Teufelskerl

Randall RD45-212 im Test

Als Randall 2012 den in den Staaten renommierten Techniker Mike Fortin ins Boot holte, brach eine neue Ära an. Frischer Wind für das ganze Programm. Die Diavlo-Serie war eines seiner ersten Projekte. Was er daraus gemacht hat, freut den preisbewussten Käufer. Viel Leistung für moderates Geld, kein Wunder, dass die Serie wächst und sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.

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Was mit nur zwei Modellen begann, deckt heute mit fünf verschiedenen Topteilen und neun Combo-Modellen ein weites Feld ab, vom kleinen 1-Watter bis zum energischen 100-Watt-Head. Dazu gesellen sich nicht weniger als zwölf Cabinet-Modelle. Wer stilistisch zur harten Fraktion gehört, dürfte bei der großen Auswahl wohl fündig werden. Hart ist das entscheidende Stichwort. Tonal machen die Diavlos nicht auf breitbandig und Alleskönner. Rock, Hardrock, Metal, darauf ist die Produktserie ausgerichtet.

Konstruktion

Gut informierte Leser wissen es, den RD45 gibt es an sich schon eine ganze Weile, und zwar als Topteil. Aber diese Ausführung hier, als 2×12-Combo, ist brandneu. Typisch für zweikanalige Amps der mittleren Preisklasse ist, dass in der zweikanaligen Vorstufe für beide Sounds, Clean und Overdrive (Lead, Distortion), lediglich eine gemeinsame Klangregelung zur Verfügung steht. Individuelle Gain-Regler, ein Master-Volume, Presence und ein Boost-Schalter, kein Luxus im Angebot, aber alles da was man braucht. Dem Motto folgt auch die Anschlussperipherie, mit einem seriellen FX-Weg und zwei in der Impedanz umschaltbaren Lautsprecheranschlüssen. Dazu gibt es aber immerhin das wertvolle Extra eines D.-I.-Ausgangs mit Frequenzkorrektur.

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Anschlüsse geschützt, aber etwas umständlich heranzukommen (Bild: Dieter Stork)

Der sogenannte Speaker Emulator gibt über einen XLR-Anschluss (wie ein hochwertiges Mikrofon) sogar ein trafosymmetriertes Signal ab, gut für die Qualität der Kabelstrecke. Über einen Footswitch-Anschluss können der Kanalwechsel und der Boost-Status fernbedient werden. Dass der RD45-212 für den Einsatz in „energiereicher“ Musik konzipiert wurde, zeigt sich deutlich in der Konstruktion des Combo-Gehäuses. Es ist hinten bis auf einen schmalen Spalt geschlossen. Die Luft kann dort durch ein Gitter ventilieren. Der Sinn dessen ist natürlich, den akustischen Kurzschluss zu vermeiden/unterdrücken, der entsteht wenn Schallanteile von der Rückseite mit den vorne abgestrahlten aufeinandertreffen. Es profitiert von dieser Bauweise insbesondere die Basswiedergabe. Das Gehäuse ist aus Pressspanplatten gefertigt. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen.

Schön, dass mechanisch stärker belastete Verschraubungen über Einschlaggewinde Halt finden, wie die von vorne an der Schallwand montierten Lautsprecher, die Steckrollenaufnahmen, und die Holzplatte, an der das Amp-Chassis hängt. In seinem Inneren sehen wir moderne Platinentechnik. Der Aufbau ist einwandfrei. Bei näherem Hinsehen fallen einige ICs auf. In der Tat, die Röhrenschaltung wird von aktiven Halbleitern unterstützt. Schade, dass sie nicht in Fassungen stehen, das wäre im Falle eines Defekts praktischer. Na gut, davon wollen wir ja gar nicht ausgehen, denn Alles in Allem macht die Substanz einen soliden, dauerhaft betriebssicheren Eindruck. Zum Lieferumfang gehört ein ZweifachSchaltpedal. Das knapp fünf Meter lange Kabel ist für den Einsatz auf kleineren Bühnen ausreichend. Schade ist allerdings, dass der Fußschalter ohne LED-Anzeigen auskommen muss.

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Praxis

Lautet nicht einer von diesen schlaudummen Sprüchen „Erst kommt die Arbeit und dann das Vergnügen“? Hier trifft der wohl zu. Bevor man mit dem RD45-212 im Proberaum, auf der Bühne Radau machen kann, ist Ackern angesagt. Satte 37 Kilogramm muss man mit ihm buckeln. Na, da will man dann aber auch mit einem amtlichen Sound belohnt werden, oder?! Die Idee hinter so einem Groß-Combo ist natürlich, denjenigen Gitarristen, die mit einem 1″12-Koffer nicht soviel Feuer geben können wie sie wollen, eine Alternative zum erst recht sperrigen 4×12- Halfstack anzubieten. So gesehen sind die Erwartungen ab den RD45-212 hoch gesteckt. Neben reichlich Lautstärke und Druck steht vor allem auch Klangvolumen im Lastenheft. Diese Anforderungen sollte bei den Gegebenheiten kein Problem sein. Wichtig ist uns in dem Kontext aber auch und besonders, dass der Sound in weiten Bereichen homogen bleibt.

Also z. B. im kritischen Bereich nahe der Volllast nicht giftig wird, oder undifferenziert, matschig in den Bässen usw. Auf dieses Zusammenspiel ist beim Austesten zu achten. Das heißt, man sollte im Laden, wenn man einen Amp/Combo ausprobiert, „den Mut aufbringen“ den/die Kandidaten richtig mit Kante zu checken. Sollte man sowieso, denn oft genug ist es ja auch so, dass Röhren-Amps erst dann so in Schwung kommen, dass sie ihre wahren Qualitäten zeigen können. Okay, wir gehen in die Details. Wie so oft tritt der Clean-Kanal als Erster an. Unverkennbar und auffällig: Der Combo spricht stramm an, kaum nachgiebig, und die laut/leise-Dynamik ist nicht gerade feinfühlig. Nun, das passt ins designierte Einsatzgebiet. Der RD45-212 will ja nicht schmeichelnd introvertierten Blues spielen, sondern vor allem Akkorde in entschlossenen Attacks oder Arpeggien abbilden. Das gelingt ihm vorzüglich, unter anderem, weil viel Clean-Headroom zur Verfügung steht.

Im Klangcharakter macht sich eine gewisse Aushöhlung des Mittenspektrums bemerkbar. Die Höhen klingen nicht hart, aber doch offensiv fordernd, Bässe und Tiefmitten haben Kraft und Fülle, dazwischen wirkt das Klangbild einerseits etwas nüchtern aber eben auch präzise und aufgeräumt. Na logisch, das passt doch, denn bei harten Rockern sind fette Humbucker (bzw. aktive Tonabnehmer) beliebt und für die ist so eine Charakteristik genau richtig. Was sich auch darin manifestiert, dass der Clean-Kanal kaum bzw. erst sehr spät Overdrive-Verzerrungen ins Spiel bringt. Weit aufdrehen und den Boost aktivieren, erst dann geht da was. Klingt grob, dreckig, verhalten harmonisch, aber apart; daraus ergibt sich, dass der Boost im Clean-Kanal primär ein Mittel der Sound-Änderung ist. Er verschlankt die tiefen Frequenzen, erhöht milde die Lautstärke und fügt in den oberen Mitten und den Höhen Biss hinzu; kann man gut nutzen um Passagen in den Vordergrund zu rücken.

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Unter dem Begriff Overdrive verstehen die meisten Gitarristen vermutlich eher moderate Verzerrungen bzw. den Bereich zwischen Clean und Distortion. Weil diese Definition ja auch mehr oder weniger durchgängig bei entsprechenden FX-Pedalen Gültigkeit hat. Hier beim RD45- 212 wirkt sie massiv untertrieben, denn dieser „Overdrive“-Kanal liefert hochenergetische Distortion. Derbe ist der Charakter, mit leichten Intermodulationen, die den Ton ab und an tieffrequent grummeln lassen. Trotzdem bilden sich Akkorde recht harmonisch aus. Insofern schafft der Kanal im Sound den stilistischen Spagat zwischen Retro-Hard-Rock bis ultrakompakten Metal-Brett. Wozu auch gehört, dass er wie oben angesprochen entschlossen großes Klangvolumen produziert und sehr ordentliche Bässe abliefert. Tiefgestimmte Gitarren bringen ihn nicht aus der Fassung, das managt er im Rahmen dessen was die Physik zulässt erstaunlich gelassen. Der Klangcharakter hat in seiner Basis wieder diesen Mid-Scoop-Touch.

Weil die Klangregelung mehr als zufriedenstellende Effizienz zeigt, lässt sich dies aber ändern bzw. man ist in der Abstimmung erfreulich variabel. Markant: Der Overdrive-Kanal mag die Höhen und stellt sie betont heraus. Hier im Test bewegte sich das Treble-Poti meist im ersten Drittel des Regelwegs. Erst recht, weil der Boost in den oberen Frequenzen sogar noch satt nachlegt und so den Biss erhöht. Er sorgt auch für mehr Gain, sprich intensivere Verzerrungen, parallel dünnt sich der Bassbereich etwas aus. In der Praxis kann man den Boost fast schon als dritten Sound-Modus sehen/nutzen, für Leadlines, Einzelnoten, Soli u. ä. Na, fragt sich jemand ob die Höhen womöglich schon zu dominant hervortreten? Nein, die Schärfe im Ton passt z. B. perfekt ins Bild ultrafetter Metal-Akkorde. Und sie hat außerdem keine übertriebene Sensivität für Oberton-Flageoletts zur Folge.

Fassen wir den Zwischenstand zusammen, punkten beide Kanäle des RD45-212 ziemlich souverän im Plus. Stellt sich aber die bedeutsame Frage wie man mit nur einer gemeinsamen Klangregelung zurechtkommt. Ich sehe da keine wirklichen Probleme (wie immer unter dem Vorbehalt, dass man keine gegensätzlichen Extreme in den Kanälen erwarten darf). Die Klangverhältnisse sind günstig ausbalanciert. Es mag aber durchaus sein, dass man ab und an im Clean-Sound den ToneRegler der Gitarre bemühen muss. Im Wesentlichen eines Amp/Combo, der Tonformung, ist also alles im Lot.

Ich sag‘s gleich, die weiteren Funktionen des Combos geben ebenso Anlass zur Freude. Im Falle des Speaker Simulators ganz besonders. Seine Signale entsprechen ziemlich authentisch dem Speakersound und überzeugen mit gesunder Dynamik. Praktisch ist, dass auch bei zugedrehtem Master-Volume der Sound anliegt und man so im Mute-Modus mit dem Amp arbeiten kann (f. Recording z. B.) Wenngleich unauffälliger in der Funktion steht dem qualitativ der Einschleifweg in nichts nach. Er tut sich ferner damit hervor, dass der Signalpegel niedrig liegt und somit auch (die meisten/viele) Pedaleffekte gut aufgehoben sind. Einziger kleiner Wermutstropfen in dem ganzen Gefüge ist die Tatsache, dass die Umschaltvorgänge zwar dezent aber doch hörbar, zum Teil Geräusche erzeugen, die sich in den FX-Weg fortsetzen: Boost-On/Off und der Wechsel vom Clean- zum Overdrive-Kanal.

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Moderne akurate Platinentechnik (Bild: Dieter Stork)

Was soll man dazu sagen, die Relais fordern sozusagen ihren Tribut. Noch ein Tipp für‘s Recording: Beim Ausschalten erzeugt der RD45-212 unter Umständen ein böses Knacken, also nicht vergessen vorher die Abhöre zu dimmen. Die Hochtöner werden es durch Weiterleben danken. So, und ein bisschen meckern möchte ich am Ende doch. Es hat sich bei vielen Herstellern eingebürgert eher rudimentäre Bedienungsanleitungen beizulegen. Eine Übersetzung in Deutsch fehlt oft – wie auch hier – völlig. Das ist nicht nett. Man sollte den User wirklich mehr an die Hand nehmen, mit Einstellvorschlägen usw. Unerfahrene oder technisch weniger bedarfte Gitarristen, insbesondere Beginner würden das sicher begrüßen. Alternativen? Klar gibt es grundsätzlich Alternativen. Aber in Röhrentechnik, mit so einer Sound-Ausrichtung, für den moderaten Preis steht der RG45-212 fast allein auf weiter Flur. Nur Blackstar hat mit dem HT-60 Metal einen in etwa vergleichbaren Combo im Programm.

 

Plus

  • Sound, Variabilität
  • Dynamik, Ansprache, Klangvolumen, Leistungsausbeute
  • Signalgüte d. FX-Weges und des Speaker-Emulator-Out
  • sehr geringe Nebengeräusche
  • Verarbeitung/Qualität der Bauteile

 

Resümee

Die Diavlo Serie scheint mittlerweile weit ausgereift. Hatte der inzwischen ausgelaufene Vorgänger RD50 technisch noch gewisse Problemchen, wirkt das Nachfolgemodell RD45 wie aus einem Guss. Im 2×12-Combo-Modell kann der auch als Topteil erhältliche Amp seine Fähigkeiten voll ausspielen. Der moderne Klangcharakter wird von entschlossener Dynamik unterstützt. Und ja, der Combo wird seinen Maßen gerecht und produziert ein großes Klangvolumen. Als gewichtiges Plus addieren sich dazu der sehr gut funktionierende Low-Level-Einschleifweg und ein Speaker-Emulator-Ausgang mit hohem Gebrauchswert. Einwandfrei gefertigt ist der RD45-212 auch, Preis und Leistung stehen daher in einem gesunden Verhältnis.

Randall RD45-212_profil

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