Böse Engel

Engl Rockmaster + Metalmaster im Test

Kleine kompakte Röhren-Amps mit universeller Ausstattung … vielleicht haben nur noch wenige Kollegen auf dem Schirm, dass Engl Vorreiter in der Entwicklung dieser Spezies war. Gigmaster wurde diese erste Modellgeneration genannt. Nun sehen wir hier die nächste Evolutionsstufe des Konzeptes. Zwei Spezialisten, die für die harten und ganz harten Gangarten gedacht sind.

Engl Metalmaster und Rockmaster_01
FOTO: Dieter Stork
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Unsere Testkandidaten schließen quasi die Lücke zwischen dem Gigmaster 15 und dem Gigmaster 30, soll sagen die Ausstattung liegt in der Mitte zwischen diesen beiden schon länger eingeführten und am Markt ziemlich erfolgreichen Vorgängern. Aber, wie es die Namen schon beschreiben, klanglich handelt es sich um eigenständige Konzepte. Wie üblich sind die beiden Modelle nicht nur als Topteil im Programm, sondern auch in einer Combo-Ausführung (je ca. € 990), wobei als Lautsprecher Celestions G10- N40 zum Einsatz kommen. Klar, geringe Abmessungen sind Trumpf bei dieser Gerätegattung, daher vermutlich die Entscheidung für einen 10-Zoll-Lautsprecher. Komplementär zu den Topteilen gibt es ein entsprechendes Cabinet (ca. € 231). Alternativ kommen die ebenfalls kompakten 1×12″-Boxen vom Typ Retro E 112 R (ca. € 459 ) und Pro Straight E 112 VB (ca. € 486) in Frage.

Konstruktion

Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, unsere beiden Probanden sind im Konzept mit dem Gigmaster 15 identisch, haben aber zusätzlich einen digitalen Halleffekt am Start. Zwei Sound-Kanäle teilen sich eine gemeinsame Dreibandklangregelung, Clean und Lead haben eigene Gain-Regler, dazu gesellen sich Lead Volume, Reverb und ein Master Volume, das im Signalweg hinter dem FX Return des seriellen Einschleifwegs liegt und somit Pegelunterschiede auffangen kann. Ein wichtiges Ausstattungsmerkmal der Verstärker ist der Power-Soak zum Reduzieren der Ausgangsleistung von maximal 20 Watt auf fünf oder ein Watt. Die 2×EL84-Class-AB-Gegentaktendstufe kann auch ganz und gar stumm gestellt werden (Speaker Off). Praktisch z. B., wenn man mithilfe des „Line Out Balanced“-Anschlusses (Frequency Compensated, Speaker-Simulation) Recording-Sessions durchführt. Kann man natürlich auch im Live-Einsatz nutzen, um auf Mikros zu verzichten – wenn denn der Sound stimmt – dazu später.

Die Sound-Formung wird durch einen Schalter unterstützt, der die Mittenfrequenzen beeinflusst. Beim Rockmaster ist seine Funktion ein Mid Boost (Anhebung), beim Metalmaster ein Mid Scoop (Absenkung). Der andere Druckschalter dient der Kanalanwahl. Diese beiden Funktionen können per Fußschalter o. Ä. ferngesteuert werden, wie auch über eine zweite Stereo-Klinkenbuchse der Status des Reverb-Effekts und des Einschleifwegs. Halten wir also fest: Rockmaster und Metalmaster unterscheiden sich in den Bedienungselementen nur durch die Funktion der Mid-Schalter (Boost bzw. Scoop). Ich habe über die Jahre, seit Beginn der Firmengeschichte, fast alle Verstärker getestet, die Engl herausbrachte. Nie zeigte sich dabei seitens der Verarbeitung eine relevante Schwäche – deutsche Wertarbeit könnte man sagen. Und wie zu erwarten war, machen Rockmaster und Metalmaster in der Hinsicht keine Ausnahme. Alles picobello, der solide Aufbau (überwiegend SMD-Bauteile) verspricht langfristig verlässliche Funktion.

Engl Metalmaster und Rockmaster_05
FOTO: Dieter Stork

Praxis

Wenn ein Engl ins Haus kommt, muss ich irgendwie immer auf den Clean-Sound abfeiern. Weil in den Klangfarben meist eine eigentümliche, „edle“ Geschmeidigkeit liegt. Hohe Transparenz, viel Brillanz in den Höhen, aber nicht giftig für die Ohren, im positiven Sinne „Hi-Fi“. So verhält es sich auch wieder bei Rockmaster und Metalmaster. Letzterer hat schon im Vergleich grundsätzlich eine Senke in den Mitten, die den cleanen Einstellungen eine sehr feine glockige Note verleiht. Im Bassbereich arbeiten beide Amps kräftig, so es denn das Instrument hergibt. Intensiv nachlegen und eine dünne Strat fett machen, kann die ansonsten effiziente Klangregelung nicht.

Wichtig bei der Bedienung: Das Master-Volume möglichst weit aufdrehen, erst dann schwingen sich die Amps zum maximalen Tonvolumen auf. Die Kanäle dürfen dabei gerne „leise“ eingestellt sein. Und überhaupt, dank des Power-Soaks hat man die Lautstärke stets bestens im Griff bzw. eben auch die Sättigungsanteile der Endstufe. Der Clean-Kanal des Rockmasters bildet wie angedeutet die Mittenfrequenzen satt aus. Dieser Unterschied, hier mittig und warm, dort, beim Metalmaster, mit Scoop-Charakter und viel mehr Biss in den Höhen, ist der entscheidende Faktor bei den beiden Amps. Die Struktur der Verzerrungen dagegen ist recht ähnlich. Den Rockmaster kann man als heiß gemachten Brit-Rocker verstehen.

Sein Lead-Kanal betört mit hohen Gain-Reserven, lebendigem Obertonspektrum, präziser Darstellung der Attacks, und schöner Sustain-Unterstützung bei wohldosierter Kompression. Ganz klar, die Klangkultur steht großen „erwachsenen“ Röhrentopteilen nicht nach. Das gilt für den Metalmaster nicht minder. Mehr noch, er läuft dem Rockmaster ein wenig den Rang ab, weil er sozusagen beides kann, das harte moderne Vollfettbrett abdrücken, aber auch durchaus retro-rockig einsetzbar sein. Das gelingt dem Rockmaster andersherum nicht unbedingt. Die Topteile holen reichlich Energie aus ihren Endstufen und können im Zweifel auch 4×12-Boxen entschlossen antreiben.

Engl Metalmaster und Rockmaster_02

Die Anschlussperipherie arbeitet einwandfrei und garantiert hohen Praxiswert. Günstig ist, dass der FX-Weg sich auch bei niedrigen Pegeln (Stichwort Pedaleffekte) zu optimaler Funktion aufschwingt. Ein Highlight ist auch der Frequency-Simulated-Ausgang mit seinem ausgewogenen Klangbild. Es fehlt allerdings der Ground-Lift-Schalter zum Unterbinden von Masseschleifen (habe hier prompt Probleme gehabt, die sich zunächst nur mit einem NF-Trenntrafo beseitigen ließen). Zum Test standen auch die beiden Combos zur Verfügung. Wer sich dafür entscheidet, weiß, dass er einen Kompromiss eingeht, nicht wahr?! Kleiner Speaker, kleine Schallkammer, da muss das Volumen einfach begrenzt sein. Engl hat aber das Beste daraus gemacht.

Der Charakter der Verstärker kann sich erfreulich gut entwickeln, die Wiedergabe hat relativ viel Volumen und vor allem auch gesunden Druck im Bass. Daumen hoch, besser kann man 1×10″-Combos in diesem Kontext wohl kaum abstimmen.

Resümee

Engl war und ist stets ein Garant für hohe Qualität und funktionseffiziente Technik, wie die neuesten Modelle Rockmaster und Metalmaster erneut beweisen. Austrainiert in der Klangformung, charakterstark und variabel im Ton, üppig ausgestattet und daher vielfältig einsetzbar, die Amps und Combos genügen zweifellos gehobenen Ansprüchen. Auch und besonders bezüglich der Fertigung, die nach wie vor in unseren deutschen Landen erfolgt. Insofern sind die Preise nachvollziehbar und ohne Frage angemessen.

Plus

  • Sound, Variabilität
  • Dynamik/Transparenz
  • harmonisches Zerrverhalten
  • Detaildarstellung, Ansprache
  • relativ hohe Leistungsreserven
  • Ausstattung (u. a. Power-Soak)
  • geringe Nebengeräusche
  • ausführliche deutschsprachige Bedienungsanleitung
  • Verarbeitung/Qualität d. Bauteile

Minus

  • Ground-Lift-Schalter fehlt (Frequency Comp. Out)

 

Engl Metalmaster und Rockmaster_profil

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2 Kommentare zu “Engl Rockmaster + Metalmaster im Test”
  1. Tom Teichert

    Toller Beitrag 🙂

    Bei den Soundbeispielen, bei denen beide Amps gespielt werden, wird dort zuerst der Rock oder der Metalmaster gespielt? Und welcher der beiden ist wohl besser um Sounds wie R. Blackmore zu spielen? Vielen Dank im Voraus!

    Antworten
    • Stefan Braunschmidt

      Hallo Tom!
      In den Beispielen hört man zuerst den Metalmaster und dann den Rockmaster.
      Für Blackmore-Sounds ist auf jeden Fall der Rockmaster geeigneter! 🙂
      Liebe Grüße!
      Stefan

      Antworten
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