Produkt: Robert Cray Special
Robert Cray Special
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Exotenmix

Test: Harley Benton SC 550 Plus EMG FTF & SC Custom Plus EMG TBF

(Bild: Dieter Stork)

Eine LP-Style-Singlecut ist aus Mahagoni, hat eine Ahorndecke, ein Palisander- oder Ebenholzgriffbrett und klassische PAF-Humbucker. Diese Vorstellung hat sich über Jahrzehnte bei vielen Gitarristen eingebrannt. Die neuen Singlecuts aus dem Hause Harley Benton gehen in eben diese Richtung, es kommen aber Hölzer wie Okoumé oder Jatoba zum Einsatz.

Trotz optischer Unterschiede sind die beiden Testgitarren im Wesentlichen gleich konstruiert. Die Basis ist ein mehrteiliger Korpus aus Okoumé. Dieses dem Mahagoni nicht unähnliche Holz wird überwiegend in Zentralafrika angebaut und hält zunehmend Einzug in den Instrumentenbau. Die Gitarren tragen auf den ersten Blick ansprechende Decken aus AA-Riegelahorn, die sich bei genauerem Hinsehen aber als dünne Furniere entpuppen. Der eingeleimte Hals, dessen Fuß etwa bis zur Mitte des Halstonabnehmers in den Korpus ragt, ist aus Nyatoh, das ebenfalls gern als Alternative zu Mahagoni und häufig zum Bau von Hälsen genutzt wird.

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Das aufgeleimte Griffbrett aus Jatoba (südamerikanische Kirsche), trägt 22 Medium-Jumbo-Bundstäbe (Jumbo-Bünde bei der SC Custom) und die für Les Pauls typischen Trapez-Inlays aus Pearloid. Beide Gitarren haben ein cremefarbenes Binding, das sowohl Korpus als auch Hals einfasst, bei der SC 550 Plus aber die Kopfplatte auslässt. Weitere Gemeinsamkeiten sind die sauber laufenden SchallerStyle-Locking-Mechaniken sowie die Kombination aus Tune-o-matic-Brücke und Stop-Tailpiece aus dem Hause WSC. Trotzdem haben wir es bei den SCs mit zwei unterschiedlichen Ansätzen zu tun.

Die SC 550 Plus EMG FTF orientiert sich klar an den Gibson Les Pauls der 60er-Jahre, was sich vor allem an der klassischen Tobacco-Sunburst-Optik und dem kräftigen Halsprofil bemerkbar macht: 21,3 mm im ersten und satte 23,5 mm im zwölften Bund dürften vor allem Gitarristen mit großen Händen und/oder Vintage-Liebhaber erfreuen. Auch der Korpus ist mit einer Stärke von 49,9 mm auf der altmodischen Seite. Wie der Name der Gitarre bereits andeutet, kommt ein Tonabnehmer-Set von EMG zum Einsatz. Allerdings hat sich Harley Benton hier für die vergleichsweise jungen Retro-Active-Pickups entschieden. Bei der SC 500 Plus fiel die Wahl auf das FAT-55-Set, das mit Alnico5-Magneten ausgestattet ist und sich an den PAF-Humbuckern der 50er- und frühen 60er-Jahre orientiert.

(Bild: Dieter Stork)

Die in einem transparent honigbraunen Ton lackierte SC Custom Plus mag ihrer Schwester in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich sein, verfolgt aber einen moderneren Ansatz. Als Vorlage dürfte hier die Eclipse-Reihe von ESP/LTD gedient haben. Der Korpus ist mit 42,7mm spürbar dünner und dank des Wampen-Shapings auf der Rückseite auch etwas komfortabler. Mit 21 mm im ersten und 22,7 mm im zwölften Bund, fällt das Halsprofil ein wenig schlanker aus. Hier kommen EMG-Hot-70-Pickups zum Einsatz, die die etwas heißer gewickelten Tonabnehmer der späten 70er-Jahre mit dem typischen EMG-Preamp vereinen sollen.

Bei beiden Gitarren sitzen die Pickups übrigens unter konventionell aussehenden Kappen, sodass der klassische Look erhalten bleibt. Während die SC 500 Plus mit einer typischen Les-Paul-Schaltung und klassischen Top-Hat-Reglern ausgestattet wurde, kommt die SC Custom Plus mit der ESP-typischen Elektronik und modernen Dome-Speed-Knobs. In beiden E-Fächern geht es recht manierlich zu – die Verwendung von Abschirmlack und einer Aluminiumfolie auf dem Kunststoffdeckel sei hier lobend erwähnt. Damit ein Batteriewechsel schnell von der Hand geht, wurde beiden Instrumenten ein Batteriefach mit Klappdeckel spendiert.

EMG-Retro-Active-Pickups in klassischer PAF-Optik (Bild: Dieter Stork)

KLASSISCHER KLANG

Im Praxistest darf die SC 550 Plus als Erste ran. Mit 3,9 kg ist die Single-Cut kein Leichtgewicht, vermittelt aber ein hochwertiges Gefühl. Sie hängt ausgesprochen gut am Gurt, mit leichtem, für Les Pauls typischem Zug in Richtung Korpus. Akustisch gespielt klingt sie schon kerngesund. Ein strammes Bassfundament trifft auf ein explosives Obertonspektrum, das mit seinem knackigen Attack quicklebendig klingt und gleichmäßig ausschwingt.

Am Verstärker stelle ich im cleanen Betrieb fest, dass die Retro-Active-Tonabnehmer eine gute Wahl sind. Anders als ihre etwas moderneren Kollegen (81, 85, 60, 57/66, Het Set) klingen diese Pickups etwas ausgewogener und weisen eine weniger ausgeprägte Betonung in den Hochmitten auf. Der Halstonabnehmer bringt eine Wärme mit, die vor allem Singlenotes eine tolle Festigkeit verleiht. An der Stegposition deutet sich bereits eine muskulösere Klangästhetik an, die vor allem eine breite Anhebung des Mittenspektrums mit sich bringt. Im Overdrive-Kanal des Verstärkers setzt sich dieser Eindruck fort.

Während der Halstonabnehmer zu singend-süßen Singlenotes verführt und diese mit vielen Obertönen ausschmückt, liefert der FAT-55 am Steg ein richtiges Rockbrett. Die Mitten haben einen breiten Stand im Klangbild, während in den Bässen ein beachtliches Fundament aufgebaut wird. Die Pickups bringen zwar eine Vintage-Ästhetik mit, können (und wollen) ihre Herkunft aber nicht verleugnen: Die schnelle Tonansprache und Durchsetzungsstärke, für die EMG so berühmt ist, ist auch bei den Retro-Active-Pickups zu hören.

Dieser Eindruck wird bei der SC Custom Plus noch einmal verstärkt. Zunächst sei gesagt, dass diese Gitarre zwar nur knapp 200 Gramm weniger auf die Waage bringt, sich aufgrund des dünneren Korpus und des rückwärtigen Shapings aber moderner anfühlt. Akustisch gespielt ist der Unterschied, dass die Bässe einen Schritt nach hinten treten und einem etwas ausgeprägteren Mittenspektrum Raum lassen.

Am clean eingestellten Verstärker zeigen sich die HOT-70-Pickups sofort angriffslustig und lassen die Vorstufe meines Verstärkers knistern. Die oberen Mitten treten an beiden Pickup-Positionen deutlich weiter hervor, was sich im Overdrive-Kanal noch deutlicher bemerkbar macht. Während der Halstonabnehmer etwas mehr singt als der FAT-55-Kollege, lässt der Stegtonabnehmer einen gewissen Brown-Sound-Flair aufleben. Die Ausgangsleistung legt im Vergleich ein gutes Stück zu und die Verzerrung wird insgesamt komprimierter.

Durch die deutlichere Betonung der oberen Mitten rückt das Plektrum-Attack weiter in den Vordergrund, was bei schnelleren Singlenotes für genug Klarheit sorgt. Abgestoppte Metal-Riffs sind überhaupt kein Problem – im Gegenteil: Für manchen Old-Schooler könnte sich diese Mischung aus Retro-Klangästhetik und zackiger Ansprache als durchaus wünschenswert erweisen.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Was Harley Benton hier für unter € 500 abliefert, ist wirklich beachtlich. Beide Instrumente fühlen sich beim Spielen nach deutlich „mehr“ an und müssen sich auch vor Vertretern aus den höheren Preissegmenten keineswegs verstecken. Beide Gitarren bringen einen kerngesunden Sound mit, der durch die Retro-Active-Pickups wunderbar wiedergegeben wird. Natürlich sollte man sich die Frage stellen, wie es möglich ist, dass derart gute Gitarren zu einem so geringen Preis herstellt werden können. Wer diese Frage für sich selbst zufriedenstellend beantworten kann und auf der Suche nach einer preiswerten und dennoch guten Les-Paul-Style-Gitarre mit toller Optik und Ausstattung ist, sollte den beiden Harley-Benton-SC-Modellen eine Chance geben.

PLUS

● Preis/Leistung
● EMG-Tonabnehmer
● Sound
● Optik

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2021)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 04/2018
Gitarre & Bass Digital 04/2018
Extended Range Guitars auf der NAMM Show 2018 +++ London Calling! DieHighlights von der London BassGuitar Show 2018 +++ Test: Gibson Les Paul +++ Playalongs

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die gute alte Silhouette des Original Les Paul Modells wurde bis heute so oft kopiert,daß einem fast schon schwindelig wird.Bisweilen kam mir jedoch noch nie eine echte LP mit aktiven Tonabnehmern und dünnem Furnier unter.
    Ich bevorzuge aber auch weiterhin lieber das Original,egal,ob es bleischwer und zweifellos bedeutend hochpreisiger ist.Wem aber diese sehr günstige LP Kopie von Harley Benton mit aktiven EMG Pickups und seltsam gestaltetem Kopfplattendesign gefällt,der wird vermutlich auch mit einer billigen Ellektrischen aus Indonesien glücklich werden.Fazit: eine originale Gibson Les Paul ist und bleibt eben faktisch das Original,daran wird niemals jemand rütteln wollen.Der Klang einer echten Gibson LP ist (auch in der „günstigsten“ Version) nun einmal sehr typisch,und begeistert global seit jeher die Mehrzahl der Gitarristen/-innen.Ganz klar gab es auch für das Original epochal etliche Abstriche,sei es in der Verarbeitung,bei den Lackierungen u.s.w.
    Dies ist bereits hinlänglich bekannt,täuscht aber keineswegs darüber hinweg,daß selbst bis dato die preiswerteste Gibson LP aus den U.S.A. eben ganz „Gibson-like“ klingt.Sehr ähnlich verhält es sich mit einem Original einer Strat-oder Tele,aber das ist dann wieder eine ganz andere Geschichte.

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  2. Sehr aufschlussreich und gut geschrieben. Ich habe eine ähnliche Erfahrung mit einer HARLEY Benton Paula gemacht bin aber jetzt überaus begeistert von der 12 string version in Anlehnung an Rickenbacker Design. Da stimmt wirklich alles und für rund 250 Euro ist das Ding sensationell günstig.
    Ich finde es gut und habe dieses auch bei früheren HB Tests von GITARRE & BASS gesehen dass den Instrumenten verdientes Lob zuteil wird. Kleinere Abstriche kann man durchaus in Kauf nehmen. Mit einem AC30 oder Mesa Boogie klingen die HB Schätzchen wie die Originale.
    Ich weiß wovon ich rede denn ich habe sie.

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  3. Moin erstmal,
    in der Musikschule in der ich bis vor kurzem probte, mußte ich laufend irgendwelche Harley Benton Gitarren begutachten bzw. reparieren, oder überhaupt bespielbar machen.
    Vielleicht hat Harley-Benton Qualität in den letzten Wochen einen mächtigen Sprung nach vorn gemacht, und sicher gibt es auch mal positive Ausreißer, aber meiner Erfahrung nach stehen fast immer die Bundstäbchen seitlich über und sind unterschiedlich hoch, Sättel sind schief eingesetzt, Brücken so, daß man keine Oktavreinheit einstellen kann. Bei LP und ES Modellen waren die Hälse im Hals -Korpus Übergang komplett ausgehöhlt und auf einen schmalen Klotz, und noch dazu schief eingeleimt, offentsichtlich, um die Halsneigung ohne handwerkliches Können hinzukriegen. So wird jegliche Schwingungsübertragung eliminiert, das Instrument klingt dumpf. Überall wo man handwerkliche Fehler machen kann, waren sie auch zu finden.
    Vor langer Zeit waren die Tele-Strat u.-E-Bass usw. Kopien mal fast auf Squier-Niveau, andere Modelle konnten im Einzelfall Epiphone Standart erreichen. Der Großteil der Harley-Bentonprodukte war aber meinem bescheidenen Anspruch nach völlig unbrauchbar. Instrumente, mit denen man frisch aus der Fabrik keinen einzigen sauberen Ton produzieren kann, sind meiner Meinung nach ein Verbrechen an der Umwelt, sinnlose Verschwendung von Ressourcen, und eine Täuschung des Verbrauchers, der im Falle der Billiginstrumente meist Anfänger ist, und nicht in der Lage die Qualität zu beurteilen !

    Wem solche Gitarren trotzdem gefallen wird, sicher Gründe haben, die aber nicht mit Musik korrelieren, vielleicht mit finanziellen Erwägungen jeglicher Art.

    Denn das Argument, es brauche auch billige Gitarren für weniger Betuchte, zählt nicht, eine Gitarre die unbespielbar ist bleibt es auch, wenn man sie geschenkt bekommt.

    Um zu behaupten, eine 199.-€ Gitarre klänge wie das Original für 4000.-€ sollte man so ein Instrument auch mal in der Hand gehabt haben.
    Wer aber professionelle Instrumente gewohnt ist, wird nicht ersthaft eine Tele für 69.-€ spielen wollen. Wer aber besagte Tele stolz sein eigen nennt, kann sich vermutlich die Fender nicht leisten.

    Diese vernichtende Kritik gilt auch für Rocktile, Rocktone, Jack&Danny und alle diese Billigmarken, die dem angehenden Musiker den Spaß verderben.

    Gibson, Fender, Rickenbacker etc. sind durchaus nicht die einzig akzeptablen Marken, es gibt auf der ganzen Welt ernsthafte Hersteller, die für einen Drittel des Gibsonpreises den “alten” Herstellern die Stirn bieten können. Wer bereit ist ungefähr einen 1000er hinzulegen , kann z.B. bei Yamaha, Ibanez, Eastman, Stanford, Guild, PRS und vielen anderen Mitbewerbern sicher sein, ein hochwertiges und professionelles Instrument erwerben zu können.
    Ich freue mich schon schier wahnsinnig auf alle Eure Kommentare, ich liebe euch auch!
    Mit besten Grüßen, Peter W. Greiert

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Na dann will ich mal Deinen Kommentar kommentieren, lieber Peter….:

      Dein Kommentar basiert auf Deinen vielfältigen Erfahrungen, die ich nicht anzweifeln will. Das stünde mir auch in keiner Weise zu, da es viele Beispiele derartiger Zitronen gibt, leider. Ich kenne allerdings auch einige Gitarristen, die mit Harley Benton und anderen günstigen Anbieter auch mal gute Erfahrungen gemacht haben. Das ist aber wohl nicht die Regel.

      Ich gehöre zu denen, die aus Gitarren mit Defiziten gute bis manchmal sogar sehr gute Gitarren machen, und zwar seit rd. 40 Jahren. Anfangs nur, um mir selbst zu guten und doch nicht so teuren Gitarren zu verhelfen, um damit vorwiegend Sound-Experimente machen zu können, obwohl ich früh meine erste echte Fender hatte, deren Sounds mir aber zu simpel / eintönig waren.
      .
      Jetzt fast 70-jährig, mache ich das seit rd. 20 Jahren intensiv, um Zitronen, wie sie von Dir teils eben zu recht beschrieben wurden, zu wirklich gut zu bespielenden und insbesondere auch elektronisch dann endlich vielfältig klingenden Gitarren zu machen, und zwar konzentriert auf Strats und Teles. Das ging nicht bei jedem Stück, denn eine akzeptable Mindest-Substanz muss jede Gitarre bei mir haben. An dieser Passion, damit letztlich anderen Gitarristen zu helfen, änderten auch nicht meine sukzessiven Traumverwirklichungen (Fender CS-Strats und Teles sowie meine besonders geliebte 55er Master Built CW.Fleming-Strat sowie einige Gibsons), denen meine Arbeiten natürlich in keiner Weise Konkurrenz machen können und sollen. Für die Bespielbarkeit (Hals + Haptik) waren diese Stücke allerdings stets Muster und Ansporn.

      Es ist ein Hobby, mit dem ich vielen Gitarristen jeden Alters und Erfahrungsgrades zu neuen positiven Erfahrungen mit günstigeren Strats und Teles (60 bis 1000 € NP) verholfen habe.

      Auf billige bis midprized Strats + Teles bezogen, kann ich daher vielleicht einigen Lesern trotz Deines umfangreich negativen Kommentars Hoffnung machen: mit den Erfahrungen eines ernsthaften Hobby-TECH /-Gitarrenbauers lassen sich viele ab Werk unspielbare bzw. wenig Spaß bringende Teile ganz erheblich verbessern. Und von meinem Typus gibt es sicherlich noch mehr…. Da viel Zeit, Erfahrung und auch Ersatzteile halbwegs honoriert werden müssen, muss man dafür aber Aufpreise von 100 bis 300 € bereit sein zu zahlen. Lohnt sich das für Gitarristen? Gemäß der vielfältigen Feedbacks bislang in jedem einzelnen Fall: JA !

      Als Hobby-TECH mache ich keine aktive Werbung, denn es soll Hobby bleiben. Wer will, kann sich insbesondere meine besonderen Schaltungen in YT mal anschauen, um zu sehen, was so geht: Kanal gittevarii.
      Auf Musikerflohmärkten im Norden kennt man mich auch seit über 20 Jahren. Meine Kommentare in G&B sind unter meinem alias, den ich seit Jahrzehnten verwende, ebenfalls zu finden. Einfach mal googeln.
      Viel Spaß!
      Bleibt alle schön gesund…. Und keep Rockin‘ and Bluesin‘
      Euer MrHKBlues

      Auf diesen Kommentar antworten
      1. Moin MrHK.Blues,
        auch ich repariere seit meiner Jugend jetzt ca. 50 Jahre lang Musikinstrumente, und es bringt einfach keinen Spaß, bei der 10000sten 100.-€ Gurke die Bünde zu richten, Sattel zu erneuern, die Hardware auszutauschen, teilweise BareKnuckle oder SeymourDuncan Pu´s in Harley Bentons einzubauen, um dann festzustellen, sie klingt genauso sch… wie vorher. Auch ohne daran zu verdienen, muß ich dafür das 3-Fache des NP der Gitarre nehmen. Das macht für mich keinen Sinn, auch wenn die Kunden zufrieden sind.

        Wenn Du aber z.B. eine Stanford Crossroad Thinline 35 (1199.-€NP) mit Lollar-Imperial Pu´s ausrüstest, dazu Alu-Stoptail, ´ne vernünftige Bridge einbaust, Bünde nivellierst, und die Kondensatoren gegen 22nf Orange Drops tauscht, ein bschen Einstellungsarbeit, dann hat die Gitarre ca. 1800.-€ gekostet, hört sich aber an wie Gibson Custom Shop, mit sogar noch besserer Bespielbarkeit. Das macht richtig Spaß!

        Ich hab´ das jetzt nicht so mit den zusammengeschraubten Gitarren. Ich bevorzuge gute Es 335 Type- und Jazz -Gitarren, alles Andere sind doch eh nur Bretter 🙂 !
        Trotzdem werde ich mir mal Deinen Kanal ansehen. By the way, ham´ wir uns nicht mal in Kiel, Hansastr.48 getroffen? Du mit ner Tele, die fast gekauft hätte? Anyway…

        Eines gilt für alle Instrumente:
        Eine Gitarre durch neue Bauteile, liebevolles Feintuning an Bünden Sattel, Bridge, Mechaniken usw. aufzuwerten lohnt sich erst, wenn die Substanz des Instrumentes stimmt.

        Eine gute Gitarre kann nur bei Herstellern entstehen, wo Arbeitsklima und Bezahlung stimmen. Überall auf der Welt muß der Zupfinstrumentenbauer sein Handwerk lernen, um akzeptable Qualität zu produzieren. Der arbeitet dann eben nicht nur für Centbeträge. Auch nicht in China. So hat die Substanz ihren notwendigen Preis.

        Viele Billig- Instrumente werden oder wurden zuletzt z.B. bei Cort (Cortec) hergestellt, dieser Hersteller ist seit den 1970er Jahren berüchtigt für die häufigen Selbstmorde unter den meist ungelernten Arbeitern. (WikiPedia). Weiterhin verarbeiten Unseriöse Billighersteller illegal geschlagenes Holz, daß dann auch noch mies verarbeitet wird.

        Mit Billig-Musikinstrumenten ist es nämlich genauso wie mit 2.-€ T-shirts von Kik, für die im Zweifel auch mal ein paar Näherinnen verbrennen müssen, um den Preis zu halten, mit dem Unterschied, daß Gitarren eigentlich keine Einwegware sein sollten.

        Also bitte: kauft am Besten von seriösen und renommierten Herstellern. Geiz ist nicht geil, sondern im Zweifel auch mal tödlich!

        Mein Ratschlag für die Junggitarristen wäre, sich auf dem Gebrauchtmarkt nach einer mindestens 10 Jahre alten Marken-Gitarre für um und bei 400.-€ umzusehen, und zum Kauf einen wirklich (!) erfahrenen Musiker mitzunehmen. Wenn die alte Klampfe beim Kauf ok. ist, bleibt sie es auch. Darunter wird man nichts Brauchbares erwerben können. Bei Neuware wird es entsprechend teurer.
        So, für heute habe ich genug rumgeschwurbelt.
        Let the good times roll….

        Peter W. Greiert (Echtname)

        Auf diesen Kommentar antworten
        1. Hallo Peter, alles OK. Ja, wir kennen uns aus Kiel. Im Gegensatz zu Dir macht es mir unverändert Spaß, auch aus Cheapos noch etwas vernünftiges zu machen. Und da widerspreche ich Dir: nach meinen Erfahrungen klingen sie dann nicht genauso sch… wie vorher. Denn dann würde ich auch kapitulieren und meine kostbare Zeit anderweitig verwenden. Den meisten Spaß habe ich natürlich, wenn ich an und mit wertigen Materialien arbeite.

          Deinen abschließenden Ratschlag teile ich. Nur würde ich immer noch eine Grundveredelung vornehmen. Top abgerichtete Bünde lohnen sich beispielsweise immer.

          Dein Hinweis auf Echtname ist angekommen. Ich bin in meinem Berufsleben in exponierter (googelbarer) Stellung gewesen und lasse diese schöne erfolgreiche Zeit gerne unabhängig von meinen heutigen Aktivitäten ruhen.
          Viele Grüße
          MrHKBlues

          Auf diesen Kommentar antworten
        2. Hallo Peter W. Greiert,ich stimme deinem Beitrag voll zu.Es ist sehr erschreckend,und beklemmend zugleich,daß etliche Markenlabel,wie Ibanez,Fender,PRS/SE und Co. seit Jahrzehnten bei Cort/bzw. Cor-tek in Billiglohnländern „ihre“ Gitarren bauen lassen! Habe mit großem Interesse die Seiten über Cort im Internet gelesen,und kann deine Zeilen daher leider nur bestätigen.Den Beschäftigten bei Cort/Cor-tek (PRS-SE-Gitarren) ging,und geht es in Süd-Korea extrem miserabel.Sie schuften dort wie die Tiere zu extremen Hungerlöhnen,werden von ihren Familien dauerhaft getrennt,leisten unfreiwillig Überstunden,und wählen aus reiner Verzweiflung oft sogar den Freitod! Soviel Not und Elend ließ eine globale Kampagne starten,eine riesige weltweite Petition ( u.a. bei einer NAMM-Show in den U.S.A.)und ein Gerichtsprozess vor Ort in Süd-Korea wurden anberaumt,was letztendlich keinen Erfolg brachte,und die inhumanen „Arbeitsbedingungen“ der Mitarbeiter/-innen bei diesem besagten Gitarrenfabrikanten weiterhin für Schlagzeilen in den Medien sorgen! Es ist uns allen leider bestens bekannt,daß vornehmlich im asiatischen Raum die Menschenrechte mit Füßen getreten werden,und doch ist der Großteil der Gitarristen bis heute gerne dazu bereit,solche höchst beklemmenden Arbeitsmarktsituationen stillschweigend hinzunehmen.Dies ist schon heftig! Ehrlich gesagt,ich möchte zukünftig keinesfalls eine billige Gitarre aus asiatischer Produktion kaufen,die immense Mängel aufweist,und von versklavten Arbeitern stammt,die trotz ihrer globalen Proteste und riesigen Anstrengungen (berechtigte Anklagen vor Gericht,die traurigerweise zugunsten ihrer Ausbeuter entschieden wurden) bis dato auch weiterhin zu Bedingungen arbeiten müssen,die extrem unmenschlich sind! Bei all den negativen Erfahrungen hierzu,ist es schlußendlich überaus wichtig,daß diese Missstände in Asien überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten,was uns alle aber für die Zukunft wenig Trost schenken wird.Es ist zweifellos beklemmend,daß ausgerechnet im heutigen 21.Jahrhundert leider noch immer der Sklavenhandel in seiner „modernen“ Form existiert,und unzählige Menschen von gigantischen Firmen bis auf die Knochen ausgebeutet werden dürfen,was uns alle aufhorchen lassen sollte! Die Frage ist nun,was kann man jetzt noch tun,damit es den Notleidenden eiligst wieder besser geht? Ein globales Boykott gegen diese gigantischen Firmen starten? Wäre sehr interessant zu erfahren,was euch Gitarristen/-innen dazu einfällt.Bin schon sehr gespannt auf eure Kommentare und Ideen zu diesem brisanten Thema,was uns schlußendlich alle betrifft,wollen wir nicht weiter zusehen,wie die Beschäftigten in Asien weiterhin ausgenutzt werden.

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