Produkt: 30 Jahre Gitarre & Bass – James Hetfield & Metallica
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Klassischer Twang und mehr!

Test: Fender 60th Anniversary Jazzmaster

Fender 60th Anniversary Jazzmaster(Bild: Dieter Stork)

Mit Block Inlays und Matching Headstock zollt das Jubiläums-Modell der Jazzmaster-Palette von Fender dem Look der späten Sixties Tribut und fügt dem mittlerweile ganz schön großen Offset-Angebot eine weitere Variation hinzu.

Mancher Vintage-Fanatiker mag jetzt aufschreien: „Ist ja gar nicht Pre-CBS-Style“, aber auch am Ende der Sixties hat Fender noch schicke Gitarren gebaut, die man unter Garantie auch auf den Aufnahmen dieser Zeit hört. Die Geburtstags-Version – 2018 wurde die Jazzmaster 60 Jahre alt – bezieht sich auf die 1966er-Variante des mittlerweile ganz schön angesagten Offset-Instruments.

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ausstattung & konstruktion

In besagtem Jahr führte Fender die passend zum Korpus lackierte Kopfplatte und die rechteckigen Block-Inlays ein, die man auf unserem Testmodell in Vintage Blonde findet. Ich finde den etwas auffälligeren, opulenteren Look dieser zwei Elemente ganz großartig. Das Vintage Blonde geht stark Richtung Senf-Gelb, ist aber eine schöne Abwechslung zu den unzähligen Sunburst Jazzmasters, die man oft sieht. Als weitere Farbvarianten stehen Fiesta Red, Daphne Blue und Schwarz zur Auswahl.

Was die Ausstattung und technische Konstruktion angeht, orientiert sich die 60th Anniversary am historischen Vorbild. Die Neuerungen und Verbesserungen der American-Professional-Serie findet man hier nicht. Die zwei Classic Series ‘60s-Jazzmaster-PUs sind in zwei Schaltkreisen organisiert. Variante 1 hat drei Positionen mit Master-Tone und -Volume. Variante 2 aktiviert unabhängig von der Stellung des 3-Weg-Schalters den Halstonabnehmer mit separatem Volume- und Tone Regler.

Fender Jazzmaster(Bild: Dieter Stork)

Auch die Brücke ist klassisch gehalten – mit den bekannten Problemen, die durch den flachen Winkel entstehen, in dem die Saiten über die sechs geriffelten Saitenreiter geführt werden. Bei hartem Anschlag springen besonders die E-Saiten gerne aus der ausgesuchten Rille. Die von Werk aus aufgezogenen 009er-Saiten sind historisch sicher nicht korrekt und verstärken das erwähnte Problem. Abhilfe schafft ein Buzzstop oder die Mastery-Bridge.

Beim American-Professional-Modell hatte Fender die Probleme ohne die zwei Hilfsmittel gelöst, aber hier wohl aus Gründen der Authentizität das klassische Setup verwendet. Nicht ganz authentisch ist das Tremolo, das die Feststell-Möglichkeit vermissen lässt, die bei Saitenriss oder Drop-D-Tuning recht praktisch ist. Mit 3,6 kg ist diese Jazzmaster schön leicht, was sich in gutem Schwingverhalten des Holzes bemerkbar macht. Der Hals ist kräftig ausgefallen und breiter als bei vielen Früh-Sixties-Modellen. Zusammen mit den etwas höheren Bünden sorgt das für ein angenehmes, komfortables Spielgefühl, das auch modernere Spieltechniken ermöglicht.

Optisch abgerundet wird die Gitarre durch das Binding am Griffbrett und das leicht vergilbte Plastik der Potiknöpfe, PU-Kappen und Tipps von Vibrato-Arm und 3-Weg-Schalter. Sieht zusammen mit dem roten Tortoise-Schlagbrett ganz hervorragend aus und gibt definitiv Pluspunkte für die Optik.

Fender Jazzmaster(Bild: Dieter Stork)

sound

Am Amp präsentieren sich die zwei Pickups mit kräftigem Output und einem ausgewogenen, nicht zu schrillen Grundklang. Die fiesen Höhen-Spikes mancher älterer Modelle hat diese Jazzmaster nicht.

Clean angespielt liefert der Hals-PU einen glockigen Ton mit der üblichen Jazzmaster-Kante. Das klingt immer etwas origineller und eigenwilliger als eine Tele oder Strat, weniger Mainstream-artig. Die Mittelstellung liefert einen leicht ausgehöhlten Ton, der besonders auf den tiefen Saiten an eine Bariton-Gitarre erinnert. Der Steg-PU kann Schrammel-Akkorde mit kantigem Attack genauso gut wie knackige Riffs liefern, die auch unverzerrt schon eine gewisse Aggressivität und Spritzigkeit aufweisen.

Indie und Underground lassen grüßen, aber mit moderat eingestelltem Amp-EQ hat das auch durchaus Potential für poppige, Effektbeladenere Klänge. Klassische Surfsounds sind natürlich auch möglich. Der Tonabnehmer liefert über Tube-Reverb und Bandecho viel Tieffrequentes und dadurch einen ausgewogenen Sound ohne Icepick-Höhen. Tönt nach großer Welle!

Im Crunch-Betrieb klingt der Hals-Pickup deutlich dicker als bei einer Stratocaster, mit viel Bass liefert er einen originellen Blueston mit ganz eigenem Charakter. Der Steg nimmt die Verzerrung ebenfalls locker und präsentiert sich angenehm warm ohne den Jazzmaster-Biss zu verlieren. Auch auf mehr Verzerrung reagiert die Anniversary-Variante gutmütig. Mit einem Fullton OCD, vorgeschaltetem Archer-Booster und etwas Delay lassen sich dieser Jazzmaster sogar moderne Soloklänge entlocken.

Ein 50-Watt-Plexi sorgt für zupackende Powerchords mit klarem, durchsetzungsfähigem Attack. Ein Engl Gigmaster entlockt der Gitarre sogar zeitgemäße Punk- und Alternative-Rock-Sounds. Ganz schön vielseitig das Ding. Bei all den unterschiedlichen Stilistiken behält sie stets ihren eigenen Kopf und klingt nie gewöhnlich, sondern immer etwas spezieller als andere Gitarrenmodelle.

Das Tremolo erweist sich trotz des konstruktionsbedingt übersichtlichen Tonumfangs (ca. ein Halbton nach oben oder unten) als recht verstimmungsfreudig. Mit dickeren Saiten und den erwähnten Modifikationen sollte sich aber auch die Anniversary-Jazzmaster – genau wie ihre Vorbilder – in ein zuverlässig agierendes Instrument verwandeln lassen. Am Ton des Instruments gibt es definitiv nichts zu meckern und dank der etwas höheren Bünde zeigt sich diese Jazzmaster deutlich variantenreicher als viele Vintage-Modelle.

Fender Jazzmaster(Bild: Dieter Stork)

resümee

Alles Gute zum Geburtstag, kann man da nur sagen! Das Modell zum 60-jährigen Jubiläum sieht toll aus und klingt ganz hervorragend. Warum vor allem Underground-Bands diese Gitarre bevorzugen, bleibt nach dem Anspielen der 60th Anniversary-Jazzmaster ein ungelöstes Rätsel der Gitarrenhistorie. Die kann nämlich nicht nur Surf, Punk und Alternative, sondern macht auch bei Blues, Pop und dicken Powerchords eine gute Figur. Durch den etwas breiteren Hals und leicht erhöhte Bundstäbchen ist das Spielgefühl moderner und komfortabler und dadurch vielseitiger.

Mit den Problemen der authentischen Brücken-/Tremolo-Konstruktion muss man leben oder ein paar Euro in Buzzstop, Mastery-Bridge und Neueinstellung beim Gitarren-Techniker investieren. Dann hat man aber ein toll klingendes Instrument zum äußerst übersichtlichen Preis, dass den Vergleich mit wesentlich teureren Vintage- und Boutique-Modellen nicht scheuen muss.

PLUS
• überzeugender, opulenter Jazzmaster-Look
• vielseitige Sounds – von klassischem Jazzmaster-Ton bis zu Blues und zeitgemäßen Klängen
• komfortables, leicht modernisiertes Spielgefühl
MINUS
• konstruktionsbedingte Schwächen der Brücke (Saiten springen vom Saitenreiter)
• Tremolo nicht ganz stimmstabil

Fender Jazzmaster

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2019)

Produkt: Fender Stratocaster
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. mich irritieren die unterschiedlichen gewichtsangaben (3,6 zu 4 kg).

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