Spaghettihals

Jackson Soloist SL3X im Test

Seit Ende der 70er-Jahre ist Jackson für seine hot-rodded SuperStrats bekannt. Mit den Modellen Dinky und Soloist folgten bald eigene Designs, von denen vor allem die signifikante spitze Hockeyschlägerkopfplatte – eine Abwandlung des Gibson-Explorer-Kopfes – als oft kopiertes Markenzeichen geblieben ist.

Jackson Soloist SL3X
(Bild: Dieter Stork)

Nach indischer Produktionsstätte lässt Jackson seine X-Serie nunmehr in Indonesien fertigen, was der Verarbeitungsqualität offensichtlich mitnichten geschadet hat.

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Hals mit Flügeln

Die Besonderheit gleich vorweg: Eine Super- oder Power-Strat mit durchgehendem Hals (Neck thru) ist in dieser Preisklasse eher ungewöhnlich, und so wird der Ahornhals von zwei Lindenflügeln flankiert, die den Strat-style geshapten Body bilden. Schwarze Kunststoffplatten decken Federkammer und E-Fach Oberkante bündig ab. Letzteres hat man per Graphitfarbe und Alufolie abgeschirmt und bietet Potis und Budget-Schalter jede Menge Platz. Ein ovales Zargenblech trägt die zuverlässig packende Klinkenbuchse, große Knöpfe sichern den Gurt. Eines der Highlights der Solist SL3X sind der ultra-schlanke Hals und dessen extrem tief und fließend übergehender Fuß, der selbst in den höchsten Lagen keinen Kontakt zur Handfläche aufnimmt. Sowas lässt auch nur mit einer Neck-thru-Konstruktion realisieren.

Wie die Kopfplatte, so besitzt auch das Palisandergriffbrett cremefarbenes Binding. Sharkfin-Inlays und schwarze Sidedots erleichtern die Orientierung, perfekt abgerichtete, verrundete und polierte Jumbo-Bünde schnelle Lagenwechsel. Den frontseitig verschraubten FR-Klemmsattel hat man zwar präzise ausgerichtet, bei der Höhenabrichtung jedoch das eine oder andere Zehntel liegenlassen. Ob die beiden zwecks Halsstabilisierung eingelegten Graphitstäbe bis zur Kopfplatte durchdringen lässt sich nicht ermitteln, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Zu wünschen wäre dies in jedem Fall, da der Trussrod-Zugang dem ohnehin extrem schlanken Übergang reichlich Material und damit Stabilität nimmt. Da die Kopfplatte rückwärtig geneigt ist, konnte auf einen String Tree verzichtet werden. Die gekapselten Mechaniken arbeiten präzise und geschmeidig. Als Vibrato kommt ein in die Korpusdecke eingelassenes, free floating eingerichtetes Floyd Rose Special mit Steckhebel und Schraubmuffe zum Einsatz. Seine tiefe Unterfräsung gestattet ausladende Up-Bendings.

Die Wandlung der Saitenschwingungen übernehmen drei Duncan Designed Humbucker, und zwar zwei mit Klingenmagneten bestückte, Singlecoilformatige Hot Rails am Hals und in der Mitte sowie ein fullsize HB-103 in der Stegposition. Verwaltet werden sie per Master-Volume, Master-Tone und Fünfwegschalter. Letzterer aktiviert die Abnehmer in traditioneller Weise (Hals, Hals+Mitte, Mitte, Mitte+Steg, Steg), Coil Splits o. ä. gibt es somit nicht. Warum auch?

 

Spektakuläre Ergonomie

Wer nicht auf spindeldürre Hälse steht, darf jetzt weiterblättern. Allerdings entpuppt sich das Shaping der Soloist SL3X als Paradebeispiel für ergonomisches Design. Der Hals liegt wirklich angenehm in der Hand, er lässt sich sogar bequem umfassen, was Daumenspielern entgegenkommt. Der Halsübergang zum Korpus ist wirklich extra-orbitant, allein sein eigener Body könnte dem Spieler im Weg sein. Ohne Strom schwingt die Soloist nicht sonderlich intensiv, dafür aber gleichmäßig, ausgewogen und lange, was schon mal für ordentliches Sustain spricht.

Klanglich setzt sie ihre Prioritäten in den Mitten, Höhen und Obertönen, derweil kommen Tiefmitten und Bässe etwas brav aber definiert daher. Punkten kann sie auch hinsichtlich Ansprache und Tonentfaltung, zeigt also gute Dynamik. Am Verstärker wird deutlich, dass die leistungsstarken Duncan-Designed-Pickups problemlos in der Lage sind, das Unplugged-Klangbild wieder in Balance zu bringen, indem sie Bässe und Tiefmitten entsprechend pushen, dabei jedoch weder Transparenz noch Definition selbst von erweiterten Akkorden erhalten. Mit Ausnahme des Steg-Humbuckers schwingt in allen Pickup-Konstellationen ein Hauch von Strat mit, wenn auch nicht ganz so charaktervoll und nasal wie man es vom Original kennt. Das wird vor allem im Clean-Betrieb deutlich, wo die Hot Rails und deren Kombis deutlich mittiger tönen, was bei High-Gain-Zerre wiederum von Vorteil ist, da diese ohnehin Bässe, Höhen und Obertöne verstärkt.

Klar, dass bei härterer Gangart vorrangig der Steg-Pickup zum Einsatz kommt, liefert er doch fette Akkorde, Powerchords, Riffs sowie singende und kontrollierbar in ihre Obertöne kippende Leadsounds. Selbst dabei setzen die Pickups variables, ausdrucksstarkes Spiel adäquat um. Ein weiteres Plus: Auch die Hot Rails arbeiten bei extremer Verzerrung ebenso störgeräuschfrei wie ihr breiter Steg-Nachbar. Das präzise, parallel zur Decke eingestellte FR-Vibrato bleibt selbst nach extremen Upund/oder Down-Bendings absolut frei von Verstimmungen. Die Potis weisen gleichmäßige Regelcharakteristik auf und gestatten präzise Kontrolle von Output Level, Gain und Höhendämpfung.

 

Resümee

Die neue Soloist aus Jacksons XSerie kann auf ganzer Linie überzeugen. Da wäre zunächst die spektakuläre Ergonomie von Hals und Halsfuß, die selbst die höchsten Lagen barrierefrei macht. Die vorbildliche Bundbearbeitung erlaubt fließende HighSpeed-Lagenwechsel, das perfekt eingestellte FR-Vibrato stimmstabile Extrem-Bendings. Für dynamisch umgesetzten, präzise artikulierenden, vor allem aber nebengeräuschfreien Ton sorgen die Duncan-Designed-Humbucker, die sicherlich nicht jeden Klanggourmet in Schockstarre versetzen dürften, dafür aber ihrer Bestimmung mehr als gerecht werden – nämlich fette, durchsetzungsstarke, definierte und sustainreiche High-Gain-Sounds abzuliefern. Die Gitarre wurde makellos verarbeitet und komplett hochglanzlackiert. Die noch mögliche Optimierung der Sattelhöhe reicht m. E. nicht für einen Minuspunkt aus. Kurz, eine klasse Metal-Axt zum fairen Preis.

 

Plus

  • Heavy-Sounds
  • Spielbarkeit & -komfort
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung

 

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