Wellenbrecher

Jozsi Lak Foxywave im Test

Eigenwillig und doch vertraut – schräger Vogel oder kesser Wellenreiter? Mit seinem Modell Foxywave zitiert Jozsi Lak lediglich Bekanntes, um dann doch nur sein eigenes Ding zu machen. Und womit? Mit Recht!

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Jozsi Lak Foxywave_01.1Mit dem Modell Foxywave startete Jozsi Lak seine Karriere als Gitarrenbauer. Zwei Jahre arbeitete er an dem exaltierten Design, das tatsächlich wie eine Firebird aussieht, der, surftechnisch gesprochen, im Bereich der Korpusfront vorn die Kammwelle ausbricht.

Konstruktion

Bei der Foxywave haben wir es in diesem Falle – inzwischen sind viele verschieden ausgestattete Versionen entstanden – mit einer ganzheitlichen Mahagonikonstruktion zu tun. Der asymmetrisch gestaltete, zweiteilig mittig gefügte Korpus erinnert im hinteren Bereich noch stark an die Gibson Firebird, vorn laufen die Hörner aber nach unten zugespitzt aus, wobei allerdings die Diagonale des Firebird-Designs gewahrt bleibt. Weich abgerundete Konturen im Deckenbereich und eine Anlagebucht am Boden sorgen für komfortable Handhabung.

Die Korpusfront erhielt überdies ein geschmackvolles Holz-Binding namens „Surfboy Rafa“. Der bestens freigestellte einteilige Hals, erst in Höhe des 18. Bundes beginnt der fließend gestaltete Hals/Korpus-Übergang, ist bis über den Hals-Pickup hinaus in den Korpus eingeleimt. Sein Kopf mit dem wellenförmig angepassten Abschluss erhielt zur Verstärkung des Winkelübergangs unterhalb des Sattels aus fein bearbeitetem Knochen eine Volute; die Frontseite ist mit Palisander verblendet. Mechaniken von Schaller, deren Flügel durch Walzen ersetzt wurden, ergänzen die Ausstattung. Sehen gut aus, laufen aber etwas schwergängig.

Das unverziert belassene Griffbrett aus Palisander (12″-16″ Radius) ist mit dem schon genannten gemusterten Holz-Binding eingefasst, hier nur zusätzlich noch von Zierstreifen unterlegt. So schön das auch ist – die einzig zur Lagenkennung auf der Griffbrettkante verbliebenen Pearl Dots saufen darin optisch etwas ab. Vorbildlich kantenrund verarbeitet und glänzend poliert sind die 22 mittelstarken Bünde (Wagner 6105). Am Korpus werden die Saiten von einer einteiligen, auf Bolzen stehenden Hipshot „Baby Grand Guitar Bridge“ aus Aluminium gehalten, die über individuelle Saitenreiter verfügt und wie speziell für diese Gitarre geschaffen erscheint. Die elektrische Ausstattung der Foxywave umfasst zwei Firebird-Vintage-Style-Pickups in Neusilberkappen von David Barfuss.

Jozsi Lak Foxywave_01
Dieter Stork
Starke Pickups von David Barfuss; Hipshot Bridge

Geschaltet werden die ganz konventionell mit einem DreiwegeToggle, zur weiteren Bearbeitung stehen zwei Volume-Regler und ein generelles Tone-Poti zur Verfügung. Die erstklassig gefertigte Gitarre verfügt über eine 628 mm Mensur und ist dünn mit Nitro in angemessen feuervogeligem „Road to Somewhere“ (wohin denn sonst?) lackiert. Ein nicht übertriebenes Aging sorgt für angenehmes Vintage-Appeal, vom kess gestalteten dreischichtigen Pickguard reizvoll akzentuiert.

Praxis

Diese Foxywave, das hat ihr Schöpfer herausgefunden, klingt am besten einen Halbton tiefer gestimmt mit einem aufgezogenen Satz .011 auf .049er Saiten. Dann wollen wir diese Stimmung natürlich auch zum Maßstab unserer KlangChecks machen. Zunächst einmal müssen wir aber die Handhabung loben, denn die Gitarre richtet sich am Gurt wie auf dem Knie gespielt durch ihre Formgebung tendenziell rückwärts aus, die Schlaghand bewegt sich also in Standardposition etwas vor dem Steg-Pickup und der wunderbar ausgewogen profilierte Hals spielt sich schlicht großartig.

Die Saitenlage ist sehr tief eingerichtet, der Aktionsradius groß und ab geht die Lucie. Der Hals-Pickup des Barfuss-Firebird-Sets überträgt ein transparent aufgelöst es Tonbild mit klarer Saitenseparation von schlanker Gestalt. Die Bässe verfügen über ein demgemäß gezügeltes Volumen, das sich aber im Zusammenspiel mit den kraftvollen Mitten und starken Höhen zu einem charaktervollen Hum bucker-Light-Ausdruck fügt, der ausgesprochen prägnant rüberkommt. Dieser Eindruck wird in Zerre mehr als bestätigt. Der leicht hohlwangige Ton springt spontan vor, holzig knackig vom Anschlag konturiert. Diese Präzision und Federkraft, kombiniert mit einem wunderbar elektrischen Brizzeln gibt der Foxywave eine Kraft und Originalität, die so speziell wie wunderbar ist. Sicher nicht jedermanns Sache, aber so ist das eben mit ausgeprägten Charakteren.

Jozsi Lak Foxywave_5
Dieter Stork

Schalten wir auf den Steg-Pickup im Clean-Modus, so sind wir vom harten Twang dieser Schaltposition nicht wirklich überrascht. Bissig und aggressiv schneidet dieser Mini-Humbucker durch den Pudding. Da ist viel Draht und wenig Wärme im Spiel, aber auch das ist wieder egozentrisch gut, im Sinne von Funk und Punk. Besonders scharf kommt das natürlich im zugespitzten Overdrive, wenn wir sozusagen auf des Messers Schneide tanzen. Der Ton ist wenig nachgiebig, eher hart wie Kohlenstoffstahl, aber eben auch entsprechend gefährlich. Nein, dies ist nun wahrlich keine Jazzgitarre und auch keine kultivierte Vintage Les Paul, da ist nichts sublimiert oder raffiniert verfeinert – dieses giftige Biest will nicht nur spielen, das will beißen! Okay, wenn wir jetzt nicht auf Punk aus sind, können wir die Spitzen mithilfe des Tone-Reglers natürlich auch entschärfen, was die Vitalität aber krass einschränkt. Wer braucht schon einen Pitbull mit Pudelmentalität?

Sehr crisp und kehlig klingt die Kombischaltung beider Pickups dieser E-Gitarre. Ein ausgesprochen konturstarker Sound, der hohlwangig und präsent zugleich erscheint. Spritzig und offen tönt es bei klar eingestelltem Amp, crunchy und porös bröselig in den heißeren Betriebsarten. Die speziellen Sounds dieser Foxywave-Ausführung sind wirklich nicht allgemeiner Art und genau deshalb loben sie ihre Meister: David Barfuss, der die Pickups wickelte, wie auch Jozsi Lak, der sie in den richtigen Zusammenhang stellte. Ergebnis ist eine seltene Originalität im Meer der dominanten Allerwelt-Sounds, welche natürlich und ganz selbstverständlich nach dem einen Spieler sucht, den das auch wirklich etwas angeht. Solche Spieler werden diese Gitarre lieben. Natürlich klingt eine Foxywave mit großen Humbuckern oder P-90-Pickups vollkommen anders. Der Kunde ist in diesem Falle auch wirklich der König – wozu sonst haben wir es denn mit reellem Master-Customizing zu tun?

Jozsi Lak Foxywave_04
Dieter Stork

Resümee

Mit seinem Modell Foxywave hat Jozsi Lak eine sehr eigenwillige Variante der Firebird entworfen und die geht den konsequent individuellen Weg, auch was das intendierte Tonambiente angeht. Die Gitarre ist zunächst einmal vollkommen souverän gefertigt und glänzt mit einem wunderbar griffig gestalteten Halsprofil. Ein Hals, der dank seiner besonderen Haptik und ultimativen Bundbearbeitung bei flachem Compo- und-Radius die reine Freude ist zu spielen. Besonders zu loben sind aber auch die starken Firebird Pickups des David Barfuss, die den autonomen Ansatz effektiv unterstützen und der ist so originell wie angriffslustig. Keine geschmeidigen Sounds für jedermann, sondern welche, die Kante geben, die Zähne zeigen – aber wie! Die strikte Konsequenz, mit der das absolut schlüssig umgesetzte Foxywave-Konzept sich an den individuellen Spieler wendet, verdient auf jeden Fall noch einen Extrastern oben drauf. Tolle Arbeit!

Plus
• Design/Konstruktion
• Schwingverhalten
• scharfe Sounds
• Barfuss-Pickups
• Ergonomie
• großartiger Hals
• Verarbeitung

Minus
•Griffbrett-Dots etwas schwer zu erkennen

 

Profil

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