Wie geht das?!
Analogbass: Mooer MBJ420 im Test
von Jogi Sweers, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
DER LIEFERT
An den konventionellen Pins wird der Gurt befestigt. Dabei macht sich ein beherrschbarer Drang in die Waagerechte sowie ein angenehmes Gewicht von knapp vier Kilo bemerkbar. Die Bespielbarkeit ist schon nicht übel, der Bass kam mit etwas größerer Halskrümmung aus dem Gigbag. Bei der aktuellen Witterung nicht ungewöhnlich, und gar kein Problem. Das Werkzeug liegt bei, und der Halsstab ist korpusseitig über eine Ausfräsung im Body und einen Ausschnitt im Schlagbrett zugänglich. Da bekommt der Ton gleich noch etwas mehr Snap, und der Bass kann die Vorteile seiner sauberen Bundierung ausspielen. Am Sattel hat der MBJ420 mit exakt 38 mm klassische Jazz-Bass-Maße. Das Standard-C-Profil liegt satt und mit Substanz in der Hand, ohne zu fett zu werden. Der geröstete Hals hat nur einen hauchdünnen Mattlack abbekommen und fasst sich einfach fantastisch an. Warm und holzig, dabei extrem schnell.
Ganz so zackig ist der Ton in der Ansprache nicht, er liegt im normalen Bereich, kommt aber schön gleichmäßig. Dead Spots sind nicht auszumachen. Mir sind sie bei Testbässen schon seit längerem immer seltener untergekommen. Was habe ich mich früher mit meinem Ibanez herumgequält! Der hatte neben dem D im 7. Bund auf der G-Saite auch noch einen ziemlich toten Punkt auf dem 5. Bund der E-Saite. Was habe ich versucht, da drum herum zu spielen! Ob es wie hier das Rösten ist, eine allgemein bessere Holzauswahl oder sonstige Tricks wie Graphitstäbe im Hals – ich weiß es nicht. Jedenfalls erfreulich!
Mit allen Reglern voll aufgedreht geht es an den Amp und ein typischer Jazz-Bass-Ton macht sich breit. Leichte Auslöschungen in den Mitten, aber ausreichend Knurr im Ton, ein eher weicher Bassbereich und gute Höhen – ein universell einsetzbarer Sound, egal, ob mit Fingern, Plek oder geslappt. Auch sonst verhält sich der Mooer wie erwartet: Solo sind die Tonabnehmer als echte Single-Coils im normalen Rahmen empfänglich für Einstreuungen. Der Halspickup gibt sich kehlig mit leichten P-Bass-Anflügen, der Kollege am Steg gibt einen guten, mittigen Jaco, vor allem bei entsprechender Spielweise und beherztem Einsatz der gut arbeitenden Tonblende.
Die Lautstärke der beiden Pickups ist dabei gut ausgewogen, die Pickup-Höhe ist gut eingestellt und dank strammer Federung auch stabil – gutes Detail! Bei alledem will ich auch nicht verschweigen, dass ich fast ständig das Gefühl hatte, die Pickups würden im Vergleich zum trockenen Ton flacher klingen und etwas Lebendigkeit unterschlagen. Es ist nicht so schlimm, dass ich empfehlen würde, direkt beim Kauf ein neues Set Pickups einzuplanen. Zumal sich der Bass in der Band so schön einfügte, wie ich es von einem Jazz-Bass-Derivat erwarte. Aber doch so, dass ich denke, der Mooer hat noch mehr Potenzial. Eine gute Mod-Basis ist er allemal.
RESÜMEE
Was ich bis jetzt noch gar nicht angesprochen habe: Wie geht das?! Alle, denen ich den Mooer MBJ420 gezeigt habe, haben ihn preislich höher eingeschätzt, meistens auf das Doppelte der knapp 300 Euro, die er tatsächlich kostet. Schicke Optik, saubere Verarbeitung, der geröstete Hals, gute Bespielbarkeit und gute Sounds – auch bei näherer Betrachtung bietet der Bass mehr, als das relativ kleine Preisschild erwarten ließe, zumal auch noch ein gutes, schniekes Gigbag dazugehört. Dass sich mit einem Set guter Tonabnehmer noch mehr rausholen ließe, sehe ich als gute Option, nicht als Pflichtprogramm. Selbst wenn man noch einmal 100 bis 200 Euro dazurechnen würde, hätte der Bass immer noch ein richtig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Klare Antestempfehlung!
Plus
- Sounds
- Bespielbarkeit
- Optik
- transparentes Schlagbrett
- Verarbeitung
- Gigbag
- Preis-Leistungs-Verhältnis

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)
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