G&B Testbericht

Duesenberg Dragster DD-1 & DD-2 im Test

Drei E-Gitarren von Duesenberg, verschiedene Farben und Formen, stehend
(Bild: Dieter Stork)

Die Reduzierung auf das Notwendige ist die passende Antwort auf den Pomp und Überfluss, der vielerorts immer noch als anstrebenswert dargestellt wird. Das Goldene Kalb hat jedoch längst ausgedient – zumindest bei denen, die wissen, was sie wollen und was sie können.

 

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Diese Tendenz lässt sich natürlich auch im Gitarren-Business nachvollziehen, waren doch z. B. die Nik Huber Krautster und die Duesenberg 52 Senior die heimlichen Stars der letzten beiden großen Messen. Beides sind Gitarren, in denen nur ein Pickup ackert. Duesenberg legt nun nach und präsentiert mit der Dragster ein schnittiges Modell, das noch frecher als die 52 Senior ihr Credo vom Weniger ist Mehr in die Welt entlässt.

 

Konstruktion der Duesenberg Dragster DD-1 und DD-2

Gleich zwei Dragster-Modelle stellen sich hier vor – die Dragster DD-1 Single Cutaway und die Dragster DD-2 Double Cutaway. Beide sind in ihrer Konstruktion identisch und unterscheiden sich nur in der Form des Korpus. Selbiger ist 42 mm stark, aus Mahagoni gefertigt, und hat im Gegensatz zur 52 Senior eine flache Decke und keine Hohlkammern. Auch der eingeleimte Hals besteht aus Mahagoni. Die nach hinten gewinkelte, große Kopfplatte trägt Duesenberg Z-Tuner – Mechaniken mit kleinen “Butterbean”-Knöpfen, bei denen die Saiten von oben durch den Schaft gesteckt und hinten abgekniffen werden können. Das garantiert einen schnellen Saitenwechsel ohne viel Fummelei! Vom sehr gut gekerbten Knochensattel aus überqueren die Saiten das nicht eingefasste Palisandergriffbrett mit seinen 22 Bünden im Medium-Jumbo-Format. Wenn sie dann nach langen 648 mm am Steg angekommen sind, dürfen sie endlich kuscheln … am Duesenberg Wrap-Around-Steg, der aus verchromtem Messing gebaut ist und dessen Gesamthöhe an zwei großen Inbusschrauben eingestellt werden kann. Seine Stahl-Saitenreiter lassen sich zudem für eine gute Oktavreinheit horizontal einstellen.

Lange Mensur, Stahl-Saitenreiter, Einteiler-Brücke, Mahagoni-Hals und -Korpus, dazu die relativ deftige Saitenwahl (.010 bis .050) – diese Kombination lässt einen verführerischen Klang erahnen, sofern der Tonwandler in der Lage ist, diesen auch zu übertragen. Hier setzt Duesenberg auf einen hauseigenen P-90-Typ im Humbucker-Format, der eine zweite Spule aufgesattelt bekam und dank einer ausgeklügelten Schaltung drei verschiedene Sounds anbietet: 1. Fetter, präsenter P-90-Klang, 2. Glasiger, ausgedünnter Rhythmus-Sound, 3. Leicht in den Höhen bedämpfter “Hals-Pickup”-Sound. So sagt es jedenfalls sinngemäß die Firmeninfo.

Dieser Pickup hat übrigens in dem sogenannten 3-D-Dog-Ear-Rahmen platzgenommen. 3-D ist hier Programm, denn der Pickup lässt sich beidseitig in der Höhe und zusätzlich in seiner Neigung einstellen, sodass eine optimale Positionierung genau parallel zu den Saiten kein Problem ist. Geregelt wird mit Master-Volume und Master- Tone; für letztgenannte Funktion wurde das sogenannte Duesenberg High-Speed-Poti mit seinem kurzen Regelweg von nur 70 Grad montiert – übliche Potis regeln über einen Bereich von immerhin 300 Grad. An dieses 250-kOhm-Poti gekoppelt ist ein 0.015-mf-Kondensator, der ein enges Bandpassfilter produziert. So sind auf kürzestem Regelweg extreme Klangunterschiede einstellbar und blitzschnelle WahWah-ähnliche Swells möglich. Lapsteeler sprechen hier gerne vom „Doo-Wah“-Effekt.

Wie alle Duesenberg-Instrumente sind natürlich auch die beiden neuen Dragster von oben bis unten mit den typischen Design-Elementen dieser Firma bestückt. „Three Steps Ahead“ (drei Schritte voraus) ist die Parole der Hannoveraner, und dem folgen die Kopfplattenkante, das Trussrod-Cover, das Schlagbrett, die D-Applikation auf der oberen Korpushälfte, der Knopf des Dreiwege-Schalters und das Buchsenblech. Sie alle präsentieren diese drei Stufen. Ein in sich geschlossenes, konsequentes Design macht eben auch vor Details nicht halt.

Für eine Ein-Pickup-Gitarre ist also doch recht viel Ausstattung an Bord, versteckter Luxus hinter puristischer Erscheinung. Aber was soll man machen, wenn der Firmenchef ein rastloser, begnadeter Erfinder ist?

Die Dragster DD-1 ist in zwei Farboptionen lieferbar – Vintage Blonde, 2-Tone Sunburst – die DD-2 kommt dagegen alternativlos klassisch in transparentem Cherry-Red, das die Maserung des Mahagonis durchscheinen lässt.

 

Duesenberg Dragster DD-1 & DD-2  in der Praxis

Rein akustisch tut sich Erstaunliches, denn beide Dragster-Modelle klingen hier sehr offen, sehr laut und sehr nach Rrringg! Wobei in dieser Disziplin die DD-2 noch einen kleinen Tick mehr glänzt und knackt; dafür ist sie aber ein wenig kopflastig, aber der aufgelegte rechte Arm hält sie dann aber doch locker in der Balance. Am Fender-Amp bestätigt sich dieser erste Klangeindruck – eben kein Pingelpangel, sondern gleich in die Vollen, so mag es die Dragster am liebsten. Und sie ist schnell in ihrer Tonentfaltung, sehr schnell sogar. Dieser Ton hat aber – dem guten Mahagoni sei Dank! – ein gesundes, stabiles Fundament, das ein langes Sustain garantiert und den Klang außerordentlich gut formbar macht. Die Dragster fordert ihren Gitarristen permanent zur bewussten Interaktion auf – egal, ob man mit Powerchords vor sich hinschreddert oder aber knackige Speed-Lead-Lines von sich gibt.

Langsam und leise spielen? Hmm, na gut, dass können die beiden schnellen Damen auch, aber ihr Kerngeschäft ist der Drive des Rock’n’Roll, immer drei Schritte voraus, und das im Galopp! Der einzige Pickup liefert tatsächlich drei vollkommen verschiedene Sounds. Ausgangspunkt der Schaltung ist der reine P-90-Sound in der untersten Stellung des stabil wirkenden US-Dreiweg-Schalters. Fett, direkt und ungeschminkt springt dieser Ton aus den Kalotten meines Verstärkers und elektrisiert die Umgebung. Bei einem guten P-90 müssen sich die Nackenhaare sträuben – und genau das ist hier der Fall. Dank der langen Mensur ist dieser Sound noch knackiger, aber auch voluminöser und mit mehr Punch versehen als der einer Gibson Les Paul Junior. Ein echter Trademark-Sound des Rock’n’Roll!

Die anderen Positionen des Dreiwegschalters bieten zwei Varianten dieses Grund-Sounds. In der Mittelstellung werden diesem Mitten abgesaugt; dadurch treten kristallene Höhen zutage, während das gesunde Bass-Fundament erhalten bleibt. Dieser Sound erinnert nicht nur an die Mittelstellung bei einer guten Tele, sondern liefert einen offenen, brillanten Rhythmus-Klang, bei dem die Basssaiten einem amtlichen Fender-Twang sehr nahe kommen. Prima! In der vorderen Position des Schalters sind die Mitten des P-90-Sounds wieder da, aber eine Höhenbedämpfung bewirkt einen runderen, weniger brettharten Sound wie der der „Steg“-Position.

Ich persönlich kann hier keinen typischen Hals-Pickup-Sound erkennen, dafür erklingt der Ton dann doch noch zu straff, sondern eben einen Steg-Pickup mit einem Höhen-Roll- Off. Aber dieser Sound ist genauso gut einzusetzen wie die beiden anderen auch und darf nicht mit dem wolligen, möchtegern-jazzigen Klang z. B. einer alten Fender Esquire verwechselt werden. Hier vorne spielt die Dragster dann eben zur Entspannung und Erholung mal den Blues, ehe sie sich wieder Volldampf voraus dem Adrenalin-Kick der beiden anderen Schalterstellungen hingibt.

Und interaktiv geben sich die beiden Dragster auch, denn die Arbeit mit Volume- und Tone-Poti ist optimal. Insbesondere das Tone-Poti mit dem kleinen Regelweg und seiner Effektivität ist so wirkungsvoll wie ein Wah-Effekt. Und liegt direkt zur Hand.

Unterscheiden sich die beiden Dragster nun auch am Amp? Ja, wie zu erwarten: Die DD-1 Single Cutaway ist eine Spur direkter, um nicht zu sagen: brutaler; sie produziert einen deutlichen Mittenboost, der in allen drei Stellungen zu erkennen ist und z. B. durch den Einsatz eines Ibanez Tube Screamers, der ja selbst einen Peak in den oberen Mitten aufweist, noch deutlicher herausgestellt wird. Hier klingt die DD-1 dann fast schon so wie mit einem halb durchgedrückten Wah-Pedal, was insbesondere bei verzerrten Sounds sehr lebendig und durchsetzungsfähig ist. Die DD-1 ist ein Rocker durch und durch, während die DD-2 dagegen einen guten Hauch offener, luftiger und lebendiger daherkommt und für cleane bis angezerrte oder eben Rhythmus-Sounds vielleicht die bessere Wahl ist. Der ewig junge Malcolm lässt hier schön grüßen!

Resümee

Dragster sind verrückte Rennwagen, die mit ultrastarken Motoren von einigen Tausend PS über kürzeste Distanz (ca. 400 m) Höchstgeschwindigkeiten erzielen. Nach Ablauf des Tests kann ich nachvollziehen, warum Duesenberg diese beiden Modelle eben so und nicht etwa (in Anlehnung an das eigene 52-Senior-Modell) z. B. Junior getauft hat. Von Null auf Hundert in kaum einer Sekunde – so in etwa lässt sich der Charakter der beiden Dragster umschreiben. Ich vertrete ja die Theorie, dass nur mit einem Pickup ausgestattete Gitarren immer lebendiger und dynamischer sind als ähnliche, die zwei Pickups besitzen; denn ein Pickup zerrt magnetisch eben weniger an den Saiten. Die beiden Dragster liefern den besten Beweis, dass diese Theorie zumindest nicht falsch ist.

Wer also eine Gitarre sucht, die ehrlich und geradeaus klingt, die „voll auf die Zwölf“ kann, die aber trotzdem genug Klangsubstanz bietet, um einen guten Ton zu formen, und die zudem noch richtig gut aussieht, der sollte sich einmal eine dieser Dragster-Modelle zu Gemüte führen. Schaltung und Pickup harmonieren prächtig miteinander und sorgen trotz spartanischem Look mit drei hochwertigen Sounds für eine große Vielseitigkeit. Mehr Gitarre braucht man eigentlich nicht! Doo-Wah!

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