Produkt: Gitarre & Bass 12/2019 Digital
Gitarre & Bass 12/2019 Digital
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Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: DigiTech DBM Bad Monkey

Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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Digitech Bad Monkey

Märchen werden viele erzählt, vor allem in Gitarren-Foren. Dies gilt auch für den DigiTech Bad Monkey. Die einen preisen ihn als den besseren TS808, die anderen setzen ihn auf eine Stufe mit dem Hermida Zendrive, wiederum andere bezeichnen ihn als den besten Boss SD-1 Clone ever. Also was jetzt…??

Dass sich gerade dieses Pedal eines hohen Bekanntheitsgrades erfreut, liegt neben seinem günstigen Preis vor allem an seiner Farbe, behaupte ich mal provokativ – aber nicht nur!

DER BESSERE TUBE SCREAMER?

Der Bad Monkey ist ein Low- bis Mid-Gain-Overdrive. Und jedes Pedal dieser Gattung, das sich ein grünes Kleidchen überstreift, wird natürlich sofort in die Tube-Screamer-Schublade einsortiert. Tatsächlich basiert der Bad Monkey auch auf einer Version des Ibanez TS9-Schaltkreises mit einem U1a-OP, einem 4558-Typ, der mit der gleichen Grenzfrequenz (720Hz) wie im TS9 arbeitet. Auch der Tone-Stack für den Mitten- und Treble-Bereich hat die identische TS9-Grenzfrequenz.

Aber: Der Bad Monkey glänzt mit einem Bass-Regler, der formal genauso wie die Bright-Schaltung gestrickt ist, nur dass diesmal zur Generierung der Bass-Einsatzfrequenz eine elektronische Spule zum Einsatz kommt, ein Ein-Transistor-Gyrator. Mit diesem Detail umschifft DigiTech elegant ein häufig zu hörendes Negativum des Ibanez Klassikers – die relativ starke Bass-Absenkung. Besonders Spieler von Singlecoil-Pickups fühlen sich klanglich oft zu wenig unterstützt. Dank seines Bass-Einstellers ist der DigiTech Bad Monkey für viele in der Tat der bessere Tube Screamer, denn er ist damit vielseitiger einsetzbar und stellt auch für Bass-Verzerrung eine prima Alternative dar.

Neben dem Amp-Output existiert ein zweiter Ausgang, der mit „Mixer“ gekennzeichnet ist. Tatsächlich kann hier das Signal parallel zum Amp-Out frequenzkorrigiert abgegriffen und zu einem Mischpult etc. geleitet werden. In Zeiten von Red Box, IRs und anderen tollen Amp/Speaker-Simulationen sollte man hier jedoch keine herausragenden Ergebnisse erwarten. Der Bad Monkey kappt lediglich dank eines steilflankigen Tiefpass-Filters einen Teil der Höhen, sodass ein, sagen wir mal, brauchbarer DI-Sound erreicht wird, dessen Höhen nicht unangenehm ätzen.

Der einzige Kritikpunkt am Bad Monkey scheint zu sein, dass manche in ihm einen „Tone Sucker“ sehen, der dem Basis-Signal etwas von seiner Frische raubt. Denn immerhin besitzt dieses Pedal ja keine True-Bypass-Funktion. Bad-Monkey-Gläubige preisen hingegen seine Eigenschaft als großartigen Booster – also Gain auf Null und Level weit auf –, um einen Röhrenverstärker oder andere Drive-Pedale anzublasen. Auch hier macht sich der Bass-Regler zur Anpassung an die unterschiedlichsten Setups positiv bemerkbar.

Was seinen eigentlichen Zerr-Sound angeht, berichten mir meine Ohren, dass trotz der Ähnlichkeit der Schaltung ein erkennbarer Unterschied zwischen TS9 und Bad Monkey besteht. Letzterer ist also keine 1:1-Tube-Screamer-Kopie. Und ganz sicher auch kein Clone des Zendrive oder DS-1, sondern ein einfacher, unspektaktulärer Low-/Mid-Gain-Overdrive mit einem durchaus eigenen Sound, der sich durch gute Transparenz, Wärme und eine hohe Verträglichkeit mit anderen Pedalen, aber auch verschiedenen Gitarren und Amps auszeichnet.

GEWICHTSKLASSEN

Die ersten Bad Monkeys wurden als Teil der D-Serie von Digitech ab 2004 in den USA gebaut, die Produktion aber schon bald nach China verlegt. Schaltung, Komponenten und Materialien blieben gleich, und so auch der Sound. Es gibt also zwei Herstellungsländer, aber auch – jetzt kommt’s – zwei Gewichtsklassen!

Die Monkeys der Schwergewichtsklasse wiegen satte 630g, die der Leichtgewichtsklasse nur rund 330g – jeweils ohne Batterie. Die schwergewichtigen, deren Grün etwas heller ausgefallen ist, scheinen gleichermaßen aus USA und China zu kommen, während die leichten allesamt chinesischer Abstammung zu sein scheinen. Ich vermute, dass der Gehäuse-Lieferant bei der Umstellung von USA- zu China-Produktion gewechselt wurde, wobei die ersten chinesischen Produktionsreihen noch Reste der US-Gehäuse verwendet haben.

Der Kawenzmann unter den grünen Affen – ein chinesischer Bad Monkey mit satten 630g Lebend gewicht (l.).
Der leichtgewichtige Bruder bringt nur 334g auf die Waage.

 

PREISE

Ein DigiTech Bad Monkey geht für ca. 40 Euro über den Gebrauchtmarkt-Tresen, und dafür ist er nach wie vor ein heißer Tipp! Da DigiTech vor einiger Zeit die Produktion vieler Pedale eingestellt hat, droht bald Monkey-Verknappung, was sich langfristig vermutlich auch auf die Gebrauchtpreise auswirken wird. Ob der Bad Monkey jedoch das Zeug zum teuren Kultobjekt hat, wage ich an dieser Stelle jedoch zu bezweifeln.

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2021)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Keine Angst vor dem Bindestrich, ihr Kleinanzeigen-Heroes! 😉 Der gehört nun mal da hin!

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