Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
Der Treble Booster war in den 60er und 70er Jahren das Effektgerät schlechthin. Hol dir jetzt 4 Gratis-Testberichte zum Sound-Wunder!
Brennt, wenn man drauftritt!

Test: Beetronics Fatbee Overdrive

(Bild: Dieter Stork)

Die Fülle an Overdrive-Pedalen am Markt ist enorm. Legenden, Repliken, Reissues, Paradiesvögel – es scheint längst für jeden das Richtige dabei zu sein. Doch plötzlich erscheint eine junge, gut gelaunte Pedal-Manufaktur namens Beetronics aus dem sonnigen Kalifornien auf der Bildfläche und liefert uns einige Gründe, mal wieder an unserem Sound zu schrauben. Einer davon ist das Fatbee-Overdrive-Pedal.

Das musikalische Familienunternehmen Beetronics hat die Schaltung des Fatbee-Overdrives zusammen mit dem legendären Pedal-Designer Howard Davis entwickelt, der unter anderem von 1976 bis 1981 verantwortlicher Entwickler bei Electro-Harmonix war und in dieser Zeit die Deluxe-Versionen von Memory Man, Big Muff, Electric Mistress und viele weitere zeitlose Effekte designte, sowie für Bands wie Pink Floyd arbeitete. Beetronics hat bisher ein kleines Portfolio an Overdrives, Fuzzes und Boostern/Preamps, die alle sehr Vintageorientiert sind und nicht zuletzt durch ihre Optik auffallen. Es gibt immer wieder limitierte Editionen und Custom-Optionen.

Anzeige

DESIGN & BEDIENUNG

Fatbee ist das erste Beetronics-Pedal der neuen Babee-Serie, die nun neben der Standard- und der Royal-Serie existiert. Das Design ist sehr kompakt und in einem Aluminiumgehäuse federleicht umgesetzt. Die drei Potiknöpfe sind, gut erreichbar, an der gewinkelten Stirnseite angebracht – so kann man beherzt zutreten, ohne Sorge die Einstellung zu verändern. Zwei LEDs über dem True-Bypass-Switch zeigen den Betriebszustand an. Die Stromzufuhr erfolgt über ein optionales 9V-Netzteil.

Das gesamte Layout ist klassisch ohne Firlefanz: Für die Sound-Formung stehen Weight-, Flavor- und Honey-Regler (aka Volume, Tone und Gain) zur Verfügung. Die analoge JFET-Schaltung liefert laut Hersteller den fetten Overdrive-Sound eines aufgedrehten Röhren-Amps am Breakup, kann zum Anwärmen des Sounds genutzt werden, oder – um im Bienen-Jargon zu bleiben – zum Stechen und Summen.

(Bild: Dieter Stork)

PRAXIS

Wer schon einmal eines der von Howard Davis in seiner Zeit bei Electro-Harmonix kreierten Pedale gespielt hat, weiß, dass diese durchaus nicht leichtfüßig daherkommen. Das Beetronics Fatbee ist auch kein zurückhaltender Allrounder, sondern ein äußerst effektiver Charakter-Treter.

Im ersten Schritt habe ich das Pedal vor einen völlig cleanen Amp geschaltet, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Als Ausgangspunkt stehen die Potis für Flavor und Honey (also Tone und Gain) auf Mittelstellung, was hier konstruktionsbedingt nicht 12 Uhr, sondern 6 Uhr entspricht. Mit Weight (Volume) taste ich mich etwas vorsichtiger an Unity-Gain heran, was tatsächlich eine ganz gute Idee ist, weil die dicke Biene ganz schön viel Energie hat!

Auf Mittelstellung bekommt der Amp schon einen ordentlichen Tritt ins Frontend. Allerdings stellt sich so noch nicht wirklich der Eindruck von Verzerrung ein, sondern lediglich Tonformung und ein gehöriger Lautstärkeunterschied. Es braucht schon eine hohe Einstellung des Gains, um wirklich das Gefühl vom Breakup eines Röhren-Amps zu bekommen. Meiner Meinung nach stellt es sich bei einem Verstärker mit stabilem Clean-Sound gar nicht ein.

Vor einem Amp jedoch, der von sich aus schon leicht nachgibt bzw. angezerrt ist, oder aber als zweites Pedal hinter einem leichten Overdrive, ist das Fatbee eine wahre Wunderwaffe. Interessant finde ich, dass genau dann die Mittelstellung aller Potis einen perfekten Boost darstellt. In der Praxis ist es gefühlt genau die eine Gain-Stufe mehr: Fokussierte Mitten, Gain-Anhebung sowie eine praxistaugliche Lautstärkeanhebung.

Dies als Ausgangspunkt betrachtet, bieten sich nun viele Möglichkeiten der Tonformung: Der hohe Output-Level kann seine volle Kraft entfalten und den Grund-Sound – selbst bei niedrigen Gain-Einstellungen – nach Belieben in die Sättigung treiben, ohne den Grundcharakter negativ zu beeinflussen. Erhöht man das Gain-Level, wird der Sound logischerweise verzerrter und in sich weicher. Die Bandbreite der daraus resultierenden Palette an Gain-Optionen ist enorm groß.

Positiv zu erwähnen ist an dieser Stelle auch, dass das Pedal in keinster Weise das Low-End beschneidet, es somit immer eine tonale Erweiterung darstellt und auch vor allem Gitarren mit Singlecoil-Tonabnehmern nie zu dünn klingen lässt. Völlig unangetastet geblieben ist bei meinem Test bis jetzt das Tone-Poti. Beim Fatbee heißt es „Flavor“ und agiert eindeutig im Mittenbereich, wo sehr wirkungsvoll in die Sound-Gestaltung eingegriffen werden kann. Doch selbst bei voll aufgedrehtem Tone-Poti klingt das Pedal nie harsch, sondern verziert den Sound mit einem schönen Sparkle.

RESÜMEE

Im Beetronics Fatbee steckt viel mehr, als die äußere Erscheinung vermuten lässt: Ein absolutes Energiebündel, mit dem sich ein mindestens leicht angezerrter Sound vielfältig formen lässt. Das Overdrive-Pedal ergänzt den Grund-Sound, bietet aber ebenso die Option, das Scheunentor zur nächsten Overdrive-Galaxie aus den Angeln zu treten. Die drei Parameter ermöglichen eine Vielzahl an Gain-Abstufungen sowie das Finden des persönlichen Sweetspots. Als zweite Gain-Stufe ist es ein echter Knaller.

PLUS

● Größe
● Potis an der Stirnseite
● hoher Output
● musikalische Ausgewogenheit

MINUS

● sehr sperrig vor Clean-Amps

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 11/2019 Digital
Gitarre & Bass 11/2019 Digital
INTERVIEWS: ZZ Top, Tito & Tarantula, Brittany Howard, Kris Barras Band, Alter Bridge +++ Das war der GUITAR SUMMIT 2019! +++ TEST: Revv D20 Head, Eventide Rose Delay, Ibanez Polyphia Signature-Gitarren, Seth Baccus Nautilus Standard, Rabenberger Hornbass, Warwick RockBass Alien Deluxe Hybrid Thinline, Marshall Studio Vintage SV20C & Classic SC20C

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Für einen stinknormalen analogen Overdrive ist das Ding schlichtweg zu teuer. Für das gleiche Geld kriege ich schon ein höherwertiges Multieffektgerät. Der elektronisch ambitionierte Gitarrist baut sich seine Overdrives eh selbst und kann damit seinen spezifischen Sound besser formen, als das jede Edelschmiede je könnte.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Vollkommen d’accord!
      Gefühlt der 5000ste Overdrive! Überflüssig und teuer!

      Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren