Sir Paul & his Violin Bass

Des Beatles erste Wahl: Der Höfner H500/1 Violin Bass

Waren das alles Zufälle, oder sind es Fügungen gewesen? Für den Höfner 500/1-Bass musste sich in der Tat einiges fügen, eher er den Stellenwert erreichen konnte, den er in der Instrumenten-Historie inne hat.

Paul McCartney mit dem Höfner H500
(Bild: Archiv)

Eine dieser Fügungen war die, dass Beatles-Bassist Stu Sutcliffe 1961 beschloss, nicht mit seinen Band-Kollegen zurück nach Liverpool zu gehen, sondern in Hamburg bei seiner Freundin, der Fotografin Astrid Kirchherr, zu bleiben. Dann fügte es sich, dass Ersatzbassist Chas Newby das Angebot der Beatles ablehnte, dauerhaft in der Band zu bleiben. Paul McCartney erzählte in einem Interview, dass damals eigentlich keiner der drei Gitarristen den Bass-Job machen wollte. „Für uns war der Bassist immer nur der fette Typ der Band, der irgendwo hinten auf der Bühne steht und den Bass spielt. Doch wir wollten alle drei vorne stehen, singen, gut aussehen und uns die besten Täubchen abgreifen.“

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Dass McCartney sich dann doch erbarmte, könnte daran gelegen haben, dass er mit seiner Rolle als Lead-Gitarrist nicht nur überfordert war, sondern per se ins zweite Glied rückte, als in Hamburg seine einzige Gitarre kaputt ging (eine weitere Fügung?) und er zum Piano wechselte, um in der Band zu verbleiben. So erscheint es halbwegs natürlich, dass die anderen sich auf der Suche nach einem Bassisten instinktiv nach Paul umschauten, der irgendwo hinter ihnen am Klavier saß. Und der fügte sich eben in sein Schicksal. Doch es sollte nicht lange dauern, bis McCartney die Möglichkeiten, die ihm der Bass innerhalb der Beatles-Musik bot, realisierte und seine musikalische Genialität auch auf vier Saiten ausdrücken konnte.

In der Folge entwickelte er einen ganz eigenen, ungeheuer melodiösen Bass-Stil, der richtungweisend für ganze Bassisten-Generationen wurde. Und der Wirkung auf besagte Täubchen soll der Instrumentenwechsel ebenfalls nicht geschadet haben. Sein treuer Begleiter der ersten Jahre als Bassist war der Höfner 500/1, der inoffiziell als „Beatle-Bass“ in die Geschichte einging. Auch Stu Sutcliffe war HöfnerBass-Player gewesen – er spielte den größeren 500/5, war allerdings ein lausiger Bassist, der spielerisch keine Akzente setzen konnte. Höfner hatte den 500/1 bereits seit 1956 offiziell im Programm, also fünf Jahre, bevor McCartney ihn entdeckte.

Man wollte damals einen kleinen und leichten Bass bauen, der wie ein Kontrabass klingen sollte – und das ist Höfner bekanntermaßen geglückt. Trotzdem konnte man nicht sagen, dass der neue Bass, dessen Korpusform bewusst so gewählt wurde, dass die auch Streichinstrumente bauenden Höfner-Handwerker und -Handwerkerinnen ihn leicht umsetzen konnten, ein Verkaufserfolg war. Ganz im Gegenteil – er dümpelte so vor sich hin, bis eben jener junge englische Gitarrist Band-intern gezwungen wurde, Bass zu spielen. McCartney, der erst Sutcliffs 500/5 spielte und dann seine Rosetti Solid 7 Gitarre mit drei Saiten, die er aus den Pianos der diversen Hamburger Clubs herausschnitt, in einen behelfsmäßigen Bass umbaute, wurde als Linkshänder magisch von der symmetrischen Form des 500/1 angezogen und bestellte sich 1961 bei Steinway eine Linkshänder-Version. Die kostete 287 DM und wurde von ihm in 10 Raten bezahlt. Bei der 500/1-Version von 1961 war der Steg-Pickup in die Mittelposition gerückt, sie bekam später, dank Paul, den Spitznamen „Cavern Bass“.

McCartney hatte meist nur den Hals-Pickup aktiviert (Schalter stand auf „Rhythm“), „Treble“ war aus- und „Bass“ angeschaltet. Verstärkt über einen Selmer True Voice, den Harrison vorher benutzt hatte, erzielte er einen vollen und runden Sound, der tatsächlich dem eines Kontrabasses nicht unähnlich gewesen sein soll. Trotz des einsetzenden Erfolges der Beatles dauerte es noch bis 1963, ehe Selmer UK, der englische Vertrieb, den 500/1 in sein Programm aufnahm und ihm dort, wie allen Höfner-Instrumenten, statt der urdeutschen Benennung durch undurchsichtige Zahlenkombinationen einen catchy Namen gab. Aus 500/1 wurde nun Violin Bass. Was ja auch Sinn machte. Zu dem Zeitpunkt hatte Paul schon seinen zweiten 500/1, den er 1963 gekauft hatte und der fortan sein Hauptbass wurde. Im Gegensatz zu der 1961er Version saßen die Pickups hier – wie beim 1956er Urtypen – weit auseinander.

Beide Höfner-Bässe prägten den Sound der Beatles genau so stark wie z. B. Lennons Rickenbacker 325 oder Harrisons und Lennons Epiphone Casino. McCartneys 61er Violin Bass wurde 1968 gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht, seinen 63er spielt er dagegen auch heute noch auf seinen Live-Konzerten.

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