Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Aus dem neuen Heft

Test: Fryette Amplification Deliverance 120 II

(Bild: Dieter Stork)

Die hochgradig spezialisierten Verstärkermodelle aus der Amp-Schmiede von Steven Fryette sind in Insiderkreisen für ihre ausgesprochen trockenen und tighten High-Gain-Sounds beliebt. Nicht nur im Studio sind diese Attribute von großem Wert, sondern auch auf der Bühne. Daher sah sich Fryette nun veranlasst, dem Deliverance 120, sowie dem kleineren Deliverance 60 ein paar Updates zu verpassen.

Schon im Januar 2005 stellte Steven Fryette, der damals noch unter dem Markennamen VHT Verstärker fertigte, den Vor­gänger unseres Testkandidaten auf der damaligen NAMM Show in Anaheim vor, und genau zehn Jahre später, nämlich schon im Jahr 2015, stand auf der NAMM ein Prototyp des Deliverance 120 II.

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Tatsächlich hat es dann aber noch bis zum Herbst 2019 gedauert, bis der neue Amp vom Stapel laufen konnte. Zum Test standen uns nun in den letzten Wochen sowohl ein alter Deliverance 120, als auch ein neuer Deliverance 60 II, wie auch ein Deliverance 120 II zur Verfügung, und in diesem Bericht wird es nun hauptsächlich um letzteren gehen.

KONZEPT

Das technische Layout des Deliverance 120 II ist reichlich unge­wöhnlich. Eine TungSol 12AX7 highgrade, deren beide Trioden nicht wie üblich seriell, sondern parallel zueinander geschaltet sind, verrichtet im Eingang ihren Dienst. Gefolgt von drei Ruby Tubes 12AX7 für die Gain-Stufen, Kathodenfolger vor dem Equali­zer und die Signalbearbeitung nach dem Equalizer rund um den Einschleifweg und einer 12AT7 als Phasendrehstufe, die man so eigentlich fast nur in ganz klassischen Gitarrenverstärkern findet, nicht jedoch in einem High-Gain-Amp.

Die wirklich lauten und in den Bässen stets stabilen 120 Watt Nennleistung des Verstärkers erzeugt der D120 II, wie auch schon sein Vorgänger, mit vier KT88. Sicherlich sollte man hier nicht einfach von einem hochgezüchte­ten Marshall sprechen, das wird der Sache nicht wirklich gerecht. Steven Fryette hat sehr viele eigene Ideen und das zeigt sich auch im grundsätzlichen Klangbild des Deliverance 120 II, wie wir noch im späteren Verlauf des Testes sehen werden.

Das ursprüngliche Design der Vorgängerserie des D120 II sah ver­mutlich eine Anwendung des Verstärkers vor allem im Studio vor. Wollte man den Amp live spielen, musste man ohne einen zweiten Kanal, eine zweite, schaltbare Lautstärke für das Gitarrensolo und gänzlich ohne Einschleifweg auskommen. Derart puristisch waren nur wenige High-Gain-Verstärker aufgebaut. So wundert es nicht, dass die Fans der D120- und D60-Modelle Steven immer wieder um Modifikationen der eigenen Verstärker baten. In einigen weni­gen Fällen hat er den alten Modellen nachträglich einen zusätzli­chen Einschleifweg eingebaut, oder auch die ursprünglich nicht fußschaltbare Less/More-Gain-Funktion via Relay auf eine rücksei­tige Klinkenbuchse geroutet, um sie mit einem handelsüblichen Footswitch bedienbar zu machen.

Nun gibt es all dies und dazu noch ein paar kleine Neuerungen serienmäßig in den Deliverance II Modellen. Doch von vorne.

BEDIENELEMENTE

Der D120 II ist ein klassischer, einkanaliger High-Gain-Amp, der frontseitig mit wenigen, aber wirkungsvollen Bedienelementen ausgestattet ist.

Neben dem Instrumenteneingang befinden sich die Gain-I- und Gain-II-Regler, zwei Master-Volume-Regler, ein typischer, passiver dreibandiger Equalizer, sowie Regler für Presence und Depth. Zu den Potis gesellen sich zwei kleine Dreifachschalter für die Funktionen Bright/Solo, More/Solo und natürlich ein Standby-sowie ein On/Off-Schalter. Zunächst einmal wirkt das sehr übersichtlich, aber dieses Layout hat es in sich.

Dem ersten Gain-Poti hat Steven – wie auch schon beim Vorgänger­modell – eine Doppelfunktion spendiert. Hier regelt man nicht nur die Lautstärke der zweiten Gain-Stufe, sondern macht das Signal der Gitarre wahlweise „crisp“ oder bei Einstellungen jenseits der Zwölf-Uhr-Stellung „thick“ und beeinflusst somit das grundsätzli­che Klangbild, das dann durch den nachfolgenden Gain-II-Regler, der die Lautstärke der dritten Gain Stufe regelt, verzerrt wird.

Mit dem ersten der beiden kleinen Schalter kann das Signal ent­weder wie beim alten Deliverance immer bissiger oder klassisch eingestellt werden oder aber in der dritten, unteren Schalterstel­lung bei Aktivierung des ersten Tasters des optionalen Fußschal­ters von dem runderen, klassischen Rhythmus-Sound auf einen bissigeren, moderneren Lead-Sound des Deliverance 120 II geschaltet werden.

Der zweite kleine Schalter ist ähnlich konzipiert. In der oberen Stellung „More“ hat man generell ein Vier-Trioden-Gain, in der Mittelstellung generell ein Drei-Trioden-Gain und in der unteren Schalterstellung wechselt man zwischen Drei-Trioden-Gain im Rhythmus auf Vier-Trioden-Gain im Solo.

Dieses Konzept wird dann durch die beiden ebenfalls per Fuß­schalter umschaltbaren Master-Volume- und Solo-Volume-Regler sinnvoll ergänzt. Der klassische Equalizer gefolgt vom Presence-Regler für die negative Gegenkopplung in der Endstufe und einem Depth-Poti, das die Bedämpfung der Bassfrequenzen regelt, runden die Frontseite ab.

(Bild: Dieter Stork)

Rückseitig befinden sich beim neuen Deliverance 120 II der Anschluss für das Kaltgerätekabel nebst Sicherungshalterung, drei Lautsprecherausgänge – einer mit 16 Ohm und zwei parallele Ausgänge, die zwischen 8 und 4 Ohm per Schiebeschalter umge­schaltet werden können.

Neu sind die Klinkenbuchse für den optionalen Doppelfußschalter, mit dem man dann auf dem ersten Taster die eben frontseitig ein­gestellten Sounds für Rhythmus und Solo schalten kann und auf dem zweiten Taster den Einschleifweg aktivieren kann, der sich mit Send- und Return-Buchse direkt daneben befindet.

Sollte man jedoch nur mit einem einfachen Fußschalter arbeiten wollen, so kann man…

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