Nicht zu unterschätzendes Potential

(Preis-)Klassenprimus: Hughes & Kettner StompMan im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Sind Röhrenverstärker als Topteile mittlerweile völlig uncool, oder warum bietet Hughes & Kettner neben dem Black Spirit 200 Floor, dem AmpMan Classic und dem AmpMan Modern seinen nunmehr vierten und auch kleinsten Gitarrenverstärker im Pedalboard-Format an?

Bei einem Besuch der Homepage des Traditionsherstellers aus St. Wendel, bekommt man jedenfalls schnell den Eindruck, dass wir Gitarristen zumeist lediglich kleine Verstärker oder eben Amps, die vor uns auf dem Bühnenboden liegen spielten. Nur noch der Hughes & Kettner TriAmp Mark 3 ist in der traditionellen Bauform, die ein britischer Trommler 1962 salonfähig gemacht hat, erhältlich. Alle anderen Hughes-&-Kettner-Gitarren-Verstärker im aktuellen Sortiment basieren entweder auf der TubeMeister-Baureihe oder der Technologie des Black Spirit 200. So auch der jüngste Spross aus dem Hause Hughes & Kettner: der StompMan.

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KONZEPT

Mit „klein, kleiner, StompMan!“ ist die Idee, die diesem Produkt zugrunde liegt, eigentlich auch schon erklärt. Mit der Spirit-Tone-Generator-Technologie und der Ultra-Response-Endstufe aus den größeren AmpMan-Verstärkern, aber einer sehr reduzierten Anzahl von Reglern, lässt sich nun ein 50-Watt-Verstärker auf dem Pedalboard platzieren und stielt den teuren Strymon-Pedalen nicht die Show, denn ein Timeline, Big Sky oder auch ein Eventide Timefactor sind erheblich größer als der StompMan.

Hughes & Kettner schafft es dennoch, den kleinen Verstärker mit den Reglern Master, Sagging, Gain, Presence, Resonance und Tone, einem stirnseitig regelbaren und per Fußtaster aktivierbarem Solo-Volume, wie auch ebenfalls via Footswitch bedienbaren, seriellen Einschleifweg auszustatten.

Die Anschlüsse des StompMan auf der Rückseite (Bild: Dieter Stork)

Sogar die hauseigene AES-Energiesparfunktion wurde integriert und schaltet – sofern man sie mit dem kleinen Schiebschalter aktiviert – den Amp automatisch aus, wenn 90 Minuten lang kein Signal am Eingang messbar war.

Mitsamt seines externen Netzteils wiegt der StompMan etwa 930 Gramm und eben jenes Netzteil braucht auch etwas Platz und diesen sollte man zwingend unter dem Pedalboard dafür einplanen, denn gleichgerichtete 24 Volt mit Pluspol außen und einer Belastbarkeit von bis zu 2,5 Ampere zaubert man leider nicht mal eben so aus einer der gängigen Power Suply Units für die Effektpedale heraus. Den StompMan mit einem flach gebauten Pedalboard, wie zum Beispiel dem Pedaltrain Nano oder dem Aclam XS1 kombinieren zu wollen, ist daher leider mechanisch nicht sinnvoll machbar.

(Bild: Dieter Stork)

SOUNDS

Schon beim Einschalten des Amps fällt ein leichtes Rauschen im Leerlauf auf, das vermutlich der beim StompMan verwendeten Technologie geschuldet ist. Das gleichmäßige Zischeln bei drei bis sechs Tausend Hertz ist nicht extrem laut und dürfte für die Ohren von fast allen Gitarristen im gerade noch tolerierbaren Bereich liegen. Ich kenne jedoch auch die Bedürfnisse von Musikern, die in Theatern und Musicals spielen und für eben diese wird sich der Hughes & Kettner StompMan ähnlich ausschließen, wie die Benutzung eines Fender 68 Deluxe Reissue. Beide Produkte rauschen ähnlich laut, bei gleicher Nutzsignal-Lautstärke und ähnlich defensiv eingestelltem Zerrgrad.

(Bild: Dieter Stork)

Apropos Verzerrung; typische, sehr „deutsche“ Hughes-&-Kettner-Sounds sind die Stärke des StompMan, und grundsätzlich erinnert der Frequenzgang und die Kompression des Amps an die ausgewogenen Klänge der klassischen DuoTone- und TriAmp-Crunch-Kanäle, kombiniert mit den leichten Bässen eines Fender Vibrolux.

Der StompMan fühlt sich mit dem uns zum Test ebenfalls vorliegenden Hughes & Kettner TM112 Cabinet mit Vintage 30 pudelwohl und ist sogar mit dieser 16-Ohm-Box schon beindruckend laut, kann aber in diesem Setup nicht adäquat im Proberaum punkten, sofern ein rockig spielender Schlagzeuger mit dem Hang dazu, auch mal ein Becken oder die HiHat wirklich laut zu spielen, zugegen ist. An 4 oder 8 Ohm und mit zwei Vintage-30-Lautsprechern ist der StompMan allerdings erheblich lauter und drückt das Gitarrensignal durch die oberen Mitten ans Ohr.

Selbst mit einer Telecaster oder Strat lässt sich mit den Sagging-, Presence- und Tone-Reglern ein gutmütiger und pragmatisch gut nutzbarer Basis-Sound einstellen; das Gain reicht für Rhythmus-Gitarren im Foo-Fighters-Stil, und lediglich die eingeschränkte Wirkung des Resonance-Reglers fällt beim Spielen mit Singlecoils auf. Mit einer Gibson Les Paul, einer PRS oder auch modernen Charvel-Superstrats korrespondiert dieser unkonventionelle Equalizer jedoch sehr gut. Und auch als Pedal-Platform lässt der Hughes & Kettner StompMan sich sehr gut nutzen: Tube Screamer, OCD oder auch Röhren-Overdrives wie der Vahlbruch Kaluna klingen am StompMan allesamt sehr gut, lediglich klassische Germanium-Treblebooster können ihr klangliches Potential nicht richtig ausspielen.

Da uns zum Test gleich zwei StompMan und zwei Hughes & Kettner TM112 Cabinets vorlagen, habe ich die Gunst der Stunde genutzt und die Produkte mal in einem Stereo-Setup mit PingPong-Delays und Stereo-Hall ausprobiert. Hier liegt ein nicht zu unterschätzendes Potential, sich mithilfe zweier StompMans ein kleines, leichtes und vor allem bezahlbares Setup aufbauen zu können.

Zwei StompMan plus zwei Cabinets = Stereo-Setup (Bild: Dieter Stork)

ALTERNATIVEN

Im Preisrahmen von unter Zweihundert Euro ist ebenfalls der Orange Terror Stamp mit seiner Röhrenvorstufe und einer 20-WattEndstufe zu finden. Der Orange ist nicht ganz so laut und druckvoll wie der StompMan und klingt etwas rauer und britischer. Um eine ähnlich umfangreiche Bedienbarkeit oder sogar noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel einen umfangreichen Equalizer, erstehen zu können, muss man viel tiefer in die Tasche greifen und sich in der Preisklasse von Produkten wie dem Hughes & Kettner AmpMan, dem Baroni DLA 120 oder sogar Produkten wie dem Hughes & Kettner Black Spirit oder dem BluGuitar Amp1 umschauen.

RESÜMEE

Der Hughes & Kettner StompMan ist beeindruckend günstig, vielseitig und klingt überraschend gut. Er eignet sich somit nicht nur als kleiner Backup-Verstärker, sondern würde als zusätzliche Endstufe zum Verstärken von Delays und Hall in einem Dry-Wet-Rig eine zweckdienliche und preiswerte Verwendung finden. Auch die Nutzung von zwei StompMan auf einem Pedalboard könnte für viele Gitarristen, die gerne ihr Pedalboard stereo spielen möchten, eine realistische Idee sein.

PLUS

  • sehr klein und leicht
  • solide Sounds
  • intuitive Bedienung
  • schaltbarer Einschleifweg
  • ausreichend laut für Proben
  • zweite Lautstärke per Fußtaster

MINUS

  • externes Netzteil
  • Leerlauf-Rauschen


(erschienen in Gitarre & Bass 06/2022)

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