Das Arbeitstier

RockBass Adam Clayton Artist Line im Test

Zum Glück gibt es sie noch: Die bodenständigen Band-Player, zu denen man zweifellos auch Adam Clayton von U2 zählen darf. Was man für den Bass-Job bei einer der erfolgreichsten Bands der Welt braucht, zeigt uns Adams neues Warwick-Signature-Modell in der erschwinglichen RockBass-Variante.

RockBass Adam Clayton_01
FOTO: Dieter Stork

Da nicht jeder das nötige Kleingeld für die edle Custom-Shop-Version übrig hat, bietet Warwick das Adam-Clayton-Modell nun auch in der RockBass Artist Line an. Allzu große Abstriche in Sachen Verarbeitung und Ausstattung sollen bei der Umsetzung nicht gemacht worden sein – ein mutiges Versprechen angesichts der Preisdifferenz von ca. € 4600. Man darf also gespannt sein!

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Konstruktion des RockBass Adam Clayton Artist Line

Auf den ersten Blick ist die China-Version kaum von ihrem deutschen Vorbild zu unterscheiden: Ein geschmackvoller Streamer in Vintage-White mit schwarzem Pickguard, Daumenstütze, dunklen Block-Inlays und einem einzelnen P-Pickup – starker Retro-Einschlag also. Oldschool sind auch die verwendeten Hölzer, nämlich Erle für den Korpus und Ahorn für den Hals – man darf bei diesem Warwick also durchaus fenderige Klangattribute erwarten. Hierzu passt auch einwandfrei die passive Elektronik mit dem einzelnen, gespiegelten Seymour Duncan Quarter Pound Split-Coil, dessen extra große Alnico Magnete ein deftiges Pfund im Bass-Bereich versprechen.

Um auf akustisch schwierigen Bühnen nicht die Kontrolle zu verlieren, hat sich Adam Clayton neben dem obligatorischen Volume-Poti und der passiven Höhenblende auch eine passive Bassblende gewünscht, mit der sich die Tiefbässe bei Bedarf etwas ausdünnen lassen – ein absolut sinnvolles Feature, das man bei erstaunlich wenigen Instrumenten findet. Der schmale, dreiteilige Ahornhals ist mit zwei Furnierstreifen aus dunklem Ekanga-Holz verstärkt und wird von vier Schrauben in der präzise gefrästen Halstasche gehalten.

Ebenfalls aus Ahorn ist das aufgeleimte Griffbrett gefertigt, welches 21 perfekt abgerichtete Jumbo-Bünde aus extra harter Glockenbronze beherbergt, die sonst nur den teuren Custom-Shop-Modellen vorbehalten sind – ein edles Detail, genauso wie die schicken Block-Inlays aus dunklem Perloid.

RockBass Adam Clayton_03
FOTO: Dieter Stork
Sieht man so nicht so oft: Block-Inlays aus schwarzem Perloid clayton

Auf der abgewinkelten und mit einem Kragen verstärkten Kopfplatte sitzen vier gekapselte und ergonomisch angewinkelte Warwick-Stimmmechaniken, von denen aus die Saiten über Warwicks höhenverstellbaren Just-A-Nut-III-Sattel aus Kunststoff geführt werden. Auf der gegenüberliegenden Seite bürgt die zweiteilige, versenkt montierte Guss-Brücke aus eigenem Hause für ein gesundes Sustain. Sie ist in alle drei Dimensionen justierbar und gehört, wie auch die arretierbaren Gurthalter oder die Schnappverschlüsse an E-Fach und Halsstababdeckung, zur hochwertigen Standard-Ausstattung der chinesischen RockBass-Modelle.

Zuletzt sind auch das hauchdünne Matt-Finish des Halses sowie die gelblich weiße Hochglanzlackierung des aufwendig geformten Korpus tadellos gelungen, sodass man die Verarbeitung nur als vorbildlich bezeichnen kann.

Praxis

Nimmt man den Adam Clayton aus dem mitgelieferten Gigbag, bekommt man erst mal einen Schreck: Was, so leicht? Schlappe 3,6 kg bringt unserer Testbass auf die Waage und unterbietet damit sogar das angegebene Durchschnittsgewicht um satte 200 g. Am Gurt hängt der kompakt gebaute Viersaiter entsprechend komfortabel, wobei hier auch der besonders ergonomisch geformte Body seinen Teil beiträgt. Dank des schmalen, leicht Jazz-Bass-artigen Halsprofils und der gewissenhaften Werkseinstellung spielt sich der Clayton auf Anhieb wie Butter und tatsächlich ist schon nach den ersten unverstärkten Tönen eine deutliche Verwandtschaft zu Leos 50er- und 60er-Jahre-Klassikern festzustellen.

Wo viele der deutschen aus Bubinga, Ovangkol oder Wenge gefertigten Warwicks mit einem klar umrissenen, konturreichen und Growl-starken Ton gesegnet sind, zeichnet sich der Adam Clayton eher durch seine besondere Wärme, Bauchigkeit und Gutmütigkeit aus. Vor allem der leichte Korpus zeigt sich ausgesprochen resonant und schwingfreudig – fast wie bei einem gut eingespielten Instrument. Zwar kann unser Testbass nicht mit einem rekordverdächtigen Sustain aufwarten, den fetten Schub in den Tiefmitten machen ihm dafür in dieser Preisklasse nur wenige Bässe nach. Am Amp wird das Sustain ohnehin elegant durch den hohen Output und die Kompression des Duncan Quarter Pound Pickups gestreckt, ohne dabei unnatürlich rüberzukommen.

RockBass Adam Clayton_02
FOTO: Dieter Stork
Nettes Detail: Daumenstütze aus Ebenholz

Mit der passiven Klangregelung und verschiedenen Spielpositionen lässt sich eine erstaunlich breite Palette an Sounds abrufen – hier macht sich auch die optimal positionierte Ebenholz-Daumenstütze bezahlt. Je nachdem, ob es funky-direkt oder bluesig-mollig-weich klingen soll, dreht man einfach die Bassbzw. Höhenblende ein bisschen zurück und rückt mit der rechten Hand ein Stückchen Richtung Steg bzw. Hals. In Clayton-Manier mit dem Plektrum gespielt, zeigt der RockBass zum Schluss aggressiven Biss in den Hochmitten, was ihn auch für den dichten Mix einer Punk- oder Metal-Band qualifiziert.

Plus

  • warmer, gutmütiger Charakter
  • Verarbeitung
  • Ausstattung
  • Spielbarkeit, Ergonomie
  • Gewicht

 

Resümee

Ist das eigentlich noch ein Warwick? Wer bisher angenommen hatte, dass der Platzhirsch aus Markneukirchen nur hochmoderne Edel-Kisten baut, wird hier definitiv eines Besseren belehrt! Adam Claytons Signature-Modell dürfte mit seinem erdig warmen Universalsound auch in eher Fender-dominierten Gefilden großen Anklang finden, zumal der Spielkomfort dieses extrem leichten Streamers kaum zu schlagen ist. Bodenständig und verlässlich, wie das Spiel seines gedanklichen Vaters, hat dieser Bass definitiv das Zeug, ein Warwick-Klassiker zu werden.

 

RockBass Adam Clayton_profil
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