Extravaganz in schwarz

Test: EBG Instruments Devon

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(Bild: Dieter Stork)

Etwas südlich von Tübingen gelegen, fertigt Marc Locher unter dem Firmennamen EBG-Instruments Bässe und Gitarren, die vor allem eins sind: unkonventionell. Nicht nur die Wahl der Werkstoffe, auch die Designs und Konzepte sprechen eine ganz eigene Sprache.

Kollege Sweers hatte in Ausgabe 01/22 bereits das Vergnügen, sich das „Vicious Orion“- Modell der kleinen Instrumentenschmiede zu Gemüte zu führen. Als Marc uns dann mit der Frage kontaktierte, ob wir sein neues Design testen wollten, fiel die Antwort nicht schwer. Ein paar Wochen später halte ich nun das auf den Namen „Devon“ getaufte Modell in meinen Händen. Es ist das erste seiner Art.

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ERSTER EINDRUCK

Wie für einen EBG typisch, geht das Design gegen so ziemlich alle Konventionen. Ganz grob erinnert die Korpusform an eine Mischung aus Strandberg und Dingwall, wobei es so aussieht, als wäre der Korpus ein Mal zu oft unters Messer gekommen. Lediglich die unteren zwei Drittel des Korpus bestehen aus einem durchgängigen Holzblock, der obere Teil besteht lediglich aus einem Holzbogen, der dem Bass eine Kontur wie auch eine sehr angenehme Armablage gibt.

Zwischen beiden Teilen befindet sich: Luft. Anders als etwa bei einigen Reiseinstrumenten wirkt diese Lücke jedoch nicht wie das Ergebnis einer radikalen „form follows function“-Politik, im Gegenteil. Mir gefällt das Design ausgesprochen gut, modern und in sich stimmig. Mit großer Begeisterung verwendet Marc für seine Bässe und Gitarren eine Kombination aus diversen Werkstoffen. In diesem Fall werden beide Korpusteile durch eine Decke aus Carbon verbunden. Sichtbar ist der eingefärbte Holzkern nur von den Seiten sowie von hinten und eben an der Armablage.

Durch die Verwendung von homogenem Birkenschichtholz und Carbon erhofft sich Marc eine direktere Ansprache des Tons als es beim Einsatz von Massivholz der Fall wäre. Allerdings bringt der Einsatz des dichten Schichtholzes einen Preis in Form des recht hohen Gewichtes von 4,5 kg mit sich, trotz Lücke im Korpus und trotz des Halses aus Vollcarbon. Wobei es wohl Letzterem zu verdanken ist, dass noch eine vier vor dem Komma auf der Waage steht.

An der Kopfplatte sorgen fünf Graph-Tech-Mechaniken für gute Stimmung, während die Ball-Ends der Saiten von einer stabilen 3D-Brücke gehalten werden. Als Maschinenbaumeister lässt Marc es sich nicht nehmen, auch die Brücke selbst zu fertigen. Obwohl der Gesamteindruck sehr gut ist, sind mir ein paar winzige Lufteinschlüsse in der Versiegelung des Carbonhalses aufgefallen. Am Ende des Tages ist es eben Handarbeit, auch das Laminieren des Carbons.

Der Carbonhals ist geschraubt (Bild: Dieter Stork)

HANDLING

Dass der Devon ein gemischtes Paket ist, beschränkt sich nicht nur auf die Kombination der Werkstoffe. Auch ergonomisch zeigt sich der Bass sehr vielseitig. Einerseits ermöglichen ein tiefer Cutaway, der Compound-Radius sowie die Satinlackierung der Oberflächen ein müheloses Wandern über alle Lagen, andererseits fällt der Bass gern in die Waagerechte. Mit einem rutschhemmenden Gurt und ein wenig Druck auf die Armablage – die weiche Kontur selbiger vereinfacht das zumindest – lässt sich dem recht gut entgegenwirken. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Bass in den Händen richtig gut an und lädt zum Spielen ein.

Auf den ersten Blick sieht das Richlite-Griffbrett etwas schräg aus, das liegt an der dezenten Fächermensur von 34-35“. Anders als z.B. ein Dingwall mit seinen 37“ auf der H-Saite fühlt sich der Devon komplett natürlich an und erfordert de facto keine Umgewöhnungszeit. Tatsächlich empfinde ich die leichte Fächerung sogar als ergonomischer als nicht gefächerte Bundierungen. Gepaart mit der dank penibler Abrichtung der Bünde möglichen flachen Saitenlage fliegen die Finger absolut mühelos über das Griffbrett.

Fluoreszierende Halsmarkierungen (Bild: Dieter Stork)

Tapping, Slapping, schnelle Läufe mit Fingern oder Plek – alles geht mühelos von der Hand und erzeugt schon unplugged einen fokussierten, fast klavierartigen Klang. Zur besseren Orientierung auf dunklen Bühnen sind sowohl die Inlays der Bünde als auch die Bundmarker an der Griffbrettkante aus fluoreszierendem Material. Eine UV-Lampe zum Aufladen befindet sich netterweise zusammen mit dem Einstellwerkzeug sowie den Schaller-Gurtpins im mitgelieferten Gator-Hardcase.

Die aktiven Fishman-Fluence-Tonabnehmer sorgen für die Übertragung des straffen Sounds an den Verstärker. Bekannt ist die Baureihe dieser Tonabnehmer vor allem in der Gitarrenwelt, die Bassmodelle gewinnen aber allmählich an Popularität.

Eine Besonderheit ist ihre Konstruktion: Anstelle gewickelter Kupferspulen finden auf Leiterplatten konstruierte Spulen Anwendung. Aber auch der Funktionsumfang ist außergewöhnlich: Über einen in der „Lücke“ positionierten 3-Wege-Kippschalter lassen sich verschiedene Betriebsmodi anwählen, wobei damit jeweils ein anderer Grundsound aktiviert wird. Im Prinzip handelt es sich um EQ-Presets, die in den Pickups selbst verbaut sind.

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Produkt: Gitarre & Bass 7/2023
Gitarre & Bass 7/2023
IM TEST: Magneto Guitars Eric Gales Signature RD3 +++ Lenz Hot Chili Tube-Head +++ Marshall Guv’nor, Drivemaster, Bluesbreaker, Shredmaster Reissue Pedals +++ Glockenklang Blue Bird Bass-Amp +++ Fender Gold Foil Jazz Bass +++ Walrus Audio Fundamental Reverb und Delay +++ Blackstar Debut 50R Gitarren-Combo +++ Epiphone Adam Jones Les Paul Custom Art Collection +++ Boss Waza-Air Bass Headphones

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