Produkt: Gitarre & Bass 3/2019 Digital
Gitarre & Bass 3/2019 Digital
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Un italiano per la borsetta

Test: GR Bass mini ONE

(Bild: Tom Schäfer)

Die aktuell leichtesten Boxen am Markt kommen aus Italien, von GR Bass. Den Startschuss für die Marke gaben aber Verstärker, zunächst für den Eigenbedarf, die aber direkt den Basslehrer und einen Mitschüler des Konstrukteurs überzeugen konnten.

Und so fing Firmengründer Gianfranco Rizzi mehr oder minder zufällig an, Amps zu bauen, die von Anfang an klein waren, mittlerweile aber in großer Auswahl gefertigt werden – und das noch immer von Hand im schönen Monopoli (siehe Story in Ausgabe 09/2020).

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AUFBAU

Der mini ONE ist das kleinste Topteil von GR Bass. Mit kompakten 19 × 16 × 4,3 cm passt es locker ins Gigbag und sogar in die meisten Basskoffer, ohne mit 1,3 kg großartig aufzufallen. Die Ausstattung ist auf das Wesentliche reduziert, ohne dass etwas fehlen würde.

Neben der Klinkenbuchse für den Bass befindet sich ein 3,5-mm-Aux-In fürs Handy oder Ähnliches. Gain regelt den Eingangspegel, verzichtet aber auf eine LED-Anzeige. Daneben liegt der Dreiband-EQ mit Bässen, Mitten und Höhen, gefolgt vom Master-Regler für die Ausgangslautstärke. Den Abschluss macht der Miniklinkenanschluss für den Kopfhörer.

(Bild: Tom Schäfer)

Unter den solide montierten und sahnig laufenden Potis liegt eine Reihe Minischalter, die logisch zugeordnet sind. Los geht es mit dem Pre/Post-Umschalter für den DI-Ausgang. Deep boostet den Bassbereich, während der nächste Schalter die Frequenz des Mittenreglers zwischen 400 und 800 Hz umschaltet. Bright hebt die Höhen an, Mute schaltet den Amp stumm. Die Rückseite ist recht spartanisch.

(Bild: Tom Schäfer)

Der Anschluss für das Netzkabel sitzt neben dem An/Aus-Schalter, der Amp kann zwischen 115 V und 230 V betrieben werden und passt sich automatisch an. Der DI-Ausgang ist wie üblich als XLR ausgelegt, der Lautsprecherausgang ist eine Speakon-Buchse, die auch eine Klinke aufnehmen kann. Die Impedanz der angeschlossenen Boxen kann bis 2,7 Ohm hinabreichen, ein Wert, den man z. B. mit einer 4-Ohm- und einer 8-Ohm-Box kombiniert erreicht. Den Rest der Rückseite nimmt der Lüfter ein, der den mini ONE, in Verbindung mit Lüftungsschlitzen auf der Oberseite, kühl halten soll.

WIEDERGABE

Der Lüfter ist dann auch das erste, was sich beim Einschalten bemerkbar macht. Nicht irre laut – ich habe schon Schlimmeres gehört – aber eben doch deutlich und eher nichts für stille Kämmerlein. Bei den größeren Brüdern kann der Lüfter ausgeschaltet werden, sodass er wirklich nur anspringt, wenn es dem Verstärker richtig warm wird. Diese Möglichkeit bietet der mini ONE nicht. Schade eigentlich, vielleicht gibt es da noch ein Upgrade.

Nach einem kurzen Check an der Box will ich mir erst mal die Kopfhörer aufsetzen, um mir die Wirkungsweise der Klangregelung ohne Lautsprechereinfluss anzuhören – und blase mir fast das Hirn raus. Der Masterregler hat keinerlei Einfluss auf die Lautstärke im Kopfhörer, bei ordentlich aufgedrehtem Gain – und der Eingang ist recht übersteuerungsfest – gibt es ein wahnsinniges Brett auf die Ohren.

Der Lautsprecherausgang ist also weiter abhängig von Master-Regler und Mute-Schalter, die Idee ist also wohl, ihn komplett unabhängig vom Headphone-Out nutzen zu können. Ein, zwei Zeilen in der Anleitung wären da hilfreich gewesen … Üblich ist es dagegen, die Lautstärke für den Aux-Eingang am Abspielgerät regeln zu müssen. Das Signal kommt in guter Qualität und in Stereo an und es lässt sich gut dazu spielen.

Die Anleitung schweigt auch über die genaue Wirkungsweise der Klangregelung (Frequenzen, Anhebungen resp. Absenkungen), mit Ausnahme des Mittenreglers. Nun denn, der Bass-Boost liefert ein sattes Fundament und zusammen mit dem Bright-Boost („Gives a more bright sound“) ist ein Instant-Slap-Ton zu bekommen. Bei geringeren Lautstärken lässt sich das Klangbild an die Wahrnehmung des Gehörs anpassen und ausgeglichen gestalten.

Ganz ohne Rauschen geht es beim „more bright sound“ nicht, es ist aber noch im Rahmen. Der Bassregler ist im Vergleich zum Schalter breitbandiger und nimmt auch den Tiefbass mit. Der Hub ist ganz ordentlich, zu weit aufgedreht wird es, abhängig von Bass, Box und Raum, irgendwann dröhnig. Zu weit runtergedreht, klingt es nach altem Transistorradio. Aber das sind die Extrembereiche.

Wenn man die 10-Uhr- bis 14-Uhr-Stellung um die Mittenraste nutzt, wird der Ton schön trocken oder bekommt einen sehr brauchbaren Boost. Der Höhenregler setzt hoch an, dem natürlich bleibenden Basston wird nur Brillanz aufgesetzt oder er wird abgerundet. Auch hier bringen starke Anhebungen wieder ein erträgliches Rauschen mit sich.

Spannend ist immer die Frage, wie sich so ein Winzling im Band-Kontext schlägt, denn ein guter Sound ohne ausreichend Leistung macht ja auch keinen Spaß. Wo andere Firmen oft irre Wattzahlen ohne Referenz angeben, bleibt GR Bass bei Watt RMS, einer berechenbaren, festgelegten Größe. Die 350 Watt an 4 Ohm sind dann auch absolut glaubwürdig, mit adäquater Box bekommt der Bass einen tragfähigen, lauten und durchsetzungsfähigen Ton verpasst. Gain darf, je nach Bass, auch durchaus ganz aufgedreht werden, der Eingang ist wirklich sehr übersteuerungsfest. Der bei geringen Lautstärken noch nervende Lüfter verschwindet nach dem zweiten Song aus der Wahrnehmung, bewirkt aber, dass sich der Amp auch nach längerem Spiel nicht sonderlich aufwärmt.

Zum Anschluss an die PA ist ja auch noch der DI-Ausgang da. Vor wie nach dem EQ liefert dieser ein sauberes Signal. Post-EQ geschaltet, liegt er hinter der Klangregelung, aber vor dem Master, so wie es sinnvoll ist. Einen technischen Kniff hat sich GR Bass dafür noch ausgedacht: Ein Abziehen des Kabels aus dem Input schaltet den DI-Out stumm, es knallt nicht in der Anlage, und der Mischer oder die Mischerin freut sich!

Pure Sound steht auf dem Amp, purer Sound kommt raus, ich hätte keine Bedenken, mit dem mini ONE den edelsten Edelbass zu verstärken, von dem ich jede feinste Nuance hören möchte.

(Bild: Tom Schäfer)

RESÜMEE

Im großen Angebot der kleinen Ultraleichten macht der mini ONE nicht nur mit italienischer Fertigung auf sich aufmerksam, sondern überzeugt zudem mit souveräner Leistung – auch an 2,7 Ohm. Die Ausstattung ist auf das Nötigste reduziert, ermöglicht aber, den sauberen Grundton an das Instrument und dessen Einsatzort bzw. -zweck anzupassen. Das Topteil ist schön klein und handlich, dafür ist immer Platz im Gigbag oder in der Umhängetasche von GR Bass. Für mehr Regelmöglichkeiten bei gleicher Leistung hat die Firma ja noch den ONE 350 im Angebot. Wer in dieser Größenordnung sucht, sollte dem GR Bass mini ONE mal sein Gehör leihen – Anspieltipp!

PLUS

  • sauberer Sound
  • glaubwürdige Leistung
  • Wiedergabe
  • solide Bauweise

MINUS

  • Bedienungsanleitung etwas spärlich

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2020)

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