Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Klangstarke Zauberkiste

Test: Chasebliss Audio Preamp MK II Automatone

(Bild: Dieter Stork)

Ui! – das ist ja mal was ganz Besonderes: Wie von Zauberhand bewegen sich die Fader, wenn man von einem Preset zum nächsten schaltet – beeindruckend. Und gut klingen soll der Preamp auch noch. Spannend!

Die Boutique-Schmiede Chasebliss Audio wurde 2013 von Joel Korte in Minnesota gegründet und verfügt mittlerweile über eine beachtliche Palette von Hi-End-Pedalen, die analoge und digitale Technik geschickt miteinander kombinieren. So auch das vorliegende Testgerät: Der Automatone Preamp verknüpft den analogen Signalweg einer Vorstufe mit digitalen Kontrollmöglichkeiten wie Midi-Steuerung, Speicherplätzen und eben den beeindruckenden Schiebereglern, die sich bei jedem Preset-Wechsel von selbst auf die gespeicherten Werte einstellen.

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Es war übrigens wegen der hohen Nachfrage gar nicht einfach, an ein Testgerät zu kommen. Vielen Dank an den Music Store und Helmut Kaiser, die uns hier ausgeholfen haben!

HIGH END

Bereits auf den ersten Blick wird klar, dass der Preamp MKII Automatone den Anspruch auf einen Platz in der Referenzklasse stellt. Allein schon die Optik und Verarbeitungsqualität lassen keinen anderen Schluss zu. Gebürstetes Aluminium, Echtholzwangen und die sechs optisch dominierenden Schieberegler erinnern an die goldene Ära der HiFi-Boliden, Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre. Alles fasst sich wertig und edel an und die Fader lassen sich trotz der Motorsteuerung sehr leichtgängig von Hand bewegen.

Oldschool HiFi-Optik mit zeitgemäßer Technik (Bild: Dieter Stork)

Moderne Attribute bereichern das klassische und stilsichere Auftreten: fünf Druckknöpfe leuchten je nach Funktion mit dezenten blauen oder roten Lichtkreisen Eine einstellige LED-Anzeige verkündet die jeweilige Presetnummer. Mit dem linken der beiden Fußtaster können je zehn der 30 Presets durchgeschaltet werden. Mit einem langen Druck auf den Taster kommt man zu den anderen beiden Bänken.

Der rechte Fußtaster schaltet das Pedal in den Bypass. Ein langer Druck speichert die aktuelle Einstellung ab. Auf der Rückseite gibt es neben den In- und Output-Buchsen einen Klinkenanschluss für ein Expressionspedal, einen Midi-In- und Midi-Through-Anschluss sowie die Netzbuchse. Um den Automatone in Betrieb zu nehmen, benötigt man noch eine 9V-DC-Stromversorgung mit mindestens 500 mA. Ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Das ist verwunderlich – nicht nur weil der Strombedarf recht hoch ist und nicht selbstverständlich von gängigen Netzgeräten abgedeckt wird, sondern auch, weil das fehlende Zubehör dem Anspruch auf High End m. E. nicht genügt. Zumindest ist der Automatone aber nicht allzu anspruchsvoll und akzeptiert, dass er von meinem billigen Schaltnetzteil versorgt wird.

THE BEST OF BOTH WORLDS …

Bei der analogen Schaltung hängt Chasebliss Audio die Messlatte hoch. Die Pedalentwickler arbeiten mit Christopher Benson von Benson Amps zusammen, um die Vorstufenschaltung des Benson Chimera in ein Pedal zu packen. Die Röhren des Chimera werden dabei durch JFET-Transistoren ersetzt – ein durchaus guter und bewährter Weg, um Amp-in-a-box-Pedale zu konstruieren.

Gegenüber dem eher puristischen Originalverstärker wurde dem Automatone über die Volume-, Gain-, Treble- und Basssteuerung hinaus eine aufwendige Mittenregelung spendiert: Die Frequenz, an der die Mittenanhebung bzw. -absenkung einsetzt, kann mit einem der Fader verändert werden und mit dem Druckknopf „Q“ in der Wirkungsbreite eingestellt werden. Zudem kann die gesamte Mittenregelung wahlweise vor oder hinter die Preamp-Schaltung gelegt oder ganz ausgeschaltet werden. Eine weitere Ergänzung zu der Benson-Vorstufe ist eine Fuzz-Schaltung und die Möglichkeit das Dioden-Clipping der Vorstufe zu verändern. Dazu wurden dem Automatone neben dem Original-Transistor-Clipping noch symmetrisch verschalte Silizium-Dioden und asymmetrisch verschaltete Germaniumdioden spendiert.

Waren wir bisher analog unterwegs, kommen wir bei der Steuerung in den digitalen Bereich. Der Automatone verfügt über eine ausgefuchste Steuerungsmöglichkeit, um mit dem einzelnen Preset-Taster eine sinnvolle Option für die Fußschaltung bereitzustellen. Im Prinzip kann man mit dem Fußtaster nur die Sounds einer Bank der Reihe nach durchschalten. Wird jedoch der Drucktaster „Jump“ betätigt, schaltet der Automatone von einem beliebigen Preset direkt auf Preset 0 (im blauen Modus des Tasters) oder 5 (im roten Modus des Tasters). Noch bequemer geht die Sound-Verwaltung aber mit der Midi-Option.

Der Automatone versteht sich nach kurzen Schwierigkeiten sogar mit meiner uralten Yamaha-Midi-Leiste. Zuerst musste ich den Midi-Kanal einstellen, da der Automatone standardmäßig auf Kanal 2 empfängt. Das ist aber ganz komfortabel gelöst: Hält man beide Fußtaster gedrückt, wenn man den Strom in den Automatone einsteckt, kommt man in den Midi-Modus und das Pedal stellt sich auf den Kanal selbständig ein, sobald es das erste Midi-Signal empfängt. Neben Programmwechselbefehlen versteht der Automatone auch Kontrollwechselbefehle, sodass man z. B. die Fader-Funktionen auch mit einem Midi-Pedal bedienen kann.

… SOUNDS LIKE HEAVEN

Ja, alles schön und gut, aber kommen wir zum Kerngeschäft. Wie klingt die Zauberkiste denn nun? Um es gleich vorwegzunehmen: Sie klingt klasse! Die Zusammenarbeit mit Benson Amps hat sich definitiv bezahlt gemacht. Der Automatone liefert einen beeindruckenden fein gezeichneten, schlanken Zerrsound, der knapp in den Hi-Gain heranreicht. Damit stellt sich das Pedal bewusst außerhalb der großen Palette von britisch klingenden Pedalen und bereichert das Effektpedalmeer mit einem deutlich eleganteren Sound. Wenn man die Durchsetzungskraft eines Plexis mit einem Breitschwert vergleicht, kommt der Automatone mit leichtem Degen, um sich im Band-Kontext Gehör zu verschaffen.

Hierbei helfen auch die umfangreichen Regelmöglichkeiten in dem für Gitarrensounds so relevanten Mittenbereich. Die lassen das Pedal außerordentlich flexibel agieren. Mit ein bisschen Spielerei am Frequenz-Fader und am Q-Taster findet man genau die Klanglücke, um auch im Bandkontext nicht im Klangmeer von Keyboard und Bass unterzugehen. Transparenz und Dynamik des Sounds sind erstklassig. Das Pedal hängt perfekt am Volume-Poti der Gitarre und setzt einen differenzierten Anschlag sehr fein in die entsprechenden Gain-Nuancen um.

Soll es dann doch mal rauer und rotziger sein, kommt die Zeit, Dioden oder Fuzz zu aktivieren. Mit den Siliziumdioden wird es etwas summender und fetter. Die Germaniumdioden glätten das Signal, indem sie vor allem den Höhenbereich betonen. Beide Diodenoptionen beißen allerdings eher zärtlich zu und eignen sich zum harmonischen Abrunden der Zerrsounds.

Richtig kräftig packt dagegen das Fuzz zu. Damit öffnen sich noch einmal neue Klangwelten, die zum herzhaften Rocken und sogar zum Experimentieren einladen. In der „Open“-Stellung kommt schon eine ordentlich dosierte Menge Schmutz in den Sound. Die Grundcharakteristik der Fuzzschaltung ist eher summend-weich als beißend-giftig. Aber die voreingestellte Verzerrung ist schon so hoch, dass man mit dem Gain der Vorstufenschaltung gerne etwas sparsamer ist. In der „Gated“-Stellung wird es dann noch heftiger. Die Verzerrung wird noch stärker und der Klang zerbröselt beim Ausklingen, bevor das Noisegate eingreift und für Stille sorgt. Die Fuzz-Sounds sind zwar nicht regelbar, aber über die Klangregelung und das Gain der Vorstufe letztlich doch gut zu zähmen. Alle Sound-Nuancen hier zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Insgesamt kann aber festgehalten werden, dass die Klangqualität deutlich überdurchschnittlich und die Nutzbarkeit der Sounds sehr hoch ist.

RESÜMEE

Natürlich war mir sofort nach dem Auspacken klar, dass der Preamp MKII Automatone auch preislich in der Oberliga spielen wird. Trotzdem hat der Preis mein Vorstellungsvermögen noch überschritten. Aber rechnen wir mal zusammen: Da steht schon ganz schön viel auf der Habenseite. Zuerst einmal ein erstklassiger Preamp-Sound mit umfangreichen Regelmöglichkeiten im gitarrenrelevanten Mittenbereich. Dazu gibt es noch ein Fuzz und die Möglichkeit den Sound mit verschiedenen Diodenclippings zu formen. Auch die einfach zu bedienenden Speichermöglichkeiten und die Midi-Funktionen heben das Pedal deutlich über die Mittelklasse hinaus. Das Ganze noch in bester Qualität, Optik und Haptik. Wenn man jetzt noch das durchaus beeindruckende Gimmick der Fadermotorisierung hinzurechnet, kann man auch unter Berücksichtigung des Preises zu einem positiven Endergebnis kommen.

PLUS

  • Soundqualität
  • Transparenz
  • Dynamik
  • Verarbeitung

MINUS

  • Kein Netzteil im Lieferumfang

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Gitarre & Bass 8/2019 Digital
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