Toller Allrounder

Sessionessenz: Sandberg Custom Yolanda Charles Signature Bass im Test

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(Bild: Dieter Stork)

BALANCE & RESONANZ

Ein Einstellen ist nicht nötig, der Bass kommt perfekt justiert aus dem guten Gigbag. Aber natürlich bewege ich alles mal mit dem beiliegenden Werkzeug. Zum Vorgehen hatte ich ja bereits etwas geschrieben. Ansonsten ist alles unauffällig: Die Saitenreiter haben alle Luft nach unten für eine schnarrfreie Briefmarken-Saitenlage und sogar noch darunter. Bestens! Dank des langen oberen Horns ist die Balance exzellent. In Verbindung mit dem geringen Gewicht und der guten Bespielbarkeit steht langen Sessions nichts im Wege.

Trocken angespielt, gibt sich der Yolanda Charles schön resonant. Auffällig ist die Gleichmäßigkeit: Kein Ton sticht hervor oder bleibt zurück, alle klingen mit gutem, mittellangen Sustain aus. Auch die 130er H-Saite fügt sich da gut ein. Diese tonale Balance bleibt auch am Amp erhalten. Die großen Polepieces im Musicman-Stil machen sich klanglich mit ähnlichem Attackverhalten bemerkbar: Der Ton wird, schon passiv gespielt, schön fokussiert und klar. Dabei wird der Bass nie gnadenlos, das Fundament ist eher auf der warmen und weichen Seite. Eine gute Mischung, die sich sowohl für tragende Begleitarbeit als auch für akkurat hervorstechende 16tel-Funk-Lines eignet. In bester Jaco-Manier lassen diese sich mit Betonung auf den Steg-Pickup und heruntergedrehter Höhenblende abrufen.

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Um Nebengeräusche muss man sich keine Gedanken machen, denn es handelt sich um einen Humbucker. Die Reverse-Montage und die leichte Verschiebung zum Steg schaffen nicht nur Platz zum Slappen, sondern auch einen sehr trockenen und dennoch preciesken Ton. Mischungen zwischen beiden sind am Balancepoti gut abrufbar, noch mehr Varianz liefert dann der aktive Modus. Hier legen zunächst die Brillianzen und die tiefsten Bässe ganz dezent zu – eine gute Grundlage für die weitere Klangformung. Der Bassregler dickt das Fundament an, ohne es aus der Form zu bringen – solange ich nicht zu extrem damit arbeite.

Der Mittenregler sorgt für eine gute Mischung aus Knurren und Durchsetzungsfähigkeit und die Höhen setzen allem ohne jede Härte glasige Glanzlichter auf. Den Bass würde ich nur für sehr betont klare Momente rausdrehen, die Mitten vertragen das eher für knackige Slap-/Tap-/Plek-Sounds. Der Höhenregler lässt zugedreht genug Frequenzen stehen, um den Ton nicht mulmig zu machen. Booste ich gleichzeitig die Mitten, komme ich dem Ton der passiven Tonblende nahe und kann den Bassbereich noch bearbeiten. Nebengeräusche halten sich dabei in jedem Fall sehr in Grenzen, was den Bass sehr flexibel macht.

RESÜMEE

Wenn eine Bassistin mit einem so riesigen Erfahrungsschatz einen Signature-Bass mitentwickelt, werde ich neugierig. Was ist ihr wichtig und wie speziell wird das Instrument? Bei Yolanda Charles und Sandberg ist ein toller Allrounder entstanden, der mit makelloser Verarbeitung gediegenes, elegantes Understatement ausstrahlt und in puncto komfortabler Bespielbarkeit die volle Punktzahl erreicht. Am Amp glänzt er schlussendlich – passiv wie aktiv – mit einer breiten Palette an Sounds. In den Händen von Yolanda Charles bedient er souverän die Bereiche Funk, R’n’B, Soul, Jazz und Fusion und macht sich ebenso gut im Pop- und Rockbereich, in dem sie ebenfalls zuhause ist. Ein wirklich gutes, unprätentiöses und schulterschmeichelndes Arbeitsgerät, das universell einsetzbar ist und zu einem fairen Preis angeboten wird. Zum persönlichen Antesten unbedingt empfohlen! ●

PLUS

  • Sounds
  • Verarbeitung
  • Gewicht
  • gleichmäßige Ansprache
  • Bespielbarkeit
  • EQ
  • Passiv-Sound


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)

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