Mehr Klangfülle und Volumen

Größer & lauter: Mooer Hornet 30 Black & White

(Bild: Dieter Stork)

Nach dem Erfolg seiner Mooer Hornet 15 Watt Modeling-Combos schickt der chinesische Hersteller ein Pärchen mit identischen Preamp- und Effektsektionen aber doppelter Endstufenleistung und 8″-Speaker hinterher.

Während die neun Modelings populärer Gitarren-Amps des schwarzen Hornet 1:1 vom kleinen Bruder übernommen wurden, hat man die Zusammenstellung des weißen Hornet 30 runderneuert. Die Presets beider Amps liefern breite Spektren von Clean- bis Hi-Gain-Sounds. Dabei decken die des schwarzen Hornets eher die Abteilung Metal ab, der weiße ist dagegen primär in vintage-bluesigen Gefilden unterwegs. Dennoch beherrscht er auch intensive Distortion und steuert zudem ein Bass- und ein Acoustic-Modell bei.

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KOMPAKT & LEICHT

Mit 4 kg nur ein gutes Kilo schwerer als die Minihornissen, lassen sich die 30er-Hornets einigermaßen komfortabel mit Hilfe der rückseitigen Griffschale tragen. Da die Plastikschale den Fingern nicht allzu viel Platz bietet, sollte der Daumen zur Sicherung hinzugezogen werden. Die mit schwarzem bzw. cremefarbenem Vinyl bezogenen und mit weißen Kedern aufgehübschten Gehäuse aus 10 mm MDF zeugen von sorgfältiger Verarbeitung und dem Einsatzzweck entsprechend ausreichender Stabilität. Abgerundete Kanten, kleine Gummifüße, verschraubte Rückwand mit Griffschale und Anschlüssen, eingelassenes Bedienfeld mit geschützten Reglerknöpfen oben drauf, vorne der 1 cm vorstehende 9-stufige Model- bzw. Preset-Wahlschalter. Alles in allem schick, geschmackvoll, retro und trendy.

Model/Preset-Selector (Bild: Dieter Stork)

Am orange beleuchteten Drehschalter des Hornet 30 White werden die Amp Models eher rudimentär bezeichnet. Hier die Aufschlüsselungen in Klammern:

  • Clean 1 (Fender Twin)
  • Clean 2 (Mesa MK III)
  • OD 1 (Fender Blues Deluxe OD-Kanal)
  • OD 2 (Marshall Plexi 100)
  • OD 3 (TwoRock Coral OD-Kanal)
  • HiGain 1 Marshall JCM900
  • HiGain 2 (Mesa MK III Lead)
  • Bass (Aguilar DB751 Bass-Top)
  • Acoustic (Mooer SD50A)

Präziser beziffern lassen sich die Models am blau illuminierten Schalter des schwarzen Hornet 30:

  • JZ Clean (Roland Jazz Chorus)
  • F Clean (Fender Twin Reverb)
  • PL100 (Marshall Plexi Lead 100)
  • PV5150 (Peavey Brown Sound)
  • Triple (Mesa Triple Rectifier)
  • MK IV (Mesa MK IV)
  • Power DS (Engl Powerball)
  • Mogner (Bogner Uberschall)
  • Mooer MT (Mooer Metal)

Layouts und Ausstattungen der Bedien- und Anschlussfelder hat man unverändert von den kleinen Hornets übernommen: Oben stehen der Instrumenteneingang und die Regler Gain, Treble, Mid, Bass und Volume/Master zur Verfügung, mit welchen sich die Models hinreichend bearbeiten lassen. Drei weitere Potis, deren Skalen in drei Bereiche unterteilt sind, kontrollieren die Effektsektionen Modulation (mit Chorus, Phaser, Vibrato), Delay (Analog, Tape Echo, Digital) und Reverb (Room, Hall, Church). Modulation Rate und Delay Time können über Tap-Taster eingegeben werden. Der Taster BT aktiviert den internen Blue-Tooth-Empfänger für Audiowiedergabe. Ein weiterer Taster wählt die Betriebsarten Live (Sound entspricht den aktuellen Regler-Settings des gewählten Modells) und Preset. Hält man Letzteren gedrückt, werden die aktuellen Einstellungen im aktiven Preset gespeichert. Der Tuner-Taster aktiviert die Stimmfunktion und lässt das Ausgangsignal verstummen.

(Bild: Dieter Stork)

Das Matrix-Display, welches den auto-chromatischen, nicht kalibrierbaren Tuner, die Preset-Nummern (1-9) und die globalen Master-Volume-Werte (0-9) anzeigt, besteht aus kleinen, gut erkennbaren roten und blauen LEDs. Hält man den Tuner-Taster gedrückt bis er blinkt, kann Master-Volume, das auch die Signale von Gitarre, Aux In und Bluetooth kontrolliert, global justiert werden. Die Amps bieten sogar die Möglichkeit, die Regler-Settings eines Presets zu reproduzieren. Dreht man im Preset Mode an einem beliebigen Poti, beginnt der Live/Preset-Taster zu blinken. Je weiter sich das Setting vom gespeicherten Wert entfernt, umso schneller blinkt der Taster. Bei erreichter Preset-Einstellung leuchtet der Taster konstant.

Auf der rückseitigen Anschlussplatte stehen der Netzteilanschluss mit Kabelklemme, der Netzschalter sowie Kopfhörerausgang und Aux-Eingang – beide als 3,5 mm Stereoklinken – zur Verfügung.

(Bild: Dieter Stork)

INTUITIV & KLANGVOLL

Trotz umfangreicher Ausstattung lassen sich die Hornet 30s einfach und intuitiv bedienen. Die Beschriftungen der Taster und Regler sind eindeutig, und so kann das leicht verständliche siebensprachige Manual erstmal beiseite bleiben.

Dank 30-Watt-Endstufe, 8″-Speaker und größerem Gehäuse kommen die neuen Mooer Hornets erwartungsgemäß voluminöser und klangvoller daher als die 15-Watt-Kollegen. Damit hat Mooer deren etwas gewöhnungsbedürftigen weil plärrigen oberen Mitten in den Griff bekommen. Während das Clean1- und das bei Bedarf crunchende Clean2-Preset des Hornet White durchaus überzeugen können, dringen die Zerr-Models meist höhenreich und harsch aus dem Lautsprecher. Allein OD3 (TwoRock Coral OD Channel) gefällt auf Anhieb, da ausreichend Mitten für Durchsetzungsvermögen und bessere Artikulation sorgen. Alle anderen OD- und Hi-Gain-Modelle bedürfen mal mehr mal weniger intensiver Bearbeitung, die dank der beherzt eingreifenden Potis aber auch machbar ist. Aus dem Manual geht nicht hervor, ob es sich bei den White-Modellen 8 (Bass) und 9 (Acoustic) um entsprechend klingende Simulationen oder lediglich um gemodelte Amps handelt. Ich vermute Letzteres, denn eine angeschlossene E-Gitarre klingt weder nach Bass noch nach Acoustic.

Model 8 gibt den Klang eines angeschlossenen Basses zufriedenstellend wieder, allerdings sollte man die Endstufe nicht überstrapazieren. Model 9 überträgt meine Akustikgitarre recht passabel, auch wenn ich Treble voll aufdrehen muss und Mid und Bass die leichte Topfigkeit nicht ganz kompensieren können.

Nach den offen und luftig tönenden Clean-Models JZ und F schwingt der Hornet 30 Black, verbunden mit meist großzügig dosierten Höhen, ordentlich die Hi-Gain-Keule. Hier bieten die Modelle PV5150, Triple und MK IV beste Voraussetzungen, um mit leichten EQ-Korrekturen praktikable Klangergebnisse zu erzielen. Beim F.Clean-Modell – und nur hier (!) – entsteht der Eindruck, als käme beim Saitenanschlag der Sound stets mit leichter Latenz am Lautsprecher an, ganz so, als sei ein träges Noisegate o.ä. im Spiel. Derartiges Verhalten kann ich beim Hornet White nicht feststellen.

Die bei beiden Amps gain-mäßig und klanglich recht übertrieben gestalteten OD- und Hi-Gain-Presets spiegeln die eigentlichen Sound-Qualitäten der großen Mooer Hornets nicht adäquat wider. Gezielte Korrekturen mit Hilfe der Preamp-Reglers ermöglichen deutlich praktikablere und zufriedenstellendere Ergebnisse. Überzeugender sind indes Angebot und Qualität der Effekte: Warme räumliche Modulationen, saubere Delays und dichte, natürlich klingende Reverb-Typen. Bei allen drei Mod-Effekten erhöht der Regler die Effekttiefe (Depth/Intensity), bei den Delays jeweils Feedback und Level, bei den Reverbs Decay und Level gleichzeitig. Modulation Speed und Delay Time lassen sich mit Hilfe der Tap-Taster eintippen.

Wie bereits bei den Hornet 15 Amps klingen Overdrive- und HiGain-Sounds über einen angeschlossenen Kopfhörer noch harscher und höhenreicher. Offenbar hat Mooer auch hier auf eine Speaker-Simulation verzichtet. Gut, dass sich die Kopfhörerklänge mit Hilfe der effizienten Gain- und Klangreglungen einigermaßen optimieren lassen.

RESÜMEE

Mit leistungsstärkerer Endstufe, 8″-Lautsprecher und größerem Gehäuse ausgestattet, punkten die neuen Hornet 30 Digital Modeling Amps mit mehr Klangfülle und Volumen. Während Mooer beim Hornet Black die Modelle des 15ers 1:1 übernommen hat, überrascht der Hornet White mit neu zusammengestellten Models populärer Verstärker. Dank praxisorientierter überschaubarer Ausstattung lassen sich die Amps einfach und intuitiv bedienen, auch wenn für das erforderliche Bearbeiten speziell der Zerr-Presets Geduld und ein wenig Erfahrung mit Sound-Gestaltung erforderlich sind, vor allem wenn es um den Sound des Kopfhörerausgangs geht. Die Onboard-Effekte überzeugen ebenso wie der tadellos arbeitende Tuner und die Audio-Wiedergabe via Bluetooth.

PLUS

  • Clean-Sounds
  • Effektqualität
  • effiziente Klangreglung
  • Bluetooth-Empfänger
  • Bedienung
  • Design
  • Verarbeitung

MINUS

  • Zerrsound-Presets (besonders über den Phones-Ausgang) erfordern EQ-Einsatz


(erschienen in Gitarre & Bass 04/2022)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Also ich besitze den Moeer Hornet Black 15 seit Erscheinen und bin mehr als zufrieden mit den Sounds die sich intuitiv gestalten lassen,wem die Tiefe des Klangs aufgrund der Gehäusegrösse fehlt dem sei empfohlen: Einfach über den Kopfhörerausgang in die Stereoanlage und 😁 Funktioniert auch supie bei FRFR Boxen,bei mir die Harley Benton G212 A FR und perfekt ist es

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