, ohne dass die Gitarre „schwach auf der Brust” klingt. Bevor ich mich ganz und gar dem Distortion-Kanal hingebe, noch ein paar Zeilen zum cleanen Betrieb: Sicher kauft man ein Instrument wie die LTD MT-1 nicht, um damit Popmusik zu spielen.
Trotzdem sei gesagt, dass Voice 3, also der Singlecoil-Modus, für richtig tolle, knackige Sounds sorgt, die viel mehr zu bieten haben als einen Alibi-Clean-Sound. Die strahlenden Höhen sind brillant, ohne bissig zu wirken, und das Bassfundament wird nicht zu stark ausgedünnt. Im verzerrten Betrieb beginne ich mit dem Toggle-Schalter in der unteren Position, also dem Modern-Active-Voicing.
Hier spielt die LTD MT-1 ihre absolute Stärke aus: Ein atemberaubend schnelles Attack und aggressive Mitten, die fließend in einen ausgewogenen Obertonbereich übergehen, lassen schnelle Downpicking-Riffs nur so in die Finger fliegen. Die Gitarre klebt einem förmlich am Plektrum, was besonders beim schnellen Riffing Spaß macht. Wem das Ganze dann doch zu sehr nach Rasierapparat auf Steroiden klingt, kann den Toggle-Switch einfach in die Mittelstellung umlegen.
Hier wird der Bassbereich dank des Bass Shifts minimal weniger ausgedünnt, was nach unten hin ein bisschen mehr „Bumms” zulässt, trotzdem bleibt aber das rasante Attack erhalten. Vor allem bei Palm Mutes ist dieser Effekt spür- und hörbar. Nur, um nicht falsch verstanden zu werden: Wir reden hier von einem wirklich dezenten Effekt, der keineswegs mit den Unterschieden zwischen den verschiedenen Voicings vergleichbar ist – hier geht es ganz klar um Feinabstimmung!
Ich könnte mir vorstellen, dass der Bass Shift vor allem dann praktisch ist, wenn verschiedene Tunings oder Saitenstärken verwendet werden, um die Gitarre anzupassen. Wenn ein defensiverer Sound gewünscht wird, der in den oberen Mitten nicht so sehr „mit dem Kopf durch die Wand prügelt”, ist Voicing 2 die richtige Wahl. Zwar bleibt der Charakter der MT-1 auch hier erhalten, dennoch wird das Klangbild ein wenig ausgewogener und in den Mitten etwas breiter aufgestellt.
Dennoch funktioniert auch diese Sound-Option im Kontext mit (sehr) viel Verzerrung wunderbar, weil der Sound stets hochauflösend und enorm transparent abgebildet wird. Selbst extrem Metal-Sounds, wie beispielsweise der Boss HM-2 und seine zahllosen Derivate, können diese Gitarre in puncto Klarheit nicht aus der Reserve locken.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Im Grunde lässt es sich einfach auf den Punkt bringen: Im Bereich der modernen, klar auf Metal ausgerichteten Gitarren sehe ich für die LTD MT-1 derzeit nur wenig Konkurrenz. Natürlich ist dieses Segment unter den E-Gitarren sehr beliebt und dementsprechend heiß umkämpft. Was man hier jedoch geboten bekommt, ist schon enorm.
Die nahezu perfekte Verarbeitung, das makellose Finish, die ausgesprochen gute Werkseinstellung und die hervorragenden Komponenten machen die MT-1 zu einem professionellen Instrument, das auch den härtesten Bühnenansprüchen gerecht wird. Da mir aufgrund eines Versandfehlers zweimal die gleiche Gitarre zugeschickt wurde, hatte ich zudem die Möglichkeit, zwei MT-1 direkt zu vergleichen. Ich konnte hier nur kleinste Unterschiede im Klang feststellen, die aber spätestens im elektrischen Betrieb nicht mehr hörbar waren. Wer also auf der Suche nach einer echten Metal-Axt ist, darf hier bedenkenlos zuschlagen.
Plus
● Verarbeitung
● Spielbarkeit
● Tonabnehmer
● Voicing-Optionen
● geringes Gewicht
● Werkseinstellung

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)