Fame Studio Tube 15 Head + GN212 im Test

Gitarren-Topteil und -Endstufe von Fame, schwarz

 

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Wer sich in der Economy-Klasse nach Röhrentechnik umschaut, kommt an der Hausmarke des Music Store aus Köln nicht vorbei. Exemplarisch seien zwei Modelle genannt, fette Topteile, Bulldozer und Rock-Force: Kinnlade runter, große Augen und Ohren in der Redaktion, was die für vergleichsweise kleines Geld vom Stapel ließen! Diesmal backen wir ganz kleine Brötchen, nur das nötigste dran und billig – aber doch lecker?

 

 

Konstruktion von Fame Studio Tube 15 Head und GN212

Grübel, wie kann das angehen, nur € 179 steht auf dem Preisschildchen des kleinen schwarzen Ampleins zu lesen, soso. Herr Redakteur schleicht lauernd um den Kasten wie der Tiger um die Beute. Aha, ein Kanal, Vollwertvorstufe mit Dreibandklangregelung, Gain, Master und Presence. Blick von hinten: Zwei Speaker-Outs und sogar ein Einschleifweg. Seriell? Vermutlich. Was verrät das Handbuch, schnaub, keins dabei. Internet? Okay, die Homepage des Vertriebs sagt seriell. Was steht da weiter? Zwei EL84, 15 Watt. Class-A. Wirklich? Wohl eher lediglich Kathodenbias. Werden wir gleich noch prüfen. Vorher aber noch einmal genauer das Finish des Gehäuses beäugen. Na ja, schlicht, aber okay. Also dann, ran an die Buletten, aufschrauben, Lüftungsgitter hinten ab. Innen sieht die Chose schon ein bisschen rustikaler aus, Tischlerplatten billigster Sorte, Kleberreste, weil großzügig verstrichen, aber was soll’s, sieht ja keiner. Und nun das Chassis raus. He, was für eine nette Überraschung! Platinen, das war zu erwarten, aber dass die mit so feinen Bauteilen bestückt sein würden eher nicht.

Die Chinesen löten da tatsächlich Kohlepresswiderstände ein, und als Koppelkondensatoren fungieren die im Sound-Verhalten als äußerst gediegen bekannten MKP-Typen vom Hersteller Wima. Die Elektronik ist insgesamt gesehen auch sehr ordentlich verarbeitet. Kann man eigentlich nicht die Nase rümpfen. Nur Standby und Power, die beiden Schalter waren nicht wirklich gerade ausgerichtet, und die größeren Elkos im Netzteil nicht zusätzlich zu den Lötpunkten mechanisch fixiert, aber will man so etwas dem kleinen Preisbrecher übel nehmen?

Nein, zumal der Hersteller eben die Substanz nicht allzu sparsam auswählt. Ein weiteres Indiz dafür sind die Röhren, die sich erfreulicherweise als ziemlich mikrofoniearm erweisen. Sie müssen auch nicht auf diese kleidsamen silbrigen Blechhütchen verzichten, die dafür sorgen, dass sie brav an ihrem Arbeitsplatz bleiben und von außen nicht durch elektrische Einflüsse irritiert werden. Ach, und dann war da ja noch die Sache mit dem Class-A-Betrieb: Das Messgerät sagt nein, ist nicht, der Begriff wird nur wieder einmal mit dem Kathodenbias vermischt. Dabei hat das eine mit dem anderen gar nicht zwangsläufig zu tun.

 

GN 212

Wie hieß die TV-Sendung noch, mit diesem dicken, ewig hausfrauenkompatibel plappernden Holländer, äähh…, richtig, Weinfort, nee Wienford, Wijnvoord…, Harry, ja Harry Wijnvoord, nebst unsäglichem Co-Moderator Walter (von der Ich-hab-nen-Vogel-Weide)? Genau: „Der Preis ist heiß!“ Na, hier ist der Moment, wo Harry noch einmal zu absoluter Hochform hätte auflaufen dürfen. Ein geschlossenes 2×12-Cab mit Vintage 30 von Celestion für € 198 – der Preis ist wirklich heiß. Wenn man bedenkt, was einen diese Speaker schon einzeln im Handel kosten, bekommt man das Cabinet quasi geschenkt. Noch besser, zur Zeit gibt es Amp und Box als Bundle, Lautsprecherkabel inklusive, für € 355 statt in der Summe der Einzelpreise € 377, uncheckbar. Noch dazu ist die Box stereo-tauglich mit Umschalter für den Mono-Betrieb.

Versteht sich von selbst, dass unter diesen Umständen günstigste Materialien Verwendung finden. Spanplatten, innen verleistet verleimt, die Ausstattung simpelst, aber funktional vollkommen okay, wie auch die Verarbeitung keine Kritik aufkommen lässt. Allerdings wiegt das Cabinet stolze 24,5 Kilogramm, puh.

 

Praxis

Zunächst macht einen doch dieser Amp neugierig, weniger die Box, oder? Ehrlich gesagt, ich war ja skeptisch. Oder nennt man das voreingenommen? Jedenfalls klingelten aufgrund des Preises zunächst die Alarmglocken, nach dem Motto „watt nix kost’ datt taugt nix“. Tja, seitdem aber die Chinesen die Weltmärkte mit ihren Produkten fluten, haben solche Sprüche fast schon ausgedient. Bitte sehr, hier haben wir einen eindrucksvollen Gegenbeweis. Unvermutet trumpft dieser kleine unscheinbare Zwerg auf wie Arnold. Hohe Dynamik und Energie, der Studio 15 kann richtig laut sein. Gain und Transparenz, er ist breitbandig leistungsfähig und erzeugt sehr harmonische Verzerrungen, von Clean bis ganz leichten Crunch am Lo-Input, von Overdrive bis Retro-Lead-Distortion – am Maximum schon ganz schön heiß – am Hi-Input. Detailtreue und Variabilität, der Charakter des Instruments kommt ausgeprägt zur Geltung, ist der Amp weit aufgedreht, erreicht die Klangregelung ordentliche Effizienz. Soll sagen, der Studio 15 gibt nur widerwillig den Leisetreter. Wenig Pegel erzeugt wenig Fülle im Bass, und das holt der Klangregler auch nicht auf. Das Topteil kommt erst richtig in Fahrt, wenn man sich dem Sättigungspunkt der Endstufe nähert. Und wenn dieser überschritten ist, legt der Studio 15 noch elegant an Distortion-Intensität zu, atmet, pumpt, reagiert wie man sich das von einem Vintage-Amp nur wünschen kann. Samt geschmeidiger Reaktion auf das Guitar-Volume. Was um so mehr erfreut, als der FX-Weg (nicht nur) unter diesen Umständen völlig stressfrei funktioniert.

Im Klang bietet der Verstärker ein eigenartiges Konglomerat aus dem Ton eines sehr heiß gemachten traditionellen 50er-Marshall und eines AC30. Ist da doch einerseits dieser füllige Druck, andererseits eine immer dominante Höhenpräsenz. Die prägt zwar die Wiedergabe, eindeutig, andauernd, ist aber keineswegs unangenehm. Und nervige Hochmitten, wie sie bei manchen niedrigpreisigen China-Röhren-Amps durchaus vorkommen, produziert der Studio 15 auch nicht bzw. wenn überhaupt, dann nur sehr dezent. Begleitet mich dieser kleine Freund demnächst, wenn mal wieder der Bock auf AC30-Buckeln gegen Null tendiert? Könnte schon sein, denn im angezerrten Bereich ist dieser unscheinbare Fame-Amp ähnlich ausdrucksstark.

Eine harte Nuss für die Box, dem gerecht zu werden. Möchte man meinen. Aber die GN212 gibt eine recht souveräne Vorstellung ab. Mit dem Studio 15 ergänzt sie sich sehr harmonisch, weil sie z. B. ein gut entwickeltes Low-End beweist, nicht besonders präzise und straff, jedoch gesund und kräftig. Die Interaktion der beiden erweist sich im Übrigen auch deshalb als sehr charmant, weil bei relativ geringer Lautstärke kontrollierbare Feedbacks entstehen, nicht nur in den höheren Lagen, sondern auch bei tiefen Tönen. Kommt man sich ja gleich vor wie Sir Blackmore in seinen frühen Tagen. Ansonsten werden generell Details säuberlich dargestellt. Na ja, wie man den Vintage 30 eben kennt. Um es kurz zu machen, die GN212 macht schlicht einen guten Job.

 

Resümee

Die Endabrechnung ist eine eindeutige Angelegenheit. Dieser Studio Tube 15 Head ist schlicht ein Kracher. Er benimmt sich gepflegt im Ton wie manch weitaus höherpreisige Verstärker und erzeugt trotz hoher Gain-Reserven sehr geringe Nebengeräusche. Die GN212 verträgt und ergänzt sich bestens mit dem Topteil, ist aber auch für sich genommen ganz und gar empfehlenswert. Die Preise? Nun, was als unverbindliche Empfehlung angegeben wird, ist in diesem Falle Makulatur, da kein unabhängiger Vertrieb in der Handelskette, eher werbewirksames Aufblähen des Produkts. Wenngleich der Studio 15, wenn man sich allein auf seine Leistungsfähigkeit bezieht, selbst für € 312 noch lukrativ wäre. Real wird aber viel weniger verlangt. Insofern ist sein Preis-/Leistungsverhältnis wie auch das der GN212 eindeutig günstig.

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