Japan Vintage: Der SG-Bass

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Nach der Vorstellung einiger feiner japanischer SG-Modelle in Ausgabe 02/2022, geht es diesmal um eine etwas robustere Variation des Themas: Der umgangssprachlich „SG-Bass” genannte Gibson EB-0 und auch der EB-3, waren Ende der 1960er-Jahre vor allem in England sehr beliebt. Aber eben teuer, weil aus Amerika! Und schon tauchten preisgünstige Kopien der Labels Avon, Sakai, Ibanez, Aria und Greco auf …

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Bekannte Musiker wie Jack Bruce von Cream, Andy Fraser von Free, Glenn Cornick von Jethro Tull, später der großartige Mike Watt von The Minutemen (er war auch mit J Mascis, Ciccone Youth, Porno For Pyros und The Stooges aktiv) und Dennis Dunaway von der Alice Cooper Band, haben dieses Gibson-Modell berühmt gemacht. Bis heute sind der EB-0 und der EB-3 die am häufigsten anzutreffenden Epiphone-Bass-Modelle.

Das Original, die Kopie & die Legende: Der frühere Gibson-Bassist Jack Bruce posiert hier allerdings mit seinem Warwick-Signature-Modell. Im Vordergrund ein alter Gibson EB-0 von 1964, rechts daneben die ca. zehn Jahre jüngere Sakai-Interpretation. (Bild: Lothar Trampert)

CHEAPOS

Vom japanischen Label Sakai ist u.a. die Solidbody-Gitarre EG-1 bekannt, ein einfaches Instrument aus der Zeit um 1969/70, das durch sein Schlagbrett aus mattsilbernem Blech auffiel, auf dem ein oder drei Pickups saßen. Auch die klassischen, meist ungelabelten, sogenannten Hertiecaster-Modelle, mit einem bis vier Tonabnehmer(n) kamen aus derselben Fertigung, nämlich von Kawai. Der japanische Konzern hatte im Jahr 1967 die seit 1946 existierende Instrumentenbaufirma Teisco übernommen und stieg ins Gitarrengeschäft ein.

Es soll aber auch einige Sakai-Modelle gegeben haben, die von der Anfang der 60er-Jahre gegründeten Moridaira Company hergestellt worden sind. Deren Gründer Toshio Moridaira war auch der erste japanische Importeur von Fender- und Gibson-Instrumenten. Seine 1967 gegründete Firma namens Morris Guitar Company kopierte akustische und elektrische Martin- und Gibson-Gitarren, und auch ein EB-0-Bass-Modell, das in größeren Stückzahlen vom Vertrieb Rose Morris nach England importiert wurde.

Da die o.g. EG-1 und die einfachen Hertiecaster-Varianten, also Gitarren mit einem Tonabnehmer und eher schlichter Hardware, kommerziell erfolgreich waren, bot sich beim Blick auf den US- und UK-Markt Gibsons simpler EB-0-Bass als Kopier-Vorlage mit Potenzial an. Das amerikanische Gibson-Original gab es seit 1959, die Produktion wurde erst im Jahr 1979 eingestellt. Und so waren Moridaira, Kawai und einige andere Marken Anfang der 1970er-Jahre parallel mit EB-0-Kopien am Start.

SAKAI

Der auf den Fotos zu sehende weinrote Sakai-E-Bass ist sehr handlich, hat eine kurze Mensur und einen angenehmen Hals mittlerer Dicke, an dessen Kopfplatte vier geschlossene Stimmmechaniken mit großen Flügeln sitzen. Der Hals wurde aus Mahagoni gefertigt, das Griffbrett aus Palisander. Sofern es die dunkle Lackierung erkennen lässt, besteht der Korpus aus mehreren Teilen, vermutlich ist es Ahorn. Der Bass ist angenehm zu spielen, wiegt nicht mal 3,4 Kilo, und zeigt seine klanglichen Stärken, wenn man ihn mit Flatwound-Saiten beglückt.

Solide Hardware, Daumenstütze, Chrome-Cover und der fette Mudbucker-Pickup für deepe Vibes untenrum: mehr Vintage geht nicht.

 

Von der ansonsten wenig bekannten Marke Sakai gab es auch noch ein EB-3-Modell mit zwei Pickups und Wahlschalter, außerdem auch noch einen Les-Paul-Bass mit zwei PUs – wie der EB-0 ebenfalls Schraubhals-Instrumente. Und auch eine Precision-Bass-Variation mit eigener Pickup-Kreation fand sich im Sakai-Portfolio; noch etwas seltener begegnet man einem Viersaiter-Modell, das klar vom englischen Hersteller Burns inspiriert wurde, mit klassischem Bisonhörner-Korpus.

Anders als das GibsonOriginal verfügte der Sakai-Bass über geschlossene Mechaniken und eine Sechsfach-Halsverschraubung

 

Alle genannten und mir bekannten EB-0-Kopien wurden zwischen ca. 1970 und ’76 hergestellt – spätere Kopien, z. B. von Greco, Tokai und Burny, durften aufgrund von Gibsons Klageandrohung den japanischen Markt nicht in Richtung Europa oder USA verlassen, tauchten allerdings oft in England auf. Und während man vor 20 Jahren noch Geld dazubekam, wenn man eine solche 70s-Japan-Kopie spielte, erzielen diese einfachen E-Bässe auf dem weltweiten Gebrauchtmarkt inzwischen Preise von bis zu 600 Euro oder US-Dollar – wenn Ibanez auf der Kopfplatte steht noch mal ein paar Hunderter mehr.

Kleiner Tipp zum Abschluss: Wenn man in Kleinanzeigen einfach nur nach „Bass“ sucht, findet man auch ab und an mal richtige $chnäppchen.

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2022
Gitarre & Bass 5/2022
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