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Famoses Trio

Test: Fulltone Full-Drive 1, 2, 3

Fulltone Full-Drive(Bild: Dieter Stork)

Elektrotechnischer Sachverstand, feine Ohren, und reichlich Ahnung vom Gitarrespielen – wenn diese Eigenschaften zusammenkommen, kann Großes entstehen. Im Pedal-Business trifft das bei Mike Fuller zu wie bei keinem zweiten: Pionier der Boutique-Bewegung, das Full-Drive die Gallionsfigur, und Grundstein seines Erfolges. Hier nun sein aktuelles Statement zum Thema.

Das Full-Drive ist ein Klon des Tube-Screamers von Ibanez, aufgewertet und verfeinert mit zusätzlichen Features. Inzwischen ist das Pedal selbst schon so etwas wie ein Klassiker. Es hat über die Jahre diverse Updates erfahren und zuweilen auch mal die Stimmlage gewechselt. Diesbezüglich darf ich auf einen Artikel aus unserer Ausgabe 11/2014 verweisen, in dem wir mehrere Generationen des Full-Drive einander gegenübergestellt haben.

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Das Fulltone-Programm unterteilt sich in zwei Modellreihen, „Standard Line“ und „Custom Shop“. Letztere beinhaltet ausgefallene, spezialisierte Modelle, die zuweilen sogar nur von Fulltone direkt zu beziehen sind. Unterschiede in der Machart, sprich im mechanischen Aufbau und der Verarbeitung sind nicht groß bis verschwindend gering. Die Qualität bewegt sich in beiden Fällen auf höchstem Niveau. In der Hinsicht hat meines Wissens nach noch keines der vielen von uns getesteten Fulltone-Pedale jemals Schwächen gezeigt.

Natürlich schlagen auch die neuen Full-Drive-Modelle nicht aus der Art. Fein gemacht, wie aus dem Bilderbuch. Handverdrahtung ist schon seit 2006 vorbei, die Platinen werden industriell gefertigt. Und natürlich hat im Zuge dessen die SMD-Technik Einzug gehalten. Verpackt in dickwandige Stahlblechgehäuse, dürfte die Elektronik in eine sorgenfreie Zukunft blicken, sprich die Pedale machen einen überaus soliden, haltbaren Eindruck.

Praktisches Detail: Dank der beiden Rändelschrauben an den Seiten, kann man die 9-Volt-Blockbatterie in Sekundenschnelle wechseln. Die (externe) Stromversorgung darf indes zwischen 9- 18 V liegen, mit den bekannten Auswirkungen auf die Dynamik der Signalbearbeitung: je höher die Spannung, desto stabiler.

FD 1 und FD 2 V2 sind mit dem True-Bypass ausgestattet, ab jetzt bzw. ab Serien-Nr. 2548 aufwärts hat das FD 3 einen Buffered Bypass (anstelle True Bypass), wodurch es am Output lange Kabel erlaubt und von anderen Geräten elektrisch abgekoppelt ist. Der Status der Schaltfunktionen wird optisch von LEDs angezeigt. Auffällig ist bei allen drei Modellen, wie satt sämig-schwergängig die Potis „laufen“ – da verstellt sich nicht gleich was, wenn man mit dem Fuß drankommt. Unschön ist allerdings beim roten Full-Drive 2, dass die Madenschrauben der Poti-knöpfe überstehen.

FULL-DRIVE (1)

Die einzigen Nachteile des Full-Drive 2 sind seine „großen“ Abmessungen und die Tatsache, dass viele Leute den Boost Modus gar nicht so häufig benutzen, erklärt Mike Fuller zu dem Pedal. Die Nachfrage nach einer kompakteren, einkanaligen Version war erheblich. Okay, hier haben wir es nun, das auf das Nötige reduzierte Full-Drive, im Sound angelehnt an das FD 2 der frühen 90er-Jahre.

Auf die typischen drei Soundmodi (Mini-Switch) muss das Pedal nicht verzichten: Vintage ist quasi die normale Tube-Screamer-Betriebsart, FM heißt „Flat Mids“, abgesenkte Mitten, CC steht für Comp-Cut, einen cleaneren Sound, der mit seinem hohen Output zum Boosten von Röhren-Amps gedacht ist.

Fulltone Full-Drive

FULL-DRIVE 2 V2

Das unscheinbare Kürzel „V2“ markiert einen Umbruch im Konzept des Neo-Klassikers. Ein zusätzlicher Sound-Schalter und die Umgestaltung der Boost-Sektion machen den Unterschied. Zu den eben beim FD1 genannten Betriebsarten gesellen sich der Modus „Wide“ (offener, klarer, kräftigere Basswiedergabe), und „HC/Half Clipped“ (Bässe weniger verzerrt, höhere Noten besonders singend). Die Schalterposition „STD/Standard“ ruft den gewohnten FD-Modus ohne zusätzliche Bearbeitung auf.

Anstelle des Boosts hat das Full-Drive 2 V2 nun einen Drive-2-Regler und einen Volume-/Lautstärketrimmer, womit der Soundmodus lauter als Drive 1 eingestellt werden kann. Das alles zusammen ist schon auf dem Papier ein erheblicher Fortschritt. Am Rande sei noch erwähnt, dass dieses aktuelle FD 2-Pedal um drei Zentimeter schmaler baut und somit auf dem Pedalboard weniger Platz in Anspruch nimmt als seine Vorgänger.

Fulltone Full-Drive

FULL-DRIVE 3

Im Sound und seinem Benehmen verfolgt dieses FD-Pedal andere Ideale als die oben genannten Modelle. Es ist auch nicht neu im Programm. Wir haben es bereits im Jahr 2014 in dem oben zitierten Artikel eingehend vorgestellt, ja es war sogar der Anlass dafür. Also in aller Kürze:

Der Sound-Schalter ist anders organisiert, die Modi Vintage und FM entfielen zugunsten „WIDE ASY“, das steht für asymmetrisches Clipping, das Bässe und Höhen, sowie geradzahlige harmonische Verzerrungen betont, und „90s“, produziert das softe Clipping des FD2. „Comp-Cut“ blieb erhalten und erzeugt – indem die Dioden abgeschaltet werden – leichten Overdrive mit aggressivem Charakter.

Mit dem zweiten Mini-Switch kann man die Boost-Sektion wahlweise vor oder hinter der Overdrive-Erzeugung platzieren. D. h. es wird alternativ der Gain-/Overdrive-Pegel erhöht, oder die Lautstärke. Das Trimmpoti „Dynamics“ funktioniert in etwa wie ein Limiter und ist nur aktiv, wenn man den Boost eingeschaltet hat. Die Spec-Liste sagt, dass das FD3 mit einem NOS-IC Typ JRC4558 arbeitet, wie es in den 1990er-Jahren im Full-Drive 2 verwendet wurde.

Fulltone Full-Drive

voller antrieb

Der Urvater so vieler Overdrive-Pedale ist selbst gar kein absoluter Souverän. Der Tube Screamer von Ibanez, namentlich in erster Linie die Modelle TS808 und TS9, ist als Stand-Alone-Verzerrer an einem cleanen Verstärker nicht ohne Kompromisse. Insbesondere die gekappten Bassanteile sind nicht jedermanns Sache. Ihre Meriten haben die Froggy-Pedale ja auch hauptsächlich als Booster, zum Pushen von selbst schon verzerrenden (Röhren-) Amps eingefahren.

Das Full-Drive basiert zwar auf dem Konzept der Tube Screamer, steht denen aber schon lange nicht mehr nahe. Wie auch, schließlich war Mike Fullers Ansinnen von jeher die Optimierung. So mussten die FD-Pedale mit der Zeit zwangsläufig anders werden. Schon früh in der Historie erstarkten sie, Schwächen wurden ausgemerzt, was auch die Basswiedergabe betrifft. Full-Drives sind spätestens seit der Generation aus dem Jahre 2000 Stand-Alone-Pedale, die definitiv vor cleanen Amps funktionieren.

Die Evolution schreitet voran, heute 19 Jahre später, ist das Full-Drive 2 in der Version V2 an einem Zenit angekommen. Die Formulierung ist ein Superlativ, soll genau so verstanden werden und wurde mit voller Absicht gewählt. Während die altbekannten Tugenden erhalten blieben, macht das Pedal in der Sound-Formung nämlich etwas sehr seltenes: Es reagiert überaus sensibel und expressiv auf die Spielweise, also auch auf sich ändernde Anschlagsintensitäten-/nuancen, indem die Klangfarben feinfühlig changieren, doch die Dichte und Intensität der Verzerrungen bleibt nahezu unberührt.

Das ist aber nicht Folge einer hohen Kompression, wie man vielleicht meinen könnte. Das Resultat ist eine besondere warme Lebendigkeit im Sound, die den musikalischen Ausdruck begünstigt und intensiviert. Markant ist außerdem, dass die Verzerrungen insgesamt, und vor allem in den hohen Mitten, ungewöhnlich dicht sind (Vintage-Mode), röhrige Oberwellenkolorierungen erzeugen und doch hohe Transparenz entsteht (frühere Generationen waren in den Höhen zurückhaltender). Ein Plus an Gain-Reserven spielt dort auch hinein.

Im Ausklang langer Noten brilliert das Full-Drive 2 V2 außerdem mit sehr gleichmäßigem, langem Sustain, begleitet von einem subtilen Aufblähen im Mittenspektrum. Diese Punkte, diese Qualitäten, sind das entscheidende Merkmal der neuen V2-Generation. So elegant und formvollendet, dass allein dies schon die Anschaffung wert ist. Dazu addiert sich eine nun deutlich höhere Variabilität, weil die Modes Wide und HC dem Pedal neue Klangaspekte entlocken.

Beide beweisen eine eigene Tiefe, respektive hohen Gebrauchswert. Das aufgeräumte HC-Klangbild hat z. B. Vorzüge bei Akkorden, Wide öffnet den Sound, wirkt offensiver und erzeugt eine Dosis mehr Kraft. Willkommene Alternativen. Ganz zu schweigen von der Drive-2-Sektion, die mit ihrem Lautstärke-Nachbrenner nun ein zweites Preset im Direktabruf bereithält – ideal als Kick beim Solo. Bleiben unter diesen nur positiven Umständen überhaupt noch Wünsche offen? Ich sag mal vorlaut „ja“: ein Poti zum Regeln des Bassgehalts würde das Paket noch sorgloser machen, weil der Clean-Kanal des Amps und das Full-Drive in dem Punkt unabhängiger voneinander wären.

Nächstes Modell: Es freut mich vermelden zu können, dass die „Sparvariante“, das Full-Drive 1, im Toncharakter annähernd mit den gleichen Fähigkeiten gesegnet ist. Das Klangbild ist um Nuancen weniger komplex und dicht. Allerdings so wenig, dass Zuhörer im Blindtest die Pedale bei gleicher Einstellung wohl kaum unterscheiden können dürften.

Das Full-Drive 3 verschafft einem dagegen andere Erlebnisse. In der Variabilität dem FD 2 V2 ähnlich ist sein Ton resoluter, energiereicher, offensiver. Ausgeprägte Transparenz, mehr Biss, zuweilen fast schon scharf. Die Verzerrungen vermitteln einen Hauch von Fuzz-Charakter. Das oben angesprochene Aufblähen in den Mitten und Obertönen findet sich hier trotzdem wieder. Dem Full-Drive 3 kann man durchaus auch weichere Klänge entlocken. Die Funktion des Reglers Dynamics ist tendenziell subtil, wird aber manchem als letzter Schliff am Ton willkommen sein.

Fulltone Full-Drive
Modernste Technik, SMD-Bauteile, industrielle Fertigung, (Bild: Dieter Stork)

resümee

Nie war es so wertvoll wie heute … das Full-Drive 2 V2 ist in der Summe, mit seiner ausgereizten Musikalität und den noch weiter gefassten tonalen Möglichkeiten das Beste Full-Drive, das es je gab. Punkt. In seinem Toncharakter vertritt es eher eine gemäßigte Position, ideal für Jazz-Rock, Blues und Retro-Rock. Dass man damit, wie Mike Fuller sagt, „jeden Sound, den man brauchen könnte zur Verfügung hat.“, trifft sicher nicht zu – wer stilistisch härter unterwegs ist, wird am herberen Full-Drive 3 mehr Gefallen finden.

Erfreulich ist, dass das Economy-Modell Full-Drive 1 im Ton keine Kompromisse macht. So herrscht am Ende des Tests eitel Sonnenschein. Top Performance zu völlig vertretbaren Preisen, alle drei Pedale sind uneingeschränkt empfehlenswert.

PLUS
• Sound, Qualität, Variabilität
• Dynamik, Ansprache
• sehr harmonisches Zerrverhalten
• FD 2/-3: zweites Preset fußschaltbar
• geringe Nebengeräusche
• sehr gute Verarbeitung, Qualität d. Bauteile
MINUS
• FD2 V2: Madenschrauben der Potiknöpfe stehen über

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2019)

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