Lauschangriff!

Mesa/Boogie JP-2C Topteil im Test

Die Kunde von diesem Signature-Amp dürfte sich in Windeseile in der Szene verbreitet haben. Klar, wenn doch einer der einflussreichsten Gitarristen der Gegenwart Pate stand − John Petrucci, seines Zeichens Mastermind bei Dream Theater. Und dann soll das Topteil auch noch die Gene des legendären Boogie Mark IIC+ in sich tragen!

MesaBoogie JP-2C mit Fußschalter
(Bild: Dieter Stork)

Petrucci und Mesa, das hat Geschichte, die Zusammenarbeit währt schon lange. Eigentlich bereits seitdem John überhaupt ernsthaft Musik macht. Er selbst beschreibt seine erste Begegnung mit dem Mark IIC+ als eine Offenbarung, die seinen Blick auf die Suche nach dem ultimativen Ton für immer veränderte. Fortan spielte er quasi nur noch Mesa-Amps. 2014 war er mit einem kleinen Stereo-Setup unterwegs, dem Triaxis, der 290-Endstufe und 1×12-Cabs. Zuletzt benutzte John den Mark V – der ja auch schon einen Mark IIC+-Modus besitzt – und er hatte drei 4×12-Fullstacks am Start. Denkt man, wenn man die Fotos sieht. Nein, das sind Dummys, die Boxen stehen seitlich auf der Bühne und der Sound kommt aus einem komplexen, mit Pedal-Effekten kombinierten Rack-System, in dessen Zentrum natürlich trotzdem mehrere Mark V stehen. Egal wie, John ist offensichtlich gewöhnt, seinen Sound mit reichlich Schalldruck und hoher Leistung zu erzeugen.

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Und nun kommt er mit so einem Mini-Head aus, nicht größer als die erst kürzlich vorgestellten Modelle Mark 5/35 und Mark 5/25!? Tja, das ist gleich die erste Überraschung. Anders als die, ist Johns JP-2C nicht mit EL84 bestückt, sondern mit den in der Bauform viel größeren 6L6. Vier Stück, gleiche Leistung wie in seinen Mark V, und das in dieser kleinen Kiste. Die auch sonst ziemlich üppig ausgestattet ist, wie wir gleich sehen werden. Vorher noch eine Info zu den Modellversionen. Denn ja, es gibt den JP-2C in drei Ausführungen, als normales Topteil, wie wir ihn hier sehen, als 19″-Rackmount-Version, und – ganz edel – als Limited Edition Head, optisch aufgehübscht und handsigniert von Herrn Petrucci persönlich, wofür man dann € 1500 zusätzlich auf den Ladentisch legen darf. Macht dann summa summarum schlappe € 5490. Zu viel? Na ja, wenn man bedenkt, was manche viel simplere Boutique-Produkte kosten, kann man sich über die Zahl kaum aufregen.

MesaBoogie JP-2C (1)
(Bild: MESA/Boogie Ltd.)

Konstruktion

Die wesentlichen Ausstattungsmerkmale sind augenfällig: Drei voll ausgestattete Kanäle und zwei 5-Band-Equalizer bilden das Herzstück der Sound-Formung. Dazu gesellen sich ein Federhalleffekt, dessen Intensität sich für jeden der drei Kanäle individuell abstimmen lässt (Rückseite), ein serieller Einschleifweg, und die CabClone-Sektion, also die D.I.-Schaltung, die Mesa auch als Stand-Alone-Gerät anbietet. Den Zuckerguss auf diesem reichhaltigen Angebot bildet die Option, Schaltzustände als Presets abspeichern und via MIDI abrufen zu können. Eine konsequente Maßnahme, denn nur dadurch lassen sich die vielfältigen Funktionen des JP-2C bis ins Letzte nutzen. In den Sound-Kanälen bestimmt ein Mini-Switch, ob ihnen einer der beiden EQs fest zugeordnet sein soll, oder die Kontrolle über deren Status via MIDI bzw. dem mitgelieferten Sechsfach-Fußschaltpedal zukommt (CH1, CH2; CH3, Reverb, EQ 1, EQ 2).

Die beiden Schalter links von den EQs bestimmen, ob der Effektweg und der Hall/Reverb via MIDI gesteuert werden sollen. Auf der anderen Seite, rechts oben am EQ2, kann man die Kanäle manuell anwählen, der Schalter namens Shred unten rechts verändert den Toncharakter der Kanäle #2 und #3. Auch hier ist MIDI eine Alternative. Manuell kann Shred allein dem Kanal #2 oder beiden, #2 und #3, zugeordnet werden. Wenden wir uns dem rückwärtigen Panel zu. Neben drei DIN-/MIDI-Anschlüssen sind acht Klinkenbuchsen zu sehen, die folgende Funktionen haben: Slave Out, Headphones, zweimal Speaker 4 Ohm, je einmal 8 und 16 Ohm, FX Send und FX-Return.

Die CabClone-Sektion umfasst eine XLR-Buchse, die günstig für lange Kabelwege trafosymmetrierte Signale abgibt, und vier Schalter: Speaker On/Off, Closed/Open Back/Vintage (Klangfarbe, Voicing), Ground Lift, -10/+4dB. Rechts außen erlaubt ein großer Knebelschalter, die Leistung auf 60 Watt zu reduzieren (indem zwei Röhren an der Kathode deaktiviert werden). Der Mini-Switch daneben ist ein Taster zum Abspeichern von Einstellungen (Store), der Miniatur-Drehschalter dient der Wahl des MIDI-Kanals. Ein aufwendiges Konzepts, auf kleinstem Raume umgesetzt. Angesichts dessen überrascht es nicht, dass das Amp-Chassis innen bis in den letzten Winkel vollgepropft ist.

Man sieht den typischen Mesa-Aufbau. Penibel bestückte Platinen, sauberste Verdrahtung, die Bauteile qualitativ jenseits jeder Kritik … die Verarbeitung wird wie stets bei Mesa höchsten Ansprüchen gerecht. Wie komplex sich die Vorgänge bei den diversen Schaltoptionen gestalten, verdeutlicht die Tatsache, dass daran nicht weniger als 17 Relais beteiligt sind. Selbstredend ist auch das mit Vinyl bezogene Gehäuse bis ins Detail akkurat gefertigt.

Opulente Ausstattung mit MIDI-Speicher und D.I.-/CabClone-Sektion
Opulente Ausstattung mit MIDI-Speicher und D.I.-/CabClone-Sektion (Bild: Dieter Stork)

Mark IIC+

Jaja, der Mark IIC+, um ihn ranken sich so viele Lobeshymnen und Spekulationen wegen des Wie und Weshalb seiner Fähigkeiten, dass er beinahe schon so mystisch wirkt wie Dumbles Overdrive. Zu dem exklusiven Nimbus hat in erster Linie beigetragen, dass diverse prominente Gitarristen den Mark IIC+ immer wieder in den höchsten Tönen lob(t)en. Zudem ist er sehr rar, denn das Modell wurde nur sehr kurze Zeit vor dem Erscheinen des Mark III gebaut. Die beiden Faktoren zusammen sorgen für spektakuläre Preisansagen auf dem Gebrauchtmarkt. Ob die realistisch sind, sei dahingestellt. Jedenfalls gehen die teuer angesetzten Stücke nach meinen Beobachtungen nie schnell weg. Vielleicht weil Interessenten darüber verunsichert sind, dass der Mark IIC+ in der kurzen Spanne seiner Herstellung nicht einheitlich gefertigt wurde, sprich Ausgangstrafos und andere Bauteile differierten?

Wer weiß ob man wirklich einen guten erwischt? Immerhin sind Fakes, MKII, die mit der kleinen Filzstift-Markierung „+“ auf dem Chassis hinten über dem Netzkabel mal eben schnell „aufgewertet“ wurden, leicht zu erkennen. Pull Deep muss über dem Master-Volume 1 geschrieben stehen, anstatt wie zuvor „Gain Boost“. Zumindest in den USA kam es allerdings auch häufig vor, dass MKII-Modelle von Mesa umgebaut wurden und so – völlig legitim – zu der begehrten Markierung kamen. Die beste Methode einen IIC+ zu erkennen, heißt es von offizieller Seite, ist folgende Prozedur: Die Gitarre an den Return anschließen, Lead-Mode aktivieren, eine Note lang ausklingen lassen und dabei an Lead Drive und Volume 1 drehen. Hört man keine Veränderungen im Ton, ist es der Mark IIC+-Schaltkreis (wer über die Qualitäten des Mark IIC+ mehr erfahren will, kann sich mit einem interessanten Video weiterbilden. Auf YouTube gibt der Meister selbst eine Vergleichsvorführung, suche: John Petrucci Mark Five vs. Mark IIC+ Comparison).

Schlussendlich fragt man sich warum Mesa diese Boogie-Version nicht längst wieder aufgelegt hat. Nun, das hat vermutlich damit zu tun, dass der IIC+ erst nach einer Weile überhaupt seinen Kultstatus erreichte und zu der Zeit Mesas Modellpolitik bereits woanders seine Schwerpunkte hatte. Schließlich hatte man Anfang der 1990er-Jahre mit dem Rectifier ein ganz großes Ding losgetreten. Kurz davor war der voll programmierbare Triaxis erschienen und seit dem Mark IV (1989) war die Ära von Amps, die nur eine Vorstufe hatten, vorüber. Und Reissues scheinen halt auch einfach nicht zum Selbstverständnis von Mesa zu gehören. Einzig dem allerersten Boogie MKI wurde diese Ehre einmal zuteil und darüber hinaus war der limitierte King Snake, Carlos Santana gewidmet, bislang das einzige Signature-Modell.

Das Team um Randall Smith geht vorwärts, nicht zurück. Innovation ist Trumpf, was die Historie mit etlichen technischen Neuerungen beweist. Insofern war bei Mesa vermutlich ganz klar: Wenn der Mark IIC+ überhaupt irgendwie wiederbelebt werden würde, dann in einer rigoros aktualisierten Form. Voila, der JP-2C!

Maximal komprimierter Aufbau in erstklassiger Verarbeitung
Maximal komprimierter Aufbau in erstklassiger Verarbeitung (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Mit den drei eigenständigen Vorstufensektionen geht die Abkehr von den diversen Push-/Pull-Schaltfunktionen des alten Konzepts einher. Entsprechende Voreinstellungen sind jetzt in den Kanälen fest definiert. Dafür gibt es nun andere. Pull Gain in CH2 und CH3 bewirkt nur eine subtile Anhebung der Vorverstärkung, die sich mehr im Klangbild darstellt als durch deutlich intensivere Verzerrungen. Pull Presence ändert die Ansatzfrequenz des Regelbereichs, sodass einerseits, quasi in klassischer Manier, nur die obersten Frequenzen mehr Glanz bekommen, andererseits das Poti (pull) tiefer bis in die oberen Mitten hinein anpackt.

Der cleane Kanal ist ganz und gar auf das spezialisiert, was sein Name sagt: Unverzerrte Sounds mit maximalem Headroom sind sein Metier. Okay, Anzerrungen können trotzdem provoziert werden, und zwar weil das Mid-Poti ab der Mittelstellung das Signal kräftig boostet (das Feature ist aus anderen Mesa-Produkten übernommen). Der Overdrive klingt indes grob und schmutzig, das hat seinen eigenen Charme, ist aber sicher nicht das Beste, was der CH1 zu leisten vermag. Die Clean-Einstellungen hingegen trumpfen mächtig auf. Die Wiedergabe ist überaus kraftvoll, satt und stabil bis in die höchsten Frequenzen, und dies bei quasi mustergültiger Transparenz; die Signale leistungsstarker Humbucker sind unproblematisch. Und Dropped Tunings bringen das Sound-Gefüge auch nicht aus der Balance.

Generell kommt jedes Detail gebührend zur Geltung. Ganz klar, dass John Petrucci diese Art von Cleansounds favorisiert. Er spielt oft mit komplexeren Effekten, und in dem Kontext macht sich die Präzision und Kraft des Channel 1 natürlich nur vorteilhaft bemerkbar. Darüber hinaus ist der Kanal klanglich sehr variabel. Treble und Mid dürfen zum Start gerne niedrig eingestellt sein, 9 – 10 Uhr, Mid sogar noch weniger. Das Bass-Poti hält reichlich Reserven bereit, sodass nicht unbedingt der Wunsch aufkommt, einen der Equalizer zu bemühen. Praktisch, so können sie für die anderen beiden Kanäle reserviert bleiben. Bei einem dreikanaligen Verstärker betrachtet man Channel 2 gemeinhin als Crunch-Sektion. Heißt, die Verzerrungen bleiben verhalten in der Intensität. Hier beim JP-2C ist das anders.

Mesa spricht zwar zunächst selbst von Crunch, aber nur um gleich danach anzumerken, dass es einer mit dem Gain-Potential eines Lead-Kanals sei. Denn, O-Ton Mesa, der Channel 2 entspricht schaltungstechnisch dem Lead-Kanal des Mark IIC+. Doch anscheinend mit erhöhten Gain-Reserven. Egal, Fakt ist, dass schon ab etwa Gain 12 – 13 Uhr gesättigte Verzerrungen entstehen. Für raumgreifende fette Crunch-Chords mehr als genug (Humbucker mittlerer Leistung o. ä. vorausgesetzt). Wahrscheinlich wird fast jeder Spieler beim Anchecken wegen des eigentümlich kompakten Klangbilds aufhorchen. Auf der einen Seite sehr dicht in den Verzerrungen, bildet sich parallel auch wohldosiert Transparenz aus. Über allem in der Tonformung schwebt stets Präzision.

Gerade in den oberen Mitten singt der Ton betörend − beißende Schärfe, sehr freundlich zu Obertönen, es liegt aber keine übertriebene Offensive darin − Aggressivität mit Kultur. Der Kanal liefert so sustainreiche, auf ihre Art sahnige Leadsounds, mit höchster Ausdruckkraft und Tonvolumen. Anders als bei heißen Brit-Amps, die im Low-End meist viel Druck machen aber auch Interferenzen erzeugen, hält sich der Channel 2 des JP- 2C in den Frequenzen zurück, wirkt daher luftiger und verzerrt definitiv betont harmonisch. Bei der Abstimmung der nachhaltig arbeitenden Klangregelung muss man bedenken, dass sie weit vorne im Signalweg liegt (hinter der ersten Triode) und daher unmittelbar Auswirkungen auf die Qualität der Distortion hat. Viel Bass reindrehen kann zu undefiniertem, mulmigem Klang führen.

Front
(Bild: Dieter Stork)

Der Plan ist bei Mesa seit jeher anders. Der Equalizer hat nicht nur in der Hinsicht die Aufgabe, das Distortion-Klangbild abzurunden. Genau, wir reden von der klassischen V-Stellung der fünf Regler. Was man so sieht, stellt John Petrucci die Spitze des V, 750 Hz, den mittleren Fader, sogar ganz nach unten auf Anschlag (scoopidoo). Wenn man nicht gerade im Metal-Bereich unterwegs ist, steht der Grund-Sound des Channel 2 auch für sich, ohne EQ, blendend da. Denn nein, der JP-2C ist keineswegs ein Amp nur für die harten Musikstile. Blues, Fusion-Jazz u. a. geht ebenfalls blendend mit ihm. Fragt sich, was im Channel 3 auf uns wartet. Nun, nicht viel Neues. Schon beim ersten Herumprobieren hatte ich mich gewundert, keinen gravierenden Unterschied zum Channel 2 zu hören. Irgendwas komisch, kaputt?

Des Rätsels Auflösung steht in der Bedienungsanleitung: Das muss so, die Kanäle sind identisch, mit dem kleinen feinen Unterschied, dass #3 ein klein wenig mehr Gain hat (wegen eines höheren Wertes des fehlenden, intern fix eingestellten Volume 1 der originalen IIC+-Schaltung). So ist er eine Spur fetter und komprimiert ein wenig mehr. Insofern wird man letztlich doch CH3 für Lead-Passagen und CH2 für Rhythmusarbeit benutzen. Einen relevanten Unterschied im Ton der beiden Kanäle macht die Shred-Funktion. Mehr Gain vor allem in den oberen Mitten. Das bringt das Obertonspektrum over the top, Schmatz im Attack und Biss treten in den Vordergrund, so sehr, dass man entsprechend sorgfältig mit Treble und/oder Presence umgehen muss. Sonst treten leicht unerwünschte Feedbacks auf. Die sensible Reaktion der Kanäle im Shred-Modus ist letztlich so verführerisch, dass man sie wohl am liebsten die ganze Zeit aktiviert halten möchte. Doch im Sinne deutlich voneinander abgegrenzter Sounds ist die Option Shred 2 vielleicht in vielen Fällen die sinnvollere.

Womit wir zur weiteren Ausstattung kommen. Der Hall gehört zur Mesa-Tradition, ist natürlich wie eh und je analog in Röhrentechnik ausgeführt und wird von einem langem Federsystem generiert, das im Boden des Amps ruht. Qualitativ ist der Effekt wie stets bei Mesa erhaben und die Option, jeden der drei Kanäle in der Intensität separat damit versorgen zu können, Luxus pur. Bei FX-Wegen ist ein Return-Level-Regler, der Pegelverluste aufholen kann, also nachverstärkt, aus verschiedenen Gründen immer wünschenswert. Manchmal sogar unbedingt nötig, nämlich wenn der Signalpegel des Einschleifweges sehr hoch liegt (über 0dB/775mV, nicht selten bei Röhrenverstärkern). Beim JP-2C ist keiner vorhanden. Da die Send-Signale der Kanäle #2 und #3 nicht über die Grenze gehen und der Channel 1 nur bei hohen Gain-Einstellungen (höher ca. 11Uhr), ist der FX-Weg grundsätzlich trotzdem als unproblematisch einzustufen.

Qualitativ funktioniert er exzellent, sprich er degradiert die Sounds nicht. In Verbindung mit dem zum Lieferumfang gehörenden Schaltpedal genießt der Anwender bereits viel Variabilität. Zumal der an der Frontplatte vorgewählte Status der EQs mit dem Fußschalter „on the fly“ geändert werden kann. Absolut praxisgerecht und vorbildlich ist die Länge des Anschlusskabels. Es misst gut über sieben Meter und kann so auch auf größeren Bühnen großzügig verlegt werden. Etwas Negatives gibt es an dieser Stelle auch zu nennen. Die LEDs des Schaltpedals leuchten nicht so schön hell wie die am Amp selbst. Der Sound-Abruf gelingt natürlich bei Nutzung des MIDI-Interface noch um einiges eleganter.

Der Speicher merkt sich maximal 256 Preset-Einstellungen, indem er die MIDI-Program-Change-Nummern 1 – 128 in zwei Bänken nutzt. Zudem kommuniziert das Interface auch über Control-Change-Befehle. Hierüber sind folgende Statusänderungen steuerbar: CH1, CH2, CH3, EQ1, EQ2, FX Loop, Reverb, Shred, CH1 & EQ, CH2 EQ & Shred, CH3 EQ & Shred. Klar, das öffnet schlussendlich noch einmal ganz andere Dimensionen. Erst recht, wenn man ein MIDI-Schaltboard benutzt, das es erlaubt, CC-Steuerung auf einzelne Schalter zu legen. Aber Achtung, wichtig: Wenn MIDI die Steuerung übernimmt, darf das Mesa-Schaltpedal nicht angeschlossen werden! Auf diesem Wege direkten Zugriff auf die Schaltfunktionen zu behalten ist also nicht möglich! Das Finale gehört dem CabClone. Es wird ein kurzes, denn das Stand-Alone-Gerät hat bei uns im Einzeltest seine Qualitäten schon längst eindrucksvoll bewiesen, Prädikat sehr empfehlenswert (Testbericht Ausgabe 01/2015).

Das positive Ergebnis kam unter anderem dadurch zustande, dass sich die drei Sound-Optionen sinnvoll voneinander abgrenzen und in der Lage sind, den Ton eines Verstärkers markant einzufangen. Wie es natürlich auch hier der Fall ist. Und es ist bestimmt ein lukratives Plus, dass man den JP-2C stummgestellt genießen kann. Aber nur wenn es unbedingt sein muss, denn am schönsten ist es letztlich doch, wenn man ihn ganz von der Leine lassen kann.

Fußschaltbar
Viel Komfort: Die wichtigen Funktionen im Direktabruf fußschaltbar (Bild: Dieter Stork)

Alternativen

Nö, klare Ansage, diesen charismatischen Ton in einem funktional derart ergiebigen Paket gibt es zumindest derzeit auch nicht annähernd ein zweites Mal. Anders ausgedrückt: Ich wüsste nicht, was ich seriös als Alternative nennen sollte.

Resümee

Mesas erster unlimitierter Signature-Amp setzt einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte. Beifall für die R&D-Abteilung, die das Revival des Mark IIC+ perfekt inszeniert und einen Amp geschaffen hat, der tonal allerhöchsten Ansprüchen genügt und zudem maximale Variabilität im Gebrauch garantiert. Ich habe schon viele richtig gute und teure Verstärker kennengelernt und möchte deren Wert mit meiner Aussage nicht im Geringsten schmälern, aber was der JP-2C im Sound von sich gibt, ist eine Klasse für sich. Und wenngleich John Petrucci zur hart aufspielenden Fraktion gehört, sollte man „seinen“ Amp nicht als reines Metal-Soundtool missverstehen.

Der JP-2C überzeugt auch in zahmeren Musikstilen. Leider fordert er für seinen fabulösen Auftritt eine hohe Gage. Wenn man allerdings die Kosten-/Nutzenrechnung präzise prüft, den technischen Aufwand und die sehr gute Verarbeitung/Substanz mit in die Waagschale wirft, ist der Preis durchaus nachvollziehbar und im Verhältnis zur Leistung voll und ganz vertretbar.

 

Plus

  • exzellenter Sound, sehr hohe Variabilität
  • Dynamik, Ansprache sehr obertonfreundlich
  • betont harmonisches Zerrverhalten
  • hohe Leistungsreserven
  • warmer „Röhren“-Hall, je Kanal separat dosierbar
  • Funktion d. CabClone
  • Schaltfunktionen, MIDI-Steuerung
  • Ausstattung
  • geringe Nebengeräusche
  • sehr gute Verarbeitung, Qualität d. Bauteile

Minus

  • schwaches Licht der Status-LED im Schaltpedal

 

Übersicht

 

Hinweise zu den Soundfiles

Für die Aufnahmen kamen zwei Mikrofone mit Großflächenmembran zum Einsatz, ein AM11 von Groove-Tubes/Alesis und ein C414 von AKG, platziert vor einem Celestion-Vintage 30 im klassischen 4×12-Cab.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt. Mit Ausnahme des Clips #9, der den Federhall des JP-2C selbst präsentiert, steuert das Plug-In „Platinum-Reverb“ die Raumsimulationen bei.

Die Instrumente sind eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 und eine 1957-Signature-Les-Paul „Lee Roy Parnell“ aus dem Gibson-Custom-Shop.

 

Bedeutung der Buchstabenkürzel:

CL: Cleansound, vollkommen sauber, ohne Verzerrungen.

CR: Crunchsound, etwas mehr Gain als bei Overdrive.

Dist: starke  Verzerrungen, hohe Gain-Ebene.

LP: Les Paul / Humbucker.

OD: Overdrive, geringe Anzerrungen.

 

Clip #1 und #2:  John Petrucci arbeitet stilistisch zwar im Hard-Rock-/Metal-Lager, der JP-2C ist aber nicht auf das Genre festgelegt. Im Overdrive-/Crunch-Bereich  liegt sogar eine besondere Stärke, da der Amp sensibel und ausdrucksstark dem Spieler folgt.

 

 

 

In den Clips #3 bis #6 hören wir die beiden im Grund-Sound nahezu identischen Distortion-Kanäle in verschiedenen Anwendungen. Positiv auffällig ist z. B. die präzise Artikulation des Tons im Attack.

 

 

Der Clip #7 verdeutlicht wie sich der Sound ändert, wenn man Shred-Schalter auf „On“ stellt. Dadurch ergibt sich etwas mehr Gain, vor allem treten die oberen Mitten hervor und „verschärfen“ den Ton (…üüühhhh und iiieeehhh… singt der Amp).

 

Clip #8 präsentiert den Federhall des JP-2C, der sich wie stets bei Mesa qualitativ auf höchstem Niveau bewegt.

 

Clip #9 präsentiert mein Referenz-Riff“ (RefRiff), das ich mit jedem Test-Amp/-Distortion-Pedal einspiele, damit man den Charakter der von uns getesteten Produkte quasi auf einer neutralen Ebene vergleichen kann.

 

 

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer! ;-).

 

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

 

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Bin kein amp freak und kein Elektroniker, aber dieser Bericht ist outstanding, der Beste den ich seit Jahren gelesen habe. Chapeau fuer den Verfassser. Herzliche Gruesse Joachim Krauskopf

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