Kellertaugliches Kleinformat

Kompakter Kracher: EVH 5150 Iconic Series 15W EL34 1×10 Combo im Test

Anzeige

(Bild: EVH Brands, LLC.)

Der 5150 zählt zu den wichtigsten High-Gain-Verstärkern der letzten Jahrzehnte. Unabhängig von seinem „geistigen Vater“ Eddie Van Halen hat der massive Sound dieser Verstärkerreihe unzählige Gitarristen mit Faible für High-Gain-Sounds geprägt. So beeindruckend ein donnernder Halfstack mit 50 oder 100 Watt auch ist, nicht immer sind entsprechende Klanggranaten gefragt, sinnvoll oder finanzierbar. Der EVH 5150 Iconic Series 15W EL34 1×10 Combo bekennt sich daher zu einem kleineren Format, bleibt dabei aber ein klassischer Röhrenverstärker.

Anzeige

Einsteiger, Heimspieler und budgetbewusste Musiker sollen mit dem Iconic Combo eine sinnvolle Lösung für diesen Signature-Sound in kompakter Ausführung finden.

EIN BLICK AUF DIE PRODUKTPALETTE

Die dreikanaligen 100-Watt-Modelle des 5150 III sind zum Straßenpreis von 2.099 Euro erhältlich. Wer sich mit 50 Watt begnügt, kommt hingegen bereits unter 1.400 Euro zum Zug. Es sind großartige Verstärker, aber nicht für jedermann erschwinglich. Mit der Iconic-Serie gelang es Entwickler James Brown im Jahr 2021, den markanten High-Gain-Sound durch eine technisch weniger aufwändige Schaltung in eine günstigere Preisklasse zu transportieren. James Brown muss es wissen, schließlich konzipierte er bereits ab 1992 den Peavey 5150 und den 5150 II in Zusammenarbeit mit Eddie Van Halen.

Die zweikanaligen Iconic-Modelle mit 80 Watt sind mit rund 800 Euro deutlich günstiger. Noch preiswerter sind 40-Watt-Combo-Varianten mit 1×12″-Bestückung. Unser Testgerät gehört schließlich der kleinen 15-Watt-Iconic-Reihe an.

RUNDGANG

Der Combo ist in einem stabilen und durchaus gewichtigen, tolexbezogenen Holzgehäuse aus Fernostfertigung untergebracht. Das Bedienfeld befindet sich oben, Anschlüsse und ergänzende Schalter auf der Rückseite. Mit goldenem Bedienfeld, schwarzen Chickenheads und schwarzer Stoffbespannung verzichtet der Combo auf die typische Gitteroptik der großen Modelle. Dadurch wirkt er klassischer, bleibt aber dennoch unverkennbar.

Es gibt einen Eingang und eine manuelle Kanalumschaltung, für die sich auch der mitgelieferte einfache Fußschalter nutzen lässt. Pro Kanal gibt es individuelle Gain- und Pegelregler sowie eine Umschaltung der Gain-Reserven: „Clean/Overdrive“ für Kanal 1 und das alternative „High-Gain-Voicing Burn“ für Kanal 2.

 

(Bild: EVH Brands, LLC.)

Beide Kanäle teilen sich eine dreibandige, passive Klangregelung sowie die Resonance- und Presence-Regler der Endstufe. Auch der digital simulierte Federhall wirkt sich global aus.

Spannend sind die weiteren Optionen. So gibt es einen seriellen Einschleifweg und einen Umschalter, mit dem sich die Ausgangsleistung der Endstufe auf ein Viertel reduzieren lässt (3,5 Watt). Der 10″-EVH-Custom-Lautsprecher von Celestion ist in einem rückwärtig geschlossenen Gehäuse untergebracht und an einen der beiden Lautsprecheranschlüsse eingesteckt. Es ist also kein Problem, das Testgerät mit einer externen Box zu betreiben.

Wer den umgekehrten Weg gehen möchte, nutzt den Kopfhörerausgang im Miniklinkenformat. Dabei wird die Verbindung zum Lautsprecher deaktiviert und man kann den Klang in Form einer Lautsprechersimulation für stille Proben nutzen oder auch an die Beschallungsanlage weitergeben. Das klangliche Vorbild ist dabei die 4×12″-Box der großen EVH-5150-III-Modelle.

Ergänzend gibt es schließlich noch einen 3,5-mm-Audioeingang. Über diesen kann ein Audiosignal als Playback auf den Kopfhörerweg oder den Lautsprecher ergänzt werden.

Ein Wort zur Röhrentechnik: Der Combo kommt mit einer einzigen EL34 in der Endstufe aus und ergänzt zwei ECC83 in der Vorstufe. Respekt, denn die großen Originale sind mit jeder Menge Röhren befüllt.

Ein spannender Mehrwert: Über den Return-Eingang lässt sich der Combo auch als Endstufe und Box für Vorverstärker, Modeling-Verstärker oder Pedale nutzen. Die Kanalumschaltung, die Pegelsteller, Presence, Resonance und der Hall bleiben dabei erhalten.

Klang, Alternativen und Resümee auf Seite 2

 

(Bild: EVH Brands, LLC.)

KLANG

Mit zwei Kanälen und einer Klangregelung ist der kleine Verstärker völlig geradlinig bedienbar. Im ersten Kanal entscheidet man sich für einen eher unverzerrten, nur angezerrten oder kräftig übersteuerten Klang, im zweiten Kanal immer für High-Gain-Sounds, die sich bestenfalls auf deftigen Crunch reduzieren lassen. Das klangliche Spektrum ist also durchaus breit, aber andererseits auch speziell.

Der Clean-Kanal liefert praxistaugliche, saubere Klänge. Mischt man eine Prise des globalen Federhalls dazu, bringt das etwas Räumlichkeit und Retro-Charme ins Spiel. Ein echter Spezialist in dieser Disziplin ist das Testgerät zwar nicht, aber dennoch völlig brauchbar.

Dreht man den Gain-Regler in dieser Betriebsart weiter auf, gelangt man in einen angezerrten Bereich. Die Crunch-Intensität hängt dabei vor allem vom Pegel der Tonabnehmer der Gitarre ab. Bei einer Ibanez SA mit passiven V2-Humbuckern war für meinen Geschmack etwas Unterstützung durch einen Booster (PRS Horsemeat) erforderlich. Im Falle eines EMG81 war diese Unterstützung weniger nötig.

Die Gain-Reserven des ersten Kanals steigen im Overdrive-Modus sprunghaft an. Der Crunch endet hier bereits im ersten Viertel des Regelwegs. Danach ist man im Hardrock und sogar im klassischen Metal angekommen. Es klingt satt, druckvoll und angenehm definiert.

Der Vorzeigekanal des 5150 ist der rote Kanal, der immense Gain-Reserven bereithält. In vielen Fällen scheint es sogar zu viel des Guten zu sein. Andererseits funktioniert diese Schaltung eben auch mit leistungsschwachen Tonabnehmern und bei geringen Gain-Einstellungen. Stets kommt man in den Genuss einer kräftigen Kompression, die für reichlich Klangfülle und Sustain sorgt.

Wie die großen Modelle liefert auch der kleine Iconic Combo ein angenehm gefälliges Spielgefühl. Der Amp klingt zudem mit den meisten Gitarren und in unterschiedlichsten Stimmungen gut. Dazu kann man bei der Klangregelung wenig falsch machen. Es schiebt einfach fett und dicht aus den Boxen, aber kaum kratzig oder matschig. Man könnte sich etwas mehr Definition wünschen, würde sich damit aber vom charakteristischen Sound dieses Klassikers entfernen, den der kleine Combo trotz eingedampfter Schaltung durchaus trifft. Ebenfalls typisch sind das durchsetzungsfähige, ausgeprägte Mittenspektrum und der druckvolle Bass.

Allen, die sich Sorgen um die Pegelreserven machen, sei gesagt: Mit 15 Watt kann man es schon wirklich krachen lassen!

Die integrierte Lautsprechersimulation fällt eher simpel aus. Es gibt eine unveränderliche Klangvariante, die ich als brauchbar bezeichnen würde. Ich hätte mir zumindest gewünscht, die Simulation bei Bedarf deaktivieren zu können, um beispielsweise Aufnahmen mit externen Impulsantworten versehen zu können. Immerhin: Entsprechende Lösungen, etwa von Two notes, lassen sich auch am Lautsprecherausgang zum Einsatz bringen.

DIE ALTERNATIVE

Das Schwestermodell des Testgeräts ist der EVH 5150 Iconic Series 15W EL34 Head, der zum nahezu gleichen Preis zu haben ist. Dieser Verstärker bietet eine identische Vor- und Endstufe, wartet aber mit einigen abweichenden Funktionen auf. So gibt es einen Vorstufenausgang, die Lautsprechersimulation in Form einer XLR-Buchse, einen Stummschalter für die Endstufe, jedoch keinen Kopfhörerausgang.

RESÜMEE

Mit dem 5150 Iconic Series 15W EL34 1×10 Combo rundet EVH die Iconic-Reihe sinnvoll nach unten ab. Es handelt sich um einen kompakten Combo-Amp, der den typischen Sound der Serie in durchaus glaubhafter Qualität in ein wohnzimmer- und kellertaugliches Kleinformat bringt. Ein absolutes Schnäppchen ist der Combo nicht, sondern vielmehr ein überzeugend klingender Verstärker, mit dem High-Gain-Sounds mit Bravour gelingen.

Plus

  • High-Gain-Sound
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Lautsprechersimulation nicht abschaltbar


(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.