Gitarre & Bass Testbericht

Fender Mustang I & Mustang II im Test

Zwei Gitarrenverstärker von Fender, schwarz/grau

 

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Ob Cyber-Twin, G- und B-DEC-Entertain-Combos, oder Super- bzw. Vibro Champ XD, auch Fender ist bereits seit etlichen Jahren im Amp-Modeling-Milieu aktiv. Den einprägsamen Namen der neuen Verstärkerserie lieh man sich einfach bei den hauseigenen Mustang-Gitarren aus. Und – so viel sei verraten – die beiden Probanden bieten mehr, als man auf den ersten Blick erwartet.

Kein schlechter Werbeschachzug, und wo Leo Fender ursprünglich die Mustang-Gitarre als „Student Model“ titulierte, wenden sich die gleichnamigen Combos hauptsächlich an Einsteiger, jedoch auch an anspruchsvollere Musiker die zu Hause üben, jammen oder Aufnahmen machen wollen. Die Mustang-Combos verfügen über ein USB-Interface; eine DVD-ROM mit Fender Fuse Preset-Editor, Ableton Live Light 8 Recording-Software sowie IK Multimedia AmpliTube Fender LE liegen bei.

Die Unterschiede sind ausschließlich in Ausgangsleistung und Speaker-Größe (20 Watt und 8 Zoll vs. 40 Watt und 12 Zoll) zu suchen. Die Modeling-Technologie der noch recht neuen G-DEC3-Combos wurde für die Mustangs weiterentwickelt. Acht virtuelle Verstärker – über die Fuse-Software sind es derer zwölf – stehen zur Verfügung, in erster Linie aus eigenem traditionsreichen Hause.

Konstruktion von Fender Mustang I & Mustang II

Bei Verarbeitung und Bauteilqualität darf man angesichts der angepeilten Verkaufspreise keine Wunder erwarten, stabil und wertig geht es bei den recht leichtgewichtigen Mustangs jedoch zu. Schutzecken gibt’s jedoch auch bei diesen Fender Combos keine. Der breite Frontrahmen kaschiert optisch geschickt die beachtliche Größe der beiden „Pferdchen“, die geschlossene Rückwand wirkt mit dem einsamen Netzkabelanschluss geradezu riesig. Wo die Front mit appetitanregenden Bezeichnungen wie ’59 Bassman, ’57 Deluxe und Super-Sonic eben noch illustre vollröhrige Namen ins Blickfeld rückt, bringt uns ein Blick ins Innere schnell auf den Boden der preisgünstigen Solid-State- und Spanplatten-Realität zurück. Fünf kleine Platinen auf einem hängend montierten offenen Stahlblech-Chassis erledigen Modeling, Klangformung und Verstärkung, darunter erblickt man einen nicht gelabelten Lautsprecher, „Custom voiced Speaker“ steht in der Anleitung.

Interessanter wirkt da schon besagtes Bedienfeld, mit seinen bogenförmig angeordneten Preset-LEDs, die in Ermangelung eines Displays auch für die Tuner-Funktion zuständig sind. Die Mustangs sind einkanalig aufgebaut, sie lassen sich mit einem einfachen Fußschalter jedoch in variable Quasi-Zweikanaler verwandeln, indem man dem Fußschalter zwei beliebige Presets zuweist. Fußschalteranschluss und Mini-USB-Buchse wären zwar auf der Rückseite besser aufgehoben gewesen, das hätte die Konstruktion jedoch merklich verteuert. Einen Mittenregler bietet die Klangregelstufe nicht, über die Editor-Software lässt sich jedoch auch diese Funktion erreichen, außerdem etliche nette Überraschungen.

Eine zweiseitige Kurzanleitung in deutscher Sprache liegt bei, für die erweiterten Features wie Fußschalterprogrammierung und Interaktion mit der Editor-Software wird die ausführliche Bedienungsanleitung gebraucht. Diese lädt man sich von www.fender.com/support herunter, auf der DVD-ROM befindet sich ebenfalls nur die Kurzanleitung.

Fender Mustang in der Praxis

Die virtuellen Verstärker der Mustangs agieren erheblich detailreicher als bei allen bisherigen Fender Modeling-Amps, sie können absolut mit vergleichbaren Combos des Wettbewerbs mithalten. Auch weil selbst das Einknicken der Endstufe (Sag) spürbar mit emuliert wurde, entsteht bei den Mustangs ein lebendig-quirliger und runder Ton. Die Verstärker-Modelings wissen klanglich und von der Reaktion her zu gefallen, wobei das Durchsetzungsvermögen, besonders bei verzerrten Sounds, bei beiden Modellen nicht besonders hoch ist. Klanglich gefällt mir der kleine Combo etwas besser, da er rotziger und präsenter klingt, während der Mustang II mit seinem 12″-Speaker je nach Verstärkermodell und Einstellung schon mal etwas wummerig in den Bässen und blutarm in den Höhen rüberkommen kann. Aber das lässt sich mit Klangregelung und Fender Fuse-Software recht gut in den Griff bekommen. Auch den Kopfhörerausgängen lassen sich ansprechende Klänge entlocken, wobei auch hier der Mustang I etwas angenehmer tönt.

Die Effekte sind auf ähnlich hohem Niveau wie die Ampmodels, was bei den Hall- und Delay-Programmen besonders deutlich wird. Es gibt gelungene Fender-Federhall-Emulationen, und ein richtig schönes Tape-Echo mit „unruhigem Bandlauf“.

Die Bedienung ist intuitiv und einfach. Dank dreifarbiger LEDs lassen sich mit dem Preset-Regler insgesamt 24 Speicherplätze anwählen, wobei ein Raster-Poti praktischer gewesen wäre als der schon mal flott am Ziel vorbei sausende stufenlose Regler. Bei den Effekten hat man die Wahl aus jeweils vier Modulations- und Echo/Hall-Effekten, die allesamt durch gleichzeitiges Drücken der Exit-Taste in ihrer Stärke reguliert werden können. Effekte wie Tremolo, Chorus und Delay lassen sich via Tap-Taste auch im Tempo variieren.

Am Computer

Ein Display vermisst man eigentlich nicht, es sei denn, man hat per Fender Fuse-Software die Mustang-Preset-Belegung verändert. Dann leuchtet beispielsweise weiterhin eine LED neben dem ’65 Twin Reverb-Schriftzug, während aus dem Lautsprecher ein fettes Metal-Ampmodel dröhnt. Diese Fender Fuse-Editing-Software kann jedoch noch mehr, ja sie ist fester Bestandteil des Mustang-Amp-Gesamtkonzepts, denn viele Funktionen lassen sich ausschließlich per Software einstellen, und dann per Save-Taster in einem der 24 Mustang-Presets verewigen.

Der Hersteller hat hier einen nachvollziehbaren, und mit Blick auf die günstigen Verkaufspreise durchaus akzeptablen Kompromiss aus einfacher Bedienung, kostensparender Bauweise mit wenigen Reglern und Schaltern, sowie Verzicht auf ein Display gefunden.

Außerdem macht es richtig Spaß, mit dieser Software zu arbeiten. Dreht man an einem echten Regler, bewegt sich auch das virtuelle Poti in der Software. Im grafisch ansprechenden Ambiente finden wir nun auch Mitten- und – je nach Verstärkervorbild – Presence-Regler, auch darf man sich über zusätzliche und gleichermaßen gelungene Modelle von ’57 Champ, ’65 Deluxe Reverb, ’65 Princeton und Marshall Plexi freuen.

Im „Advanced Amp“-Menü lassen sich ein regelbares Noise Gate aktivieren, Boxenmodelle austauschen, sowie SAG und Bias der gemodelten Endstufen verändern. Bis zu vier Effekte können pro Preset aktiv sein, und zwar wahlweise vor dem Verstärker angeordnet, oder eingeschleift. Darunter sind auch Overdrive-, Fuzz- und Kompressor-Effekte, deren Gehäuse sich am Bildschirm sogar umlackieren lassen. Stereo-Effekte in der virtuellen Mustang-FX-Loop werden über Kopfhörer und USB auch tatsächlich in Stereo wiedergegeben. Wer hätte all diese Features beim ersten Kontakt mit den Mustang-Combos erwartet?

In der Fußzeile der Fuse-Software beginnt das Internet. Hier können – wie bereits angesprochen – Presets sowie Tipps und Tricks mit anderen Usern ausgetauscht, sowie Backing-Tracks geladen werden, sobald man sich bei der „Fender Amplifier Online Community“ angemeldet hat.

Ein Hinweis noch für Leute, die mit den Mustangs Aufnahmen machen, und diese dann am Rechner weiterbearbeiten wollen: Dank der USB-Schnittstelle lassen sich beide Mustang-Combos natürlich auch für Aufnahmen am Computer nutzen, nicht ohne Grund hat der Hersteller sowohl eine Recording-Software als auch Ampli-Tube Fender LE beigelegt.

Die USB-Schnittstelle ist jedoch unidirektional, also eine „Daten-Einbahnstraße“. Die Gitarre kann via USB durch den Amp in den Computer gespielt werden, das Abhören der auf-genommenen Spuren funktioniert jedoch ausschließlich mit Aktivmonitoren oder Kopfhörern, die am Computer angeschlossen sind, nicht über den Headphones-Ausgang der Mustangs.

Fender bietet auf www.fender.com/support dazu entsprechende ASIO-Treiber an.

Alternativen

Solch eine geballte Ladung Fender-Modelle bekommt man verständlicherweise bei anderen Herstellern nicht in einem einzigen Einsteiger-Amp geboten.

Wenn’s denn ein bisschen gemischter zugehen darf und es „nur“ darum geht, einen günstigen Modeling-Combo zu erstehen, bieten sich beispielsweise die Line-6-Modelle Spider IV 15 und Spider IV 30, die Roland-Modeling-Combos Cube 20X und Cube 30X, Peaveys Vypyr 15 und Vypyr 30, und, wenn zusätzlich zum digitalen Verstärker-Modeling eine Röhrenschaltung beteiligt sein soll, die Vox-Combos VT15 und VT30 an.

Allerdings muss man betonen, dass, im Gegensatz zu allen genannten Amps, ausschließlich die Fender Mustang-Combos eine USB-Schnittstelle, sowie eine passende Editor-Software mit Internet-Features bieten.

Resümee

Wölfe in Schafspelzen, und feurige Mustangs mit röhrigen Stimmen zugleich. Viele Features hat Fender in die adrett gestylte Fuse-Software ausgelagert, aus Kostengründen und um die Bedienung der Mustang-Combos einfach zu halten. Fenders aktuelle Amp- und FX-Modeling-Technologie wird gewiss noch von sich hören machen, die Einsteiger-, Übungs- und Jam-Klasse profitiert hier als erste davon. Alle Details der Verstärker-Emulationen können Endstufe und Lautsprecher der Mustangs nicht umsetzen, an Durchsetzungsvermögen mangelt es hie und da schon mal etwas. Der Mustang I ist ideal für’s Wohnzimmer, der Mustang II kann durchaus im Proberaum und bei kleineren Gigs mithalten. Über die Fender Fuse-Software lässt sich auch mit anderen Mustang-Usern weltweit kommunizieren, denn es können übers Internet Presets ausgetauscht werden.

 

P l u s

  • Qualität der virtuellen

Verstärker und Effekte

  • Editiermöglichkeiten über

Fender Fuse-Software

  • bedienerfreundlich
  • Quasi-Zweikanaler mit

optionalem Fußschalter

  • Preis-

/Leistungsverhältnis

M i n u s

  • Preset-Poti ohne
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