Guitar Guru: Fasan & Melody

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Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren”? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Fasan- und eine eine Melody-Gitarre.

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Die abgebildete Gitarre habe ich irgendwann in den 80er-Jahren für 30 DM auf einem Weihnachtsmarkt erstanden. Ein Zettel befindet sich nicht in der Gitarre, aber oberhalb der Weltkugel ist noch schemenhaft ein Notenschlüssel erkennbar. Auf der Framus-Seite bin ich nicht fündig geworden. Was für eine Gitarre habe ich hier?

Hans-Georg

Der Globus auf der Kopfplatte wurde zwar tatsächlich von Framus als Symbol verwendet, allerdings handelt es sich bei deiner Gitarre definitiv nicht um eine Framus, sondern um eine Schlaggitarre von Fasan aus den frühen bis mittleren 1960er-Jahren.

Fasan war der Markenname des Gitarrenbauers Franz Sandner. Dieser gründete 1946 eine kleine Manufaktur in Nauheim (Hessen), nachdem er aus Schönbach (heute Luby in Tschechien) fliehen musste. Dort hatte das Unternehmen seit 1924 bestanden. Seine Nachkommen sind in Nauheim heute noch aktiv.

Es gibt einige Spekulationen darüber, ob Sandner die Instrumente selbst herstellte oder, wie andere deutsche Betriebe auch, sie von Zulieferern ganz oder teilweise bauen ließ. Die Konstruktionsunterschiede verschiedener als Fasan identifizierter Instrumente weisen darauf hin. Allerdings lassen sie sich nur schwer einzelnen Zulieferern zuweisen, weshalb die Identifikation auch mit „Fasan” abgeschlossen werden kann.

Der vorhandene Spannstab des Halses weist auf ein Produktionsdatum nach 1960 hin. Modellbezeichnungen sind nicht bekannt. Im gezeigten Zustand halte ich einen Marktpreis von ca. € 180 – 300 für möglich, in voll restauriertem Zustand und bei internationaler Vermarktung mit Geduld auch etwas mehr.

Guitar Guru

Ich habe diese SG gekauft. Der Verkäufer meinte, es handele sich um ein japanisches Modell aus den 1970er-Jahren. Ich bin mir aber nicht so sicher – stimmt das? Der Hals ist angeschraubt. Was könnte sie wert sein?

Sebastian

Leider bezeichnen Verkäufer alle alten Gitarren, die nicht eindeutig einer Marke zuzuordnen sind, gerne als „japanische Vintage-Schätzchen”, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten ein nur teilweise gerechtfertigter Hype um sie gebildet hat und sich so der Preis in die Höhe treiben lässt. Das wäre bei diesem Beispiel aber gar nicht nötig, denn es handelt sich um eine durchaus wertige italienische Gitarre!

Wer hat diese SG-Kopie gebaut – und wann? Nicht die berühmte und große italienische Firma Eko, sondern die heute völlig unbekannte, kleinere Gitarrenschmiede Melody. Melody wurde 1961 in Potenza Picena gegründet, nur wenige Kilometer von Recanati, dem Sitz von Eko, entfernt. Jedoch stieg Eko in den 1960er- bis in die frühen 1970er-Jahre als Teilhaber bei Melody ein.

Es gab starke Ähnlichkeiten mit Eko-Modellen, was sowohl an der Firmenbeteiligung als auch an der geografischen Nähe lag. In den 1970er Jahren begann Melody, wie viele andere europäische Hersteller auch, US-Designs zu kopieren. Dabei kann man jedoch genauso wenig von „perfekten” oder „1:1″-Kopien sprechen wie bei den meisten zeitgleich gebauten japanischen Kopien.

Die hier gezeigte SG stammt aus den 1970er- oder sogar den 1980er-Jahren (Melody gab es bis 1988). In dem gezeigten Zustand sollte sie etwa € 350 bis € 400 erzielen können.

Guitar Guru

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Bezüglich „SG-typischer Kopien“ kann ich durchaus sagen,daß eine (heute derzeit noch neu käufliche) SG-Copy von der Fa. Guild aus koreanischer Produktionsstätte eine richtig gute Solid-E.-Gitarre ist,und den Vergleich zu einer originalen Gibson SG faktisch absolut nicht scheuen muß! Häufig ist ein bekanntes Markenlabel wie z.B. Gibson nicht immer das non-plus-ultra,-da existieren heute Hersteller,die aufgrund ihrer peniblen Fertigung auch sehr gute Alternativen zu den oft hochpreisigen „Marken-Giganten“ bieten! Guild ist ja nun mittlerweile längst ein Fabrikant,der zum berühmten Fender-Konzern gehört,und somit mit seinen top Qualitäten Gitarren zu fairen Preisen verkauft!
    Und alte,damalige japanische Gitarrenhersteller,wie Greco,Starfield,Tokai,Kawai und El Maya haben sich heutzutage zu Recht einen besonders guten Ruf „erarbeitet“,-so daß man für diese gut erhaltenen Gitarren aus den frühen Jahren bereits zu Recht hohe Sammlerpreise zahlt.
    Eko aus Italien war mir bislang nur wegen seiner extra-vagant gestylten Gitarren mit einfachem Kunststoff-Korpus und Drucktasten-Reglern bekannt. Gerne mehr vom Guitar Guru zu alten Gitarren auf zukünftig mehreren Seiten!

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