Harley im Rennen

Test: Harley Benton Fusion-III HH HT Roasted SPP

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(Bild: Dieter Stork)

Erstaunlich, was unter dem Namen Harley Benton im unteren Preisbereich so alles geboten wird. Ergonomisch gestaltete Korpusformen, Hälse aus geröstetem Ahorn mit Edelstahlbundierung, gestaggerte Mechaniken, gute Hardware etc. für unter 400 Euro?

Das vorliegende Instrument ist dann auch noch im oberen Preisbereich gelistet – quasi Luxuskategorie also. Das geht bei Harley Benton bei versandkostenfreier Lieferung ja schon ab € 79 los mit den elektrischen Modellen …

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TADELLOSER MATERIAL-EINSATZ – ACHTBARE VERARBEITUNG

Mit dem Modell Fusion-III HH HT Roasted SPP liegt ein modernes Double-Cutaway-Design vor, das über einen aus drei Teilen gefügten, ergonomisch geformten Korpus aus Nyatoh verfügt, eine Hartholzart, die insbesondere in den Regenwäldern Indonesiens und der Philippinen wächst. Auf den Body ist ein Hals mit Modern-C-Halsprofil aus „roasted Canadian Hard Maple“ mit einem Griffbrett aus ebenfalls geröstetem Ahorn (Radius 12″) geschraubt.

Roasted Maple Neck mit Modern-C-Profil (Bild: Dieter Stork)

Die 24 Bünde im Medium-Jumbo-Format (Blacksmith Edelstahl) zeigen gute Verarbeitung und achtbar sauberen Abgleich der Bundenden. Clay-Dot-Einlagen im Griffbrett kennzeichnen die Lagen. Die parallel herausgeführte Kopfplatte ist mit staggered Mechaniken ausgestattet, die auch noch eine Locking-Funktion aufweisen. Von den gestaffelt hohen Wickelzylindern werden die Saiten unter zwei zusätzlichen Niederhaltern für die oberen vier Saiten hindurch auf den TUSQ-Sattel von GraphTech geführt.

Am Korpus dient ein WSC-Hipshot-Style-HAT-Steg mit sechs in Höhe und Länge justierbaren Einzelreitern und String-thru-body-Führung der Saitenkonterung. Zugriff auf den Halsstab für eine Winkelkorrektur gewährt ein Spoke Wheel am Griffbrettende. Die Mensur umfasst 648 mm.

WSC HAT Bridge mit justierbaren Einzelreitern im Hipshot-Style (Bild: Dieter Stork)

Elektrik: Zwei Humbucker stehen in schwarzsilbernen Kappen für die Tonwandlung bereit: der Roswell LAF-B4 AlNiCo-5 in der Stegposition und der Roswell LAF-N4 AlNiCo am Hals. Verwaltet werden sie mit einem Master-Volume-Regler, einem Master-Tone-Regler mit integrierter Push/Pull-Funktion für Coil Split und einem 3-Wege-Pickup-Wahlschalter.

Der notorische Blick ins Elektrofach zeigt manierlich saubere Verarbeitung. Die für ihren Preisbereich fast schon unverschämt gut verarbeitete Gitarre ist hochglänzend lackiert: Die Decke in Sparkle Pink mit einem Fake Binding im Naturton (Holzfarbe wird durch Abkleben erhalten), die Rückseite in weinrotem Trans Mahogany. Der Hals wurde matt versiegelt.

WELCH GLANZ IN MEINER HÜTTE … ABER KLINGT’S DENN AUCH?

Die Fusion-III HH HT Roasted SPP macht mit klarer Formensprache, aber auch dezent glamourös glitzernder Decke plus Karamellhals echt was her. Das sieht eigentlich wirklich nicht nach Rock’n’Roll für Arme aus. Wenn’s jetzt noch gut spielt und dazu noch klingt … Himmel!

Die Gitarre hat mit knapp 3,2 kg ein gutes Gewicht. Mit ihrem ergonomisch geformten Korpus liegt sie nicht nur komfortabel an, sondern bietet darüber hinaus beste Griffbrettaufsicht und auch am Gurt hängt sie ausgeglichen. Der matt versiegelte Roasted-Maple-Hals mit fluffigem Modern-C-Halsprofil von angenehmer Sattelbreite (42 mm) gefällt sofort mit samtigem Griff. Die Griffbrettkanten erweisen sich, wie die Bundenden auch, als bestens entgratet, und mit tief eingerichteter Saitenlage gehen alle üblichen Spieltechniken locker von der Hand.

Vom Spielgefühl her ist der Weg zu den teuren Vorbildern moderner S-Style-Typen amerikanischer oder japanischer Provenienz tatsächlich nicht weit. Letztere bieten vom Zuschnitt und von der Feinabstimmung her noch weitere spielförderliche Optimierungen, aber im Prinzip ist das schon nah dran.

Die stimmige Konstruktion sorgt nun auch noch für akustische Klanganlagen von achtbarer Substanz. Akkorde zeigen klare Durchsicht dank sauberer Saitenseparation und in Sachen Ansprache, Tonentfaltung und Tonfarbe gibt es ebenfalls keine Klagen.

Eingestöpselt zeigen die verbauten Roswell-Alnico-Humbucker mit eher konventionellem Output angemessen profunde elektrische Tonumsetzung: Der Hals-Pickup stellt Akkorde stimmlich ausgeglichen gestaffelt und in Summe gut gerundet heraus. Die Abstimmung ist eher weich, nicht von der letzten Öffnung, aber dennoch plastisch mit kompakten Bässen, nicht zu üppigen Mitten und silbrigen Höhen im Ausdruck.

Im Begleitspiel lässt sich im Clean-Kanal damit locker operieren, aber auch beim Melodiespiel sind tragfeste Linien darüber leicht in Szene zu setzen. Überraschend stark agiert dieser Humbucker dann in Zerre genommen. Knackig und griffig kommen Powerchords aus den Speakern gesprungen, federn gut ab und zeigen in den böseren Einstellungen durchaus Kante mit kehligem Growl. Leichtere Schwächen zeigen sich lediglich im oberen Tonbereich, wo die Tonlänge bei gehaltenen Noten im Lead-Spiel nicht in allen Positionen gleichbleibend stabil ist.

Schalten wir auf den Steg-Humbucker, so gefällt auch der mit seiner ausgeglichenen Übertragung. Der maßvolle elektrische Widerstand spiegelt sich in der kompakten Darstellung von Mehrklängen ohne eine zu starke Kompression der Mitten und mit immer noch recht frischen Höhen. Nicht das ganz große Kino vom Klangbild her, klar, aber dennoch von achtbarer Qualität. Wiederum ist in heißeren Einstellungen das kraftvoll pumpende Spiel mit Powerchords zu loben. Der Anschlag wird im Solospiel mit schöner Perkussion herausgestellt, der Ton löst sich leicht und lässt sich auch gut formen.

Ähnlich wie beim Hals-PU beobachtet, bieten nicht alle Töne oberhalb des 12. Bundes das ganz große Sustain, aber das ist durchaus mit spitzem Ohr wahrgenommen. Die im Tone-Regler angelegte Split-Funktion gibt uns nun noch eine Reihe von Singlecoil-Sounds an die Hand, die aber vom dynamischen Niveau her erst einmal abfallen.

Es wird bei Zug des Tone-Reglers also deutlich leiser und die Tonvermittlung fällt etwas mager aus. Das ist der Physik geschuldet und das kann man jetzt aber auch positiv sehen, um darüber mit einem Handgriff in eine andere Klangebene zu wechseln. Effektgeräte und der Amp werden nicht so stark angefahren, was zu einer differierenden Ästhetik führt. Grundsätzlich ist das klanglich nun alles etwas nageliger und kehliger, aber im Overdrive liegen schon recht ordentliche Singlecoil-Sounds an und mit denen lässt sich bestens arbeiten.

Roswell-Alnico-Humbucker (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit der Fusion-III HH HT Roasted SPP von Harley Benton liegt uns ein erstaunlich funktions- und vor allem – gemessen am Preis – sogar auch klangstarkes Instrument in Händen. Nicht nur wartet dieses komfortabel-aktuell gestaltete Instrument mit hochklassigen Features auf, darunter ein bestens profilierter und entsprechend lässig zu spielender Roasted Maple Neck mit Edelstahlbundierung, auch kann es im Prinzip klanglich überzeugen.

Die nicht zu stark gewickelten Roswell-Humbucker übersetzen das ausgeglichene Basisklangvermögen der Konstruktion in ansprechende elektrische Sounds und mit denen kann man in Clean wie in Zerre richtig viel Spaß haben. In der aktivierten Coil-Split-Ebene (Tone-Regler gezogen) sind alternativ auch noch kehlige Singlecoil-Sounds angelegt, die zwar etwas schwächer ausfallen, als Bonus aber allemal willkommen sind. Nun, die auffällige Sparkle-Optik hätte es also gar nicht unbedingt gebraucht, um dieser Fusion-III-Variante die verdiente Aufmerksamkeit zu verschaffen. Check mal selbst!

PLUS

● Design
● Ergonomie
● Roswell-Humbucker
● seriöse Sounds
● Rosted Maple Neck
● Edelstahlbundierung
● Verarbeitung
● Preis/Leistung

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2022)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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