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Test: K’mo HybriT Deluxe

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(Bild: Dieter Stork)

In Berlin Kreuzberg hat sich mit K’mo Guitars eine kleine feine Manufaktur für Gitarrenbau etabliert, deren erklärtes Ziel es ist „ein einfaches, erschwingliches und zuverlässiges Instrument für professionelle Musiker und Enthusiasten zu schaffen.“

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In der Ausgabe 07/2021 hatten wir den ersten Testbericht über K’mo Guitars im Heft, und hey, wir waren beeindruckt! Der rührige und passioniert arbeitende Khaled Hassan, genannt Moe, versteht sich dabei gar nicht als Gitarrenbauer, sondern eher als Designer. Nun ist einige Zeit vergangen, und der gute Moe hat natürlich weitere Erfahrungen sammeln und seine Produkte nochmals verfeinern können, was wir hoffentlich im aktuellen Test bestätigt finden. Wohlan denn!

DER KERN DER SACHE

Bodenständige Philosophie: „Wir betrachten Gitarren als Präzisionsinstrumente. Klang, Spielbarkeit und Zuverlässigkeit sind das A und O. Wir interessieren uns nicht für Anwaltsgitarren oder Sammlerstücke, sondern für Arbeitsgeräte, die dich durch die gesamte Show und weit darüber hinaus begleiten. Um dies zu ermöglichen, haben wir uns an unsere Kunden gewandt und anhand ihrer häufigsten Wünsche eine Reihe von Standardmodellen mit begrenzten, aber vertrauten Optionen, wie Farb- und Tonabnehmerkombinationen, entwickelt.“ Um die Preise günstig zu halten, sind für alle groben Arbeiten bei K’mo Guitars natürlich CNC-Fräsen im Einsatz. Danach bleibt immer noch genügend Arbeit, die großteils von Moes kundiger Hand mit viel Widmung für das Detail höchstselbst ausgeführt wird.

Der Name HybriT deutet ja schon an, worum es geht: Würdigung des initialen Entwurfs, aber dann auch schon auf zu neuen Sternen! Nur leicht angelehnt also an den kalifornischen Klassiker, verfügt dieses spezielle T-Style-Design über einen gekammerten Korpus aus Mahagoni mit einer Decke aus Ahorn (Figured Maple). Modelltypisch ungewohnt ist auch der Hals aus Cedro mit Ebenholzgriffbrett, und nicht zuletzt generiert diese Konstruktion ihren Sound aus zwei Humbuckern.

Das alles führt uns natürlich in eine ganz andere Dimension von Möglichkeiten der Klanggestaltung, unterstützt dann auch noch von einer mittleren 635-mm-Mensur. Aber fassen wir erst noch einmal die technischen Eckdaten zusammen: Einer mittig gefügten Mahagoniplanke von gut 3,5 cm wurden über die Fläche verteilt gezielt kleinere Kammern gesetzt. Diese Basis ist mit einem planen Top aus attraktiv gemasertem Ahorn von etwa 6,5 mm Stärke, ebenfalls mittig verleimt, kombiniert. Am Boden finden wir eine großzügig geschnittene Anlagebucht. Der einteilige Hals aus Cedro (gehört entgegen seinem Namen zur Familie der Mahagonigewächse!) ist mit vier Schrauben über einen ergonomisch abgeflachten Aufnahmebereich mit Perfektion in seiner Halstasche im Body fixiert.

Hals aus Cedro mit Ebenholzgriffbrett (Bild: Dieter Stork)

Mittelstarke, glanzpolierte und kantenrund verarbeitete 22 Bünde im satt dimensionierten Griffbrett aus Ebenholz erweisen sich dank finaler Plek-Bearbeitung als optimal nivelliert. Die traditionell parallel nach hinten versetzte Kopfplatte mit Logo-Tortoise-Einlage auf der Front ist mit kleingriffigen Kluson-Style Mechaniken ausgestattet. Zwei Niederhalter sorgen für guten Andruck der Saiten auf den schmalen Knochensattel.

Geschmackvoll gestaltete Kopfplatte mit Kluson-Style-Mechaniken (Bild: Dieter Stork)

Am Korpus werden die Saiten (635-mm-Mensur) von einer Hardtail Bridge (Gotoh) mit der guten, alten String-thru-Body-Saitenhalterung gekontert. Die Saitenreiter auf der kleinen Grundplatte lassen sich einzeln justieren und schmeicheln der Hand mit einer angenehm glatten Oberfläche.

Hauseigene Humbucker, angepasst an das individuelle Instrument (Bild: Dieter Stork)

Elektrik: Auch die Pickups werden im Hause K’mo von Hand gefertigt und dem jeweiligen Instrument bestmöglich angepasst. Beim Testinstrument handelt es sich um zwei AlNiCo-Humbucker (3 am Hals, 5 am Steg) in leicht patinierten Nickel-Kappen mit deutlich differierenden Widerstandswerten von 5,3 kOhm (Hals) und 9,0 kOhm (Steg). Tele-like ist dann wieder die kleine Platte mit der bekannt schlichten Schalt- und Regelmimik: 3-Wege-Schalter und generelle Potis für Volume und Tone – that’s it! Den unteren Bereich der Decke schützt ein dreilagiges Pickguard.

Das vorgelegte HybriT Deluxe-Modell erschien spielbereit und perfekt eingestellt zum Test und wird in einem Gigbag geliefert.

Soundcheck und Resümee auf Seite 2

Mahagonibody mit Kammerfräsungen und Anlagebucht (Bild: Dieter Stork)

KLANGREISE STATT KLASSIKER-KOPIE

Ein Buchstabe macht den Unterschied: Hätten wir es mit Hybris zu tun, läge eine maßlose Selbstüberschätzung vor. Das T am Wortende ändert aber alles, denn gemeint ist mit dem Begriff HybriT hier natürlich die Symbiose aus T-Style und LP-Style Modell. Zunächst tritt diese mit 3,7 kg gar nicht mal so leichte, aber noch gut tragbare Gitarre mit höchst angenehmen Spieleigenschaften an, wobei neben der komfortablen Anlage und perfekten Ausrichtung mit Griffbrettaufsicht vor allem das überaus gefällige Halsprofil zu nennen ist. Kraftvoll, rundlich und doch geradezu widerstandslos einladend füllt es die greifende Hand. Vielleicht in diesem Zuschnitt nicht jedermanns Sache, aber doch absolut stimmig profiliert (Willst du es anders, sprich mit Moe!). Die gratfreie Bundierung und eine tief eingerichtete Saitenlage ergänzen die guten Eindrücke.

Hals aus Cedro mit Griffbrett aus Ebenholz kennen wir als Standard bei Konzertgitarren. Das hat gute Gründe und erzeugt auch in Verbindung mit der vorgelegten Schraubhalskonstruktion plus Mahagonibody ein stimmlich ausgewogenes Klangbild mit schneller Tonentfaltung. Substanzreiche Tonfarben und eine gute Standfestigkeit gehaltener Noten sind über das gesamte Register hinweg in allen Griffbrettpositionen zu erzielen.

Gehen wir in den Amp, so erweisen sich die Pickups als so gegensätzlich abgestimmt, wie es die Widerstandwerte bereits vermuten ließen. Der Humbucker am Hals übersetzt ein volltönend aufgelöstes Spektrum harmonisch bestens vereinter Stimmen im Akkord. Nicht zu üppig im Bass und mit klarer Saitentrennung, sorgt das für weiche, aber auch perlfrische Klangauflösungen, die fast schon wieder an einen hochgerüsteten Tele-Halspickup erinnern könnten. Dennoch bleibt es ein Humbucker, ohne Störgeräusche und mit dem gewünschten Mehr an Dichte und Durchsetzungskraft.

Schalten wir auf den Steg-Pickup, ändert sich die Tonfarbe grundsätzlich. Dieser stärker gewickelte Pickup verengt das Frequenzspektrum stark und fokussiert die Mitten. In klaren Verstärkerpositionen ist der Höhentransport deutlich eingeschränkt, und auch die Bässe erscheinen tendenziell kompakt. Schon klar, wohin die Reise gehen soll, denn im Overdrive lässt sich darüber natürlich ein stark nach vorne aus der Mitte heraus drückender Ton erzeugen, der bemerkenswert gut formbar ist. Powerchords legen das Brett kompakt und trocken; Lead Lines folgen spontan dem differenziert agierenden Finger bzw. dem musikalischen Impuls des Spielers besonders willig. Das nun ist wirklich alles andere als Tele! Da weiß man, wo der Barthel seinen Most holt. Dieser Pickup ist also ein echter Rocker mit viriler Attitüde: klangstark, obertonsatt, sustainreich.

Bleibt noch der Kombi-Sound aus der Zusammenschaltung beider Tonabnehmer. Auch der überzeugt mit seiner Melange von klar zeichnender Auflösung und seidigem Glanz. Etwas gespreizter in der Auflösung bei Akkorden, im Vergleich zu den Einzelschaltungen, aber sowieso ein substanzreicher Klang, der in allen Schaltstellungen von smooth bis hot eine rundum gute Figur macht.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Nachweis gelungen: K’mo Guitars legen die Latte nochmals höher. Mit seinem Modell HybriT Deluxe zeigt Moe Hassan ein feines Gespür für das Zusammenspiel der Kräfte, wenn es um die Generierung geschmackvoll differenzierter Sounds geht. Die Konstruktion von Mahagonibody mit geschraubtem Hals aus Cedro sorgt in der Auslegung mit zwei Humbuckern für ein integres Tonbild mit viel Freiraum für die klangfarbliche Gestaltung. Das ist nicht zuletzt den auf recht unterschiedliche Zielrichtungen hin gewickelten Tonabnehmern zu danken, die vom angelehnt kernig-cremigen Tele-Charme des Hals-Pickups bis hin zur drückenden Rock Power des auf mittige Herztöne zielenden Steg-Humbuckers reichen und dabei viele Zwischentöne zulassen. Da nun auch noch der kräftig, rundlich profilierte Hals ausgesprochen griffig in die Hand fällt und mit seiner sauberen, Plek-finalisierten Bundbearbeitung für höchsten Spielkomfort sorgt, erfährt die zuvor suggerierte, ja, auch erwartete Verfeinerung erfreulich professionelle Bestätigung. Ein tolles, klanglich bewegliches Instrument mit einem Top-Preis-/Leistungsverhältnis, das sich übrigens auch noch recht umfassend (Halsprofil, Pickup-Konfiguration, Farbgebung u. ä.) nach persönlichen Wünschen vom Kunden mitgestalten lässt. Na dann: Gut Holz! ●


Plus

  • funktionsstarkes Design
  • Konstruktion mit Korpuskammern
  • Schwingeigenschaften, Sustain
  • konträr gewickelte Pickups, bewegliche Sounds
  • rundlicher Hals aus Cedro mit Ebenholzgriffbrett
  • Spieleigenschaften
  • Verarbeitung


(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)

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