(Bild: Dieter Stork)
Die Marke Mooer ist seit etlichen Jahren auf dem Markt und bietet bezahlbare Multieffekte, Modeling-Amps und vieles mehr. Mittlerweile gehören auch Gitarren zum Programm, teils mit eingebauten Effekten und sogar integriertem Sender. Nun habe ich zum ersten Mal einen Karton mit einem Mooer-Bass vor mir – was der wohl alles kann?
Zunächst gibt es ein erstes Wow für das Gigbag, das richtig hochwertig wirkt. Und das zweite Wow folgt gleich beim Auspacken des Basses selbst – das ist ein richtig edles Gerät!
AUFBAU
Allerdings … drei Regler, aber kein Batteriefach – elektronische Spielereien gibt es also doch nicht. Stattdessen verbirgt sich hinter der Bezeichnung MBJ420 eine saubere Jazz-Bass-Interpretation. Der Body ist aus Pappel, einem ziemlich unscheinbaren Holz. Es sei denn, die Pappel wird von Bakterien befallen, die zur Wucherung einer Maserknolle am Stamm führen. Diese lässt sich zu Furnieren verarbeiten, die dann so schönes Holz ergeben wie die aufgeleimte Decke beim Mooer. Damit diese auch richtig zu sehen ist, ist der Korpus in Red Burst lackiert: vorne transparent und zu den Zargen und zur Rückseite hin mit einem schönen, edel wirkenden Übergang deckend. Transparent ist auch das Schlagbrett, eine gute Idee, um die Optik angemessen zu präsentieren. Auch die geschmackvoll geformte Kopfplatte ist mit Maserpappel veredelt.
Der Hals selbst ist aus Ahorn mit einem aufgeleimten Griffbrett aus dem gleichen Holz. Die hellbräunliche Farbe verrät, dass es sich um das beliebte „geröstete” Ahorn handelt. Diese Technik, Holz unter Sauerstoffausschluss hoch zu erhitzen, um nicht nur Feuchtigkeit zu entziehen, sondern auch die Struktur so zu ändern, dass zusätzliche Stabilität erzielt wird und eine bessere Ansprache wie bei einem gut eingespielten Instrument erreicht wird, war vor Jahren noch exklusiven Instrumenten vorbehalten. Ein leichter Überstand am Halsende gibt Platz für den 21. Bund. Die an den Enden großzügig verrundete Bundierung ist aus Neusilber und akkurat verarbeitet. Hübsch finde ich die Blockeinlagen im Griffbrett, ein gesplitteter Block markiert die Oktave. Über einen gut gekerbten Knochensattel geht es mit geradem Saitenzug zu den offenen Mechaniken, die ordentlich funktionieren. Ein Niederhalter sorgt bei D- und G-Saite für ausreichend Druck, die Saiten in Stärke 45 auf 100 sind so auf die konkaven Achsen gewickelt, dass auch die A-Saite nicht im Sattel rasselt.
(Bild: Dieter Stork)
Mit einer gewöhnlichen Halteplatte ist der Hals vierfach mit dem Body verschraubt. Ungewöhnlich ist dagegen der eingravierte QR-Code, der nochmal die ebenfalls eingravierte Seriennummer verschlüsselt wiedergibt. Wenn es sonst keinen neumodischen Kram gibt, dann wenigstens das. Auch die Brücke gibt sich wenig modern: Ein etwas stabilerer Blechwinkel ist mit einer Schraube in jeder Ecke der Grundplatte befestigt. Saitenlage und Oktave können eingestellt werden, der Saitenabstand ist fest bei erwachsenen 20 mm. Die Tonabnehmer sind reguläre Single-Coils, die jeweils im Volume und gemeinsam per passiver Höhenblende geregelt werden können, wie eingangs erwähnt. Bauarttypisch sitzen die metallbeknopften Potis samt Buchse auf einer verchromten Control-Plate. Ein Blick darunter zeigt Minipotis und eine einfache Buchse, saubere Lötstellen und wie fast immer etwas lange Kabelwege.
Praxistest und Resümee auf Seite 2 …
(Bild: Dieter Stork)
DER LIEFERT
An den konventionellen Pins wird der Gurt befestigt. Dabei macht sich ein beherrschbarer Drang in die Waagerechte sowie ein angenehmes Gewicht von knapp vier Kilo bemerkbar. Die Bespielbarkeit ist schon nicht übel, der Bass kam mit etwas größerer Halskrümmung aus dem Gigbag. Bei der aktuellen Witterung nicht ungewöhnlich, und gar kein Problem. Das Werkzeug liegt bei, und der Halsstab ist korpusseitig über eine Ausfräsung im Body und einen Ausschnitt im Schlagbrett zugänglich. Da bekommt der Ton gleich noch etwas mehr Snap, und der Bass kann die Vorteile seiner sauberen Bundierung ausspielen. Am Sattel hat der MBJ420 mit exakt 38 mm klassische Jazz-Bass-Maße. Das Standard-C-Profil liegt satt und mit Substanz in der Hand, ohne zu fett zu werden. Der geröstete Hals hat nur einen hauchdünnen Mattlack abbekommen und fasst sich einfach fantastisch an. Warm und holzig, dabei extrem schnell.
Ganz so zackig ist der Ton in der Ansprache nicht, er liegt im normalen Bereich, kommt aber schön gleichmäßig. Dead Spots sind nicht auszumachen. Mir sind sie bei Testbässen schon seit längerem immer seltener untergekommen. Was habe ich mich früher mit meinem Ibanez herumgequält! Der hatte neben dem D im 7. Bund auf der G-Saite auch noch einen ziemlich toten Punkt auf dem 5. Bund der E-Saite. Was habe ich versucht, da drum herum zu spielen! Ob es wie hier das Rösten ist, eine allgemein bessere Holzauswahl oder sonstige Tricks wie Graphitstäbe im Hals – ich weiß es nicht. Jedenfalls erfreulich!
Mit allen Reglern voll aufgedreht geht es an den Amp und ein typischer Jazz-Bass-Ton macht sich breit. Leichte Auslöschungen in den Mitten, aber ausreichend Knurr im Ton, ein eher weicher Bassbereich und gute Höhen – ein universell einsetzbarer Sound, egal, ob mit Fingern, Plek oder geslappt. Auch sonst verhält sich der Mooer wie erwartet: Solo sind die Tonabnehmer als echte Single-Coils im normalen Rahmen empfänglich für Einstreuungen. Der Halspickup gibt sich kehlig mit leichten P-Bass-Anflügen, der Kollege am Steg gibt einen guten, mittigen Jaco, vor allem bei entsprechender Spielweise und beherztem Einsatz der gut arbeitenden Tonblende.
Die Lautstärke der beiden Pickups ist dabei gut ausgewogen, die Pickup-Höhe ist gut eingestellt und dank strammer Federung auch stabil – gutes Detail! Bei alledem will ich auch nicht verschweigen, dass ich fast ständig das Gefühl hatte, die Pickups würden im Vergleich zum trockenen Ton flacher klingen und etwas Lebendigkeit unterschlagen. Es ist nicht so schlimm, dass ich empfehlen würde, direkt beim Kauf ein neues Set Pickups einzuplanen. Zumal sich der Bass in der Band so schön einfügte, wie ich es von einem Jazz-Bass-Derivat erwarte. Aber doch so, dass ich denke, der Mooer hat noch mehr Potenzial. Eine gute Mod-Basis ist er allemal.
RESÜMEE
Was ich bis jetzt noch gar nicht angesprochen habe: Wie geht das?! Alle, denen ich den Mooer MBJ420 gezeigt habe, haben ihn preislich höher eingeschätzt, meistens auf das Doppelte der knapp 300 Euro, die er tatsächlich kostet. Schicke Optik, saubere Verarbeitung, der geröstete Hals, gute Bespielbarkeit und gute Sounds – auch bei näherer Betrachtung bietet der Bass mehr, als das relativ kleine Preisschild erwarten ließe, zumal auch noch ein gutes, schniekes Gigbag dazugehört. Dass sich mit einem Set guter Tonabnehmer noch mehr rausholen ließe, sehe ich als gute Option, nicht als Pflichtprogramm. Selbst wenn man noch einmal 100 bis 200 Euro dazurechnen würde, hätte der Bass immer noch ein richtig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Klare Antestempfehlung!
Plus
- Sounds
- Bespielbarkeit
- Optik
- transparentes Schlagbrett
- Verarbeitung
- Gigbag
- Preis-Leistungs-Verhältnis

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)