Der VOX Valvetronix VT20+ & VT40+ im Test

Zwei Gitarrenverstärker von Vox, schwarz

 

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Vor etwas mehr als zwei Jahren stellte Vox die VT-Combo-Serie vor, nun stehen die Nachfolger in den Läden. Features wie zuschaltbare Treble-Booster- und Verzerrermodelle erinnern an das ToneLab ST aus selbem Hause. Mal sehen, was es noch zu vermelden gibt.

 

 

Statt wie ihre Vorgänger mit einer metallenen Lautsprecherabdeckung zu glänzen, kommen die Neuankömmlinge mit schwarzem Rautenbespannstoff. Der Kopfhörer-Ausgang profitiert nun ebenfalls von der Röhrenschaltung, und außer einem Aux-Eingang für CD- oder mp3-Player gibt’s jetzt auch eine Stimmfunktion. Doch im Vordergrund steht ein weiterentwickeltes Amp-Modeling.

 

Konstruktion von VOX Valvetronix VT20+ und VT40+

Trotz höherer Leistungsangaben sind die VT+-Combos bei unveränderten Speaker-Größen etwas kompakter als ihre Vorgänger geraten. Selbst die Größenunterschiede zwischen VT20+ und VT40+ sind verschwindend gering.

Die mechanische Konstruktion blieb von der Basis her unverändert. In einem geschlossenen MDF-Gehäuse arbeitet ein ungelabelter 8″- bzw. 10″-„Vox Original“-Speaker, während im oberen Teil ein hängend montiertes Stahlblechchassis mit aufgesetztem Kunststoffpaneel die Elektronik beherbergt. Hier wurde einiges verändert, wie ein zum Vergleich herangezogener VT30 aus der Vorgängerreihe zeigt. Die VT+-Serie setzt auf modernere Leistungsendstufen in Class-D-Technik, die Röhre der ValveReactor-Schaltung ist eine Ruby Tubes 12AX7AC5 HG. Sie sitzt felsenfest in ihrem Sockel und ist zusätzlich mit einem Metallbügel gesichert. Die Unterschiede der beiden Probanden liegen in Ausgangsleistung und Speaker-Größe, nicht jedoch bei den Verstärker- und Effektmodellen. Auf Schutzecken müssen allerdings beide Combos verzichten.

Bei einem Bedienpaneel-Rundgang werden die Neuerungen schnell deutlich: Der Vox-spezifische VariAmp-Leistungsregler sitzt nun praktischerweise auf der Oberseite ein, und nicht mehr auf der Rückseite. Dafür hat der Hall seinen cremefarbenen Chicken-Head-Knopf eingebüßt, und ist mit einem kleinen schwarzen Reglerknopf in die zweite Reihe abgewandert. Dort finden wir auch den bereits kurz erwähnten neuen Bereich mit elf virtuellen Vorschaltpedalen. Statt 22 Verstärkermodellen bietet die VT+-Serie derer 33, sowie 99 fixe und 8 editierbare Speicherplätze.

Eine USB-Schnittstelle wie bei etlichen Mitbewerbern finden wir bei den beiden neuen Vöxen nicht. Auf der Rückseite lässt sich ein optionaler VFS5-Fußschalter zur Preset-Wahl und Tap-Tempo-Steuerung anschließen.

 

Praxis

In Klang und Reaktion auf die Spielweise übertreffen die VT+-Combos teilweise noch das Vox ToneLab ST (Test in Ausgabe 08/2009) und damit natürlich auch ihre Vorgänger. Das Modeling ist einfach eine beachtliche Stufe erwachsener geworden, es bringt Gitarrist, Instrument und Verstärker näher zusammen. Die Ampmodels klingen erheblich reichhaltiger, differenzierter und impulsiver. Endstufenübersteuerungen werden realistischer emuliert, was sich auch im kurzfristigen Einknicken der Lautstärke (SAG) bei Überlast bemerkbar macht. Höhen und Obertöne kommen brillanter denn je rüber, was der VT40+ dank seines größeren Lautsprechers runder und ausgeglichener, und der VT20+ etwas frecher und bei Bedarf auch kratzbürstiger kundtut; je nach Verstärkermodell. Der Ton ist sofort da, hängt ohne merkliche Latenz direkt am Spieler, und lässt sich vorbildnah mit der Anschlagstärke steuern. Bemerkenswert sind Durchsetzungsvermögen, Dynamik und Power. Die gesteigerte Modeling-Qualität offenbart deutliche Parallelen zu den neuen Line 6 HD-PODs.

Satte zwölf Metal-Amp-Modelle hat Vox integriert, die allesamt sehr unterschiedlich sind und wirklich gut klingen. Freunde knusprig-cremiger Verstärker-Sounds dürften besonders am virtuellen Vox Night Train ihre wahre Freude haben, dieses Highlight versteckt sich im AC15-Bereich. Hier wurde der „Thick Channel“ treffend emuliert, im Gegensatz zum Vorbild jedoch inklusive wirkungsvollem 3-Band-EQ. Dieser oberleckere Brit-Crunch klingt besonders beim VT40+ absolut beeindruckend.

Die verschiedenen Verzerrermodelle und der virtuelle Treble-Booster bereichern die Verstärkermodelle ungemein. Hier gibt’s auch einen gelungenen und amtlich unrund rollenden Vibe-FX. Bei jedem Effekt – also auch beim virtuellen Tube Screamer – kann jedoch nur ein Parameter verändert werden. Etwas aufzupassen gilt es beim Acoustic-Guitar-Simulator. Der klingt natürlich nur dann brauchbar, wenn er mit einem völlig cleanen Verstärkermodell kombiniert wird, wovon es bei den neuen Vöxen eine ganze Menge gibt.

Die Modulations-, Delay- und Halleffekte arbeiten wie schon beim ToneLab ST auf hohem Niveau, inklusive des regelbaren Noise Gates können maximal fünf Effekte gleichzeitig aktiv sein. Einen kleinen Rückschritt gibt es bei den Echoprogrammen. Das Tape Delay muss nun leider wieder ohne die lebendigen Bandlaufschwankungen auskommen; schade, aber auch Geschmackssache.

Die Arbeit mit – inklusive Gain-Poti – vier Lautstärkereglern dürfte Einsteiger anfangs etwas überfordern, da gilt es in Ruhe vorab die übersichtlich gestaltete und informative deutsche Bedienungsanleitung bzw. folgende Zeilen zu studieren: Während der Volume-Regler wie gewohnt die Preset-Lautstärke festlegt, werden Master Volume und Power Level nicht abgespeichert. Der Master dient gewissermaßen als Gain-Regler für das Power-Level-Poti, welches die 12AX7-Röhre der ValveReactor-Stufe ansteuert. Wenig Master und viel Power Level sorgen für cleanere und unkomprimiertere Sounds, und umgekehrt. Die Röhrenschaltung versorgt wie gesagt auch den Kopfhörerausgang, welcher hinter dem Master Volume und vor dem Power Level abgezweigt wurde.

Auch der VT20+ lässt sich nicht als reiner Wohnzimmer-Amp einstufen, seine Kraft und Fülle reicht auch für größere Jams, bzw. moderate Proben oder kleinere Kneipen-Gigs aus. Mit dem VT40+ darf man sich auch zu etwas größeren Gigs trauen. Der ausgezeichnet klingende Kopfhörer-/Recording-Ausgang tröstet etwas über das Fehlen einer USB-Schnittstelle hinweg. Mit nur acht änderbaren Speicherplätzen sind die neuen Modeling-Vöxe nicht gerade üppig ausgestattet. Die geschmackvollen Werks-Presets sind unterteilt in „Basic“, Effect“ und „Song“, und außerdem gibt es weiterhin einen Manual-Mode, bei dem die Sounds den Reglereinstellungen entsprechen.

Die Stimmfunktion nutzt die Preset-LEDs und arbeitet präzise und schnell. Allerdings ist sie ausschließlich für Normalstimmung geeignet, nicht für Dropped oder Open Tunings.

 

Resümee

Von der Preisklasse her betrachtet tummeln sich diese beiden VT+-Combos zwar im Einsteiger-, Amateur- bzw. Übungs-Amp-Milieu, ihr Modeling spielt jedoch in der ersten Liga. Reichhaltig, vorbildnah, dynamisch und durchsetzungsfähig wissen sich die Neulinge gekonnt in Szene zu setzen, und erstaunlich laut und druckvoll können sie dank ihrer modernen Class-D-Endstufen bei Bedarf ebenfalls auftreten. Trotz erheblich umfangreicherer Ausstattung ist es dem Hersteller gelungen, die Vintage-Optik des Bedienfeldes zu erhalten, auch wenn die unterste Beschriftungsreihe so nah an die Kante der Oberseite gerückt ist, dass man sie von vorn betrachtet nicht erkennen kann.

Wer sich für die neuen Modeling-Vöxe interessiert, sollte möglichst beide Combos antesten, da sie bedingt durch die unterschiedlichen Lautsprecher auch unterschiedlich klingen. In absehbarer Zeit wird die Serie übrigens um die beiden Modelle VT80+ und VT120+ erweitert, die dann auch für richtig große Bühnen reichen sollten.

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