KLANGVIELFALT
Die RGA20PB1 wurde bestens eingestellt angeliefert und glänzt mit allerhöchstem Spielkomfort, direkt aus dem Gigbag heraus. Mit knapp 19 mm ist das Halsprofil am 1. Bund nicht ganz so flach, wie man es von anderen Wizard-Hälsen kennt, und entpuppt sich auch dank der glatten, imprägnierten Oberfläche förmlich als Handschmeichler. Am Gurt und auf dem Bein bestens ausbalanciert, bietet das modifizierte Stratshaping hohen Tragekomfort und der verrundete Halsübergang barrierefreies Bespielen der höchsten Lagen, zu dem die penibel verrundeten und polierten Enden der Bunddrähte beitragen.
(Bild: Dieter Stork)
Wenngleich unsere Protagonistin im Unplugged-Betrieb nicht sonderlich kraftvoll daherkommt, zeigt sie doch ein sehr ausgewogenes, transparentes, lebendiges und obertonreiches Klangbild. Mit flinker, akzentuierter Ansprache, vitaler Tonentfaltung und beeindruckend stabilem Sustain sammelt die neue RGA20PB1 weitere Pluspunkte und zeigt sich damit in puncto Dynamik von ihrer Schokoladenseite.
Obgleich Ibanez hier offenbar primär die Metal-Fraktion als Zielgruppe im Visier hatte, kann unser Testobjekt auch bei Klarklängen punkten. So tönt der Hals-Humbucker am clean eingestellten Amp zwar voluminös, aber dennoch ausgewogen, definiert, transparent und niemals bassüberladen. Der Steg-Pickup liefert straffe, knackige Bässe, kommt klar und spritzig und kann bei intensiverem Anschlag auch die Zähne fletschen.
Die Pickup-Kombi perlt indes munter und leicht glockig drauflos, deckt also alles ab, was cleane Arpeggien und Rhythmusarbeit erfordern. Mit steigendem Gain setzen die DiMarzio Fusion Edge ihr Mittenpotenzial in Szene, lassen zugleich aber auch die Höhen aggressiver und bissiger werden. Trotz aller Kompression lässt dies das Klangbild offener und luftiger, zugleich aber auch druckvoller erscheinen.
Neben der Standardkonfiguration zweier Humbucker – also Hals, Steg und Hals+Steg – sind in den Positionen 2 und 4 des Fünfwegschalters die inneren bzw. äußeren Singlecoils der Doppelspuler simultan in Betrieb (siehe Grafik). Das komplette Klangspektrum inklusive der Zwischenpositionen meistert sowohl Clean- wie Crunch- als auch High-Gain-Sounds mit definierten Bässen, durchsetzungsstarken Mitten, nicht übermäßig scharfen Höhen, lebendiger Transparenz, exzellenter Dynamik und langsam und kontinuierlich abklingendem Sustain.
Aktiviert man den Alter Mode (Alter Switch Richtung Volume-Poti), der quasi das Herz der Ibanez dynaMIX10-Schaltung darstellt, stehen fünf weitere Sounds zur Verfügung. In den Zwischenpositionen 2 und 4 sind jeweils die Stegspulen der Humbucker am Start, in Mittelstellung beide gleichzeitig. In den Positionen 1, 3 und 5 kommt die Ibanez-Power-Tap-Schaltung zum Einsatz, die den Humbuckern interessante Sounds entlockt.
Dabei wird das tieffrequente Signal der angezapften Spule der anderen zugemischt, was zu einem kräftigeren Klang als der einer Einzelspule führt. Im Vergleich zu den Humbucker-Klängen ohne Power Tap erscheinen hier die Mitten und oberen Mitten wärmer und gedämpfter, gleichzeitig werden die Höhen nahezu beibehalten und die Bässe leicht angehoben. Unterm Strich ergibt dies drei zusätzliche, insgesamt etwas wärmere Sounds.
Da jedoch der Power Tap Mode den Brummunterdrückenden Effekt der Humbucker außer Kraft setzt, sind bei Distortion-Sounds in den Positionen 1, 3 und 5 Störgeräusche zu vernehmen. Andererseits vermeidet die dynaMIX10-Schaltung die chronischen Pegelunterschiede zwischen Humbuckern und deren Einzelspulen.
Die Leichtgängigkeit und gleichförmige Regelcharakteristik der Potis ist ebenso lobenswert wie die Effizienz der Treble-Bleed-Schaltung, die Höhenverluste beim Herunterregeln der Lautstärke minimiert. Das Ibanez Edge Locking Vibrato arbeitet wunderbar geschmeidig und bleibt selbst nach extremen Up- und Downbendings in Tune. Dank seiner Kunststoffmanschette rotiert der Steckhebel absolut spielfrei.
RESÜMEE
Nicht nur optisch macht die neue Ibanez RGA20P1 richtig was her, sondern kann auch schwingungstechnisch und klanglich auf ganzer Linie überzeugen. Dank ihrer dynaMIX10- und Power-Tap-Schaltungen stehen insgesamt zehn Klangvarianten abrufbereit zur Verfügung. Ihre sehr gute Dynamik und das stabile Sustain fördern die Tonbildung und kommen ausdrucksstarkem, nuanciertem Spiel zugute.
Aufgrund ihres umfangreichen Klangangebots und ihrer enormen Vielseitigkeit fällt es schwer, die Gitarre für ein bestimmtes musikalisches Genre zu empfehlen. Eine echte Allrounderin also. Design, Ergonomie, Haptik, Funktionalität und Spielkomfort stellen neben makelloser Verarbeitung weitere Highlights dar. Kurz: viel Gitarre fürs Geld.
Plus
● Sounds
● Klangvielfalt
● Dynamik und Sustain
● dnyaMIX10- und Power-Tap-Schaltungen
● Qualität der Pickups & Hardware
● Optik
● Bespielbarkeit
● Verarbeitung
● Preis-Leistungs-Verhältnis

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)