Spielt schneller als sein Schatten

Stabile Mitte: EBG-Instruments EBG-5 Vicious Orion Bass im Test

(Bild: Dieter Stork)

Aluminium war das Material, aus dem Rickenbacker die erste E-Gitarre baute, die Frying Pan. Später gab es Bässe von Travis Bean und Kramer, und auch heute widmen sich kleine, feine Firmen dem Thema. Eine davon ist EBG-Instruments, eine Ein-Mann-Firma, mit der Marc Locher seinen ganz eigenen Ansatz verfolgt.

Anders als bei Rickenbacker annodunnemals, ist das Aluminium hier aber kein Druckguss, anders als bei Travis Bean und Kramer sind es nicht die Hälse, die aus dem ungewohnten Material sind.

Anzeige

PRÄZISION BIS INS DETAIL

Stattdessen ist der Kern des Vicious Orion gleichzeitig das Markenzeichen von EBG: die Korpusmitte aus Aluminium. Aus dem vollen Block werden die Fräsungen ausgearbeitet. Ein Fach auf der Vorderseite nimmt die Tonabnehmer auf, ein weiteres auf der Rückseite das Batteriefach. Eine dritte Fräsung sorgt, ebenso wie die Materialreduktion auf der Kehrseite des Pickup-Faches, dafür, das Gewicht in Grenzen zu halten, denn massives Alu würde trotz der Zugehörigkeit zu den Leichtmetallen auch in Kombination mit Holz einen gar nicht mal so leichten Bass ergeben.

Hohlgefräster Alu-Mittelblock (Bild: Dieter Stork)

Je drei Stege gehen vom Mittelteil nach oben und unten weg, an die die hölzernen Seitenteile in höchster Präzision angesetzt und mit jeweils sechs Schrauben fixiert wurden. Präzise, wie der EBG gefertigt ist, wäre es sicher kein Problem, die Seiten direkt an den Centerblock anzusetzen – aber so, mit einem sichtbaren Abstand zwischen den Teilen, sieht es doch viel cooler aus.

Die Holzoptik ist ganz schön wild und verschwenderisch, was durch die tolle hochglänzende Lackierung gar nicht mal so sehr auffällt, im Nahbereich dafür umso dreidimensionaler rauskommt. Die Rückseite ist feinstes Riegelahorn, während die Vorderseite ein Streifenmuster aus geriegeltem Ahorn und geflammtem Bubinga im Wechsel zeigt.

Im unteren Korpusflügel steckt auch die Regeleinheit, die von Richter kommt. Der Volume-Regler ist als Push/Pull ausgelegt und ermöglicht so einen passiven Betrieb im Notfallmodus, wie Marc das nennt. Der zweite große Metallknopf gehört zum Balance-Regler, während die kleineren zum aktiven Zweiband-EQ mit Bässen und Höhen gehören. Eine kleine LED in der passgenauen E-Fachabdeckung signalisiert, wenn die Batterie nachlässt, die dann problemlos ohne Werkzeug gewechselt werden kann. Sehr elegant gelöst ist die Kabelführung aus der bzw. zur sauberst gelöteten und geschraubten Elektronik: Sowohl die Kabel von den Pickups als auch die zur Batterie und Buchse werden intern durch die Alustege geführt, von außen ist nichts zu sehen.

Die Tonabnehmer selbst kommen von Häussel. Aus optischen Gründen bevorzugt Marc Soapbar-Gehäuse, in die er die gewünschte Spulenkonfiguration einsetzen lässt. In diesem Fall sind das ein Jazz-Bass-artiger Pickup am Steg und ein Preci-esquer am Hals, beide mit fetteren Magneten. Für besondere Instrumente, z.B. im Steampunk-Stil, oder auf Kundenwunsch sind natürlich auch andere Gehäusevarianten möglich.

Der Hals … den könnte man sich schon alleine einrahmen und aufhängen. Ein Kunstwerk, wiederum aus Riegelahorn mit dem letzten Ende der Kopfplatte aus gezackt angeschäftetem Bubinga, das entgegen der eigentlich vom Erbauer bevorzugten Mattlackierung hochglänzend versiegelt wurde, um die Maserung mit fantastischer Tiefe herauszustellen. Das Griffbrett besteht aus Ebenholz, gleichmäßig und dunkel und in der Flanke mit Open-Eye-Inlays versehen. Allerlei weitere Perlmutt-Einlagen finden sich auch zwischen den Wagner Jumbobünden: Um den 12. Bund und das doppelte EBG-Logo herum finden sich mit liebevoller Akkuratesse Mondphasen eingelegt, dazu gibt es noch eine im dritten Bund. Die ist so unauffällig, dass man schon im richtigen Licht und im richtigen Winkel draufgucken muss, um das namensgebende Sternbild zu entdecken.

Über einen sauber angepassten Graphtech-Sattel gehen die Saiten mit geradem Zug – und dank des leichten Winkels der Kopfplatte auch mit dem nötigen Druck – zu den Graphtech-Tunern. Diese Mechaniken sind nicht nur angenehm leicht, sie haben auch eine je Saite unterschiedliche Übersetzung, um mit einer Umdrehung die Stimmung um jeweils einen Ganzton zu ändern. Bei der Brücke hat sich EBG lange auf bewährte Markenprodukte verlassen, mittlerweile erledigt diese Aufgabe ein eigener Entwurf namens Fatsus.

EBG-Bridge (Bild: Dieter Stork)

Kein Druckguss sollte es sein, dazu schlicht und mit ansprechendem Finish. Aus massiver Glockenbronze gefräst, erinnert die Brücke an Hipshot, auf Schrauben für die Oktaveinstellung wird aus optischen Gründen bewusst verzichtet. Hat man das Böckchen an Ort und Stelle geschoben, kann alles arretiert werden und die Schwingungen werden direkt und klar auf den Korpus übertragen.

SPIELT SCHNELLER ALS SEIN SCHATTEN

Nach einer ersten Anspielphase mit der Werksjustierung stelle ich die meisten Bässe nochmal nach. Manchmal, weil nach langem Transport die Einstellung einfach nicht mehr optimal ist, öfter jedoch, weil ich gerne mit sehr flacher Saitenlage spiele und aus den meisten Instrumenten noch etwas rauskitzeln kann. Hier nicht. Der Vicious Orion ist schon auf dem Endstand, der Beipackzettel verrät, dass Marc es ebenfalls gerne flach hat. Die sauber abgerichteten Wagner-Bünde geben das problemlos her, nichts scheppert oder rasselt hier.

Einen Moment gedauert hat es, bis ich die Korpusform einsortieren konnte. Hamer hatte mal einen kurzlebigen und entsprechend seltenen Signature-Bass für Kip Winger im Programm, der auf den Namen Impact hörte. Ob bewusste oder unbewusste Anlehnung, oder einfach konvergente Evolution, der EBG sieht frisch und modern aus, gleichzeitig sorgt die Form für beste Balance am Gurt. Trotz sparsamer Shapings und eher eckiger Kanten hängt er bequem am Körper. Der eher flachgeschnittene Hals liegt super in der Hand und auch wenn bei EBG eigentlich matte Hälse bevorzugt werden, lässt dieser hier sich widerstandsfrei spielen, nichts bremst oder klebt gar. Am Übergang zum Korpus spielt das Alu einen Vorteil aus: Die hohe Stabilität erlaubt es, die Halstasche sehr flach auslaufen zu lassen, so dass sich automatisch ein leichter Zugang zu den hohen Lagen ergibt. Das ist auch gut so, denn der Bass motiviert mächtig, wirklich alle Lagen auszunutzen – egal ob man da Geld verdienen kann oder nicht …

Jeder Ton kommt so direkt, als wäre ein perfekt eingestellter Kompressor am Werk, der den Anschlagspunch konkret herausstellt, um die folgende Abklingphase lang und gleichmäßig zu gestalten. Nirgends auch nur der Hauch eines Deadspots. Die Häussel-Pickups geben das kongenial wieder. Fett, mit gut ausgeleuchteten Außenbereichen in Höhen und Bässen und tragfähigen Mitten, die eher elegant als ruppig klingen. Klassischen Vintage-Sounds kann man sich annähern, so gibt der Steg-Pickup mit heruntergedrehten Höhen einen ordentlichen Jaco ab. Dabei bleibt er ultra punchy und präzise, genauso wie der Kollege am Hals, dem das Raue eines guten Precis abgeht – das möchte er aber auch gar nicht sein. Den ausgewogensten Ton bekomme ich wie üblich in der Mittelstellung des Balance-Reglers, wo mich ein Cinemascope-Breitbandsound erwartet.

Die eigene Charakteristik des Basses kommt in jeder Pickup-Mischung durch und prägt jede Einstellung. Das gilt sogar, wenn ich bei der sauber arbeitenden und extrem rauscharmen Richter-Elektronik Bässe und Höhen voll anhebe. Die Lautstärkeabstimmung zum passiven Modus, der schon in Neutralstellung nicht wirklich gegeben ist, ist damit natürlich vollends zum Teufel, aber a) bezeichnet EBG ihn eh als Notfallmodus, und b) der Sound.

Der Sound! Die Mitten sind immer noch da, knurrig und füllend, die Bässe drücken, die Höhen knallen – alles im richtigen Maß! Mit der schon angesprochenen komprimierten Charakteristik, die trotzdem volle Dynamik zulässt, ergibt sich ein (Metal-)Sound, den man sonst erst aufwendig produzieren muss. Hier kommt er einfach aus dem Instrument. Präzise spielen muss man noch selbst, aber dann klebt sich der Bass an die Bassdrum, dass es nur so eine Freude ist.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Marc Lochers Motivation, Alu zu verbauen, entspringt der Begeisterung für die Stabilität, die schnelle Ansprache und wie das Material Schwingungen verarbeitet. Mit seiner Bauweise mit Alukern und Holz für Seitenteile und Hals schafft der Vicious Orion gleich mehrere Spagate: klar aber nie steril; direkt aber nie hart; wuchtig aber nie wummernd; knallig aber nie nervend. So besonders er gebaut ist, so besonders klingt er auch! Die Verarbeitung, die Marc komplett selbst zu verantworten hat, von der Alufräsung über die Holzarbeiten bis zur Lackierung, zeugt von höchster Akribie und ist absolut tadellos.

Die Ausstattung des Testbasses, die ich stimmig finde und die großartigen Sounds und beste Bespielbarkeit liefert, ist nur ein Beispiel für das, was möglich ist. Egal ob andere Hölzer, Lackierung, ein Carbonhals, andere Pickups und/oder Elektronik – da jeder Bass ein Einzelstück ist, sind Wünsche aller Art kein Problem. Für das Gebotene finde ich den Vicious Orion sogar günstig. Sollte sich die Gelegenheit zum Anspielen bieten – unbedingt nutzen!

PLUS

  • Sound
  • Bespielbarkeit
  • Aluminium-Mittelstück
  • akribische Verarbeitung
  • Pickups
  • Elektronik
  • angepasster Koffer


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2022
Gitarre & Bass 5/2022
IM TEST: Zoom B6 +++ Framus Wolf Hoffmann WH-1+++ Valco FX KGB Fuzz, Bloodbuzz und Five-O +++ Sandberg California Central +++ Origin Effects Bassrig +++ Lava ME 2 Freeboost & ME 3 +++ One Control Strawberry Red +++ Fender Player Plus Meteora HH & Active Meteora Bass +++ Marshall 2525H & JVMC212 Black Snakeskin LTD

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren