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Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Fender Marcus Miller Jazz Bass

Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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(Bild: Jogi Sweers)

Es gibt Instrumente, die sind ganz eng mit einem Spieler oder einer Spielerin verknüpft. Es gibt Signature-Instrumente, da setzt der Namensgeber nur sein Autogramm drauf, andere werden von Grund auf mit der Person zusammen entwickelt. Und dann gibt es den Fender Marcus Miller Bass.

Der stellt eine mehr oder minder exakte Replik seines ikonischen modifizierten Fender Jazz Basses von 1977 dar. 1998 tauchte der Bass aus japanischer Fertigung das erste Mal im Fender-Line-Up auf, mit weiteren Gitarren und Bässen unter der Rubrik „Limited Edition Artist Models“. Während einige davon tatsächlich bald wieder aus dem Programm verschwanden, entpuppte sich der Miller als Dauerbrenner. Die letzten Jahre vor seiner Einstellung kam der Bass aus Mexiko.

MIJ ODER MIM?

Die Unterschiede der beiden Varianten sind schnell ausgemacht. Die Mechaniken, an Marcus’ Original wie am Japaner reverse-drehende, die in den 70ern schon nicht mehr benutzt wurden, sind beim MIM „korrekteren“ im Schaller-BMFL-Stil gewichen. Das ebenfalls wie bei der Vorlage in Richtung des Stringtrees verrutschte Decal samt Seriennummer wurde durch ein ordentlicher angebrachtes ersetzt, bei dem allerdings die Seriennummer und das Made in Mexico auf die Rückseite der Kopfplatte gewandert sind.

Entscheidender als die optische Überarbeitung ist die Ausstattung mit neuen Pickups, die wie vorher Vintage-Style-Singlecoils waren, und einer neuen Zweiband-Elektronik. Die Tonabnehmer waren beim Japaner oft ein Kritikpunkt, vielen klangen sie passiv gespielt zu dünn, das sollte beim MIM verbessert werden. Der EQ war in der ersten Ausführung Boost Only, eine Höhenabsenkung also nicht möglich. Ersetzt wurde er durch eine Klangregelung mit normalem Boost und Cut, die mit zwei 9V-Blöcken betrieben wird, die in Batteriefächern auf der Rückseite eingesetzt werden. Damit wurde die Abdeckung für den einzelnen Block beim japanischen Modell überflüssig und das Pickguard fortan einteilig statt dreiteilig.

Das fand vielleicht sogar den Beifall von Roger Sadowsky. Der war es damals, der Marcus’ 77er-Jazz-Bass mit einem Stars Guitars Preamp (der später durch einen Bartolini ersetzt wurde) ausstattete, und die Batteriefräsung von vorne machte. Man erzählt sich, das wäre ihm im Nachhinein peinlich gewesen, aber es hat den ikonischen Look definitiv mitgeprägt!

Leider war es mir nicht möglich, noch einen Mexikaner zum Vergleich aufzutreiben. Ob also die deutlich kleinere Ausfräsung auf der Vorderseite, die der Optik halber dennoch großzügig abgedeckt ist, rauszuhören ist, darüber kann ich nur spekulieren. Immerhin ist beim Japaner die Batteriefachabdeckung mit Gewindeschrauben und entsprechenden Hülsen befestigt, sodass ein Batteriewechsel nicht die Bohrungen ausleiert. Gut mitgedacht!

Egal woher, das Korpusmaterial ist immer Esche. Leicht ist der Miller also eher nicht, aus beiden Modellreihen wurden Exemplare bis 5 kg gesichtet, knapp unter viereinhalb ist aber auch zu finden.

(Bild: Jogi Sweers)

MOD-POTENZIAL

Welche Variante man bevorzugt ist Geschmackssache, beide haben Fans, die sie der jeweils anderen gegenüber bevorzugen. Das Gute an diesem wie an eigentlich allen Fender Bässen ist, dass er leicht zu modifizieren ist, um ihn dem persönlichen Geschmack noch mehr anzupassen. Beim vorliegenden Exemplar heißt das, dass die Pickups gegen aktuelle Fender Noiseless getauscht wurden, die bei typisch offenem Ton jeglichen Einstreuungen den Garaus machen.

Dazu bekam der Bass einen Preamp von Sadowsky – da schließt sich der Kreis irgendwie wieder. Der gibt nicht nur dem aktiven Ton eine andere Klangfarbe, er hält dazu noch mit dem VTC-Regler eine passive Höhenblende bereit, die im aktiven wie im passiven Modus verfügbar ist. Gerade das ist für mich ein Gewinn, hat dieses Feature doch weder der ursprüngliche Japaner noch die mexikanische Weiterentwicklung zu bieten.

Bei fantastischer Bespielbarkeit hat man so eine hervorragende Interpretation des Siebziger-Esche/Ahorn-Jazz-Bass, dessen Original Marcus trotz seiner Sire-Bässe nicht aus der Hand legen kann, wie man zum Beispiel in der Remote Session von David Sanborn mit ihm auf YouTube sehen kann.

PREISE

Letztendlich ist es wahrscheinlich auch eine Frage der Verfügbarkeit, ob man sich die MIM- oder MIJ-Version ins Haus holt, denn seit Marcus Miller sich von Fender abgewandt, und in Kooperation mit Sire eine eigene Modellreihe am Start hat, werden die Fender MM-Signature-Modelle zunehmend seltener angeboten. Gut 1000 Euro sollte man also schon einplanen, günstiger wird es schwierig. Dafür bekommt man einen tadellos verarbeiteten Bass – was man bei weitem nicht von jedem End-Siebziger-Original behaupten kann, der, wenig überraschend, den Miller-Ton überzeugend hinbekommt.

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 11/2019 Digital
Gitarre & Bass 11/2019 Digital
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wer nen gut erhalten MM für nen Tausender abgibt macht nen schlechten Schnitt

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