Königsklasse vs. Arbeitspferd

Test: Epiphone B.B. King Lucille Bone White LTD & ES-335

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(Bild: Dieter Stork)

Epiphone hat in seiner „Inspired by Gibson Collection“ neben den „Original ES“-Modellen auch noch Semiacoustics in der „Artist & Limited Run“-Sparte gelistet. Wir stellen eine Standard ES-335 der limitierten B.B. King Lucille gegenüber.

Das geradezu symbiotische Verhältnis des legendären Blues-Giganten B.B. King zu seiner Lucille ist das vielleicht berühmteste Beispiel in der elektrischen Gitarrenwelt für die monogame Beziehung eines Musikers zu seinem Instrument. Epiphone hat die Lucille mit High-End-Ausstattung in begrenztem Umfang aufgelegt. Da fragt die gute Standard ES-335: Was hat sie, abgesehen von Zierrat, was ich nicht habe? Wir kriegen’s raus!

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REICHT GUTER STANDARD – ODER BRAUCHT ES LUXURIÖSE ERWEITERUNG

Lucille: Grundlage für B.B.s sehr persönliche Semiacoustic ist das legendäre Thinline-Design der Gibson ES355TD-SV. Allerdings verzichtet das Epiphone-B.B.-King-Modell wie sein Gibson-Pendant auf die traditionellen f-Löcher des Oldies. Die Epi-Lucille kommt mit Decke, Boden und Zargen aus fünflagigem Ahorn/Pappel-Laminat. Natürlich sind die Ränder auch bei ihr von Multiply-Bindings eingefasst. Der massive Center-Block aus Ahorn, sauber mit Futter aus Fichte an Decke und Boden angepasst, fehlt natürlich auch nicht. Der eingeleimte Hals, und das macht hier den größten Unterschied zur Epi-ES-335, ist bei der Lucille nicht aus Mahagoni, sondern aus Ahorn mit Rounded-C-Halsprofil gefertigt.

Lucille mit Block-Inlays und Multi-Body-Bindigs (Bild: Dieter Stork)

Als eingebundenes Griffbrett kam aber das traditionelle Ebenholz mit 12″-Radius zum Einsatz. Neben 22 Bünden im Medium-Jumbo-Format fanden Perloid-Block-Inlays zur Lagenkennung Platz. Eine „Lucille“-Einlage aus Perlmutt ziert die mehrfach eingebundene Kopfplatte, deren oberer Teil angeschäftet wurde. Grover Rotomatic Mechaniken, GraphTech-Sattel, Epiphone LockTone Tune-O-Matic Bridge, TP-6 Tailpiece mit Feinstimmern und das fünffach gebundene Tortoise-Pickguard komplettieren die Ausstattung stilgerecht.

Lucille: Classic Pro Humbucker mit Goldkappen und TOM-Bridge mit TP-6 Tailpiece (Bild: Dieter Stork)

Elektrik: Für die Tonwandlung stehen zwei Alnico Classic PRO Humbucking Pickups bereit. Verwaltet wird mit individuellen Volume- und Tone-Reglern (500K CTS-Potentiometer). Der Varitone-Schalter vermittelt durch Filtereffekte verschiedene Sound-Optionen in sechs Stufen. Das Signal kann Mono oder Stereo (Pickups einzeln) über zwei auf die Zarge hinten unten gesetzte Ausgangsbuchsen abgegriffen werden. Gold-Hardware gehört zur Lucille wie ihr Name zu B.B. King und die exklusive Hochglanzlackierung in Vintage White ist eines Königs würdig – wer es anders mag, bekommt dieses Modell aber auch in Ebony. Ein passendes EpiLite Case ist dabei!

ES-335 Cherry: Das schlichter ausgestattete Epiphone-Modell ES-335 verfügt ebenfalls über einen in leichte Wölbung gepressten Korpus aus Laminat (Ahorn) mit durchgehendem Center-Block aus Ahorn. Die ES-335 zeigt sich allerdings mit den gewohnten f-Löchern. Decke und Boden sind bei der Standardausführung nur von einfachem Cream-Binding eingefasst.

ES-335 mit Dot Inlays und einfachem Body-Binding (Bild: Dieter Stork)

Der eingeleimte Hals aus Mahagoni (!) mit Rounded-C-Profil wurde mit einem gebundenen Griffbrett aus Indian Laurel kombiniert – ein Holz, das dem traditionell verbauten Palisander im Look und von den Eigenschaften her durchaus ähnlich ist. 22 sauber abgeglichene Medium-Jumbo-Bünde und Dot Inlays fanden darin Platz. Die Kopfplatte mit Crown Inlay auf der schwarzen Front, ihr oberer Teil wurde wie bei der Lucille ebenfalls angesetzt, ist mit Epiphone-Deluxe-Mechaniken bestückt.

ES-335 mit Classic Pro Humbucker mit Nickelkappen und TOM-Bridge mit Stop Bar (Bild: Dieter Stork)

Ein GraphTech-NuBone-Sattel, die LockTone-Tune-O-Matic-Bridge mit Stop Bar und ein schwarzes 5-ply-Pickguard gehören zur Ausstattung. Hardware ist Nickel. Elektrik: Auch das schlichte Modell ES-335 Cherry ist mit zwei Alnico-Classic-PRO-Humbuckern ausgestattet und kommt mit der klassischen Schaltung von 3-Weg Toggle und zwei Volume- sowie zwei Tone-Potis von CTS mit stimmigen Black Top Hat Knobs. Die vorgelegte ES-335 ist rundum sauber verarbeitet und praxisgerecht eingestellt. Das Modell ist übrigens alternativ auch noch in Vintage Sunburst zu haben.

ÄUSSERER EINDRUCK – INNERE WERTE

Das Erste, was unsere beiden Probanden, abgesehen vom Look, deutlich voneinander unterscheidet, ist ihr Gewicht. Die B.B. King Lucille ist mit etwas über 4 kg im Vergleich zu den 3,6 kg der ES-335 Cherry das deutlich schwerere Instrument. Das ist aber jetzt auch nicht anders als bei den Vorbildmodellen von Gibson. Die Lucille fühlt sich schon an wie ein regelrechter Straßenkreuzer, was neben der aufwendigeren Elektrik mit mehr Komponenten auch dem etwas massiver gebauten Hals mit seinem Ebenholzgriffbrett geschuldet ist. Das Rounded-C-Profil fällt bei ihr etwas breiter und auch dicker aus, bewegt sich aber dennoch im komfortablen Rahmen. Die Hand ist mit dem Hals der Lucille schon gut gefüllt, da ist die 335 mit ihren etwas geringeren Halsabmessungen etwas leichter zugänglich. Individuelle Überprüfung ist angeraten! Beide Thinlines verfügen natürlich über identische (Gibson-) Mensuren von 628 mm und sind mit flach eingerichteter Saitenlage gut zu spielen.

(Bild: Dieter Stork)

Im akustischen Klangvermögen sind dann doch recht deutliche Unterschiede bei den ähnlich konstruierten Thinlines zu bemerken, natürlich auch stark beeinflusst durch die fehlenden f-Löcher der B.B. King. Während Lucille mit den festeren, etwas tiefer greifenden Sounds aufwartet, kontert die 335 mit dem leichteren, luftigeren Klang. Beides hat seinen Reiz. Hören wir uns nun an, was die identisch verbauten Alnico-Classic-PRO-Humbucking-Pickups mit vergleichbaren Widerständen jeweils daraus machen:

Die B.B. King Lucille hält elektrisch, was sie akustisch schon versprochen hat. Mit straffen Bässen tritt sie an, ergänzt von plastischen Mitten und präsent vollen Höhen. Akkorde zeigen Tiefgang, aber auch beste Geschlossenheit und Rundung. Die Tonfestigkeit ist beeindruckend, die Klangfarben verbreiten klassisches Flair. Auch wenn wir nicht die Finesse von High-End-Pickups erwarten dürfen, so müssen wir die zu erzielenden Ergebnisse angesichts der vorliegenden Preisklasse durchaus loben, denn auch im Overdrive sind die vorgenannten Eigenschaften problemlos zu haben. Solospiel geht damit nicht nur leicht von der Hand, sondern hat auch beste Substanz und vokalen Ausdruck.

Seinen markanten Sound holte B.B. King nicht zuletzt aus den gestaffelten Klangfilterungen des 6-Wege-Varitone-Switch. Darüber lassen sich auch mit der Epi-Lucille eine Vielzahl von Sounds gestalten. Vom sanften Woman Tone bis hin zum kehlig-spirrigen Treble-Sound ist hier mit bis ins Extrem getriebener Frequenzbeschneidung ein weit gespanntes Klangspektrum angelegt. Stereo- und Mono-Ausgangsbuchsen gewähren zusätzliche Flexibilität, auch wenn der getrennte Signalabgriff von Hals- und Steg-Pickup eher selten genutzt wird. Über die klangliche Feinabstimmung per Volume- und Tone-Potis gibt es auch nur Gutes zu berichten.

Die Epi-ES-335 dagegen bietet das leichtere und etwas hellere Tonverhalten, schnell in der Ansprache und transparent in der Auflösung der Stimmen im Akkord. Die Plektrumaktion wird perkussiv-markant umgesetzt, die Tonlänge kann sich sehen lassen, auch wenn in diesem Punkt die Lucille die Nase vorn hat. Über den Hals-Pickup lassen sich klassisch ausgerichtete Humbucker Sounds von achtbarer Rundung inszenieren. Volltönend und doch gut eingegrenzt bei rhythmischem Begleitspiel, fest intonierend und lang ausschwingend im Solo. Gute Obertonkraft und wohlgerundete Höhen gewährleisten zudem eine durchaus lobenswerte klangfarbliche Güte. Mit diesen Eigenschaften sind auch in Gain-Positionen des Amps gute Ergebnisse zu erzielen.

Schalten wir auf den Steg-Pickup, so zeigt sich der mit etwas mehr Mittenbetonung, aber auch dem kräftigeren Höhen-Snap im Vergleich. Sehr schön kompakt lässt sich demgemäß rhythmisch funky mit Akkorden arbeiten. Im Zerrkanal kann er ebenfalls mit dynamisch steuerbarem Respons auf den Anschlag und perkussiv markantem Aufriss überzeugen. Nicht die Straffheit und Präsenz der Lucille steht hier im Vordergrund, eher eine gute Beweglichkeit und die etwas weicher gerundete, dennoch aber durchsetzungsfreudige Stimme im Solo. In der Mittelstellung des Schalters liegen dann noch jeweils schön glockig abrollende Kombi-Sounds an, die beiden Gitarren gute Erweiterung bringen.

(auf der nächsten Seite geht’s weiter)

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