Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Minimalist

Test: Blackstar Debut 10E

(Bild: Dieter Stork)

Nach dem überraschend performance-starken 15E (G&B 10/2020) soll natürlich auch der kleinste Spross der Blackstar-Debut-Family zu Wort kommen. Lassen sie doch mal das Kind nach vorne! Na Kleiner, magst du eine Scheibe Schinkenwurst?

Nein danke, gerne aber 230 Volt! Mit seinen 10 Watt Halbleiterleistung dürfte der Minicombo im Nistkastenformat der ideale Gitarrenpartner fürs Indoor-Üben sein. Meist klingen diese Zwerge ja eher nach quäkender Blechdose, aber schon der Debut 15E hat mich eines Besseren belehrt. Mal hören …

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ZIERLICH

Den sauber verleimten Gehäuserahmen aus 13 mm MDF stabilisiert die verschraubte Rückwand aus 9 mm MDF. Die textilbespannte Schallwand mit den beiden 3“-Breitbandlautsprechern steckt unten in einer Nut und wird seitlich von zwei Holzschrauben fixiert. Vier geklebte Moosgummi-Pads dienen als Füße, der Tragegriff bietet meiner Hand ausreichend Platz. Ein gewinkeltes Alublech, zusammen mit den Gewindeschrauben des Griffs montiert, trägt die gesamte Elektronik. Potis und Input-Klinkenbuchse halten die einzige Platine. Den leicht vorstehenden Netzkabelanschluss hat man an der Rückwand verschraubt. Mechanisch macht das Ganze einen vertrauenswürdigen Eindruck.

Die Chickenhead-Knöpfe der Volume-, ISF-EQ- und Delay-Regler werden durch den vorstehenden Gehäuserand geschützt. Hier findet man auch den Gitarreneingang und zwei 3,5-mm-Klinkenanschlüsse für Musikwiedergabe (MP3/Line In) und Kopfhörer- bzw. Line-Out-Betrieb. Wegen der Bordlautsprecher hat Blackstar dem Phones/Line Out eine Simulation mit der Klangcharakteristik von Gitarrenlautsprechern spendiert. Selbstverständlich verstummen die Speaker bei Kopfhörerbetrieb.

Volume kontrolliert die Ausgangslautstärke, der Druckschalter „OD“ aktiviert den Overdrive-Kanal, dessen Verzerrungsgrad nicht veränderbar ist. Als Klangreglung kommt auch hier das patentierte Infinite Shape Feature (ISF) zum Einsatz. Ein weiterer Schalter aktiviert den Delay-Effekt, während das Delay-Poti die Verzögerungszeit bestimmt. Auch die Parameterwerte von Feedback und Level hat man festgelegt. Der Power-Schalter mit roter Status-LED komplettiert die Bedienfläche.

(Bild: Dieter Stork)

NO MODELING

Der Clean Channel (OD-Schalter off) hält was sein Name verspricht: Glasklare lebendige Klänge bis zur Vollaussteuerung des Volume-Reglers, wo ein Hauch Kompression festzustellen ist. Der benachbarte EQ-Regler bietet ein stufenlos überblendbares Spektrum von amerikanischem (knackige Bässe, prägnante abgesenkte Mitten, bissige aber nicht nervige Höhen) bis britischem Klangcharakter (erdiger, wärmer, fettere untere Mitten, etwas weichere Höhen).

Mangels Gain-Reglung bietet der Blackstar Debut 10E zunächst keine Möglichkeiten, die Zerrintensität des OverdriveKanals zu variieren. Nach Aktivieren ertönt deshalb mit Standard-Humbuckern fette, harmonisch zerrende, sustainreiche High-Gain-Distortion der Kategorie Hard&Heavy, wobei der Amp trotz Halbleiterschaltung eine beachtliche Dynamik an den Tag legt und auch wunderbar auf das Volume-Poti der Gitarre reagiert. Dreht man dieses zurück, sind dem 10E sogar Breakups und natürlich zerrende Crunchsounds zu entlocken. Auf diese Weise lässt sich der Verzicht auf das Gain-Poti leicht kompensieren.

Im OD-Kanal agiert der ISF-Klangregler noch effizienter als im Clean-Betrieb, sodass man intuitiv und schnell seinen favorisierten Sound zwischen fetten Bässen und aggressiven Höhen, Transparenz, erdiger Wärme und erhöhtem Durchsetzungsvermögen findet. Dabei liefern die Bordlautsprecher ein überraschend differenziertes Bass-Fundament. Die Qualität der Speaker-Simulation zeigt sich nicht nur am angeschlossenen Kopfhörer, sondern vor allem, wenn man via Line Out in Mischpult und Monitore höhere Pegel anstrebt. Ja, das funktioniert sogar prächtig über die Gesangsanlage im Probenraum!

Im Test des Debut 15E hatte ich noch die leicht zerrenden Echowiederholungen des Delays kritisiert, dabei jedoch nicht auf dem Schirm gehabt, dass Blackstar den Effekt bewusst als „Tape Delay“ propagiert. Somit ist das auch beim 10E vernehmbare Zerren durchaus „effektgerecht“ und daher akzeptabel.

Das Delay-Poti kontrolliert lediglich die Delay Time, die etwa 20-460 ms umfasst. Die Feedback- und Level-Parameter hat man werksseitig praxisorientiert abgestimmt. Über den MP3/Line Input können Audios oder Instrumente mit Line-Pegel abgespielt werden. Die Wiedergabequalität ist erstaunlich klar, und auch der untere Frequenzbereich ist differenziert und ausreichend vertreten.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Nach den überraschenden Testergebnissen des Debut 15E, hatte ich Vorbehalte gegen den winzigen 10E erstmal zurückgestellt. Nun, auch der Zwergenzwerg hat mich tatsächlich beeindruckt, und dabei habe ich nicht einmal den eingesparten Gain-Regler vermisst, der sich prima mit dem Gitarren-Volume kompensieren lässt. Trotz Halbleitertechnik, winziger Fullrange-Speaker und nistkastenformatigem Holzgehäuse liefert der Combo natürlich klingende und dynamisch reagierende Clean-, Crunch- und Leadsounds. Mit wirkungsvoller ISF-Klangreglung, trefflich abgestimmtem Tape-Delay sowie Aux-In- und Phones/Line-Anschlüssen bietet der Blackstar Debut 10E alles fürs Üben und Recording daheim.

PLUS

● Clean- und Distortionsounds
● harmonischer Zerrcharakter
● ISF-Klangreglung
● Speaker Simulation
● Aux-Anschlüsse
● Verarbeitung
● Preis/Leistung

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
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