Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Tequila Sunrise

Test: Fender Player Plus Stratocaster

(Bild: Dieter Stork)

Achtung, eine neue Strat – und dann auch noch in einer neuen Farbe namens Tequila Sunrise! Der gleichnamige Song schrieb zufällig den Soundtrack meiner Jugend mit, aber die Fender-Marketer hatten mit Sicherheit nicht den Hit der Eagles im Sinn, als sie dieser neuen Farbe ihren Namen gaben. Vielmehr stand hier eindeutig der bekannte bunte Cocktail Pate, wenn man sich diese gelbrote Erscheinung anschaut.

Finger hoch – wer hat keine Strat im Haus? Eben – kaum einer. Und dennoch ist Fender von der eigenen Geschichte dazu verdonnert, bei jeder Gelegenheit Versionen und Varianten ihres ikonischen Modells und Immer-noch-Bestsellers zu präsentieren. Anlässe wie z. B. das 75-jährige Jubiläum der Firmengründung sind also immer recht willkommen, um das Angebot mal mehr, mal weniger sinnvoll zu strecken. So durfte dann im letzten Jahr die neue Player-Plus-Serie, in der vier Gitarren- und drei Bassmodelle erschienen, eine Art Wiederauferstehung feiern. Wiederauferstehung ist immer gut, aber von was?

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ES WAR EINMAL …

Beamen wir uns zurück ins Jahr 1986. Die damals neu vorgestellte American Standard Stratocaster hatte der noch auf wackligen Beinen stehenden, jungen Post-CBS-Firma Fender über Nacht Kopf und Kragen gerettet. Ihr Konzept, den bekannten Vintage-Stil mit zeitgemäßen Features auf Neuzeit-Niveau zu hieven, traf voll ins Schwarze. Reichlich geschnitten’ Brot war die Folge und spülte jede Menge Dollars in die noch klamme Firmenkasse. Der nächste Evolutionsschritt folgte bereits ein Jahr später in Form der Stratocaster Plus, die für den Profi mit Features ausgestattet war, die den Studio- und Bühnenalltag erleichtern sollten: Locking-Mechaniken, LSR-Rollen-Sattel und moderne, kaum noch brummende Pickups von Lace Sensor.

Backlocking-Mechaniken unterstützen die Stimmstabilität. (Bild: Dieter Stork)

Diese Trilogie von Vintage, Standard und Plus, die in Fullerton/USA stattfand, wiederholt sich nun in Ensenada/Mexiko, nur dass sie nun Classic Player, Player und Player Plus heißt. 2018 hatte die Player Series, ähnlich ausgestattet wie damals die Standard Stratocaster, die Vintage-orientierte Classic Player Series abgelöst. Die Instrumente der Player Series entpuppten sich schnell als Bestseller des Mexiko-Programms, waren sie doch die günstigsten ihrer Art mit dem Fender-Logo auf der Kopfplatte.

Dieser Player Series wird nun in diesem Jahr eine Player-Plus-Variante zur Seite gestellt, die dank einiger Upgrades die Performance erleichtern sollen. Diese neue Serie überrascht mit einem Plus an ziemlich ungewöhnlichen Farben und einer Marketing-Strategie, die nicht etwa den typischen Strat-Spieler in den Fokus setzt, sondern die sogenannte digitale Generation, wie ihre Presseerklärung verrät.

Ich zitiere: „Digitale Plattformen wie TikTok haben Künstlern neue Wege eröffnet, um weltweit ein Publikum zu erreichen. Fender hat die Player Plus Serie für die Generation entwickelt, die bei dieser Entwicklung an der Spitze steht: Sowohl online als auch bei der Wiederbelebung der Live-Musik nach der Pause.“ Und kündigt die Zusammenarbeit mit Musikerinnen und Musikern an, die insbesondere in den Social Medias für Furore sorgen, wie z. B. das Bass/Drums-Duo Blu DeTiger, Country-Sängerin Hannah Dasher, Gabriel Garzón-Montano, die Punker:innen von The Destroy Boys und die wirklich schrillen, großartigen Nova Twins. Eine extrem bunte Mischung cooler, neuer Acts, die ich allerdings eher dem Jazzmaster/Jaguar/Mustang-Lager zuordnen würde.

Mal sehen, wie sie sich mit den Lieblings-Modellen ihrer Großelterngeneration anfreunden werden. Zurück zu den Instrumenten! Die neuen Eigenschaften der Player-Plus-Serie sind:

• Backlocking-Mechaniken
• reibungsarmer Saitenniederhalter
• Fender Noiseless Pickups
• Push-Pull-Funktion zur Zuschaltung des Hals-Pickups

Das non-vintage Zwei-Punkt-Vibratosystem, der seidenmatt lackierte one-piece Ahorn-Hals mit 12″-Griffbrettradius und die Medium-Jumbo-Bünde waren schon Bestandteile der Player Serie und passen natürlich bestens in das aufgewertete Konzept der Player-Plus-Serie.

SPIELEN STATT REDEN

Was für ein großartiger Hals! Nicht fett, nicht mager – sondern einfach nur schön! Dieses C-Profil mit gefühltem Hang zu einem V liegt wunderbar in meiner Hand und fühlt sich einfach rundum nach Strat an. Irgendwie nach Clapton … sorry, TikTok. Die gelungene Verrundung der Griffbrettkanten und die werksseitig flache Saitenlage begünstigen ein butterweiches Bespielen dieser hellen Planke und ja, es macht richtig Spaß, sich hier auszudrücken!

Auch das Zwei-Punkt-Vibratosystem zeigt durch direktes, dynamisches und sensibles Wobbling eindrucksvoll, warum es eine absolute Existenzberechtigung neben dem Vintage-Trem hat. Dank der Locking-Mechaniken und des gut gekerbten Sattels gibt es zudem keine Verstimmungsprobleme. Der Tremolo-Hebel hat Vintage-Format (dünn, nicht zu lang, leicht gebogen), wird klassisch eingeschraubt und liegt super in der Hand. Allerdings neigt er systembedingt je nach bevorzugter Fix-Position zum Klackern im Gewinde. Es gibt ja andere Vibratosysteme auf dem Markt, die die Armaufnahme besser gelöst haben.

Wen dieses Klackern und u. U. positionsfreie Schlackern stört, kann eine kleine Feder, die es im Handel gibt, in den Gewindeschacht einführen. Die drückt dann von unten gegen den Arm, hält ihn in Position und unterbindet das Klackern. Und wo wir gerade schon bei der Arbeit sind: Der Tremolo-Block ist aus Zinkguss – ein Austausch gegen einen Stahl- oder Alu-Block könnte sich klanglich durchaus positiv auswirken.

Schön, dass der Steg-Pickup sein eigenes Tone-Poti erhalten hat, denn das macht ja nun wirklich Sinn. Dieses zweite Tone-Poti bietet zudem eine Push-Pull-Funktion, über die der Hals-Pickup allen anderen, über den 5-Weg-Schalter angewählten, Positionen zugeschaltet werden kann. Auch das macht Sinn, denn so ist z. B. der beliebte Hals-plus-Steg-„Tele“-Sound wie auch die „Braucht-das-überhaupt-jemand?“-Situation möglich, in der alle drei PUs an sind.

Schade nur, dass man die Pull-Funktion dank des dafür nicht besonders gut geeigneten, klassischen Potiknopfs schlecht aktivieren kann – man rutscht einfach schnell ab, insbesondere dann, wenn die Finger nicht mehr trocken sind. Hier würde ich mir mit einem aufgestülpten Gummiring oder Ähnlichem behelfen oder gleich einen griffigeren Poti, wie z. B. einen Dome-Speed-Knopf, montieren. Form follows function – hier aber nicht.

Die Push/Pull-Funktion integriert den Hals-Pickup in jede beliebige Position des Fünf-Weg-Schalters. (Bild: Dieter Stork)

NOISELESS AT ITS BEST

Zum Thema „Brummfreie Singlecoils“ sind Kapitel um Kapitel geschrieben und Erfindungen um Erfindungen erfunden worden. Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile die brummfreie Lösung in der Regel als guter Kompromiss akzeptiert wird. Die Entscheidung für brummfreie Strat-Pickups ist einzig vernunftgeprägt. Keiner baut sich aus klanglichen Gründen solche Pickups in seine Strat. Genau deshalb ist es müßig, beide Spezies klanglich zu vergleichen.

Die Frage ist also nicht, was besser klingt, sondern: Was will ich? Die Noiseless Pickups dieser Player-Plus-Strat machen genau den Job, für den sie erfunden wurden. 1. Sie brummen nicht. 2. Sie klingen eindeutig nach Strat, sie bringen den speziellen Klangcharakter dieser ikonischen Gitarre auf den Punkt rüber.

Wenn ich in meinem stillen Kämmerlein meine Strat mit Vintage-Pickups mit der gelbroten Player-Plus-Schwester vergleiche, zeigen diese „newly voiced“ (Fender PR) Noiseless Pickups wie erwartet eine gewisse Zurückhaltung. In Nuancen (!) wird nicht die Frische und die Spitzigkeit erreicht, die mir die andere Gitarre bietet. Steht man aber wie ich am letzten Samstag mit eben dieser Vintage-Strat auf einer Bühne, über der u. a. Neon-Röhren hängen, dann sehnt man sich doch sehr nach einer Strat mit Noiseless-Pickups. In den Song-Pausen das Volume runterdrehen, in leisen Passagen gar das Tone-Poti zurückregeln, damit das Brummen nicht allzu sehr stört. In genau diesem Fall wären mir die brummfreien Pickups tausendmal lieber gewesen als meine vielleicht etwas feiner auflösenden Vintage-Typen.

Noiseless Pickups für brummfreie Singlecoil-Sounds (Bild: Dieter Stork)

Auch wenn Puristen nach wie vor die Nase rümpfen, gibt es (ganz genau wie beim Zwei-Punkt-Vibratosystem 1001) gute Gründe, die für Noiseless-Pickups sprechen. Dies gilt vor allem dann, wenn sie so gut klingen wie in dieser Gitarre. Denn unter dem Strich haben wir hier Pickups, die die Charakteristik typischer Singlecoils grundsätzlich hervorragend wiedergeben. Offen, transparent und schön kehlig in den Zwischenpositionen.

Lediglich der Steg-Pickup klingt im cleanen Amp-Betrieb etwas brav und steif. Doch je mehr Zerre ins Spiel gebracht wird, desto mehr relativiert sich dieser Eindruck, und der Pickup macht auch bis hin in hohe Zerrgrade einen druckvollen, präsenten und richtig guten Eindruck. Da gibt es nicht wenige „richtige“ Einspuler auf dem Markt, die sich hier auch klanglich hinten anstellen müssen.

 

RESÜMEE

Mit der Player-Plus-Serie hat Fender das Mexiko-Programm um den nächsten logischen Schritt erweitert. Das reine Vernunftkonzept, das den neuen Instrumenten zugrunde liegt, liefert dabei eine beeindruckende Performance. Der exzellent spielbare Hals, ein weitestgehend stimmstabiles Vibratosystem, die schnelle, dynamische Ansprache, ein langes, singendes Sustain und drei Noiseless-Pickups, die die typische Fender-Sprache auch in kritischen Umgebungen brummfrei und stilsicher sprechen, sind richtig gute Argumente. Und das alles in einem in Mexiko geschnürten Paket zu einem richtig guten Preis!

Mir wäre das Gewicht von ca. 3,7 kg ca. 200 bis 300 Gramm zu hoch, aber da sind die persönlichen Vorlieben ja verschieden. Wie gut, dass man neben all den neuen schrägen Farben auch Varianten klassischer Lackierungen wie z. B. Aged Candy Apple Red oder Aged Olympic Pearl aufgelegt hat. Denn so wird die Player-Plus-Strat auch für den Strat-Opa interessant!

PLUS

● Plus-Konzept
● Ansprache
● Sustain
● Spielgefühl
● Performance
● Brummunterdrückung
● frische, neue Farben

MINUS

● rutschiges Push/Pull-Poti


DIE KOMPLETTE 2021 PLAYER PLUS SERIE

1. Player Plus Stratocaster

Farben: 3-Color Sunburst, Olympic Pearl, Aged Candy Apple Red, Tequila Sunrise und Opal Spark

2. Player Plus Stratocaster HSS

Mit Fender Player Plus Humbucker im Wide-Range-Look, Palisander-Griffbrett und Split-Funktion. Interessantes Detail: Das Vibratosystem kommt hier mit Stahl-Saitenreitern.

Farben: 3-Color Sunburst, Belair Blue, Cosmic Jade und Silverburst

3. Player Plus Telecaster

Mit Push-Pull-Funktion zur Serienschaltung beider Pickups, Palisander Griffbrett und einer Brücke mit sechs Einzelreitern aus Stahl.

Farben: 3-Color Sunburst, Cosmic Jade, Silver Smoke und Aged Candy Apple Red

4. Player Plus Nashville Telecaster

Mit zusätzlichem Strat-Pickup in der Mittelposition und Push-Pull-Funktion, um den Hals-Pickup zu jeder Position zuschalten zu können. Ebenfalls mit einer Brücke mit sechs Einzelreitern aus Stahl.

Farben: 3-Color Sunburst, Butterscotch Blonde, Opal Spark und Aged Candy Apple Red

5. Player Plus Active Precision Bass

Mit aktiver Dreiband-Klangregelung, Aktiv-/Passiv-Schaltung und Fender HiMass-Brücke.

Farben: Silver Smoke, Cosmic Jade, 3-Color Sunburst und Olympic Pearl

6. Player Plus Active Jazz Bass

Mit aktiver Dreiband-Klangregelung und Fender HiMass-Brücke.

Farben: 3-Color Sunburst, Olympic Pearl, Belair Blue und Aged Candy Apple Red

7. Player Plus Active Jazz Bass V

Mit aktiver Dreiband-Klangregelung und Fender HiMass-Brücke.

Farben: 3-Tone Sunburst, Cosmic Jade, Opal Spark und Tequila Sunrise

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2021)

Produkt: Fender Stratocaster
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Zum Thema Push/Pull = Schwierigkeiten beim Pullen: es gibt im Handel eine durchsichtige Scheibe, die man oben auf den Poti-Knopf klebt, so dass man mit den Fingern darunter greifen kann. Das fällt optisch kaum auf.

    Alternativ könnte Fender gleich ein Push/Push-Poti einbauen. Allerdings muss der Nutzer aufpassen, dass er nicht versehentlich pullt, denn dann kann ein so sensinsibles Teil schon mal kaputt gehen. Trotzdem verbaue ich die Push/Push-Potis lieber als Push-Pull. Bei Tele-Typen ist das – wie hier angedeutet – mit den Dome-Knöpfen besser mit Push/Pull.

    Als Hobby-TECH, der sich speziell mit Strat-Schaltungsmöglichkeiten seit Jahrzehnten befasst und in sehr viele Strats Erweiterungen der Schaltungen eingebaut hat, für die mir die Käufer / Auftraggeber immer dankbar waren / sind, frage ich mich, warum Fender da so wenig bietet. Davon abweichend waren bislang im wesentlichen deren S-1-Schaltungen sowie Schaltungen mit EC-Midboost, die ich auch schon häufiger mal eingebaut habe. Wer sich bezüglich weitergehender Schaltungen einige interessante Anregungen holen möchte, schaut gerne bei mir in Youtube rein: suche: meine Namen eingeben. Viel Spaß!

    Mit musikalischen Grüßen
    MrHKBlues aka gittevarii

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  2. Ich spiele selbst seit Jahrzehnten am liebsten Fender Strats.Im Falle der Gewichtsreduzierung könnte man ja einfach superleichte Hardware Parts aus einer Titan-Edelstahl Legierung verwenden! Übliche schwergewichtige Hardwareteile können durchaus so manches (unnötige!) Gramm auf die Waage bringen,das vermutet man ja kaum.Und ultra leichte edle Holzbodies sind ja derzeit sowieso voll im trendy.Schön,daß es damals Leo Fender und George Fullerton gab,der bis heute zu Recht für seine Pionierarbeiten weltweit verehrt wird!

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