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Test: Carl Martin Ampster

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(Bild: Dieter Stork)

Zwei Jahre nach Präsentation des Prototyps trifft der pedalformatige Röhren-Preamp mit Speaker Simulator und D.I.-Box in den Läden ein. Das Beste: Der Ampster ist voll analog aufgebaut. Keine Menüs, keine Speicher, kein USB, keine Latenzen und bedienbar wie ein stinknormaler Gitarrenverstärker.

Carl Martin, die dänische Effektschmiede, sieht den Ampster als Antwort auf digitale Amp Modeler. Vor mir steht ein Preamp-Pedal mit einer ECC83-Röhre und an Marshalls 2203/2204-Amps angelehnten Bedienelementen. Dank SpeakerSimulation und D.I.-Ausgang kann es einen Verstärker komplett ersetzen, auch beim Recording.

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MECHANIK

Der Ampster kommt im stabilen Alugussgehäuse, an dessen verschraubter Bodenwanne ein großflächiges Schaumstoff-Pad für halbwegs sicheren Stand sorgt. Ein verchromter Überrollbügel, auch als Griff nutzbar, schützt die gerändelten Reglerknöpfe namens Master, Presence, Bass, Middle, Treble und Gain. Vorne deckt ein Lüftungsblech, das von Cabinet- und Mute-Fußschaltern flankiert wird, die selektierte TAD-Röhre ab. Eine zwischen Grün und Rot wechselnde LED signalisiert den Mute-Status bzw. welche der beiden Cabinet Simulationen (2×12 Open Back oder 4×12 Closed Back) gewählt ist.

Üppig bestückt ist auch die Stirnseite, und zwar mit den Monoklinkenbuchsen Input, Link, Send, Return und Remote, einem symmetrischen XLR-Ausgang mit Ground-Lift- und 3-Weg-Voicing-Schaltern (Low End Control) sowie dem Netzteilanschluss. Das Netzteil gehört seit der neusten Auslieferung zum Lieferumfang. Wie von Carl Martin gewohnt, wurde das Pedal mit hochwertigen Bauteilen bestückt und tadellos verarbeitet.

(Bild: Dieter Stork)

AMP-ERSATZ?

Im Live-Einsatz agiert der Ampster als letztes Glied in der Signalkette eines Pedalboards. Wie bei einem konventionellen Amp schaltet man verstärkende Effekte vor das Pedal (Input), Mod-, Delay- oder Reverb-Effekte durchlaufen indes dessen serielle FX Loop. Der XLR-Out gibt das speaker-simulierte Klangbild fürs FOH- oder Recording-Pult aus. Bei Bedarf kann das eingehende Signal eines Instruments oder vorgeschalteter Effekte unbeeinflusst über den gepufferten Link-Ausgang einem Gitarrenverstärker zugeführt werden.

Über die Remote-Buchse lässt sich die Funktion des Cabinet-Fußschalters per externem Switcher fernbedienen. Der Voicing-Schalter bearbeitet die Bassfrequenzen eher subtil, wobei dessen Mittelstellung die Bässe am stärksten unterstützt. Ein Tritt auf den Mute Switch lässt die XLR- und Link-Ausgänge verstummen, nicht aber den FX Send. Je nach Cabinet-Wahl grün oder rot blinkend, zeigt die LED den Mute Mode an.

Soll der Ampster stand-alone zum Einsatz kommen, lassen sich ihm mit PAF-Style-Humbuckern selbst bei voll aufgedrehten Gain- und Master-Potis maximal Medium-Gain-Crunchsounds entlocken, die ein wenig belegt klingen und einen eher rauen Zerrcharakter liefern. Obgleich die Klangregler ausreichende Wirkung zeigen, vermisse ich Transparenz und Frische – zumindest bei Zerrsounds.

(Bild: Dieter Stork)

Mit Unterstützung von Treble und Presence geht es indes bei cleanen und leicht gesättigten Klängen deutlich lebendiger und spritziger zu, wobei mir das offene 2×12-Cabinet besser gefällt, als die druckvolle, fette 4x12er-Simulation. Seine Paradedisziplin zeigt der Carl Martin Ampster jedoch mit vorgeschalteten Overdrive- oder DistortionPedalen, deren Qualitäten natürlich den Sound prägen.

Jetzt kann ich Gain und Master wieder zurücknehmen, und das Pedal tönt und vor allem reagiert wie ein erstklassiger Röhrenverstärker. Es überträgt nicht nur jede Nuance von Anschlag, Ausdruck und Dynamik, unterstützt die Arbeit mit den Gitarrenpotis und setzt die charakteristischen Klänge von Instrument und Pickups perfekt in Szene.

Die Cabinets kommen noch besser zur Geltung, und der Voicing-Schalter greift dem eher nuanciert agierenden Bass-Regler unter die Arme. Cleane wie Zerrsounds zeigen deutlich Röhrencharakter, klingen natürlich, harmonisch und besitzen zudem gutes Durchsetzungsvermögen. Da braucht es beim Aufnehmen nun wirklich keinen lärmenden Röhren-Amp mehr, und – adäquates Monitoring vorausgesetzt – auch nicht im Proberaum und auf der Bühne.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Der Carl Martin Ampster ist ein klasse Tool für Recording- und Live-Einsätze. Nachdem mich der voll analoge Röhren-Preamp im Zerrbereich nicht ganz überzeugen konnte, tat er es umso mehr bei cleanen Sounds. Mit Hilfe eines vorgeschalteten Overdrive- oder Distortion-Pedals zeigt der Ampster dann seine eigentlichen Qualitäten. Dabei begeistern vor allem die gelungenen Cabinet/Speaker-Simulationen, die per D.I.-Ausgang direkt an Mixer oder DAW geschickt werden können.

Auf der Bühne muss man keineswegs auf seinen Lieblings-Amp verzichten, denn der lässt sich simultan über den Link-Ausgang betreiben. Dank Input und FX Loop kann man Effekte wie bei einem konventionellen Verstärker verschalten. Die Bedienung ist denkbar einfach, die Verarbeitung solide, der Preis angemessen.

PLUS

● cleane Sounds (ohne Vorschalteffekte)
● Sounds (mit vorgeschalteten Zerrpedalen)
● nebengeräuscharm
● Ausstattung
● Cabinet/Speaker-Simulationen
● symmetrischer D.I.-Ausgang
● Verarbeitung
● Bedienung

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2022)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hi,
    danke für den Testbericht. Eine ganz wichtige Frage wurde leider nicht angesprochen: Lässt sich die Cab-Sim am XLR auch abschalten um eigenen zu nutzen (per DAW oder Cab Loader)?

    Gruß
    Tim

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Moin Tim,
      Asche auf mein Haupt. Der CAB-Fußschalter wechselt lediglich zwischen den 2×12- und 4×12-Sims, komplett abschalten lässt sich die CAB-Sim leider nicht, deshalb habe ich das auch nicht explizit erwähnt. Allerdings wäre das ein Vorschlag für ein eventuelles Upgrade seitens des Herstellers.
      Grüße, Michael

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      1. Der Link-Ausgang schickt das unbearbeitete Signal raus, eigentlich gedacht, um einen Amp anzusteuern. Müsste aber dann ja auch mit dem Audio Interface funktionieren.

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