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Back to the roots: Jozsi Lak Guitars Traditional BC im Test

(Bild: Dieter Stork)

Kongeniale E-Gitarren wie z. B. die Foxywave hatten Jozsi Lak in den letzten Jahren in den Fokus unserer Aufmerksamkeit gerückt. Dabei sind die Wurzeln seiner Arbeit, wie bei vielen anderen Gitarrenbauern auch, rein akustischer Natur. Es brauchte allerdings ein bis zwei Zufälle, bis Jozsi Lak, der in der mittelhessischen Region zwischen Taunus und Westerwald lebt, den weiten Weg zurück zu eben diesen Wurzeln ging.

Der erste Zufall hielt in Person eines Freundes aus Berlin Einzug in Laks Werkstatt, als der dort eine Lehre begann. Der Schwerpunkt des Lehrlings war das Thema Akustikgitarre, und er brachte Jozsi dazu, sich diesem Thema wieder intensiver zu widmen. Lak selbst hatte in seiner Ausbildungszeit bei Magnus Krempel vor allem Konzertgitarren gebaut und darf von sich behaupten, auch im Akustikgitarrenbau „vom Fach“ zu sein.

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Zur gleichen Zeit ergab es sich, dass ein bekannter deutscher Bassbauer und Holzhändler sein komplettes Holzlager auflöste und auf einen Schlag die besten, bis zu 70 Jahre alten Hölzer auf dem Markt verfügbar waren. Ein Wink des Schicksals? Wie auch immer – Jozsi Lak kaufte das nicht gerade kleine Holzlager komplett auf! Dieser umfangreiche Bestand an erstklassigem Tonholz ermöglicht ihm nun erstmals den Bau von Serien in überschaubaren Stückzahlen, bei denen die einzelnen Modelle die gleichen Materialien und Materialqualitäten aufweisen können.

BACK TO THE ROOTS

Die Traditional BC ist die erste Gitarre, die aus diesem Fundus an Tonholz gebaut wurde und das erste Instrument einer Serie, die auf 15 Stück limitiert ist. Das verwendete Korpusholz ist das im Akustikgitarrenbau eher selten vorkommende Bubinga, natürlich in vollmassiver Qualität. Dieses wild gemaserte Holz kombiniert Lak mit einer fein gezeichneten, vollmassiven Decke aus Zeder und einem einteiligen Mahagoni-Hals mit Palisander-Griffbrett.

Wild gemasertes Bubinga für Rücken und Zargen (Bild: Dieter Stork)

Die Decke ist mit einem traditionellen X-Bracing stabilisiert, das nicht wie üblich aus Fichten-, sondern aus Mahagoni-Leisten besteht – zunächst ein Versuch, aber einer, der Lak nachhaltig überzeugte. Aus massivem Mahagoni sind auch die Streifen, mit denen anstelle von sogenannten Reifchen Decke und Rücken miteinander verleimt sind. Die Gitarre ist nicht nur in traditioneller Weise mit Schwalbenschwanz-Hals/Korpus-Verbindung aufgebaut, sondern kommt auch in einer durchaus vertrauten Korpusform, die das klassische OM-Design als Vorbild hat.

Der geschwungene Steg aus Palisander mit den schräg zum Saitenzug eingesetzten Pins zur Saitenbefestigung sind Markenzeichen von Lak, ebenso wie die breite Rosette aus Holzintarsien, die gleichermaßen dezent wie auffällig ihren Sinn als Aufhübschung der optisch eher schlichten Zederndecke auf geschmackvolle Weise erfüllt. Auch die schicke Fensterkopfplatte ist durch eine geschmackvolle Holzeinlage verschönt.

Klassische Fensterkopfplatte mit großer Holzeinlage (Bild: Dieter Stork)

Die gesamte Gitarre ist mit dünnem, hochglänzendem Nitrozellulose-Lack versiegelt, der die Schwingungsfähigkeit von der Decke und dem Korpus nicht behindert und dennoch die Oberflächen vor groben Einwirkungen schützt. Plektrumspieler werden vermutlich trotzdem ein zusätzliches Pickguard ordern, um die Decke vor Einschlägen des Plektrums zu bewahren.

Apropos Plektrum: Die Traditional BC hat mit einer Griffbrettbreite von etwas mehr als 44 mm am Sattel ein Maß, das sowohl Strummern wie auch Fingerpickern liegen dürfte. Das Halsprofil liegt dank der ausgeprägten Schultern ziemlich satt in der Hand – solch ein Profil ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Sollte man eher auf ein stromlinienförmigeres Profil stehen, wird Meister Lak jedoch der Letzte sein, der das nicht umsetzen würde.

HERBSTLICH

Auf die Frage, was Jozsi Lak selbst von seiner Akustikgitarre erwartet, sagte er: „Sie soll sich leicht spielen lassen und eine sehr gute Dynamik entwickeln. Ihr Sound soll glasklar, transparent und ausgewogen sein.“ Diese Vorgaben finden sich denn tatsächlich auch wieder, beschäftigt man sich näher mit der Traditional BC. Denn die Gitarre ist laut, ohne zu plärren. Sie ist klar und brillant, ohne einen Frequenzbereich unterzubelichten oder zu dominieren.

Außerdem weist sie eine große Transparenz auf, die bewirkt, dass einzelne Töne auch komplexer Akkorde gleichberechtigt wiedergegeben werden und schnelle Läufe nie zu einem kakophonen Klangbild verschmieren. Die persönliche Krönung meiner Klanganalyse ist der richtig fett rüberkommende Anschlag und das lange Sustain der Traditional BC. Denn die Qualität dieser beiden Features adeln eine rundum richtig gute zu einer hervorragend klingenden Gitarre. Bilden doch gerade Anschlag und Sustain die Faktoren, die die Brücke zwischen Spieler:in und Instrument darstellt, über die der jeweilige Persönlichkeitsfaktor ins Instrument und aus dem Instrument heraus zum Publikum transportiert wird. Durch den Anschlag und das Sustain erfolgt eben die persönliche Prägung des Klangbildes. Die Traditional BC gibt in dieser Disziplin ihr Allerbestes, um Spieler:innen alle Möglichkeiten zu geben, sich selbst auf dieser Gitarre wiederzufinden.

Beim Beschreiben all dieser Sound-Eigenschaften kommt mir immer wieder der britische Akustikgitarren-Sound in den Sinn. Einen typisch amerikanischen Sound liefert die Traditional BC jedenfalls nicht, ihr Charakter geht mehr in Richtung Lowden, Fylde und Atkin – das sind die britischen Hersteller, deren Gitarren ich kenne. Also weder dunkel noch fundamentlos brillant, sondern immer ausgewogen und mit einem satten Schnalzen im Ton, gepaart mit diesem – wie schon gesagt – singenden Sustain. Das hat was! Eine schlichte Rock’n’Roll-Gitarre will diese Traditional BC aber nicht sein. Deshalb hisst sie bei übertrieben kräftigem Strumming die weiße Flagge, winkt gelangweilt ab und will nicht mehr.

RESÜMEE

Wie der Zufall so spielte, bekam Jozsi Lak Zugriff auf ein großes Holzlager mit teilweise sehr altem Bestand. Und startet nun aus diesem Fundus eine kleine Serie von Akustikgitarren, zu der die Traditional BC einen beeindruckenden Anfang macht. Traditioneller Gitarrenbau mit teilweise ungewöhnlichen Hölzern wie z. B. massivem Bubinga als Korpusmaterial münden in ein Instrument, das sowohl für Strumming wie auch Fingerpicking hervorragend geeignet ist. Transparenz, Lautstärke, Anschlagverhalten und Sustain passieren im Einklang mit dem Spieler/der Spielerin und sorgen für einen sehr persönlichen Sound und damit für ein inniges, ja richtig wohliges Spielgefühl.

Worte haben Kraft: Wahrheit, Hoffnung, Liebe und Frieden (Bild: Dieter Stork)

Diese Gitarre scheint genau die richtige für die dunklen Winterabende zu sein, an denen oft die wirklich wichtigen Dinge des Lebens passieren. Wahrheit, Hoffnung, Liebe und Frieden sind dabei die Botschaften, die nicht nur der Aufkleber im Inneren der Gitarre aussendet, sondern auf besondere Weise auch der Klang und das Spielgefühl dieser Lak Traditional BC. Denn nicht nur Die Ärzte stellen fest: Worte haben Kraft.

PLUS

  • erwachsener Sound
  • Anschlag- und Sustain-Verhalten
  • Verarbeitung
  • Materialien


(erschienen in Gitarre & Bass 02/2022)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Also bei diesem Preis kein serienmäßiger Koffer ist eine Unverschämtheit!

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