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Die Schöne und das Biest

Test: Lakewood C-14 & D-45 Edition 2021

(Bild: Dieter Stork)

Nicht ohne Stolz präsentiert Lakewood-Mastermind Martin Seeliger seine Edition 2021. Die beiden Test-Modelle könnten unterschiedlicher nicht sein.

Und das ist super, denn so veranschaulichen sie die Bandbreite des Lakewood-Portfolios im Allgemeinen, und der Edition 2021 im Besonderen. Die beinhaltet sechs Instrumente und zeigt quasi beispielhaft, was im Custom-Shop so alles möglich ist. Lakewood hat ca. 20 Mitarbeiter, ist ansässig in Gießen, wurde 1986 gegründet und hat seitdem schon über 30.000 Gitarren produziert.

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KONSTRUKTION

Jetzt mal ans Eingemachte. Die Schöne im Test-Duo ist die C-14, ein Concert-Modell, eine richtig kleine Gitarre, die mit einer Gesamtlänge von ca. 94 cm sogar noch etwas kompakter ist, als meine zum Vergleich herbeigeholte Parlor-Gitarre. Diese zierliche Lakewood ist eine durch und durch elegante Erscheinung – Decke, zweiteiliger Boden und Zargen sind aus massivem Mahagoni gefertigt, die Ränder sind sauber und effektvoll mit hellem Edelholz eingefasst, das sich wunderbar vom dunklen, auf Hochglanz polierten Tobacco-Finish abhebt.

(Bild: Dieter Stork)

Die Korpuskanten sind, wie auch Steg, Griffbrett und Kopfplatte, mit einem Binding aus Mahagoni verstärkt. Stilprägend für die Decke sind vor allem die beiden Mother-of-Pearl-Ringe um das Schallloch und der (wie schon erwähnt) eingefasste Steg aus Ebenholz. Die Saiten sind hier mit Pins aus gleichem Holz fixiert, sie ruhen bei einer Mensur von 630 mm auf Stegeinlage und Sattel aus Knochen.

Der matt versiegelte Hals aus Cedro ist am 12. Bund angesetzt und mit einem Griffbrett aus Ebenholz belegt. Die 19 Bünde sind – wenig überraschend – perfekt eingesetzt, poliert und verrundet, Inlays gibt es hier nicht, in der Griffbrettkante sind aber Orientierungs-Dots zu finden. Ganz schnörkellos und stilecht kommt die Kopfplatte daher, rückseitig mit einer Volute verstärkt, frontseitig mit einer Auflage aus Ebenholz veredelt, in die der Firmenschriftzug aus Perlmutt eingelegt ist. Die offenen goldfarbenen Lakewood-Pro-Tune-II-Mechaniken mit Stimmwirbeln aus wiederum Ebenholz runden das stimmige Bild ab.

Dezent: L.R. Baggs Anthem SL mit Volume-Regler bei der C-14 (Bild: Dieter Stork)

Für die elektrische Verstärkung ist das bestens bewährte L.R.-Baggs-Anthem-SL-System an Bord. Die dezente Regeleinheit im Schalllochrand bietet ein Volume-Rädchen, auch die generelle Empfindlichkeit des Mikrofons lässt sich hier justieren. Der Klinke-Output sitzt unten auf der Zarge nahe dem Gurtpin, der übrigens, wie sein Pendant vorne auf dem Neck Heel (Halsfuß), aus Ebenholz ist. Die C-14 überzeugt bis hierhin mit ihrer ganz eigenständigen Ästhetik und der makellosen Verarbeitung … und einem coolen Lakewood-Gigbag von hoher Qualität.

Die D-45 ist der perfekte Gegenentwurf zur kleinen schicken C-14. Sie ist eine Dreadnought-Steelstring und sieht aus, als wäre sie schon in den 70ern mit Crosby, Stills, Nash & Young auf Welttournee gewesen. Ist das wirklich eine neue Gitarre? Ja, aber der Gitarrenbauer, der sie geaged hat, weiß anscheinend sehr genau, wie und an welchen Stellen eine Tour-geplagte Live-Gitarre ihre Blessuren davonträgt. Die 45 im Namen steht für Ziricote-Zargen und -Boden. Die optische Wirkung dieses attraktiven Holzes wird durch das offenporige Seidenmatt-Finish noch betont und mit einem Mittelteil des Bodens aus indischem Palisander akzentuiert.

(Bild: DIETER_STORK)

Die Korpuskanten werden mittels Palisander-Binding konturiert und stabilisiert. Der Cedro-Hals hat ein Palisandergriffbrett, verzichtet auf eine Einfassung, hat dafür aber Dot-Inlays und 20 Bünde. Im Gegensatz zum rundlichen C-Profil des C-14-Halses haben wir es hier mit einem V-Shape zu tun.

Etwas Besonderes ist dann noch die geschlitzte Fensterkopfplatte. Diese schöne Bauform hat Vor- und Nachteile. Die nach hinten zeigenden Stimmwirbel sind komfortabel zu bedienen, das Aufziehen neuer Saiten ist dafür etwas umständlicher als bei einer Standard-Kopfplatte. Auch bei der D-45 ist ein L.R.-Baggs-Anthem-System installiert, hier hat man im Schallloch außer dem Volume- auch noch einen Mischregler für das eingebaute Mikrofon sowie einen Phasenumkehrschalter und eine kleine LED-Kette, die den Ladezustand der Batterie anzeigt. Die Gitarre kommt gut geschützt in einem mega-stabilen Hiscox-Koffer mit Lakewood-Prägung im Deckel.

L.R.Baggs Anthem mit Volume, Phase und Mix fürs interne Mikrofon bei der D-45 (Bild: Dieter Stork)

PRAXIS

Bei einem Praxistest werden viele Sinne angesprochen – so ist es auf jeden Fall hier mit den Lakewoods. Die kleine C-14 lässt sich leicht auf dem Schoß platzieren, aber erst nachdem man die Nase einmal Richtung Schallloch bewegt und den schönen Holzgeruch aufgenommen hat. Dann merkt man, wie gut sich der matt versiegelte Hals anfühlt und wie komfortabel die Griffbrettkanten gestaltet sind. Die Platzverhältnisse auf dem Fingerboard kann man sich in etwa so vorstellen, als hätte man bei der Großen ein Kapo auf dem 3. Bund. Die Sinneseindrücke bei der D-45 sind ganz ähnlich, der rechte Arm kommt natürlich ganz anders in Position und das V-Profil des Halses legt sich anders in die Hand des Spielers.

Auch klanglich gehen C-14 und D-45 eigene Wege … und beide können positiv überraschen. Wer bei der wirklich kleinen Concert einen topfigen, bassarmen Klang befürchtet, wird sich über das stattliche Klangvolumen und die gesunde Lautstärke freuen. Auch Sustain und Dynamik-Reserven sind aller Ehren wert.

Wer bei der D-45 den bisweilen etwas bassig bis wummerigen Charakter mancher Dreadnought erwartet, wird nicht schlecht staunen über den ausgewogenen, lebendigen, klaren, fast schon schimmernden Grundklang dieses verschrammten Schlachtschiffs.

Beide Modelle transportieren ihre klangliche Ausrichtung auch gut über den Acoustic-Amp. Die D-45 kommt hier knochentrocken und tight aus dem Speaker, die C-14 kann ihr geringes Korpusvolumen hier noch weiter relativieren – starke Performance.

RESÜMEE

Zwei Top-Gitarren aus deutscher Fertigung, die in Sachen Design, Verarbeitung, Haptik und Klang keine Wünsche offenlassen. Du musst nur noch entscheiden, ob dein Herz eher für die Schöne oder das Biest schlägt.

PLUS

  • Design, Hölzer, Hardware
  • Aging (D-45)
  • Verarbeitung
  • Haptik, Bespielbarkeit
  • eigenständige Charakter-Klänge, akustisch und elektrisch

MINUS

  • kein „Case-Candy“ und kein Zubehör im Koffer/Gigbag

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 7/2019 Digital
Gitarre & Bass 7/2019 Digital
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Für mich sind Lakewood Gitarren in erster Linie eines,nämlich überzogen teuer! Mich konnte dieser deutsche Gitarrenhersteller bis dato noch nie großartig begeistern.Ich bringe es mal auf den Punkt,und bedauere,daß sich vornehmlich dieser besagte Gitarrenfabrikant mit seinen völlig überzogenen Preisen nun vollends ins Abseits katapultiert,denn auf diese Art und Weise sollte man bei Lakewood nicht unbedingt stolz sein.Kostengünstiger zu produzieren,und trotzdem einen fairen Kompromiss zwischen Lohnkosten und Materaleinkauf zu finden,und um obendrein zukünftig noch innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben,um langfristig somit die potenziellen Kunden an sich zu binden,wird faktisch das wichtigste Segment werden,und garantiert nicht eine geringe Minderzahl an gut betuchten Liebhabern,die sich einmalig eine hochpreisige Gitarre „aus deutschen Landen“ in ihrem Leben kaufen!
    Die gegenwärtige „Geschäftspolitik“ einzelner einheimischer Gitarrenhersteller scheint bis heute absolut unverständlich,und absehbar in der Versenkung zu landen.
    Dies ist der ausschlaggebende Grund,weshalb ich noch nie eine teure Gitarre (damals wie heute) aus deutscher Produktion kaufte!

    Es geht gar nicht darum,daß ich mir persönlich eine hochpreisige Gitarre nicht leisten könnte,ganz im Gegenteil.Ich finde aber die verstaubte Firmenpolitik der vornehmlich deutschen Gitarrenhersteller so abstrakt,daß sich mir der eigentliche Sinn und Zweck dieser obskuren Handlungsweise nicht erschließt.
    Und in Wahrheit fragen wir uns schon lange nicht mehr,weshalb es immer überwiegend deutsche Gitarrenfabrikanten trifft,die letztlich für immer ihre Pforten schließen.Willkommen in Deutschland,dem kleinen Land der Spätzünder und der Service Wüste! Größenwahn und Dekadenz kommt vor dem Verfall.

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  2. Ach,wie „günstig“,wer die völlig überteuerten Lakewood Gitarren im abgerockten Retro-Look gleich im Doppelpack kauft,ist gerade mal mit knapp 6.869,-€uro dabei.Ich wüßte da schon sofort,welche Gitarre ich mir schon prinzipiell niemals kaufen würde,-ja,genau,keine einzige von Lakewood! Merken diese deutschen Gitarrenfabrikanten eigentlich noch,wie irre hoch ihre Preise sind?!? Nur mal so nebenbei,eine streng limitierte Eastman Akustikgitarre mit edelster Adirondack Decke (Handmade in Beijing/China) gab es unlängst für unter 1.000,-€uro im Fachhandel! So geht es auch!

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