Ammerländer Fächer-Jazz

Test: Börjes JB-Custom 5 DLX-Multiscale

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(Bild: Dieter Stork)

Aus dem schönen Ammerland schickt Ralf Börjes seit über 25 Jahren seine Bässe in die Welt. Bassinger, Groover und JB heißen die Modelle, für die Ralf eine große Palette an Optionen anbietet – ist die Firma doch praktisch ein einziger Custom Shop.

Multiscale-Bässe sind seit einigen Jahren schon schwer im Kommen, auf Jazz-Bass-Basis sieht man sie allerdings relativ selten. Vielleicht, weil die asymmetrische Korpusform vom Jazz genau gegen die Fächerung läuft? Börjes hat nun seinen JB genommen und mit einer gefächerten Bundierung versehen.

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FEINE HANDARBEIT

Die beginnt mit normaler 34”-Longscale-Mensur auf der G-Saite und endet bei 36”-Ultralongscale für die H-Saite. Der umwerfende Korpus mit der typischen Jazz-Bass-Silhouette ist aus einer Basis aus Sumpfesche und einer dicken Decke aus Quilted Maple zusammengeleimt, mit einer dünnen dunklen Zwischenlage abgesetzt, und perfekt lackiert in einem transparenten Rot – durchgehend auf der Rückseite, zartes Burst auf der Vorderseite. Auch der transparent matt lackierte, mit liegenden Jahresringen aufgeschnittene Ahornhals glänzt mit spektakulärer Maserung, hier in wildem Curly Maple. Das dicke Palisandergriffbrett ist dagegen auffällig unauffällig in seiner satten Farbe. 21 sauberst eingesetzte und abgerichtete Bünde finden sich hier, große Perlmutt-Dots sitzen an den üblichen Stellen, in der Flanke sorgen kleine, aber gut kontrastierende Punkte für Orientierung.

(Bild: Dieter Stork)

Der absolut exakt eingepasste Hals ist mit fünf Schrauben fixiert, der Halsfuß so geformt, dass der Zugang zu den hohen Lagen leicht von der Hand geht. Intensiv ist die Fräsung für die Rippen, während die Absenkung für die Armauflage eher soft ausgeführt ist. Als nettes optisches Detail ist die Abdeckung des E-Fachs aus Holz und in Korpusfarbe lackiert. Daneben liegt das funktionale Batteriefach, das ohne Werkzeug aufgeklappt werden kann und den 9V-Block verpolungssicher und ohne extra Clip aufnimmt.

Das E-Fach ist komplett mit Kupferfolie ausgeschlagen, selbstverständlich inklusive Deckel, um Schutz gegen Einstreuungen zu bieten. Beherbergt wird hier eine Glockenklang-3-Band-Elektronik, die sauber eingebaut wurde. Regelbar sind hier Volume und Pickup-Balance, dazu Mitten und Bässe sowie Höhen in einem konzentrischen Poti. Durch Zug am Volume-Regler kann der Bass auch rein passiv gespielt werden.

(Bild: Dieter Stork)

Abgenommen wird der Ton durch zwei in akkurat gearbeitete Fräsungen eingesetzte Custom-Singlecoils von Harry Häussel – immer eine gute Wahl. Als Einspuler sind sie in der Mittelstellung komplett brummunterdrückend, während die Abnehmer einzeln zwar für Einstreuungen empfänglich sind, aber dabei vergleichsweise ruhig agieren. Eingesetzt sind sie ebenfalls schräg, der Stegabnehmer der Fächerung entsprechend, während der am Hals zu den hohen Saiten hin stärker Richtung Hals gedreht ist.

Die Quickchange-Einzelbrücken sind mit 19 mm Saitenabstand eingebaut, was noch minimal einstellbar wäre, so laufen die Saiten aber perfekt zwischen den Polepieces. Saitenlage und Oktavreinheit können natürlich auch eingestellt und anschließend fixiert werden. Die leichten Mechaniken kommen von Guitar Monkey und entsprechen in ihrer Form den Gotoh-Klassikern.

Bevor die DaCapo-Saiten, die Börjes in England fertigen lässt und die in den Einzelbrücken einfach eingehängt werden, die Mechaniken erreichen, passieren sie einen Niederhalter, der alle fünf gemeinsam fester in den sauber gefeilten Sattel drückt. Ein besonderer Freund dieser durchgehenden Lösung bin ich nicht, wenn es an den Saitenwechsel geht, aber hier hat er noch ein weitere Funktion: An den Monorails ist nur eine Saite geerdet, an der Kopfplatte werden auf diese Weise alle Saiten miteinander verbunden und die Erdung für alle hergestellt. Clever gemacht! Die Ausstattung wird vervollständigt durch Göldo-Gurtknöpfe, die mit Locksystemen kompatibel sind, aber auch ohne guten Halt bieten.

LÄNGE LÄUFT

Mit einem Gurt an eben jenen Pins zeigt sich der große, aber nicht übermäßig ausladende JB bestens ausbalanciert und mit knapp 4,3 kg sogar verhältnismäßig leichtgewichtig. Leichtgängig ist er auch, der Hals liegt mit seinem eher flachen, aber substanziellen C-Schnitt super in der Hand. Schnarren oder Ähnliches tritt nicht auf, wie es sich in dieser Preisklasse gehört. Da macht sich bemerkbar, dass er mit erstklassig abgerichteten und liebevoll verrundeten Bünden, gut eingestellt aus dem stabilen Gigbag kommt. Letzteres sorgt mit eingenähten festen Elementen für besten Schutz des edlen Instruments, bei gleichzeitig leichtem Gewicht und exzellenter Fahrradtauglichkeit.

Aber zurück zum Inhalt des Bags: Alle Einstellarbeiten sind leicht zu erledigen, der Zwei-Wege-Stahlstab ist korpusseitig zugänglich. Die Einstellung der Oktave – falls denn mal nötig – erfordert etwas Geduld, die Saite muss entspannt und die fixierende Madenschraube des Reiters gelöst werden, um ihn zu verschieben, zu fixieren, die Saite wieder zu stimmen, und das gegebenenfalls wieder von vorne, bis alles korrekt sitzt. Die mir bislang persönlich noch nicht begegneten Mechaniken machen eine wirklich gute Figur, in Bezug auf Sahnigkeit beim Drehen und Stimmstabilität insgesamt stehen sie den etablierten Platzhirschen in nichts nach.

Perfekt justiert und gestimmt geht es also an den Amp. Schon unverstärkt angespielt ist auffällig, wie gleichmäßig alle Töne ansprechen, in wirklich allen Lagen auf allen Saiten. Passiv und mit dem Balance-Regler in der rastenden Mittelstellung geben die Häussels das ebenso sauber, aber keinesfalls steril wieder. Im Vergleich zu einem guten, „normalen” Fünfer-Jazz-Bass ist der Sound im Bass straffer und in den Höhen besser ausgeleuchtet, schon ganz ohne aktive Schaltung. Die Umschaltung in den aktiven Betrieb geschieht ohne Schaltknacks, ohne Pegelsprung, und auch ohne gravierende Klangveränderung. Für die stehen ja nun drei EQ-Bänder zur Verfügung.

Reduzierte Höhen und etwas angehobene Mitten befördern den Börjes in eine traditionellere Richtung, ohne dass Stabilität und Definition leiden würden. Eine passive Höhenblende, die wahrscheinlich ähnliches erreichen würde, gibt es bei Glockenklang bei gestackten Bass-/Höhenreglern leider nicht, aber das Ergebnis kann sich auch so mehr als hören lassen. Die mit 18 kHz sehr hoch angesetzte Frequenz in den Höhen polarisiert unter Bassist:innen gerne mal, ich finde sie steht dem Bass sehr gut und verpasst dem ohnehin nicht höhenarmen Ton zusätzliche Luftigkeit, ohne jede Nervigkeit, auch bei voller Anhebung. Mit dem Bassregler wäre ich bei solchen Extremen eher vorsichtig.

Aber nur, weil nicht jede Anlage einen so enormen Schub vertragen kann, dank seines ultrafesten Bassbereichs wird der Börjes nicht schwammig. Dabei fällt mir auf, dass ich ja noch gar nichts zur Bespielbarkeit, speziell in Bezug auf die klangprägende Multiscale-Mensur geschrieben habe. Wahrscheinlich, weil die spieltechnisch so unauffällig ist. Mein Tipp, wenn man das erste Mal einer Fächerbundierung begegnet, bleibt: Nicht hingucken, nicht nachdenken!

Das geht viel normaler und entspannter von der Hand, als die Optik vermuten lässt. Einzig die Daumenablage auf den Pickups gestaltet sich gewöhnungsbedürftig, da man eine Ecke statt einer Fläche unter dem Daumen hat. Apropos, noch mal zurück zu den Tonabnehmern und der Elektronik: Bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich ist, wie fein das Balance-Poti die Pickups mischt. Von der einen Extremstellung, mit einem Pickup solo, zur anderen hin, ergeben sich auf jedem Millimeter des Regelwegs hörbare Unterschiede und neue Farben in den Mitten.

Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass die H-Saite IMMER gut kommt, egal, welche Tonabnehmermischung gewählt ist. Selbst bei Bässen mit sehr guter H-Saite und zwei Pickups ist meine Erfahrung, dass es meist eine oder zwei Einstellungen gibt, die sehr gut funktionieren, und etliche weitere, die nur (gute) Kompromisse darstellen. Bei diesem Börjes gibt es diese Kompromisse nicht … beeindruckend!

(Auf der nächsten Seite geht’s weiter!)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
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